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Ist Graugans wichtiger als Gesundheit? Das fragt FDP-Politiker Roland Kwiedor nach dem Bau eines Mobilfunkmastes Porta Westfalica (mt/dh). Der FDP-Politiker Roland Kwiedor kritisiert die Errichtung eines Mobilfunkmastes im Eisberger Werder. Der Mast dürfte dort gar nicht stehen, wenn ein Grundsatzbeschluss des Rates aus dem Jahr 2005 eingehalten worden wäre. Wie Kwiedor in einer Pressemitteilung schreibt, sei damals auf seine Initiative hin ein Verfahren eingeführt worden, das den Aufbau des Mobilfunknetzes in geordneten Bahnen und gesundheitsverträglich gestalten soll. So sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, um in Absprache mit den Mobilfunkunternehmen Standorte festzulegen. Dabei stehe die Gesundheitsvorsorge im Vordergrund. Sendemasten sollten nicht in der Nähe von Kindergärten und Schulen sowie inmitten reiner Wohngebiete aufgestellt werden, der Abstand zur dichten Wohnbebauung solle zwischen 150 und 250 Meter betragen.Die Aussage der Stadt (MT-Artikel vom 6. Oktober), dass keine Gefahr von Strahlung ausgehe, sei falsch, schreibt Kwiedor. Er verweist auf eine Antwort des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages (Aktenz.: Pet 2-15-18-275-024112) vom 7. März 2006. Das Gremium stellt fest, dass die bisher vorliegenden Gutachten zu gesundheitlichen Auswirkungen einer innerhalb der bestehenden Grenzwerte zugelassenen Mobilfunkstrahlung widersprüchlich seien und noch keine gesicherte abschließende Aussage ermöglichten. Das gelte insbesondere für die athermische Wirkung hochfrequenter Strahlung beim Mobilfunk.Eine Gesundheitsgefährdung der Anwohner durch Mobilfunksendemasten könne daher nicht ausgeschlossen werden, meint Kwiedor. Sie sei durch Untersuchungen weder belastbar belegt noch widerlegt worden. "Deswegen müssen wir im Sinne der Anwohner die Gesundheitsvorsorge bei der Standortwahl berücksichtigen. Auch Messungen der Mobilfunkunternehmen helfen da nicht weiter, weil nur die thermische Strahlung gemessen wird, deren Grenzwerte zudem viel zu hoch sind."Kein Verständnis hat Kwiedor für die Wahl des jetzigen Standortes, der rund 100 Meter von der Wohnbebauung entfernt liegt. Ursprünglich habe das Unternehmen O2 einen Standort in mehr als doppelter Entfernung geplant, den auch die Arbeitsgruppe Mobilfunk und der Bezirksausschuss befürwortet hätten. Da dieser im Landschaftsschutzgebiet lag, war eine Befreiung vom Bauverbot durch den Kreis notwendig, die aber versagt wurde."Die Begründung dieser Ablehnung kann ich nicht nachvollziehen", schreibt Kwiedor. Der Kreis habe Bedenken gehabt, weil sich der Standort innerhalb der bislang von baulichen Anlagen freigehaltenen reizvollen Landschaft befinde. Daneben sei der Standort aus ornithologischer Sicht problematisch, da er im Bereich eines Ruhegebietes für Graugänse liege. Der Kreis habe daher vorgeschlagen, den Sendemast über 100 Meter näher zur Wohnbebauung zu installieren. Und obwohl der jetzige Standort immer noch im Landschaftsschutzgebiet liege, sei dafür eine Befreiung erteilt worden, beklagt Kwiedor. "Die Abwägung Graugans oder Gesundheitsvorsorge der Anwohner ist für mich nur schwer nachvollziehbar."Kwiedor kritisiert auch die Stadtverwaltung. Sie habe versäumt, die Arbeitsgruppe Mobilfunk von der Standortänderung zu informieren. "Wir hätten den Mast an dieser Stelle abgelehnt, in der Arbeitsgruppe wie auch im Bezirksausschuss. Gesundheitsvorsorge bei Mobilfunk kann nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten an die Vorgaben halten. Ich hoffe, dass in Zukunft so etwas nicht mehr passiert."

Ist Graugans wichtiger als Gesundheit?

Porta Westfalica (mt/dh). Der FDP-Politiker Roland Kwiedor kritisiert die Errichtung eines Mobilfunkmastes im Eisberger Werder. Der Mast dürfte dort gar nicht stehen, wenn ein Grundsatzbeschluss des Rates aus dem Jahr 2005 eingehalten worden wäre.

Sorgt für Kontroverse: der 20-Meter-Funkmast im Eisberger Werder. - © Foto: Werner Hoppe
Sorgt für Kontroverse: der 20-Meter-Funkmast im Eisberger Werder. - © Foto: Werner Hoppe

Wie Kwiedor in einer Pressemitteilung schreibt, sei damals auf seine Initiative hin ein Verfahren eingeführt worden, das den Aufbau des Mobilfunknetzes in geordneten Bahnen und gesundheitsverträglich gestalten soll. So sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, um in Absprache mit den Mobilfunkunternehmen Standorte festzulegen. Dabei stehe die Gesundheitsvorsorge im Vordergrund. Sendemasten sollten nicht in der Nähe von Kindergärten und Schulen sowie inmitten reiner Wohngebiete aufgestellt werden, der Abstand zur dichten Wohnbebauung solle zwischen 150 und 250 Meter betragen.

Die Aussage der Stadt (MT-Artikel vom 6. Oktober), dass keine Gefahr von Strahlung ausgehe, sei falsch, schreibt Kwiedor. Er verweist auf eine Antwort des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages (Aktenz.: Pet 2-15-18-275-024112) vom 7. März 2006. Das Gremium stellt fest, dass die bisher vorliegenden Gutachten zu gesundheitlichen Auswirkungen einer innerhalb der bestehenden Grenzwerte zugelassenen Mobilfunkstrahlung widersprüchlich seien und noch keine gesicherte abschließende Aussage ermöglichten. Das gelte insbesondere für die athermische Wirkung hochfrequenter Strahlung beim Mobilfunk.

Eine Gesundheitsgefährdung der Anwohner durch Mobilfunksendemasten könne daher nicht ausgeschlossen werden, meint Kwiedor. Sie sei durch Untersuchungen weder belastbar belegt noch widerlegt worden. "Deswegen müssen wir im Sinne der Anwohner die Gesundheitsvorsorge bei der Standortwahl berücksichtigen. Auch Messungen der Mobilfunkunternehmen helfen da nicht weiter, weil nur die thermische Strahlung gemessen wird, deren Grenzwerte zudem viel zu hoch sind."

Kein Verständnis hat Kwiedor für die Wahl des jetzigen Standortes, der rund 100 Meter von der Wohnbebauung entfernt liegt. Ursprünglich habe das Unternehmen O2 einen Standort in mehr als doppelter Entfernung geplant, den auch die Arbeitsgruppe Mobilfunk und der Bezirksausschuss befürwortet hätten. Da dieser im Landschaftsschutzgebiet lag, war eine Befreiung vom Bauverbot durch den Kreis notwendig, die aber versagt wurde.

"Die Begründung dieser Ablehnung kann ich nicht nachvollziehen", schreibt Kwiedor. Der Kreis habe Bedenken gehabt, weil sich der Standort innerhalb der bislang von baulichen Anlagen freigehaltenen reizvollen Landschaft befinde. Daneben sei der Standort aus ornithologischer Sicht problematisch, da er im Bereich eines Ruhegebietes für Graugänse liege. Der Kreis habe daher vorgeschlagen, den Sendemast über 100 Meter näher zur Wohnbebauung zu installieren. Und obwohl der jetzige Standort immer noch im Landschaftsschutzgebiet liege, sei dafür eine Befreiung erteilt worden, beklagt Kwiedor. "Die Abwägung Graugans oder Gesundheitsvorsorge der Anwohner ist für mich nur schwer nachvollziehbar."

Kwiedor kritisiert auch die Stadtverwaltung. Sie habe versäumt, die Arbeitsgruppe Mobilfunk von der Standortänderung zu informieren. "Wir hätten den Mast an dieser Stelle abgelehnt, in der Arbeitsgruppe wie auch im Bezirksausschuss. Gesundheitsvorsorge bei Mobilfunk kann nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten an die Vorgaben halten. Ich hoffe, dass in Zukunft so etwas nicht mehr passiert."

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