Gerlach und Achilles in der Stichwahl - SPD verliert deutlich, CDU nun stärkste Ratsfraktion Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Als gegen 19.15 Uhr das erste Ergebnis für einen Stimmbezirk per Beamer an die Wand geworfen wird, ist Marc Weber begeistert. „Das ist ja super", ruft der Grünen-Fraktionssprecher. Der Balken seiner Partei zeigt 35 Prozent an und liegt damit über den Werten von SPD und CDU. Ausgezählt sind zwar erst einige hundert Stimmen aus Holtrup, doch ein gewisser Trend für den Abend und die Ratswahl sind bereits erkennbar. „Auf jeden Fall ein tolles Ergebnis für Sylvia Arnold", freut sich Weber für seine Parteifreundin, die beinahe das Direktmandat im Wahlbezirk Holtrup/Vennebeck/Costedt gewonnen hätte. Der SPD-Bürgermeisterkandidat reagiert zu diesem Zeitpunkt noch mit Zweckoptimismus. „Abwarten und Tee trinken", sagt Jörg Achilles, der gemeinsam mit seiner Frau Corinna bereits seit kurz nach 18 Uhr im Bürgerhaus die Ergebnismeldungen verfolgt und zunächst sieht, wie die CDU-Landratskandidaten Anna Bölling ihrem SPD-Kontrahenten davon eilt. Eine ähnliche Erfahrung macht später auch Achilles, der deutlich geschlagen hinter Dr. Sonja Gerlach landet. Immerhin reicht es für ihn noch zur Stichwahl, die die Grünen-Favoritin Anke Grotjohann (parteilos) um drei Prozentpunkte verpasst. Die Gewinnerin des Abends ist Sonja Gerlach. Vor einem halben Jahr dürfte die CDU-Politikerin aus Bad Oeynhausen nur wenigen Portanern bekannt gewesen sein,. Innerhalb von nicht einmal vier Monaten haben Gerlach und ihr Team es geschafft, dass die Kandidatin von CDU und FDP nun als Favoritin in die Stichwahl geht. Eine spannende Frage wurde bereits gestern Abend im Bürgerhaus diskutiert: Wem geben diejenigen ihre Stimmen, die im ersten Wahlgang Anke Grotjohann gewählt haben? Sonja Gerlach freut sich jedenfalls auf die Stichwahl, wie sie gestern in einer ersten Reaktion sagte. „Wir werden noch mal hart arbeiten und überzeugend rüberbringen, wofür wir stehen." Klarer Verlierer des Abends ist die SPD. Vor sechs Jahren triumphierte sie noch, gewann fast alle Direktmandate und kam auf beachtliche 45 Prozent. Einige Genossen haben geahnt, dass sie dieses Mal gehörig Federn lassen müssen. Sie seien mit „30 Prozent plus x" zufrieden, sagten SPD-Politiker vor dem Urnengang dem MT. Nun sind es lediglich 27,6 Prozent. Ein Ergebnis, das SPD-Fraktionschef Dirk Rahnenführer gestern als „Katastrophe" bezeichnete. Solch einen Einbruch habe er nicht erwartet. Rahnenführer selbst verlor sein Direktmandat in Barkhausen an die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Inga Bruckschen. Bereits am heutigen Montag wird der SPD-Fraktionsvorstand das Ergebnis diskutieren und mögliche Konsequenzen beraten. Kurt Baberske, Fraktionschef der Christdemokraten, freute sich über einen „schönen Abend für die CDU". Die hat mit rund 30 Prozent ihr Ergebnis von 2014 halten können und ist nun stärkste Fraktion. Die Grünen gewinnen gut sieben Prozentpunkte, die FDP verliert einen Punkt. Erstmals im Rat vertreten sind die Wählergemeinschaft Porta und die AFD, die je drei Sitze bekommen. Kurios: Im Wahlbezirk Möllbergen erreichten die SPD-Kandidatin Kerstin Wehling und CDU-Mann Thomas Möbius exakt die gleiche Stimmenzahl. Wer das Direktmandat erhält, werde am Mittwoch im Wahlausschuss per Los entschieden, teilte Bürgermeister Bernd Hedtmann am späten Abend mit. Unklar war gestern lange Zeit, ob es wie 2014 Überhang- und Ausgleichsmandate gibt. Damals hatte die SPD zwei Extra- Mandate erhalten und der Rat wuchs um zwei Sitze auf 40. Diesmal wird es vermutlich bei 38 Sitzen bleiben. Gewinner der Wahlbezirke: Inga Bruckschen (CDU, Barkhausen-Süd), Jörg Horstmeier (SPD, Barkhausen-Nord), Klaus Scholz (CDU, Neesen), Volker Brockmeier (SPD, Neu-Lerbeck), Kurt Baberske (CDU, Neesen-Lerbeck), Jörg Achilles (SPD, Nammen-West), Rainer Besser (SPD, Wülpke/Kleinenbremen-West, Thomas Wehking (SPD, Kleinenbremen), Dennis Luthe (CDU, Eisbergen-Ost/Fülme), Friedrich Schmeding (SPD, Eisbergen-West), Karl-Erich Schmeding (CDU, Veltheim), Siegfried Lindner (SPD, Holtrup), Heinrich Timmerberg (CDU, Holzhausen-Hitzepohl), Rainer Traue (CDU, Holzhausen), Sascha Wolf (CDU, Hausberge-Findel), Jan Frowitter (SPD, Hausberge-Mitte), Hano Engels (CDU, Hausberge-Nord), Dr. Friedrich Hillbrand (WP, Lohfeld/Veltheim-Nord) Hinweis: Aufgrund des Losentscheids in Möllbergen stand gestern Abend noch nicht fest, welche Politiker über die Reserveliste in den Rat einziehen. Kommentar: Keine großen Überraschungen Jahrzehntelang dominierten die etablierten Parteien den Stadtrat, oft stand Rot-Grün den Kontrahenten von Schwarz-Gelb gegenüber. Diese einfache Farbenlehre ist Geschichte. Nach dem deutlichen Verlust der SPD und dem Einzug von Wählergemeinschaft und AfD ins Parlament dürfte die Suche nach Mehrheiten schwieriger und manche Debatte emotionaler werden. Die neue Bürgermeisterin oder der neue Bürgermeister wird in seiner Moderatoren-Rolle stark gefordert sein. Weder der Zuwachs im Rat noch die Niederlage der SPD ist eine große Überraschung. Dass es eine Wechselstimmung gibt, hat sich bereits beim Bürgerentscheid zur Grundschulsanierung Ende 2018 angedeutet. Das Wahlergebnis ist auch die Konsequenz aus einer (SPD)-Politik, die zuweilen rechthaberische Züge trug, wofür die unverhältnismäßig harte Kritik an der Bauverwaltung das jüngste Beispiel ist. Das Wahlergebnis drückt zudem aus, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Entscheidungen vorgesetzt bekommen wollen, sondern bei wichtigen Themen gehört werden möchten. Die Ratsfraktionen stehen vor dem Spagat, die öffentliche Meinung stärker zu beachten, ohne politische Überzeugungen, für die sie schließlich gewählt wurden, zu verleugnen. Porta stehen spannende Jahre bevor.

Gerlach und Achilles in der Stichwahl - SPD verliert deutlich, CDU nun stärkste Ratsfraktion

Mit Maske ins Stechen: Der Corona-Wahlkampf geht für Dr. Sonja Gerlach(rechts) und Jörg Achilles weiter. Einer von beiden wird Portas nächstes Stadtoberhaupt. Anke Grothjohann ist raus aus dem Bürgermeisterrennen.? © MT-Foto: Carsten Korfesmeyer

Porta Westfalica. Als gegen 19.15 Uhr das erste Ergebnis für einen Stimmbezirk per Beamer an die Wand geworfen wird, ist Marc Weber begeistert. „Das ist ja super", ruft der Grünen-Fraktionssprecher. Der Balken seiner Partei zeigt 35 Prozent an und liegt damit über den Werten von SPD und CDU. Ausgezählt sind zwar erst einige hundert Stimmen aus Holtrup, doch ein gewisser Trend für den Abend und die Ratswahl sind bereits erkennbar. „Auf jeden Fall ein tolles Ergebnis für Sylvia Arnold", freut sich Weber für seine Parteifreundin, die beinahe das Direktmandat im Wahlbezirk Holtrup/Vennebeck/Costedt gewonnen hätte.

Der SPD-Bürgermeisterkandidat reagiert zu diesem Zeitpunkt noch mit Zweckoptimismus. „Abwarten und Tee trinken", sagt Jörg Achilles, der gemeinsam mit seiner Frau Corinna bereits seit kurz nach 18 Uhr im Bürgerhaus die Ergebnismeldungen verfolgt und zunächst sieht, wie die CDU-Landratskandidaten Anna Bölling ihrem SPD-Kontrahenten davon eilt. Eine ähnliche Erfahrung macht später auch Achilles, der deutlich geschlagen hinter Dr. Sonja Gerlach landet. Immerhin reicht es für ihn noch zur Stichwahl, die die Grünen-Favoritin Anke Grotjohann (parteilos) um drei Prozentpunkte verpasst.

Die Gewinnerin des Abends ist Sonja Gerlach. Vor einem halben Jahr dürfte die CDU-Politikerin aus Bad Oeynhausen nur wenigen Portanern bekannt gewesen sein,. Innerhalb von nicht einmal vier Monaten haben Gerlach und ihr Team es geschafft, dass die Kandidatin von CDU und FDP nun als Favoritin in die Stichwahl geht. Eine spannende Frage wurde bereits gestern Abend im Bürgerhaus diskutiert: Wem geben diejenigen ihre Stimmen, die im ersten Wahlgang Anke Grotjohann gewählt haben? Sonja Gerlach freut sich jedenfalls auf die Stichwahl, wie sie gestern in einer ersten Reaktion sagte. „Wir werden noch mal hart arbeiten und überzeugend rüberbringen, wofür wir stehen."

Heiko Wulbrandt und Linda Sprenger zählen zu den Helfern, die das Briefwahlergebnis ermittelten.
Heiko Wulbrandt und Linda Sprenger zählen zu den Helfern, die das Briefwahlergebnis ermittelten.

Klarer Verlierer des Abends ist die SPD. Vor sechs Jahren triumphierte sie noch, gewann fast alle Direktmandate und kam auf beachtliche 45 Prozent. Einige Genossen haben geahnt, dass sie dieses Mal gehörig Federn lassen müssen. Sie seien mit „30 Prozent plus x" zufrieden, sagten SPD-Politiker vor dem Urnengang dem MT. Nun sind es lediglich 27,6 Prozent. Ein Ergebnis, das SPD-Fraktionschef Dirk Rahnenführer gestern als „Katastrophe" bezeichnete. Solch einen Einbruch habe er nicht erwartet. Rahnenführer selbst verlor sein Direktmandat in Barkhausen an die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Inga Bruckschen. Bereits am heutigen Montag wird der SPD-Fraktionsvorstand das Ergebnis diskutieren und mögliche Konsequenzen beraten.

Drinnen und draußen: Auch auf der Terrasse des Bürgerhauses wurden die Ergebnisse diskutiert.? - © Fotos: dh
Drinnen und draußen: Auch auf der Terrasse des Bürgerhauses wurden die Ergebnisse diskutiert.? - © Fotos: dh

Kurt Baberske, Fraktionschef der Christdemokraten, freute sich über einen „schönen Abend für die CDU". Die hat mit rund 30 Prozent ihr Ergebnis von 2014 halten können und ist nun stärkste Fraktion. Die Grünen gewinnen gut sieben Prozentpunkte, die FDP verliert einen Punkt. Erstmals im Rat vertreten sind die Wählergemeinschaft Porta und die AFD, die je drei Sitze bekommen.

Kurios: Im Wahlbezirk Möllbergen erreichten die SPD-Kandidatin Kerstin Wehling und CDU-Mann Thomas Möbius exakt die gleiche Stimmenzahl. Wer das Direktmandat erhält, werde am Mittwoch im Wahlausschuss per Los entschieden, teilte Bürgermeister Bernd Hedtmann am späten Abend mit. Unklar war gestern lange Zeit, ob es wie 2014 Überhang- und Ausgleichsmandate gibt. Damals hatte die SPD zwei Extra- Mandate erhalten und der Rat wuchs um zwei Sitze auf 40. Diesmal wird es vermutlich bei 38 Sitzen bleiben.

Gewinner der Wahlbezirke:

Inga Bruckschen (CDU, Barkhausen-Süd), Jörg Horstmeier (SPD, Barkhausen-Nord), Klaus Scholz (CDU, Neesen), Volker Brockmeier (SPD, Neu-Lerbeck), Kurt Baberske (CDU, Neesen-Lerbeck), Jörg Achilles (SPD, Nammen-West), Rainer Besser (SPD, Wülpke/Kleinenbremen-West, Thomas Wehking (SPD, Kleinenbremen), Dennis Luthe (CDU, Eisbergen-Ost/Fülme), Friedrich Schmeding (SPD, Eisbergen-West), Karl-Erich Schmeding (CDU, Veltheim), Siegfried Lindner (SPD, Holtrup), Heinrich Timmerberg (CDU, Holzhausen-Hitzepohl), Rainer Traue (CDU, Holzhausen), Sascha Wolf (CDU, Hausberge-Findel), Jan Frowitter (SPD, Hausberge-Mitte), Hano Engels (CDU, Hausberge-Nord), Dr. Friedrich Hillbrand (WP, Lohfeld/Veltheim-Nord)

Hinweis: Aufgrund des Losentscheids in Möllbergen stand gestern Abend noch nicht fest, welche Politiker über die Reserveliste in den Rat einziehen.

Kommentar: Keine großen Überraschungen

Jahrzehntelang dominierten die etablierten Parteien den Stadtrat, oft stand Rot-Grün den Kontrahenten von Schwarz-Gelb gegenüber. Diese einfache Farbenlehre ist Geschichte. Nach dem deutlichen Verlust der SPD und dem Einzug von Wählergemeinschaft und AfD ins Parlament dürfte die Suche nach Mehrheiten schwieriger und manche Debatte emotionaler werden. Die neue Bürgermeisterin oder der neue Bürgermeister wird in seiner Moderatoren-Rolle stark gefordert sein.

Weder der Zuwachs im Rat noch die Niederlage der SPD ist eine große Überraschung. Dass es eine Wechselstimmung gibt, hat sich bereits beim Bürgerentscheid zur Grundschulsanierung Ende 2018 angedeutet. Das Wahlergebnis ist auch die Konsequenz aus einer (SPD)-Politik, die zuweilen rechthaberische Züge trug, wofür die unverhältnismäßig harte Kritik an der Bauverwaltung das jüngste Beispiel ist.

Das Wahlergebnis drückt zudem aus, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Entscheidungen vorgesetzt bekommen wollen, sondern bei wichtigen Themen gehört werden möchten. Die Ratsfraktionen stehen vor dem Spagat, die öffentliche Meinung stärker zu beachten, ohne politische Überzeugungen, für die sie schließlich gewählt wurden, zu verleugnen. Porta stehen spannende Jahre bevor.

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