Update: Ist das ein Wolf? - Portaner Imker filmt Tier mit Drohne - Wolfsberater wird den Fall prüfen Nadine Schwan Porta Westfalica-Möllbergen. Die Videoaufnahmen sind beeindruckend: Ein Wolf streift durch die Felder in Möllbergen, hält an, streckt seine Schnauze in die Luft und schnuppert, dann läuft das Tier weiter, schaut sich um, läuft wieder los. Aber ist das wirklich ein Wolf oder doch nur ein Hund? Eine Antwort auf die Frage hat Niko Schoel noch nicht, aber sehr wahrscheinlich bald. Der 25-jähriger Imker aus Möllbergen hat die Videos von dem vermuteten Wolf am Freitagabend in der Dämmerung mit seiner Drohne gemacht und auf seinem Instagram-Account veröffentlicht. Eigentlich wollte er Aufnahmen für seine Bienen-Dokumentation machen als er plötzlich das Tier in den Feldern entdeckte. „Ich bin rumgeflogen, das war so gegen 20.30 Uhr, und habe da diesen Hund gesehen. Erst dachte ich, dass es der Husky von den Nachbarn ist, aber irgendwie war er zotteliger und sah ungepflegter aus", sagt Schoel. Er flog dem Tier hinterher und beobachtete ihn aus der Luft. „Er war sehr nach an den Häusern, etwa 100 Meter entfernt. Alle Hunde in der Nachbarschaft haben dann plötzlich gebellt, da wurde er schreckhaft", sagt der 25-Jährige. Mehr als zehn Minuten war der vermutete Wolf auf den Feldern unterwegs und ist dann irgendwann in Richtung der ehemaligen Gaststätte „Zum Blauen Bock" geflüchtet, berichtet Schoel. Ab da habe er das Tier nicht mehr gesehen. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram anEin Beitrag geteilt von Niko Schoel🍯🐝 (@meine.kleine.imkerei) Schoel vermutet, dass es ein junger Wolf gewesen sein könnte, sicher ist er aber nicht. Gleich am Samstag hat er seine Sichtung dem Landesumweltamt (Lanuv) gemeldet, das in solchen Fällen prüft, ob es wirklich ein Wolf war – oder nur ein wolfsähnlicher Hund. Wer ein Tier gesehen hat, sollte es dem Lanuv melden. Für NRW gehen etwa zwei Meldungen pro Woche ein. Erhärtet sich ein Verdacht, werden vor Ort DNA-Proben genommen, um die Vermutung zu überprüfen und auch, um Informationen über die Population zu sammeln. Weil die Videoaufnahmen von Niko Schoel so gut aufgelöst und gestochen scharf sind, hat das Lanuv am Samstag bereits wenige Stunden nach der Meldung Kontakt zu Wolfsberater Dr. Walter Jäcker aus Bad Oeynhausen aufgenommen. Er ist eigentlich Rechtsanwalt, aber auch großer Natur-und Tierfreund und ehrenamtlicher Wolfsberater. „Die Wolfsberater in NRW sind quasi der verlängerte Arm des Lanuv – das heißt, wir sichern Spuren und dokumentieren das Umfeld einer Wolfssichtung", sagt er. Losgeschickt werden die Wolfsberater allerdings nur, wenn Experten vom Lanuv entscheiden, den Fall zu prüfen. Ein Glücksfall ist es laut Jäcker, wenn vor Ort Haare zu finden sind, die dann genetisch untersucht werden können. Gibt es DNA könne ermittelt werden, aus welchem Rudel das Tier stammt – wenn es denn ein Wolf ist. Jäcker ist mit solchen Spekulationen nämlich vorsichtig. Denn das Thema Wolf polarisiert. Ihm ist wichtig den Bürgern Ängste zu nehmen, sie aber auch ernst zu nehmen. Wegen einer mutmaßlichen Wolfssichtung solle sich keiner verrückt machen und wild spekulieren. Erst wenn sein gesammeltes Material wie beim Lanuv untersucht wurde, können man mit Gewissheit sagen, ob es wirklich ein Wolf war. Wolfsichtungen gibt es im Kreis Minden-Lübbecke immer wieder mal. Sesshaft ist hier aber keiner, sagt Jäcker. „Die Wölfe brauchen große Gebiete, wo wenig Verkehr ist, durch den Kreis ziehen sie nur gelegentlich mal durch." Außerdem wandern die Tiere unglaublich weit und durchqueren ganz Deutschland. Zuletzt gab es im Februar 2020 einen Verdachtsfall in Petershagen-Ilse, der sich wenig später erhärtete. Sichtungen, die nicht verifiziert werden konnten, habe es aber auch in der Zwischenzeit bereits gegeben, bestätigt Jäcker.Nach der möglichen Wolfssichtung hat sich MT-Leserin Sandra Kretzschmar aus Vlotho-Uffeln gemeldet. Sie hat der Redaktion zwei Fotos von den Überresten eines Rehs geschickt und vermutet, dass der Wolf das Tier gerissen haben könnte. Gefunden hat sie die Überreste am 19. April beim Spazieren in der Nähe des Waldgebiets zwischen Uffeln und Holtrup. Überreste von toten Tieren seien allerdings noch kein Beweis, erklärt Jäcker. Auch andere Wildtiere, wie der Fuchs oder wildernde Hunde könnten einen Rehkadaver angefressen haben. Um zu beweisen, dass der Wolf das Reh gerissen hat, müsste man den Kadaver untersuchen, so der Wolfsberater. Niko Schoel ist jedenfalls gespannt, ob er wirklich einen Wolf aus der Luft gefilmt hat und hofft, dass er das Tier mit seiner Drohne nicht gestört hat. „Ich dachte ja erst, es wäre der Husky." Ob es nun doch ein Wolf war, wird sich zeigen in etwa zwei Wochen zeigen, denn er und Jäcker waren am Sonntag bereits auf Spurensuche in Möllbergen. Informationen über aktuelle Sichtungen gibt es außerdem auf www.wolf.nrw.de. Neue Wolfsnachweise wurden zuletzt im April im Oberbergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis gemeldet. Hintergrund Fast 100 Jahre war der Wolf aus Deutschland so gut wie verschwunden, erklärt das Landesumweltamt. Seit rund 20 Jahren breitet er sich wieder in Deutschland aus – ohne menschliches Zutun. Wölfe sind scheu. Wenn Spaziergänger sie sehen und Angst bekommen, sollten sie sich bemerkbar machen, raten Experten. Dann verschwänden die Tiere. Laut LANUV besteht kein Handlungsbedarf, wenn ein Wolf in Sichtweite von Ortschaften oder Einzelgehöften oder bei Nacht an Ortschaften vorbeiläuft. Dies gelte auch für Wölfe, die nicht sofort beim Anblick von Menschen und Autos flüchten, sondern stehen bleiben und beobachten. "Jungwölfe können durch ihre Unerfahrenheit und Neugierde bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe", erklärt das LANUV. "Insofern handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen nicht um ein problematisches oder gar gefährliches Verhalten." www.wolf.nrw.de Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram anEin Beitrag geteilt von Niko Schoel🍯🐝 (@meine.kleine.imkerei)

Update: Ist das ein Wolf? - Portaner Imker filmt Tier mit Drohne - Wolfsberater wird den Fall prüfen

© Screenshot: Video Nico Schoel

Porta Westfalica-Möllbergen. Die Videoaufnahmen sind beeindruckend: Ein Wolf streift durch die Felder in Möllbergen, hält an, streckt seine Schnauze in die Luft und schnuppert, dann läuft das Tier weiter, schaut sich um, läuft wieder los. Aber ist das wirklich ein Wolf oder doch nur ein Hund? Eine Antwort auf die Frage hat Niko Schoel noch nicht, aber sehr wahrscheinlich bald.

Der 25-jähriger Imker aus Möllbergen hat die Videos von dem vermuteten Wolf am Freitagabend in der Dämmerung mit seiner Drohne gemacht und auf seinem Instagram-Account veröffentlicht. Eigentlich wollte er Aufnahmen für seine Bienen-Dokumentation machen als er plötzlich das Tier in den Feldern entdeckte.

„Ich bin rumgeflogen, das war so gegen 20.30 Uhr, und habe da diesen Hund gesehen. Erst dachte ich, dass es der Husky von den Nachbarn ist, aber irgendwie war er zotteliger und sah ungepflegter aus", sagt Schoel. Er flog dem Tier hinterher und beobachtete ihn aus der Luft. „Er war sehr nach an den Häusern, etwa 100 Meter entfernt. Alle Hunde in der Nachbarschaft haben dann plötzlich gebellt, da wurde er schreckhaft", sagt der 25-Jährige. Mehr als zehn Minuten war der vermutete Wolf auf den Feldern unterwegs und ist dann irgendwann in Richtung der ehemaligen Gaststätte „Zum Blauen Bock" geflüchtet, berichtet Schoel. Ab da habe er das Tier nicht mehr gesehen.


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Schoel vermutet, dass es ein junger Wolf gewesen sein könnte, sicher ist er aber nicht. Gleich am Samstag hat er seine Sichtung dem Landesumweltamt (Lanuv) gemeldet, das in solchen Fällen prüft, ob es wirklich ein Wolf war – oder nur ein wolfsähnlicher Hund.

Wer ein Tier gesehen hat, sollte es dem Lanuv melden. Für NRW gehen etwa zwei Meldungen pro Woche ein. Erhärtet sich ein Verdacht, werden vor Ort DNA-Proben genommen, um die Vermutung zu überprüfen und auch, um Informationen über die Population zu sammeln.

Auf Instagram hat Imker Nico Schoel seine Drohenaufnahmen von dem vermuteten Wolf hochgeladen. - © Screenshot: MT
Auf Instagram hat Imker Nico Schoel seine Drohenaufnahmen von dem vermuteten Wolf hochgeladen. - © Screenshot: MT

Weil die Videoaufnahmen von Niko Schoel so gut aufgelöst und gestochen scharf sind, hat das Lanuv am Samstag bereits wenige Stunden nach der Meldung Kontakt zu Wolfsberater Dr. Walter Jäcker aus Bad Oeynhausen aufgenommen. Er ist eigentlich Rechtsanwalt, aber auch großer Natur-und Tierfreund und ehrenamtlicher Wolfsberater. „Die Wolfsberater in NRW sind quasi der verlängerte Arm des Lanuv – das heißt, wir sichern Spuren und dokumentieren das Umfeld einer Wolfssichtung", sagt er. Losgeschickt werden die Wolfsberater allerdings nur, wenn Experten vom Lanuv entscheiden, den Fall zu prüfen.

Hat dieses Reh der mutmaßliche Wolf gerissen? Die Überreste fand MT-Leserin Sandra Kretzschmar in der Nähe von Holtrup. - © Leserfoto: Sandra Kretzschmar
Hat dieses Reh der mutmaßliche Wolf gerissen? Die Überreste fand MT-Leserin Sandra Kretzschmar in der Nähe von Holtrup. - © Leserfoto: Sandra Kretzschmar

Ein Glücksfall ist es laut Jäcker, wenn vor Ort Haare zu finden sind, die dann genetisch untersucht werden können. Gibt es DNA könne ermittelt werden, aus welchem Rudel das Tier stammt – wenn es denn ein Wolf ist. Jäcker ist mit solchen Spekulationen nämlich vorsichtig. Denn das Thema Wolf polarisiert. Ihm ist wichtig den Bürgern Ängste zu nehmen, sie aber auch ernst zu nehmen. Wegen einer mutmaßlichen Wolfssichtung solle sich keiner verrückt machen und wild spekulieren. Erst wenn sein gesammeltes Material wie beim Lanuv untersucht wurde, können man mit Gewissheit sagen, ob es wirklich ein Wolf war.

- © Screenshot: Video Nico Schoel
© Screenshot: Video Nico Schoel

Wolfsichtungen gibt es im Kreis Minden-Lübbecke immer wieder mal. Sesshaft ist hier aber keiner, sagt Jäcker. „Die Wölfe brauchen große Gebiete, wo wenig Verkehr ist, durch den Kreis ziehen sie nur gelegentlich mal durch." Außerdem wandern die Tiere unglaublich weit und durchqueren ganz Deutschland.

- © Screenshot: Video Nico Schoel
© Screenshot: Video Nico Schoel

Zuletzt gab es im Februar 2020 einen Verdachtsfall in Petershagen-Ilse, der sich wenig später erhärtete. Sichtungen, die nicht verifiziert werden konnten, habe es aber auch in der Zwischenzeit bereits gegeben, bestätigt Jäcker.
Nach der möglichen Wolfssichtung hat sich MT-Leserin Sandra Kretzschmar aus Vlotho-Uffeln gemeldet. Sie hat der Redaktion zwei Fotos von den Überresten eines Rehs geschickt und vermutet, dass der Wolf das Tier gerissen haben könnte. Gefunden hat sie die Überreste am 19. April beim Spazieren in der Nähe des Waldgebiets zwischen Uffeln und Holtrup.

Überreste von toten Tieren seien allerdings noch kein Beweis, erklärt Jäcker. Auch andere Wildtiere, wie der Fuchs oder wildernde Hunde könnten einen Rehkadaver angefressen haben. Um zu beweisen, dass der Wolf das Reh gerissen hat, müsste man den Kadaver untersuchen, so der Wolfsberater.

Niko Schoel ist jedenfalls gespannt, ob er wirklich einen Wolf aus der Luft gefilmt hat und hofft, dass er das Tier mit seiner Drohne nicht gestört hat. „Ich dachte ja erst, es wäre der Husky." Ob es nun doch ein Wolf war, wird sich zeigen in etwa zwei Wochen zeigen, denn er und Jäcker waren am Sonntag bereits auf Spurensuche in Möllbergen.

Informationen über aktuelle Sichtungen gibt es außerdem auf www.wolf.nrw.de. Neue Wolfsnachweise wurden zuletzt im April im Oberbergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis gemeldet.

Hintergrund

Fast 100 Jahre war der Wolf aus Deutschland so gut wie verschwunden, erklärt das Landesumweltamt. Seit rund 20 Jahren breitet er sich wieder in Deutschland aus – ohne menschliches Zutun. Wölfe sind scheu. Wenn Spaziergänger sie sehen und Angst bekommen, sollten sie sich bemerkbar machen, raten Experten. Dann verschwänden die Tiere. Laut LANUV besteht kein Handlungsbedarf, wenn ein Wolf in Sichtweite von Ortschaften oder Einzelgehöften oder bei Nacht an Ortschaften vorbeiläuft. Dies gelte auch für Wölfe, die nicht sofort beim Anblick von Menschen und Autos flüchten, sondern stehen bleiben und beobachten. "Jungwölfe können durch ihre Unerfahrenheit und Neugierde bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe", erklärt das LANUV. "Insofern handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen nicht um ein problematisches oder gar gefährliches Verhalten."

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