Großbrand bei Abfallentsorger Tönsmeier - Lage weitgehend "stabil" Kreis rief Großschadenslage aus / Brandursache vorerst unbekannt / Züge fahren wieder / B 482 gegen 19.45 Uhr wieder freigegeben Porta Westfalica (mob/nik). Dichte schwarze Wolken über Porta Westfalica  bewegen an diesem Freitag die Menschen der Region. Vor Halle 4 des Abfallsentsorgungsbetriebes Tönsmeier in Neesen ist aus noch ungeklärter Ursache der dort gelagerte Müll in Brand geraten. Es handelt sich vor allem um gepresste Ballen mit Materialien, die nach der Verwertung der Stoffe aus Gelben Säcken übrig bleiben. Laut ersten Ergebnissen der Firma Tönsmeier ist der Brand wahrscheinlich aber nicht bei den Gelben Säcken, sondern im Lager der gemischten Gewerbeabfälle entstanden. Das sagte Gruppengeschäftsführer Bernd Schäkel bei einer ersten Pressekonferenz.Bei Polizei und Feuerwehr, aber auch beim Mindener Tageblatt erkundigten sich schon kurz nach Ausbruch des Feuers gegen 9.20 Uhr zahlreiche Bürger über die Ursache. Je dichter der Qualm wurde, desto zentraler die Frage: Wie giftig sind die Partikel, die  durch Wind und Qualm in Richtung Rinteln getragen wurden? Die in der Verwaltung der Firma Tönsmeier tätigen Mitarbeiter wurden gegen 11.30 Uhr Heim geschickt, die Betriebsleitung befand sich gestern zur Eröffnung eines neuen Werkes in Polen. Um 17 Uhr gab es dann eine erste Entwarnung. Experten des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) stellten bei ihren Messungen gegen 14.30 Uhr auf dem McDonalds Parkplatz keine giftigen Schadstoffe in der Luft fest. Zahlreiche Rettungskräfte der Feuerwehr sind derzeit noch im Einsatz und kämpfen vor Ort gegen eine Ausbreitung des Feuers auf weitere Betriebsteile. Mitarbeiter lagerten zeitweise mit Gabelstaplern Müllberge auf andere Teile des Geländes um. Zwischenzeitlich waren auch zwei CH53-Löschhubschrauber aus Bückeburg im Einsatz. Sie haben ein Fassungsvermögen von 5000 Litern. Inzwischen wurde der Einsatz der Hubschrauber jedoch abgebrochen, da er kaum Wirkung gezeigt haben soll. Der Kreis Minden-Lübbecke hat seinen Krisenstab hochgefahren und rief um 13.20 Uhr eine Großschadenslage aus. Bei einer Pressekonferenz aller beteiligten Einsatzkräfte hieß es: "Die Lage ist noch nicht unter Kontrolle, wir sind aber auf dem Weg, sie in den Griff zu bekommen." Die Gefahr des Übergreifens der Flammen auf die Halle sei weitgehend gebannt.Bis nach Hartum und Petershagen waren die dichten Wolken zu sehen, die vom Wind Richtung Fernsehturm und weiter nach Lohfeld und Rinteln getrieben wurden. Die Stadt Rinteln hatte schon mitags eine erhöhte Schadstoffkonzentration in der Luft gemessen und den Schulen freigestellt, ihre Schüler nach Hause zu schicken. Anrufer in der Lokalredaktion des Mindener Tageblatts klagten zum Teil über penetranten Gestank und berichteten von kleinen schwarzen Aschepartikeln, die vereinzelt vom Himmel fielen und an den Scheiben der Autos hafteten. Die Bevölkerung in Porta Westfalica ist aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen und sich nicht unnötig im Freien aufzuhalten. Lautsprecherwagen informieren dort laufend auch jene, die noch nichts von dem Brand mitbekommen haben.Die Stadt Porta Westfalica hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer (0571) 791231 und 791138 können sich besorgte Bürger informieren. Kindergärten, Schulen und Altenheime sind seitens der Stadt ebenfalls aufgefordert worden, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Eltern, die ihre Kinder vorzeitig von der Schule abholen wollten, konnten dies nach Auskunft von Schulamtsdirektorin Marga Bretthauer tun.Die dunkle Färbung des dichten Rauchs deutet darauf hin, dass Kunststoffe brennen. "Diese schwarze Wolke dürfte voller Schadstoffe sein", so ein Beobachter mit Kenntnissen im Bereich Brandschutz gegenüber dem MT. Die Feuerwehr Minden ordnete die Messbereitschaft nach Porta Westfalica ab. "Erfahrungsgemäß sind in der Nähe solcher Brandorte kaum Schadstoffe messbar. Die kommen erst so nach 20 Kilometern runter". so der Experte weiter. Ein Sofort-Einsatztrupp des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) aus Essen gab später Entwarnung, sagte aber auch: "Was vor 14 Uhr war, kann man rückwirkend nicht sagen." Man ginge aber ebenfalls davon aus, dass keine Giftstoffe in der Wolke gewesen seien. Fachleute der Bezirksregierung waren ebenfalls unterstützend in Porta Westfalica aktiv.Laut einem Sprecher der Bahn fahren die Züge seit 16.30 Uhr wieder. Es komme aber zu erheblichen Verspätungen, da die Lokführer zunächst vorsichtig an der Gefahrenstelle vorbeifahren und erst später wieder Vollgas geben würden. Ab 11.30 Uhr war die Strecke zwischen Löhne und Minden komplett gesperrt. Reisende von Norden strandeten in Minden, von Süden wurde über Paderborn umgeleitet (Gütersloh, Bielefeld und Herford waren nicht zu erreichen). Ein Busnotverkehr war eingerichtet, aber auch gab es Schwierigkeiten. "Wir bemühen uns, aber bei dem Verkehr kommen auch die Busse nicht durch", so ein Bahnsprecher. Er bezog sich dabei auf die zahlreichen Staus im Nadelöhr Porta Westfalica. Gesperrt waren neben der Bahnstrecke auch die B 482 und die Aus- und Auffahrt auf die A2 in Porta Westfalica. Auf der Autobahn staute sich der Verkehr zeitweilig auf bis zu fünf Kilometern. Ebenfalls gesperrt war zunächst der Weserauentunnel. Einige Fahrer hätten aber über Atemprobleme beklagt. Die Polizei leitete den Verkehr weiträumig um. Inzwischen ist der Tunnel nach Angaben der Polizei wieder freigegeben und kann bis auf Weiteres mit reduzierter Geschwindigkeit durchfahren werden. Die B 482 wurde gegen 19.45 wieder freigegeben.Auf dem Tönsmeier-Gelände befanden sich im Verlauf des Einsatzes  mindestens 500 Feuerwehrleute aus den Einheiten Bad Oeynhausen, Porta Westfalica, Petershagen-Lahde, Rinteln, der Werksfeuerwehr der Lebenshilfe, der Flughafenfeuerwehr Achum und aus Hartum. In Reserve sind die Wehrleute aus Vennebeck, Eisbergen und Holtrup. Letztere kümmern sich auf eventuelle Auswirkungen für die A2. Es wurden 30000 Liter Schaummittel und 2500 Liter Dieselkraftstoff angefordert.Michael Horst, Sprecher der Feuerwehr, geht davon aus, dass der Einsatz noch bis Morgen früh andauern wird. Horst: "Alles, was wir auf dem Gelände bisher nicht in Sicherheit bringen konnten, ist verloren." Ebenfalls vor Ort sind auch Beamten des Kriminalkommissariats 11 zur Untersuchung der Brandursache.Boris Ziegler, Pressesprecher von Tönsmeier, wies im Gespräch mit dem MT darauf hin, dass Bürger morgen keine Gelben Säcke bei dem Entsorger anliefern können.Vor einem Jahr, am 21. Juni 2010, brannte es schon einmal bei Tönsmeier: Der Brand in der Sortieranlage konnte damals schnell gelöscht werden. Ein Feuer wie das gegenwärtige war Gegenstand einer Übung, die vor vier Jahren im August auf dem Gelände bei Tönsmeier abgehalten wurde.Weitere Informationen folgen.

Großbrand bei Abfallentsorger Tönsmeier - Lage weitgehend "stabil"

- © Leserfoto: Cremers
© Leserfoto: Cremers

Porta Westfalica (mob/nik). Dichte schwarze Wolken über Porta Westfalica  bewegen an diesem Freitag die Menschen der Region. Vor Halle 4 des Abfallsentsorgungsbetriebes Tönsmeier in Neesen ist aus noch ungeklärter Ursache der dort gelagerte Müll in Brand geraten. Es handelt sich vor allem um gepresste Ballen mit Materialien, die nach der Verwertung der Stoffe aus Gelben Säcken übrig bleiben. Laut ersten Ergebnissen der Firma Tönsmeier ist der Brand wahrscheinlich aber nicht bei den Gelben Säcken, sondern im Lager der gemischten Gewerbeabfälle entstanden. Das sagte Gruppengeschäftsführer Bernd Schäkel bei einer ersten Pressekonferenz.

Bei Polizei und Feuerwehr, aber auch beim Mindener Tageblatt erkundigten sich schon kurz nach Ausbruch des Feuers gegen 9.20 Uhr zahlreiche Bürger über die Ursache. Je dichter der Qualm wurde, desto zentraler die Frage: Wie giftig sind die Partikel, die  durch Wind und Qualm in Richtung Rinteln getragen wurden? Die in der Verwaltung der Firma Tönsmeier tätigen Mitarbeiter wurden gegen 11.30 Uhr Heim geschickt, die Betriebsleitung befand sich gestern zur Eröffnung eines neuen Werkes in Polen.

Um 17 Uhr gab es dann eine erste Entwarnung. Experten des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) stellten bei ihren Messungen gegen 14.30 Uhr auf dem McDonalds Parkplatz keine giftigen Schadstoffe in der Luft fest.

Zahlreiche Rettungskräfte der Feuerwehr sind derzeit noch im Einsatz und kämpfen vor Ort gegen eine Ausbreitung des Feuers auf weitere Betriebsteile. Mitarbeiter lagerten zeitweise mit Gabelstaplern Müllberge auf andere Teile des Geländes um. Zwischenzeitlich waren auch zwei CH53-Löschhubschrauber aus Bückeburg im Einsatz. Sie haben ein Fassungsvermögen von 5000 Litern. Inzwischen wurde der Einsatz der Hubschrauber jedoch abgebrochen, da er kaum Wirkung gezeigt haben soll. Der Kreis Minden-Lübbecke hat seinen Krisenstab hochgefahren und rief um 13.20 Uhr eine Großschadenslage aus. Bei einer Pressekonferenz aller beteiligten Einsatzkräfte hieß es: "Die Lage ist noch nicht unter Kontrolle, wir sind aber auf dem Weg, sie in den Griff zu bekommen." Die Gefahr des Übergreifens der Flammen auf die Halle sei weitgehend gebannt.

Bis nach Hartum und Petershagen waren die dichten Wolken zu sehen, die vom Wind Richtung Fernsehturm und weiter nach Lohfeld und Rinteln getrieben wurden. Die Stadt Rinteln hatte schon mitags eine erhöhte Schadstoffkonzentration in der Luft gemessen und den Schulen freigestellt, ihre Schüler nach Hause zu schicken. Anrufer in der Lokalredaktion des Mindener Tageblatts klagten zum Teil über penetranten Gestank und berichteten von kleinen schwarzen Aschepartikeln, die vereinzelt vom Himmel fielen und an den Scheiben der Autos hafteten. Die Bevölkerung in Porta Westfalica ist aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen und sich nicht unnötig im Freien aufzuhalten. Lautsprecherwagen informieren dort laufend auch jene, die noch nichts von dem Brand mitbekommen haben.

Die Stadt Porta Westfalica hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer (0571) 791231 und 791138 können sich besorgte Bürger informieren. Kindergärten, Schulen und Altenheime sind seitens der Stadt ebenfalls aufgefordert worden, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Eltern, die ihre Kinder vorzeitig von der Schule abholen wollten, konnten dies nach Auskunft von Schulamtsdirektorin Marga Bretthauer tun.

Die dunkle Färbung des dichten Rauchs deutet darauf hin, dass Kunststoffe brennen. "Diese schwarze Wolke dürfte voller Schadstoffe sein", so ein Beobachter mit Kenntnissen im Bereich Brandschutz gegenüber dem MT. Die Feuerwehr Minden ordnete die Messbereitschaft nach Porta Westfalica ab. "Erfahrungsgemäß sind in der Nähe solcher Brandorte kaum Schadstoffe messbar. Die kommen erst so nach 20 Kilometern runter". so der Experte weiter. Ein Sofort-Einsatztrupp des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) aus Essen gab später Entwarnung, sagte aber auch: "Was vor 14 Uhr war, kann man rückwirkend nicht sagen." Man ginge aber ebenfalls davon aus, dass keine Giftstoffe in der Wolke gewesen seien. Fachleute der Bezirksregierung waren ebenfalls unterstützend in Porta Westfalica aktiv.

Schwarzer Rauch steigt in Hausberge in den Himmel. Anwohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten und sich nicht unnötig im Freien aufhalten. - © Leserfoto
Schwarzer Rauch steigt in Hausberge in den Himmel. Anwohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten und sich nicht unnötig im Freien aufhalten. - © Leserfoto

Laut einem Sprecher der Bahn fahren die Züge seit 16.30 Uhr wieder. Es komme aber zu erheblichen Verspätungen, da die Lokführer zunächst vorsichtig an der Gefahrenstelle vorbeifahren und erst später wieder Vollgas geben würden. Ab 11.30 Uhr war die Strecke zwischen Löhne und Minden komplett gesperrt. Reisende von Norden strandeten in Minden, von Süden wurde über Paderborn umgeleitet (Gütersloh, Bielefeld und Herford waren nicht zu erreichen). Ein Busnotverkehr war eingerichtet, aber auch gab es Schwierigkeiten. "Wir bemühen uns, aber bei dem Verkehr kommen auch die Busse nicht durch", so ein Bahnsprecher. Er bezog sich dabei auf die zahlreichen Staus im Nadelöhr Porta Westfalica.

Schwarzer Rauch über der Porta. Inzwischen wurde auch die Bahnstrecke gesperrt. - © MT-Foto: Jan Henning Rogge
Schwarzer Rauch über der Porta. Inzwischen wurde auch die Bahnstrecke gesperrt. - © MT-Foto: Jan Henning Rogge

Gesperrt waren neben der Bahnstrecke auch die B 482 und die Aus- und Auffahrt auf die A2 in Porta Westfalica. Auf der Autobahn staute sich der Verkehr zeitweilig auf bis zu fünf Kilometern. Ebenfalls gesperrt war zunächst der Weserauentunnel. Einige Fahrer hätten aber über Atemprobleme beklagt. Die Polizei leitete den Verkehr weiträumig um. Inzwischen ist der Tunnel nach Angaben der Polizei wieder freigegeben und kann bis auf Weiteres mit reduzierter Geschwindigkeit durchfahren werden. Die B 482 wurde gegen 19.45 wieder freigegeben.

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Auf dem Tönsmeier-Gelände befanden sich im Verlauf des Einsatzes  mindestens 500 Feuerwehrleute aus den Einheiten Bad Oeynhausen, Porta Westfalica, Petershagen-Lahde, Rinteln, der Werksfeuerwehr der Lebenshilfe, der Flughafenfeuerwehr Achum und aus Hartum. In Reserve sind die Wehrleute aus Vennebeck, Eisbergen und Holtrup. Letztere kümmern sich auf eventuelle Auswirkungen für die A2. Es wurden 30000 Liter Schaummittel und 2500 Liter Dieselkraftstoff angefordert.

Michael Horst, Sprecher der Feuerwehr, geht davon aus, dass der Einsatz noch bis Morgen früh andauern wird. Horst: "Alles, was wir auf dem Gelände bisher nicht in Sicherheit bringen konnten, ist verloren." Ebenfalls vor Ort sind auch Beamten des Kriminalkommissariats 11 zur Untersuchung der Brandursache.

Boris Ziegler, Pressesprecher von Tönsmeier, wies im Gespräch mit dem MT darauf hin, dass Bürger morgen keine Gelben Säcke bei dem Entsorger anliefern können.

Vor einem Jahr, am 21. Juni 2010, brannte es schon einmal bei Tönsmeier: Der Brand in der Sortieranlage konnte damals schnell gelöscht werden. Ein Feuer wie das gegenwärtige war Gegenstand einer Übung, die vor vier Jahren im August auf dem Gelände bei Tönsmeier abgehalten wurde.

Weitere Informationen folgen.

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