ICE-Trasse Hannover-Bielefeld: Schon am Montag beginnt die Untersuchung der Bestandsstrecke Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Klaus Becker streute ein wenig Salz in die Wunden der Deutschen Bahn. Der Grünen-Politiker erinnerte an das Desaster im Süden der Republik. „Stuttgart 21 hängt Ihnen noch nach.“ Carsten-Alexander Müller widersprach nicht. Der Projektleiter für den Ausbau der ICE-Strecke Hannover-Bielefeld war nicht nach Porta gekommen, um zu streiten. Sondern um deutlich zu machen, dass die Bahn die Öffentlichkeit in den jahrelangen Planungsprozess, der ganz am Anfang sei, einbeziehen will. Kritik und Ideen seien ausdrücklich willkommen, so die Botschaft. Die Zuhörer im Bauausschuss erfuhren am Donnerstag keine spektakulären Neuigkeiten. Einige dürfte aber aufgehorcht haben, als Müller berichtete, dass kommenden Montag der „Kickoff“ mit dem Planungsbüro sei, um die Untersuchung der Bestandsstrecke zu starten. Heimische Initiativen fordern vehement den trassennahen Ausbau anstelle einer Neubaustrecke, die womöglich drastische Folgen für die Portaner Landschaft hätte. Ein Zuhörer argumentierte in der Sitzung, der trassennahe Ausbau sei auch deutlich schneller zu realisieren als eine neue Trasse. Das sieht Müller, der bereits mehrere Bahnprojekte betreut hat, allerdings anders. „Aus Erfahrung sage ich, dass der Bestandsausbau nicht schneller ist.“ Müller, der mit seinem Kollegen Volker Vorwerk dem Bauausschuss Rede und Antwort stand, skizzierte in einem kurzen Vortrag Projektziele und Zeitplan. ICE-Züge sollen zur Einhaltung des sogenannten Deutschlandtaktes nur noch 31 statt 48 Minuten von Bielefeld bis Hannover benötigen. Dabei seien die 31 Minuten nicht in Stein gemeißelt, sondern zunächst ein Planungsparameter. Der bisherige Engpass zwischen Wunstorf und Minden soll mithilfe von zwei weiteren Gleisen aufgelöst werden. Außerdem sollen mehr Züge für Pendler und Waren zur Verfügung stehen. Dafür sucht die Bahn unter Beteiligungen der Öffentlichkeit nach der am besten geeigneten Strecke. Der ellipsenförmige Suchraum zwischen Bielefeld und Hannover erstreckt sich im Süden fast bis Hameln und im Norden bis Minden. Mehrere Schritte reichen von der Ermittlung des Suchraums (Phase 1) bis hin zu beantragten Trassenalternativen (5). Allein für Phase 2 (Grobkorridore) werde die Bahn annähernd 100 Kriterien berücksichtigen, berichtete Müller. Sie schaue beispielsweise nach FFH-Gebieten und frage in den Kommunen nach geplanten Baugebieten. Dutzende Gutachter seien draußen, um sich mit Beeinträchtigungen durch Schall oder Erschütterungen zu befassen. Das alles sei in jenen fünf Varianten des Verkehrsministeriums, die seit Monaten in vielen Internetforen ausgiebig diskutiert werden, nicht berücksichtigt. Müller beteuerte im Ausschuss, dass die Planungen der Bahn tatsächlich mit einem weißen Blatt Papier beginnen. Mehrere hundert Varianten würden Schritt für Schritt verglichen. Die Bevölkerung soll in dem aufwendigen Prozess auf dem Laufenden gehalten werden. So gibt es im April einen „öffentlichen Infomarkt“ der so ähnlich ablaufen wird wie die Auftaktveranstaltung Mitte Januar, an der online mehr als 2.000 Menschen teilnahmen, die viele Fragen stellten. Die Antworten darauf seien in Kürze unter www.hannover-bielefeld.de nachzulesen, kündigte Müller an. Zudem sind geschlossene Plenumsveranstaltungen in einem Kreis mit 80 bis 100 Teilnehmern vorgesehen. Darin wirken zum Beispiel die Bürgermeister und Landräte mit, aber auch Umweltverbände und Bürgerinitiativen. Die nächste Plenumssitzung ist am 9. März. Erste Trassenkorridore sollen sich im Laufe des nächsten Jahres abzeichnen. „Über Trassenvarianten werden wir uns in etwa zwei Jahren unterhalten, wenn es gut läuft“, sagte Bahn-Pressesprecher Peter Mantik auf MT-Anfrage. Dann betrachte man möglicherweise auf drei Korridoren vielleicht vier Varianten, nannte er ein Beispiel. Wenn sich eine Variante herauskristallisiere, gehe es in die Vorplanung und erst danach beginne das eigentliche planungsrechtliche Verfahren. Und die Entscheidung über den Ausbau, so Mantik, treffe am Ende ohnehin nicht die Bahn, sondern die Politik. Das liege in ferner Zukunft, in diesem Jahr gehe es vor allem darum, sich die Bestandsstrecke und deren Ausbaupotenzial mithilfe von Gutachtern anzuschauen. Die vielen Reaktionen aus der Bevölkerung hätten der Bahn gezeigt, dass dort der Schuh besonders drücke. Gemessen an der Planungsphase, die manche Experten auf zehn Jahre schätzen, ging der Besuch von Carsten-Alexander Müller und Volker Vorwerk recht zügig über die Bühne. Sie verließen den Bauausschuss nach einer Dreiviertelstunde und nahmen durchaus Handfestes mit: Klaus Becker hatte ihnen Unterlagen zur Machbarkeit des trassennahen Ausbaus mit auf den Weg gegeben.

ICE-Trasse Hannover-Bielefeld: Schon am Montag beginnt die Untersuchung der Bestandsstrecke

Chefplaner Carsten-Alexander Müller (rechts) und Michael Müller von der Wählergemeinschaft Porta im Gespräch. Foto: Dirk Haunhorst © Dirk Haunhorst

Porta Westfalica. Klaus Becker streute ein wenig Salz in die Wunden der Deutschen Bahn. Der Grünen-Politiker erinnerte an das Desaster im Süden der Republik. „Stuttgart 21 hängt Ihnen noch nach.“ Carsten-Alexander Müller widersprach nicht. Der Projektleiter für den Ausbau der ICE-Strecke Hannover-Bielefeld war nicht nach Porta gekommen, um zu streiten. Sondern um deutlich zu machen, dass die Bahn die Öffentlichkeit in den jahrelangen Planungsprozess, der ganz am Anfang sei, einbeziehen will. Kritik und Ideen seien ausdrücklich willkommen, so die Botschaft.

Die Zuhörer im Bauausschuss erfuhren am Donnerstag keine spektakulären Neuigkeiten. Einige dürfte aber aufgehorcht haben, als Müller berichtete, dass kommenden Montag der „Kickoff“ mit dem Planungsbüro sei, um die Untersuchung der Bestandsstrecke zu starten. Heimische Initiativen fordern vehement den trassennahen Ausbau anstelle einer Neubaustrecke, die womöglich drastische Folgen für die Portaner Landschaft hätte. Ein Zuhörer argumentierte in der Sitzung, der trassennahe Ausbau sei auch deutlich schneller zu realisieren als eine neue Trasse. Das sieht Müller, der bereits mehrere Bahnprojekte betreut hat, allerdings anders. „Aus Erfahrung sage ich, dass der Bestandsausbau nicht schneller ist.“

Müller, der mit seinem Kollegen Volker Vorwerk dem Bauausschuss Rede und Antwort stand, skizzierte in einem kurzen Vortrag Projektziele und Zeitplan. ICE-Züge sollen zur Einhaltung des sogenannten Deutschlandtaktes nur noch 31 statt 48 Minuten von Bielefeld bis Hannover benötigen. Dabei seien die 31 Minuten nicht in Stein gemeißelt, sondern zunächst ein Planungsparameter. Der bisherige Engpass zwischen Wunstorf und Minden soll mithilfe von zwei weiteren Gleisen aufgelöst werden. Außerdem sollen mehr Züge für Pendler und Waren zur Verfügung stehen.

Dafür sucht die Bahn unter Beteiligungen der Öffentlichkeit nach der am besten geeigneten Strecke. Der ellipsenförmige Suchraum zwischen Bielefeld und Hannover erstreckt sich im Süden fast bis Hameln und im Norden bis Minden. Mehrere Schritte reichen von der Ermittlung des Suchraums (Phase 1) bis hin zu beantragten Trassenalternativen (5). Allein für Phase 2 (Grobkorridore) werde die Bahn annähernd 100 Kriterien berücksichtigen, berichtete Müller. Sie schaue beispielsweise nach FFH-Gebieten und frage in den Kommunen nach geplanten Baugebieten. Dutzende Gutachter seien draußen, um sich mit Beeinträchtigungen durch Schall oder Erschütterungen zu befassen. Das alles sei in jenen fünf Varianten des Verkehrsministeriums, die seit Monaten in vielen Internetforen ausgiebig diskutiert werden, nicht berücksichtigt. Müller beteuerte im Ausschuss, dass die Planungen der Bahn tatsächlich mit einem weißen Blatt Papier beginnen. Mehrere hundert Varianten würden Schritt für Schritt verglichen.

Die Bevölkerung soll in dem aufwendigen Prozess auf dem Laufenden gehalten werden. So gibt es im April einen „öffentlichen Infomarkt“ der so ähnlich ablaufen wird wie die Auftaktveranstaltung Mitte Januar, an der online mehr als 2.000 Menschen teilnahmen, die viele Fragen stellten. Die Antworten darauf seien in Kürze unter www.hannover-bielefeld.de nachzulesen, kündigte Müller an.

Zudem sind geschlossene Plenumsveranstaltungen in einem Kreis mit 80 bis 100 Teilnehmern vorgesehen. Darin wirken zum Beispiel die Bürgermeister und Landräte mit, aber auch Umweltverbände und Bürgerinitiativen. Die nächste Plenumssitzung ist am 9. März.

Erste Trassenkorridore sollen sich im Laufe des nächsten Jahres abzeichnen. „Über Trassenvarianten werden wir uns in etwa zwei Jahren unterhalten, wenn es gut läuft“, sagte Bahn-Pressesprecher Peter Mantik auf MT-Anfrage. Dann betrachte man möglicherweise auf drei Korridoren vielleicht vier Varianten, nannte er ein Beispiel. Wenn sich eine Variante herauskristallisiere, gehe es in die Vorplanung und erst danach beginne das eigentliche planungsrechtliche Verfahren. Und die Entscheidung über den Ausbau, so Mantik, treffe am Ende ohnehin nicht die Bahn, sondern die Politik. Das liege in ferner Zukunft, in diesem Jahr gehe es vor allem darum, sich die Bestandsstrecke und deren Ausbaupotenzial mithilfe von Gutachtern anzuschauen. Die vielen Reaktionen aus der Bevölkerung hätten der Bahn gezeigt, dass dort der Schuh besonders drücke.

Gemessen an der Planungsphase, die manche Experten auf zehn Jahre schätzen, ging der Besuch von Carsten-Alexander Müller und Volker Vorwerk recht zügig über die Bühne. Sie verließen den Bauausschuss nach einer Dreiviertelstunde und nahmen durchaus Handfestes mit: Klaus Becker hatte ihnen Unterlagen zur Machbarkeit des trassennahen Ausbaus mit auf den Weg gegeben.

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