Jörg Achilles will als Bürgermeisterkandidat für neue Strukturen in Porta sorgen Thomas Lieske Porta Westfalica-Lerbeck. Als Jörg Achilles 1995 von der freien Wirtschaft in die Kommunalverwaltung wechselte, dachte er: „Um Gottes Willen, wo bin ich hier gelandet?" Jetzt, 25 Jahre später, ist der Diplom-Bauingenieur aus Lerbeck überzeugt: „In der Kommunalverwaltung kann man etwas reißen." Als SPD-Mitglied des Portaner Stadtrates war er bisher nur Kontrolleur dessen, was die Verwaltung macht. Jetzt möchte er gern selbst Verantwortung in der Verwaltung übernehmen und tritt am 13. September als Bürgermeisterkandidat der SPD zur Wahl an. Das hat der 56-Jährige vor sechs Jahren schon einmal versucht, dann aber zurückgezogen. Damals aus unvorhergesehenen familiären Gründen. Heute gestalte sich das leichter, sagt Achilles. Die Kinder, eine Tochter und ein Sohn, sind im Studium. Von seiner Frau Corinna, mit der er seit 27 Jahren verheiratet ist, „bekomme ich vollen Rückhalt". Den braucht er auch. Denn durch seine Arbeit als Rechnungsprüfer des Kreises Herford für die Stadt Löhne und den durch Corona erschwerten Wahlkampf beginnen die Arbeitstage derzeit um 6.30 Uhr und enden nicht selten erst nach 23 Uhr. Ein Kraftakt, den Achilles auch bereit wäre, bei Bedarf in das Amt des Bürgermeisters zu übertragen. Einen klassischen Verwaltungsjob kann er sich auch nach 25 Jahren öffentlichem Dienst nicht vorstellen. Er sieht sich als Macher, als denjenigen, der Dinge „unkompliziert anpackt. So habe ich es in der freien Wirtschaft gelernt. Dafür gibt es Spielräume in der Verwaltung", weiß der Lerbecker. „Wenn es um Fördergelder ging, habe ich in der Vergangenheit auch schon mal bis Mitternacht im Rathaus Löhne gesessen, damit der Antrag noch fristgerecht rausgeht", erzählt Achilles, der sich als „Portaner durch und durch" bezeichnet. Ohnehin wolle er gern „viele Strukturen verändern". Das kennt er bereits aus seiner Arbeit in Löhne. Achilles hat mehrere Fachabteilungen umstrukturiert, dazu gehören unter anderem der Bauhof, die Gründung der Stadtwerke und einer eigenen städtischen Wohnungsbaugesellschaft mit über 500 Wohnungen im Anfangsbestand. „Das möchte ich, sollte ich ins Amt kommen, auch sofort für Porta anpacken." So solle bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum entstehen. Ganz oben auf seiner Liste stehe auch eine bürgerfreundliche Verwaltung. Die jetzige Struktur gefalle ihm nicht so richtig. „Es soll eine verlässliche Bürgersprechstunde pro Woche geben, die nicht nur im Rathaus, sondern auch in den Ortsteilen stattfinden soll." Die Ortsteile habe er auch für ein anderes Thema im Blick: „Wir müssen als Stadt dafür sorgen, dass jeder Stadtteil über den Öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen ist." Heißt: Busanbindungen ausbauen – „das kostet Geld, und wir müssen schauen, wie sich das umsetzen lässt". Auch das wolle er direkt anpacken. Perspektivisch schaut Achilles auf weitere Schulsanierungen – in der Vergangenheit ein umstrittenes und emotional diskutiertes Thema, das sogar einen Bürgerentscheid hervorrief und für SPD und Grüne nicht unbedingt glücklich verlief. Neben den Grundschulen geht es dem Bürgermeisterkandidaten aber auch um die weiterführenden Schulen. „Auch da ist großer Sanierungsbedarf." Es sind typisch soziale Themen, die auf Achilles' Agenda stehen – klar, er ist immerhin Kandidat für die SPD. Doch wie ist das, wenn er im Amt wäre? Welche Rolle spielt dann noch seine Partei, in die er 1988 über den Ortsverein Namen/Kleinenbremen/Wülpke eintrat? „Natürlich bin ich weiter in der SPD. Aber ich will ein Bürgermeister für alle sein. Die Ratsstruktur wird sich wahrscheinlich verändern. Da muss man stärker um Mehrheiten kämpfen", ist er überzeugt. Das emotionalste Thema derzeit? „Für mich als Lerbecker ganz klar Grohe und der geplante Neubau des Logistikzentrums." Das zerreiße ihn innerlich. Auf der einen Seite versteht er die Bedenken aller Anwohner gegen den Lkw-Verkehr und die riesigen hallen mitten im Ort. Zum anderen wolle er mit seinen Entscheidungen dafür sorgen, dass in der jetzigen schwierigen zeit „jeder mögliche Arbeitsplatz gesichert und geschaffen" werde. Das werde im Rat noch für viele Diskussionen sorgen, ist er sich sicher. Apropos Rat: Jörg Achilles wünscht sich, dass die ehrenamtlichen Politiker künftig detaillierter ausgearbeitete Vorschläge zu den Tagesordnungspunkten aus der Verwaltung bekommen. „Die Verwaltung arbeitet dafür mit Bezahlung, die Politiker machen das ehrenamtlich." Das könnte das Pensum in einigen Bereichen straffen. Deshalb kommt für den Bürgermeisterkandidaten auch keine weitere Verschlankung der Verwaltung in Frage. „Wir müssen schauen, dass wir die sich abzeichnende Altersstruktur mit Nachwuchs auffangen. Die Verwaltung muss verjüngt werden." Achilles' Sicht auf die Arbeit und die Strukturen der Verwaltung dürfte intern nicht unumstritten sein. Dessen ist sich der Lerbecker bewusst. „Wir müssen immer einen Kompromiss finden. Das ist viel Arbeit."

Jörg Achilles will als Bürgermeisterkandidat für neue Strukturen in Porta sorgen

Jörg Achilles tritt für die SPD als Bürgermeisterkandidat an. Als Lerbecker empfindet er die Diskussion rund um den geplanten Grohe-Neubau als besonders emotional. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica-Lerbeck. Als Jörg Achilles 1995 von der freien Wirtschaft in die Kommunalverwaltung wechselte, dachte er: „Um Gottes Willen, wo bin ich hier gelandet?" Jetzt, 25 Jahre später, ist der Diplom-Bauingenieur aus Lerbeck überzeugt: „In der Kommunalverwaltung kann man etwas reißen." Als SPD-Mitglied des Portaner Stadtrates war er bisher nur Kontrolleur dessen, was die Verwaltung macht. Jetzt möchte er gern selbst Verantwortung in der Verwaltung übernehmen und tritt am 13. September als Bürgermeisterkandidat der SPD zur Wahl an.

Das hat der 56-Jährige vor sechs Jahren schon einmal versucht, dann aber zurückgezogen. Damals aus unvorhergesehenen familiären Gründen. Heute gestalte sich das leichter, sagt Achilles. Die Kinder, eine Tochter und ein Sohn, sind im Studium. Von seiner Frau Corinna, mit der er seit 27 Jahren verheiratet ist, „bekomme ich vollen Rückhalt". Den braucht er auch. Denn durch seine Arbeit als Rechnungsprüfer des Kreises Herford für die Stadt Löhne und den durch Corona erschwerten Wahlkampf beginnen die Arbeitstage derzeit um 6.30 Uhr und enden nicht selten erst nach 23 Uhr.

Ein Kraftakt, den Achilles auch bereit wäre, bei Bedarf in das Amt des Bürgermeisters zu übertragen. Einen klassischen Verwaltungsjob kann er sich auch nach 25 Jahren öffentlichem Dienst nicht vorstellen. Er sieht sich als Macher, als denjenigen, der Dinge „unkompliziert anpackt. So habe ich es in der freien Wirtschaft gelernt. Dafür gibt es Spielräume in der Verwaltung", weiß der Lerbecker. „Wenn es um Fördergelder ging, habe ich in der Vergangenheit auch schon mal bis Mitternacht im Rathaus Löhne gesessen, damit der Antrag noch fristgerecht rausgeht", erzählt Achilles, der sich als „Portaner durch und durch" bezeichnet.

Ohnehin wolle er gern „viele Strukturen verändern". Das kennt er bereits aus seiner Arbeit in Löhne. Achilles hat mehrere Fachabteilungen umstrukturiert, dazu gehören unter anderem der Bauhof, die Gründung der Stadtwerke und einer eigenen städtischen Wohnungsbaugesellschaft mit über 500 Wohnungen im Anfangsbestand. „Das möchte ich, sollte ich ins Amt kommen, auch sofort für Porta anpacken." So solle bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum entstehen. Ganz oben auf seiner Liste stehe auch eine bürgerfreundliche Verwaltung. Die jetzige Struktur gefalle ihm nicht so richtig. „Es soll eine verlässliche Bürgersprechstunde pro Woche geben, die nicht nur im Rathaus, sondern auch in den Ortsteilen stattfinden soll."

Die Ortsteile habe er auch für ein anderes Thema im Blick: „Wir müssen als Stadt dafür sorgen, dass jeder Stadtteil über den Öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen ist." Heißt: Busanbindungen ausbauen – „das kostet Geld, und wir müssen schauen, wie sich das umsetzen lässt". Auch das wolle er direkt anpacken.

Perspektivisch schaut Achilles auf weitere Schulsanierungen – in der Vergangenheit ein umstrittenes und emotional diskutiertes Thema, das sogar einen Bürgerentscheid hervorrief und für SPD und Grüne nicht unbedingt glücklich verlief. Neben den Grundschulen geht es dem Bürgermeisterkandidaten aber auch um die weiterführenden Schulen. „Auch da ist großer Sanierungsbedarf." Es sind typisch soziale Themen, die auf Achilles' Agenda stehen – klar, er ist immerhin Kandidat für die SPD. Doch wie ist das, wenn er im Amt wäre? Welche Rolle spielt dann noch seine Partei, in die er 1988 über den Ortsverein Namen/Kleinenbremen/Wülpke eintrat? „Natürlich bin ich weiter in der SPD. Aber ich will ein Bürgermeister für alle sein. Die Ratsstruktur wird sich wahrscheinlich verändern. Da muss man stärker um Mehrheiten kämpfen", ist er überzeugt.

Das emotionalste Thema derzeit? „Für mich als Lerbecker ganz klar Grohe und der geplante Neubau des Logistikzentrums." Das zerreiße ihn innerlich. Auf der einen Seite versteht er die Bedenken aller Anwohner gegen den Lkw-Verkehr und die riesigen hallen mitten im Ort. Zum anderen wolle er mit seinen Entscheidungen dafür sorgen, dass in der jetzigen schwierigen zeit „jeder mögliche Arbeitsplatz gesichert und geschaffen" werde. Das werde im Rat noch für viele Diskussionen sorgen, ist er sich sicher.

Apropos Rat: Jörg Achilles wünscht sich, dass die ehrenamtlichen Politiker künftig detaillierter ausgearbeitete Vorschläge zu den Tagesordnungspunkten aus der Verwaltung bekommen. „Die Verwaltung arbeitet dafür mit Bezahlung, die Politiker machen das ehrenamtlich." Das könnte das Pensum in einigen Bereichen straffen. Deshalb kommt für den Bürgermeisterkandidaten auch keine weitere Verschlankung der Verwaltung in Frage. „Wir müssen schauen, dass wir die sich abzeichnende Altersstruktur mit Nachwuchs auffangen. Die Verwaltung muss verjüngt werden." Achilles' Sicht auf die Arbeit und die Strukturen der Verwaltung dürfte intern nicht unumstritten sein. Dessen ist sich der Lerbecker bewusst. „Wir müssen immer einen Kompromiss finden. Das ist viel Arbeit."

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