Im Wandel der Zeit: Was sich am Ausblick vom Fernsehturm in Porta verändert hat Hans-Martin Polte Porta Westfalica-Hausberge. Erfreuliche Aussichten: Wie vom Vorsitzenden des Bismarckbundes Hans Münstermann zu erfahren ist, wird die Aussichtsplattform auf dem Fernsehturm ab Samstag, 27. Juni, wieder für jedermann begehbar sein. Dann haben die Besucher nach langer coronabedingten Pause die Möglichkeit, den Ausblick ins Wesertal und in die norddeutsche Tiefebene zu genießen. Wer dann in Richtung Kaiser-Wilhelm-Denkmal blickt, hätte bis zum Jahre 2000 noch das alte „Hotel-Restaurant Bismarckburg“ sehen können, das am Fuß des Fernsehturms und früher der Bismarcksäule fast 100 Jahre lang zur Geschichte des Jakobsberges gehört hat. Viele Besucher des Fernsehturmgeländes werden sich an das unrühmliche Ende des Traditionshotels erinnern, als das Gebäude zwischen 2000 und 2013 immer mehr verfiel und zuletzt als Ruine einen unansehnlichen, verwahrlosten Eindruck hinterließ. Der letzte Besitzer des Hotels, Rolf Tewes, hatte nach dem Ende des Hotel- und Restaurantbetriebes im Jahre 2000 lange Zeit versucht, das Gebäude zu verkaufen. Erst im Jahre 2013 kam überraschende Hilfe, als der Kreis Minden-Lübbecke das Hotelgrundstück als Ausgleichsfläche für den Eingriff in die Natur durch den Bau des 200-Meter-Windrades am Sprengelweg bestimmte. Die Investoren des Windrades mussten die Ruine des Hotelgebäudes abreißen und das Grundstück so herrichten, dass es Waldfläche werden konnte. (Das MT berichtete mehrfach.) Heute sieht man eine Fläche, die der Natur weitgehend selbst überlassen ist. Allerdings wird sie begrenzt durch den Kammweg, der zur Porta-Kanzel führt, und zwei interessante größere Holzgeräte: eine Riesenwippe und eine übergroße Hollywoodschaukel. Beide Objekte sind 2019 im Zuge der Erstellung des Wald-Abenteuer-Pfades vom Verein Naturschutz und Heimatpflege beziehungsweise vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) aufgestellt worden und freuen sich großer Beliebtheit. Das ehemalige Hotel-Restaurant Bismarckburg auf dem Jakobsberg, das kurz nach dem Bau der Bismarcksäule im Jahr 1902 von Kaufmann Ernst Krüger aus Hausberge als kleine Gaststätte gebaut worden war, hat eine interessante und teilweise abenteuerliche Vergangenheit. Wenn man bedenkt, dass es erst ab 1934 eine Fahrstraße auf den Berg gab und das Haus erst 1957 an eine Wasserleitung angeschlossen wurde, kann man sich vorstellen, wie mühsam sich der Betrieb des Hotels gestaltete. Ab 1920 war Fleischermeister Otto Delwig, genannt Schulze-Altendorf, für dreieinhalb Jahrzehnte bis 1956 der Besitzer des Gasthauses „Bismarckburg“. Danach übernahmen die Töchter Schulze-Altendorfs und der Schwiegersohn Kurt Tewes das Gasthaus. Sie erweiterten in den Jahren 1959/60 das Haus zu dem Hotel-Restaurant Bismarckburg. Über die Schwierigkeiten für den Gastwirt Schulze-Altendorf vor dem Bau der Zufahrtsstraße und der Anlegung der Wasserleitung berichtet Adolf Breemeier, der die Ereignisse zu einem großen Teil selbst miterlebt hat, in seinem Buch „Hausberge an der Porta“ (1972). Über einen Weg, den schon Ernst Krüger vom Mindener Weg aus angelegt hatte, wurde über Jahrzehnte „alles, was die Gaststätte benötigte, mit einem einspännigen Wagen den Berg hinauf geschafft“. Mindestens genauso schwer war es, das Gebäude mit Trinkwasser zu versorgen. „Schulze-Altendorf holte es jahrelang mit seinem Eselgespann aus einer Quelle, die sich mehrere 100 Meter östlich des Bismarckturms am Nordabhang des Jakobsbergs befindet.“ Einen besonderen Besucheransturm erlebte das Gasthaus in den Jahren 1937 bis 1940, als es auf dem gegenüber liegenden Abhang in nördlicher Richtung eine viel besuchte Greifvogelwarte gab. Viele tausend Menschen pilgerten damals zu der „Adlerwarte Porta“ wie sie auch hieß, um die Flugvorführungen von vier Adlern und anderen Greifvögeln zu bewundern. Das Mindener Tageblatt berichtete damals: „Hier wollten sie das Schauspiel erleben, wie Melitta und Peter den stolzen Flug in des Himmels Blau unternahmen, um gehorsam zu ihrem Meister zurückzukehren.“ (MT vom 11.03.1938) Dieser „Meister“ war im Übrigen der Falkner Adolf Deppe, der später die noch heute existierende Adlerwarte Berlebeck gründete. Auch heute noch besteigen oder „erfahren“ tausende von Besuchern jährlich den Jakobsberg, der durch die beliebten Wanderwege, den schönen Wald, die weitreichende Aussicht besonders von der Plattform auf dem Fernsehturm und die Porta-Kanzel und den neuen Wald-Abenteuer-Pfad zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Region geworden ist. Die gastronomische Nachfolge der „Bismarckburg“ hat der Kiosk des Bismarckbundes übernommen – ab Samstag nach langer Corona-Pause wieder geöffnet.

Im Wandel der Zeit: Was sich am Ausblick vom Fernsehturm in Porta verändert hat

So sah der Blick viele Jahrzehnte auf das Hotel-Restaurant „Bismarckburg“ aus. Bis 2013 stand das Gebäude am Fuße des Fernsehturms. Dann wurde aus dem Ruinengelände eine Ausgleichsfläche. Repro: Archiv Bernd Möller

Porta Westfalica-Hausberge. Erfreuliche Aussichten: Wie vom Vorsitzenden des Bismarckbundes Hans Münstermann zu erfahren ist, wird die Aussichtsplattform auf dem Fernsehturm ab Samstag, 27. Juni, wieder für jedermann begehbar sein. Dann haben die Besucher nach langer coronabedingten Pause die Möglichkeit, den Ausblick ins Wesertal und in die norddeutsche Tiefebene zu genießen.

Wer dann in Richtung Kaiser-Wilhelm-Denkmal blickt, hätte bis zum Jahre 2000 noch das alte „Hotel-Restaurant Bismarckburg“ sehen können, das am Fuß des Fernsehturms und früher der Bismarcksäule fast 100 Jahre lang zur Geschichte des Jakobsberges gehört hat.

Viele Besucher des Fernsehturmgeländes werden sich an das unrühmliche Ende des Traditionshotels erinnern, als das Gebäude zwischen 2000 und 2013 immer mehr verfiel und zuletzt als Ruine einen unansehnlichen, verwahrlosten Eindruck hinterließ.

Heute blickt der Betrachter zum Beispiel von dieser Hollywoodschaukel aus Holz in die unberührte Natur. - © Foto: Hans-Martin Polte
Heute blickt der Betrachter zum Beispiel von dieser Hollywoodschaukel aus Holz in die unberührte Natur. - © Foto: Hans-Martin Polte

Der letzte Besitzer des Hotels, Rolf Tewes, hatte nach dem Ende des Hotel- und Restaurantbetriebes im Jahre 2000 lange Zeit versucht, das Gebäude zu verkaufen. Erst im Jahre 2013 kam überraschende Hilfe, als der Kreis Minden-Lübbecke das Hotelgrundstück als Ausgleichsfläche für den Eingriff in die Natur durch den Bau des 200-Meter-Windrades am Sprengelweg bestimmte. Die Investoren des Windrades mussten die Ruine des Hotelgebäudes abreißen und das Grundstück so herrichten, dass es Waldfläche werden konnte. (Das MT berichtete mehrfach.)

Heute sieht man eine Fläche, die der Natur weitgehend selbst überlassen ist. Allerdings wird sie begrenzt durch den Kammweg, der zur Porta-Kanzel führt, und zwei interessante größere Holzgeräte: eine Riesenwippe und eine übergroße Hollywoodschaukel. Beide Objekte sind 2019 im Zuge der Erstellung des Wald-Abenteuer-Pfades vom Verein Naturschutz und Heimatpflege beziehungsweise vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) aufgestellt worden und freuen sich großer Beliebtheit.

Das ehemalige Hotel-Restaurant Bismarckburg auf dem Jakobsberg, das kurz nach dem Bau der Bismarcksäule im Jahr 1902 von Kaufmann Ernst Krüger aus Hausberge als kleine Gaststätte gebaut worden war, hat eine interessante und teilweise abenteuerliche Vergangenheit. Wenn man bedenkt, dass es erst ab 1934 eine Fahrstraße auf den Berg gab und das Haus erst 1957 an eine Wasserleitung angeschlossen wurde, kann man sich vorstellen, wie mühsam sich der Betrieb des Hotels gestaltete.

Ab 1920 war Fleischermeister Otto Delwig, genannt Schulze-Altendorf, für dreieinhalb Jahrzehnte bis 1956 der Besitzer des Gasthauses „Bismarckburg“. Danach übernahmen die Töchter Schulze-Altendorfs und der Schwiegersohn Kurt Tewes das Gasthaus. Sie erweiterten in den Jahren 1959/60 das Haus zu dem Hotel-Restaurant Bismarckburg.

Über die Schwierigkeiten für den Gastwirt Schulze-Altendorf vor dem Bau der Zufahrtsstraße und der Anlegung der Wasserleitung berichtet Adolf Breemeier, der die Ereignisse zu einem großen Teil selbst miterlebt hat, in seinem Buch „Hausberge an der Porta“ (1972). Über einen Weg, den schon Ernst Krüger vom Mindener Weg aus angelegt hatte, wurde über Jahrzehnte „alles, was die Gaststätte benötigte, mit einem einspännigen Wagen den Berg hinauf geschafft“.

Mindestens genauso schwer war es, das Gebäude mit Trinkwasser zu versorgen. „Schulze-Altendorf holte es jahrelang mit seinem Eselgespann aus einer Quelle, die sich mehrere 100 Meter östlich des Bismarckturms am Nordabhang des Jakobsbergs befindet.“

Einen besonderen Besucheransturm erlebte das Gasthaus in den Jahren 1937 bis 1940, als es auf dem gegenüber liegenden Abhang in nördlicher Richtung eine viel besuchte Greifvogelwarte gab. Viele tausend Menschen pilgerten damals zu der „Adlerwarte Porta“ wie sie auch hieß, um die Flugvorführungen von vier Adlern und anderen Greifvögeln zu bewundern. Das Mindener Tageblatt berichtete damals: „Hier wollten sie das Schauspiel erleben, wie Melitta und Peter den stolzen Flug in des Himmels Blau unternahmen, um gehorsam zu ihrem Meister zurückzukehren.“ (MT vom 11.03.1938) Dieser „Meister“ war im Übrigen der Falkner Adolf Deppe, der später die noch heute existierende Adlerwarte Berlebeck gründete.

Auch heute noch besteigen oder „erfahren“ tausende von Besuchern jährlich den Jakobsberg, der durch die beliebten Wanderwege, den schönen Wald, die weitreichende Aussicht besonders von der Plattform auf dem Fernsehturm und die Porta-Kanzel und den neuen Wald-Abenteuer-Pfad zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Region geworden ist.

Die gastronomische Nachfolge der „Bismarckburg“ hat der Kiosk des Bismarckbundes übernommen – ab Samstag nach langer Corona-Pause wieder geöffnet.

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