Historische Doku zeigt Brücken in der Porta Jürgen Langenkämper Porta Westfalica. In den frühen Morgenstunden des 6. April 1945 gehen US-Truppen mit 35 Sturmbooten bei Barkhausen über die Weser. Zweieinhalb Stunden später wird eine erste Pontonbrücke für leichte Fahrzeuge gebaut, kurz darauf eine zweite für schweres Gerät bis 36 Tonnen. „Von dieser zweiten Brücke habe ich vorher nie etwas gewusst", staunt selbst Robert Kauffeld, der in Barkhausen aufgewachsen ist und die Geschichte seines Heimatortes bestens kennt. Gerade hat der 88-Jährige einen neuen Dokumentarstreifen über die jüngere Geschichte zusammengestellt. Der Titel: „Die Weser an der Porta Westfalica und ihre Überquerungen". Eng zusammengearbeitet hat er dabei mit Dirk Sokolihs vom anderen Weserufer. Hier können Sie die Doku sehen Zusammengefunden haben die beiden historisch Interessierten durch einen Zufall – und fast zwangsläufig. Robert Kauffeld hatte lange schon vorgehabt, nach seiner Dokumentation über die Geschichte der Fliegerei in und um Minden etwas über die Brücken in der Porta zu veröffentlichen. „Durch eine Bekannte habe ich davon erfahren, dass Dirk Sokolihs, den ich bis dahin nicht kannte, auch an dem Thema gesessen hat", berichtet der Häverstädter. „Ich bin 2009 nach Hausberge gezogen und habe seither meine neue Umgebung erkundet", sagt der inzwischen 60-Jährige, der aus Bramsche stammt. Dabei beschränkte er sich nicht auf Radtouren, sondern durchforstete weltweit im Internet zugängliches Material und auch kleinste Hinweise in MT-Artikeln. Dabei zogen ihn auch Zeitzeugenberichte 2020 zum Kriegsende 1945 ihren Bann. In amerikanischen Archiven stöberte Sokolihs auch einen Film vom Übersetzen amerikanischer Truppen über eine so genannte M2-Brücke über die Oberweser auf, was er aber zunächst nicht zuordnen konnte und fast schon vergessen hatte. „Erst die Gespräche mit Robert Kauffeld brachten zu Tage, dass es sich um die Weser von Barkhausen aus handelte", sagt der Hausberger. Der gebürtige Barkhauser Kauffeld erkannte auch zwei Häuser wieder, die in den 1990er-Jahren für den Bau des Weserauentunnels abgerissen wurden. Der Ehrgeiz hatte die beiden im Sommer gepackt. Gemeinsam mit Aufnahmen von der Gefangennahme deutscher Wehrmachtssoldaten am Bahnhof Porta – nachgestellt am 7. April 1945 – bilden die Szenen des Weserübergangs den Kern der Brückendoku. Eingebettet sind die Szenen in eine kurz gefasste Geschichte der Flussübergänge in der Porta in den vergangenen 300 Jahren. Von 1711 bis 1954 gab es nämlich einen regen Fährbetrieb, der für die Bewohner auf beiden Seiten des Flusses sehr wichtig war und dies auch nach dem Bau der ersten Kettenbrücke 1865 blieb. Dieses Fußgängern und leichten Fahrzeugen gegen ein Entgelt vorbehaltene Bauwerk, das bei älteren Portanern noch romantische Erinnerungen weckt, wurde im April 1945 von deutschen Truppen gesprengt, obwohl es militärisch nahezu bedeutungslos und untauglich war. Mit 80 Jahren, in denen sie bestand, war die Kettenbrücke jedoch die am längsten präsente Brücke in der Porta. Die M2-Pontonbrücke dagegen kann nur wenige Tage bestanden haben, um Panzer und Lkw überzusetzen. Dann wurde sie wahrscheinlich für den raschen Vormarsch über Hannover bis nach Magdeburg weiter östlich gebraucht. Angesichts der kurzen Verweildauer sahen sie vermutlich nur wenige Deutsche. „Wir haben uns nicht so nah rangetraut", erinnert sich Robert Kauffeld. Auf Nachfragen im Ort fand er nur noch einen älteren Augenzeugen, der meinte, die M2-Brücke gesehen zu haben, die unterhalb des Großen Kurfürsten auf das rechte Weserufer führte. Besser im Gedächtnis blieb dagegen die etwas südlich davon gelegene kleinere Infanteriebrücke für Jeeps und leichte Lasten, die Robert Kauffeld als neugieriger Heranwachsender selbst gesehen hatte. Die Zivilbevölkerung blieb dagegen anfangs auf die wieder in Betrieb genommene Fähre angewiesen. Dieser Zustand dauerte bis 1954, bis die in dreijähriger Bauzeit errichtete Hohlkastenbrücke durch den Landesverkehrsminister eingeweiht wurde. Ab jetzt konnten auch Autos direkt zwischen beiden Weserseiten hin und her fahren. Bei zunehmendem Straßenverkehr musste sie nach mehr als 40 Jahren 1995 durch die derzeitige Brücke abgelöst werden. 1997 hatte ihre letzte Stunde geschlagen, und sie wurde demontiert und komplett abgebaut. Nur die alten Zufahrten erinnern Ortskundige noch daran. Dokumentiert hat Kauffeld die Nachkriegszeit zum großen Teil anhand eigener Fotos, die er selbst gemacht oder im Zuge seiner Recherchen mit Professor Fritz W. Franzmeyer zur Geschichte Barkhausens gesammelt hatte. „Die Chronik von Fritz Franzmeyer bildet eine Grundlage für die Dokumentation", hebt er die Bedeutung des langjährigen Mitstreiters, der in Berlin lebt, hervor. Sokolihs, der technisch sehr versiert ist, streute in die Bildanimationen und Überblendungen alter und neuer Ansichten auch einen Schwarz-Weiß-Film von 1962 ein, der seinerzeit im Fernsehen lief. „Für zur Verfügung gestellte Videos waren zum Teil Lizenzgebühren zu entrichten", weist er auf einen nicht unerheblichen Aufwand und die Beachtung von Urheberrechten hin. Ein eigenes Kapitel widmen die beiden Autoren der wegen ihres Anstrichs so genannten „grünen Brücke" zwischen Barkhausen und Neesen, die seit den 1930er-Jahren dem Transport von Eisenerz aus Dützen und kurze Zeit sogar dem Personenverkehr zwischen Häverstädt und Minden diente. Auch Bundeskanzler Adenauer hatte auf ihr im Februar 1955 die Weser überquert, um im Wahlkampf eine Nacht im Schlafwagen auf einem Abstellgleis in Häverstädt zu verbringen (MT vom 27. August 2013). Aber diese Fußnote der Geschichte haben Kauffeld und Sokolihs ausgespart. Trotz des Aufwands und der großen Akribie, mit der sie bei der Recherche und Produktion zu Werke gingen, haben die beiden die Lust an der Historie ihres näheren Umfeldes nicht verloren. „Ich hoffe, dass sich ältere Zeitzeugen animiert fühlen, alte Fotos für weitere Projekte zur Verfügung zu stellen, statt sie wegzuwerfen", sagt Dirk Sokolihs. Als Anlaufstelle hat er die E-Mail-Adresse: soko5113.pw@gmx.de eingerichtet. Und auch Robert Kauffeld hat für Kontakte eine unverwechselbare digitale Anschrift: portawestfalica@gmail.com. Die Dokumentation ist ab sofort auf MT.de und auf Youtube zugänglich.

Historische Doku zeigt Brücken in der Porta

© Robert Kauffeld

Porta Westfalica. In den frühen Morgenstunden des 6. April 1945 gehen US-Truppen mit 35 Sturmbooten bei Barkhausen über die Weser. Zweieinhalb Stunden später wird eine erste Pontonbrücke für leichte Fahrzeuge gebaut, kurz darauf eine zweite für schweres Gerät bis 36 Tonnen. „Von dieser zweiten Brücke habe ich vorher nie etwas gewusst", staunt selbst Robert Kauffeld, der in Barkhausen aufgewachsen ist und die Geschichte seines Heimatortes bestens kennt. Gerade hat der 88-Jährige einen neuen Dokumentarstreifen über die jüngere Geschichte zusammengestellt. Der Titel: „Die Weser an der Porta Westfalica und ihre Überquerungen". Eng zusammengearbeitet hat er dabei mit Dirk Sokolihs vom anderen Weserufer.

Hier können Sie die Doku sehen

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Zusammengefunden haben die beiden historisch Interessierten durch einen Zufall – und fast zwangsläufig. Robert Kauffeld hatte lange schon vorgehabt, nach seiner Dokumentation über die Geschichte der Fliegerei in und um Minden etwas über die Brücken in der Porta zu veröffentlichen. „Durch eine Bekannte habe ich davon erfahren, dass Dirk Sokolihs, den ich bis dahin nicht kannte, auch an dem Thema gesessen hat", berichtet der Häverstädter. „Ich bin 2009 nach Hausberge gezogen und habe seither meine neue Umgebung erkundet", sagt der inzwischen 60-Jährige, der aus Bramsche stammt. Dabei beschränkte er sich nicht auf Radtouren, sondern durchforstete weltweit im Internet zugängliches Material und auch kleinste Hinweise in MT-Artikeln. Dabei zogen ihn auch Zeitzeugenberichte 2020 zum Kriegsende 1945 ihren Bann.

In amerikanischen Archiven stöberte Sokolihs auch einen Film vom Übersetzen amerikanischer Truppen über eine so genannte M2-Brücke über die Oberweser auf, was er aber zunächst nicht zuordnen konnte und fast schon vergessen hatte. „Erst die Gespräche mit Robert Kauffeld brachten zu Tage, dass es sich um die Weser von Barkhausen aus handelte", sagt der Hausberger. Der gebürtige Barkhauser Kauffeld erkannte auch zwei Häuser wieder, die in den 1990er-Jahren für den Bau des Weserauentunnels abgerissen wurden.

Malina Reckordt

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Der Ehrgeiz hatte die beiden im Sommer gepackt. Gemeinsam mit Aufnahmen von der Gefangennahme deutscher Wehrmachtssoldaten am Bahnhof Porta – nachgestellt am 7. April 1945 – bilden die Szenen des Weserübergangs den Kern der Brückendoku. Eingebettet sind die Szenen in eine kurz gefasste Geschichte der Flussübergänge in der Porta in den vergangenen 300 Jahren.

- © Robert Kauffeld
© Robert Kauffeld

Von 1711 bis 1954 gab es nämlich einen regen Fährbetrieb, der für die Bewohner auf beiden Seiten des Flusses sehr wichtig war und dies auch nach dem Bau der ersten Kettenbrücke 1865 blieb. Dieses Fußgängern und leichten Fahrzeugen gegen ein Entgelt vorbehaltene Bauwerk, das bei älteren Portanern noch romantische Erinnerungen weckt, wurde im April 1945 von deutschen Truppen gesprengt, obwohl es militärisch nahezu bedeutungslos und untauglich war. Mit 80 Jahren, in denen sie bestand, war die Kettenbrücke jedoch die am längsten präsente Brücke in der Porta.

- © Robert Kauffeld
© Robert Kauffeld

Die M2-Pontonbrücke dagegen kann nur wenige Tage bestanden haben, um Panzer und Lkw überzusetzen. Dann wurde sie wahrscheinlich für den raschen Vormarsch über Hannover bis nach Magdeburg weiter östlich gebraucht. Angesichts der kurzen Verweildauer sahen sie vermutlich nur wenige Deutsche. „Wir haben uns nicht so nah rangetraut", erinnert sich Robert Kauffeld. Auf Nachfragen im Ort fand er nur noch einen älteren Augenzeugen, der meinte, die M2-Brücke gesehen zu haben, die unterhalb des Großen Kurfürsten auf das rechte Weserufer führte.

Brückenschlag : Über diese M2-Pontonbrücke brachte die US-Armee in wenigen Tagen ihre Sherman-Panzer und schweres Gerät über die Weser. Im Hintergrund ist auch ein Haus zu sehen, das dem Weserauentunnel weichen musste. Foto: US Army - © US Army
Brückenschlag : Über diese M2-Pontonbrücke brachte die US-Armee in wenigen Tagen ihre Sherman-Panzer und schweres Gerät über die Weser. Im Hintergrund ist auch ein Haus zu sehen, das dem Weserauentunnel weichen musste. Foto: US Army - © US Army

Besser im Gedächtnis blieb dagegen die etwas südlich davon gelegene kleinere Infanteriebrücke für Jeeps und leichte Lasten, die Robert Kauffeld als neugieriger Heranwachsender selbst gesehen hatte. Die Zivilbevölkerung blieb dagegen anfangs auf die wieder in Betrieb genommene Fähre angewiesen. Dieser Zustand dauerte bis 1954, bis die in dreijähriger Bauzeit errichtete Hohlkastenbrücke durch den Landesverkehrsminister eingeweiht wurde. Ab jetzt konnten auch Autos direkt zwischen beiden Weserseiten hin und her fahren. Bei zunehmendem Straßenverkehr musste sie nach mehr als 40 Jahren 1995 durch die derzeitige Brücke abgelöst werden. 1997 hatte ihre letzte Stunde geschlagen, und sie wurde demontiert und komplett abgebaut. Nur die alten Zufahrten erinnern Ortskundige noch daran.

Dokumentiert hat Kauffeld die Nachkriegszeit zum großen Teil anhand eigener Fotos, die er selbst gemacht oder im Zuge seiner Recherchen mit Professor Fritz W. Franzmeyer zur Geschichte Barkhausens gesammelt hatte. „Die Chronik von Fritz Franzmeyer bildet eine Grundlage für die Dokumentation", hebt er die Bedeutung des langjährigen Mitstreiters, der in Berlin lebt, hervor. Sokolihs, der technisch sehr versiert ist, streute in die Bildanimationen und Überblendungen alter und neuer Ansichten auch einen Schwarz-Weiß-Film von 1962 ein, der seinerzeit im Fernsehen lief. „Für zur Verfügung gestellte Videos waren zum Teil Lizenzgebühren zu entrichten", weist er auf einen nicht unerheblichen Aufwand und die Beachtung von Urheberrechten hin.

Ein eigenes Kapitel widmen die beiden Autoren der wegen ihres Anstrichs so genannten „grünen Brücke" zwischen Barkhausen und Neesen, die seit den 1930er-Jahren dem Transport von Eisenerz aus Dützen und kurze Zeit sogar dem Personenverkehr zwischen Häverstädt und Minden diente. Auch Bundeskanzler Adenauer hatte auf ihr im Februar 1955 die Weser überquert, um im Wahlkampf eine Nacht im Schlafwagen auf einem Abstellgleis in Häverstädt zu verbringen (MT vom 27. August 2013). Aber diese Fußnote der Geschichte haben Kauffeld und Sokolihs ausgespart.

Trotz des Aufwands und der großen Akribie, mit der sie bei der Recherche und Produktion zu Werke gingen, haben die beiden die Lust an der Historie ihres näheren Umfeldes nicht verloren. „Ich hoffe, dass sich ältere Zeitzeugen animiert fühlen, alte Fotos für weitere Projekte zur Verfügung zu stellen, statt sie wegzuwerfen", sagt Dirk Sokolihs. Als Anlaufstelle hat er die E-Mail-Adresse: soko5113.pw@gmx.de eingerichtet. Und auch Robert Kauffeld hat für Kontakte eine unverwechselbare digitale Anschrift: portawestfalica@gmail.com.

Die Dokumentation ist ab sofort auf MT.de und auf Youtube zugänglich.

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