Gut Rothenhoff steht wieder zum Verkauf Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Costedt. Viele sind zurzeit auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. Wer acht Millionen Euro übrig hat, könnte sich und den Seinen ein außergewöhnliches Präsent machen: das prachtvolle Gut Rothenhoff in Costedt. In einem Immobilienportal sind die Eckdaten genannt: Das ehemalige historische Gestüt mit klassizistischem Herrenhaus und Nebengebäuden befindet sich auf einem 700.000 Quadratmeter großen Grundstück und verfügt über 27 Zimmer und 1.400 Quadratmeter Wohnfläche. Kostenpunkt: 7,95 Millionen Euro. Die Eigentümer, Fiona und Julian Pearson, sollen gemeinsam mit ihren beiden Kindern nach Irland gezogen sein in die Heimat des Mannes. Zu den Gründen des Verkaufs äußert sich das Paar nicht. Eine Anfrage per Mail blieb bislang unbeantwortet.Costedts Ortsheimatpfleger Ulrich Dörjes vermutet, dass Auseinandersetzungen mit Behörden eine Rolle gespielt haben. So hätten die Pearsons eine Hecke, die im Landschaftsschutzgebiet gepflanzt worden sei, wieder abreißen müssen. Auch wegen einer geplanten Reithalle habe es Diskussionen gegeben.Stadt und Kreis sprechen hingegen auf Nachfrage von einer „guten Zusammenarbeit“ sowie von einem „stets sachorientierten und freundlichen Kontakt“ zu den Eigentümern. Zwar könne es vorkommen, dass einem Antrag nicht entsprochen werde, weil dazugehörige Voraussetzungen nicht erfüllt seien, teilt der Kreis mit. Hier sei es aber so gewesen, „dass ein begehrter Bauantrag nach einem umfangreichen Genehmigungsverfahren seitens des Kreises positiv beschieden worden war“. Offenbar handelt es dabei um besagte Reithalle. Die Baugenehmigung für sie liegt jedenfalls laut Angabe im Immobilienportal ebenso vor wie für eine weitere Holzscheune.Ulrich Dörjes, der zu den Pearsons immer wieder mal Kontakt hatte, bedauert den Wegzug der Familie. „Sie haben enorm viel investiert.“ Nebengebäude seinen saniert worden und Pferdeställe nach englischem Stil gebaut und mit Lehm verputzt worden. Das Eingangstor sei extra von Irland nach Costedt transportiert worden. Neben Pferden, für die ein großer Reitplatz angelegt wurde, habe die Familie auch Alpakas und Schafe gehalten. Die sollen nach dem Wegzug der Pearsons nicht geschlachtet werden, sondern an geeigneter Stelle ihr Gnadenbrot erhalten. Das sei ein Wunsch von Fiona Pearson gewesen.Die Eigentümer haben auch Anteil an dem naturnahen Ausbau des Vennebachs. In Höhe des Gutes hat sich ein kanalisiertes Gewässer in einen richtigen Bach zurückverwandelt, der sich auf 400 Metern Länge durchs Gelände schlängelt. Die Pearsons erklärten sich nicht nur mit den Arbeiten auf ihrem Grundstück einverstanden, sondern auch mit dem Wiedereinbau von nahezu 1.100 Kubikmetern ausgekofferten Bodens auf einer angrenzenden Gutsfläche. Die Entsorgung andernorts hätte viel Geld gekostet. „Wenn ich das Ergebnis sehe, bin ich froh, dass wir das gemacht haben“, sagte Fiona Pearson vor einem Jahr beim Ortstermin. Den Rothenhoff-Eigentümern gehört zwar der Bach auf ihrem Gelände. Seine Unterhaltung und der Ausbau ist aber hoheitliche Aufgabe der Kommune.Nicht nur in Costedt ist man gespannt, wer neuer Eigentümer des Gutes wird. Das strahlend-weiße Hauptgebäude mit englischem Park und Ländereien hat in den vergangenen Jahrzehnten die Phantasien möglicher Investoren immer wieder beflügelt – letztlich ohne Ergebnis.Am spektakulärsten waren die Pläne zur Errichtung von 500 bis 750 Bungalows für ein Feriencenter. Das niederländische Unternehmen Tropicana präsentierte 1996 das 300-Millionen-Mark-Projekt. Die Stadt steckte viel Arbeitskraft in die Realisierung und kümmerte sich um eine Landesbürgschaft in Höhe von 100 Millionen Mark. Tropicana gelang es trotzdem nicht, die Investition zu stemmen. 1998 wurden die Pläne zu den Akten gelegt. 2001 hatte sich der Autodesigner Bitter in Gut Rothenhoff verguckt und wollte den Unternehmenssitz von Braunschweig nach Costedt verlegen. „Das Anwesen ist furchtbar schön“, sagte Firmenchef Erich Bitter dem MT. Allerdings fehlten ihm die Partner, um die Übernahme zu finanzieren. Auch Investoren, die einen Golfplatz rund ums Gut anlegen wollten, verabschiedeten sich von ihren Ideen. Sie bekamen die nötige Fläche nicht zusammen. Kein Wunder: Im Laufe der Jahrzehnte ist der einst stolze Gutsbesitz von 300 Hektar auf ein Sechstel geschrumpft. Die Eigentümer mussten Land verkaufen, um die Gebäude zu unterhalten. Zur Historie: Gut Rothenhoff wurde 1230 als eines der Tafelgüter des Bischofs von Minden urkundlich erwähnt. Das Herrenhaus wurde als Neubau 1863 im spätklassizistischen Stil errichtet und mit einem englischen Park umgeben. Dr. Max Boemer kaufte das Gut 1915 und baute es zum landwirtschaftlichen Betrieb aus. Sein Sohn Fritz Carl Boemer ließ Kies abbauen, wodurch die Seen entstanden. Zwischen 1945 und 1954 war Rothenhoff Standort des Oberbefehlshabers der Britischen Rheinarmee. Zu den Gästen zählten Prinzessin Margaret und Prinz Philip Herzog von Edinburgh sowie Feldmarschall Bernard L. Montgomery und General Dwight D. Eisenhower. Nach dem Tod von Fritz Carl Boemer erbte dessen Nichte Ursel Harms das Anwesen und danach deren drei Kinder, bevor vor etwa sechs Jahren der in der Finanzbranche tätige Julian Pearson aus Irland das Anwesen kaufte. Er soll Gut Rothenhoff seiner Frau zur Geburt des ersten Kindes geschenkt haben, erzählt man sich im Dorf.

Gut Rothenhoff steht wieder zum Verkauf

Rothenhoff-Eigentümerin Fiona Pearson hat eine große Leidenschaft für Pferde. Das Foto entstand vor einem Jahr anlässlich der Renaturierung des Vennebachs auf dem Gutsgelände. MT-Foto (Archiv) : Dirk Haunhorst

Porta Westfalica-Costedt. Viele sind zurzeit auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. Wer acht Millionen Euro übrig hat, könnte sich und den Seinen ein außergewöhnliches Präsent machen: das prachtvolle Gut Rothenhoff in Costedt. In einem Immobilienportal sind die Eckdaten genannt: Das ehemalige historische Gestüt mit klassizistischem Herrenhaus und Nebengebäuden befindet sich auf einem 700.000 Quadratmeter großen Grundstück und verfügt über 27 Zimmer und 1.400 Quadratmeter Wohnfläche. Kostenpunkt: 7,95 Millionen Euro.

Die Eigentümer, Fiona und Julian Pearson, sollen gemeinsam mit ihren beiden Kindern nach Irland gezogen sein in die Heimat des Mannes. Zu den Gründen des Verkaufs äußert sich das Paar nicht. Eine Anfrage per Mail blieb bislang unbeantwortet.

Costedts Ortsheimatpfleger Ulrich Dörjes vermutet, dass Auseinandersetzungen mit Behörden eine Rolle gespielt haben. So hätten die Pearsons eine Hecke, die im Landschaftsschutzgebiet gepflanzt worden sei, wieder abreißen müssen. Auch wegen einer geplanten Reithalle habe es Diskussionen gegeben.

Stadt und Kreis sprechen hingegen auf Nachfrage von einer „guten Zusammenarbeit“ sowie von einem „stets sachorientierten und freundlichen Kontakt“ zu den Eigentümern. Zwar könne es vorkommen, dass einem Antrag nicht entsprochen werde, weil dazugehörige Voraussetzungen nicht erfüllt seien, teilt der Kreis mit. Hier sei es aber so gewesen, „dass ein begehrter Bauantrag nach einem umfangreichen Genehmigungsverfahren seitens des Kreises positiv beschieden worden war“. Offenbar handelt es dabei um besagte Reithalle. Die Baugenehmigung für sie liegt jedenfalls laut Angabe im Immobilienportal ebenso vor wie für eine weitere Holzscheune.

Ulrich Dörjes, der zu den Pearsons immer wieder mal Kontakt hatte, bedauert den Wegzug der Familie. „Sie haben enorm viel investiert.“ Nebengebäude seinen saniert worden und Pferdeställe nach englischem Stil gebaut und mit Lehm verputzt worden. Das Eingangstor sei extra von Irland nach Costedt transportiert worden. Neben Pferden, für die ein großer Reitplatz angelegt wurde, habe die Familie auch Alpakas und Schafe gehalten. Die sollen nach dem Wegzug der Pearsons nicht geschlachtet werden, sondern an geeigneter Stelle ihr Gnadenbrot erhalten. Das sei ein Wunsch von Fiona Pearson gewesen.

Die Eigentümer haben auch Anteil an dem naturnahen Ausbau des Vennebachs. In Höhe des Gutes hat sich ein kanalisiertes Gewässer in einen richtigen Bach zurückverwandelt, der sich auf 400 Metern Länge durchs Gelände schlängelt. Die Pearsons erklärten sich nicht nur mit den Arbeiten auf ihrem Grundstück einverstanden, sondern auch mit dem Wiedereinbau von nahezu 1.100 Kubikmetern ausgekofferten Bodens auf einer angrenzenden Gutsfläche. Die Entsorgung andernorts hätte viel Geld gekostet. „Wenn ich das Ergebnis sehe, bin ich froh, dass wir das gemacht haben“, sagte Fiona Pearson vor einem Jahr beim Ortstermin. Den Rothenhoff-Eigentümern gehört zwar der Bach auf ihrem Gelände. Seine Unterhaltung und der Ausbau ist aber hoheitliche Aufgabe der Kommune.

Nicht nur in Costedt ist man gespannt, wer neuer Eigentümer des Gutes wird. Das strahlend-weiße Hauptgebäude mit englischem Park und Ländereien hat in den vergangenen Jahrzehnten die Phantasien möglicher Investoren immer wieder beflügelt – letztlich ohne Ergebnis.

Am spektakulärsten waren die Pläne zur Errichtung von 500 bis 750 Bungalows für ein Feriencenter. Das niederländische Unternehmen Tropicana präsentierte 1996 das 300-Millionen-Mark-Projekt. Die Stadt steckte viel Arbeitskraft in die Realisierung und kümmerte sich um eine Landesbürgschaft in Höhe von 100 Millionen Mark. Tropicana gelang es trotzdem nicht, die Investition zu stemmen. 1998 wurden die Pläne zu den Akten gelegt.

2001 hatte sich der Autodesigner Bitter in Gut Rothenhoff verguckt und wollte den Unternehmenssitz von Braunschweig nach Costedt verlegen. „Das Anwesen ist furchtbar schön“, sagte Firmenchef Erich Bitter dem MT. Allerdings fehlten ihm die Partner, um die Übernahme zu finanzieren.


Auch Investoren, die einen Golfplatz rund ums Gut anlegen wollten, verabschiedeten sich von ihren Ideen. Sie bekamen die nötige Fläche nicht zusammen. Kein Wunder: Im Laufe der Jahrzehnte ist der einst stolze Gutsbesitz von 300 Hektar auf ein Sechstel geschrumpft. Die Eigentümer mussten Land verkaufen, um die Gebäude zu unterhalten.

Die Eigentümer von Rothenhoff sind nach Irland gezogen und bieten das geschichtsträchtige Anwesenfür acht Millionen Euro an. - © Dirk Haunhorst
Die Eigentümer von Rothenhoff sind nach Irland gezogen und bieten das geschichtsträchtige Anwesenfür acht Millionen Euro an. - © Dirk Haunhorst

Zur Historie: Gut Rothenhoff wurde 1230 als eines der Tafelgüter des Bischofs von Minden urkundlich erwähnt. Das Herrenhaus wurde als Neubau 1863 im spätklassizistischen Stil errichtet und mit einem englischen Park umgeben.

Dr. Max Boemer kaufte das Gut 1915 und baute es zum landwirtschaftlichen Betrieb aus. Sein Sohn Fritz Carl Boemer ließ Kies abbauen, wodurch die Seen entstanden.

Die Rothenhoff-Flagge weht über dem Herrenhaus. Das Anwesen ist insgesamt 70 Hektar groß. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © Dirk Haunhorst
Die Rothenhoff-Flagge weht über dem Herrenhaus. Das Anwesen ist insgesamt 70 Hektar groß. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © Dirk Haunhorst

Zwischen 1945 und 1954 war Rothenhoff Standort des Oberbefehlshabers der Britischen Rheinarmee. Zu den Gästen zählten Prinzessin Margaret und Prinz Philip Herzog von Edinburgh sowie Feldmarschall Bernard L. Montgomery und General Dwight D. Eisenhower.

Nach dem Tod von Fritz Carl Boemer erbte dessen Nichte Ursel Harms das Anwesen und danach deren drei Kinder, bevor vor etwa sechs Jahren der in der Finanzbranche tätige Julian Pearson aus Irland das Anwesen kaufte. Er soll Gut Rothenhoff seiner Frau zur Geburt des ersten Kindes geschenkt haben, erzählt man sich im Dorf.

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