Friedhof Möllbergen: Letzte Unruhe fünf Meter neben der Autobahn Thomas Lieske Porta Westfalica-Möllbergen (mt). Nur eine Wand aus Beton trennt das vorbeirauschende Leben von der letzten Ruhestätte für Hunderte Tote, den rastlosen Verkehr von dem ewigen Frieden. Laut ist es auf dem Friedhof in Möllbergen, sehr laut. Nur rund fünf Meter neben den äußeren Gräbern rauschen täglich Tausende Autos und Lkw vorbei. Eine letzte Ruhestätte direkt neben der Autobahn 2 – kann das funktionieren? „Das funktioniert“, sagt ausgerechnet Möllbergens Pfarrer Torsten Willimczik. Als letzte Ruhestätte, gibt er zu, „ist das sicherlich ein merkwürdiger Ort“. Doch auf eines besteht er: „Der Friedhof war zuerst da, dann kam die Autobahn.“ Der Friedhof neben der A2 habe sozusagen das Recht des Älteren. „Entscheidend ist doch, wie man den Friedhof als letzte Ruhestätte für sich nutzt, und zwar trotz des Lärms“, betont der Pastor. Ein Grundrauschen der A2 sei in Möllbergen sowieso fast überall zu hören. Die Autobahn symbolisiert für Willimczik das vorbeirauschende Leben. „Gerade in einer solchen Zeit ist es doch schön, einen Friedhof als Ruhepol zu haben. Und warum dann nicht sogar neben der Autobahn?“ So weit die Theorie. In der Praxis zeigen sich dann aber auch die Tücken der Lage neben der vielbefahrenen Straße. „Bei einer Beisetzung direkt an der Lärmschutzwand wird es echt schwierig“, weiß der Pfarrer aus Erfahrung. Eine echte Herausforderung. „Wenn man dort als Pastor spricht, muss man so reden, dass die Gemeinde alles hört, ohne dass es gebrüllt ist“, erklärt Willimczik. Man müsse sprichwörtlich den richtigen Ton finden, ohne Geschrei, ohne Gekreische. „Damit die Begräbnisliturgie ihre Würde behält.“ Angenehmer sei es während des großen restlichen Teils der Trauerfeier in der Kapelle, die mitten auf dem Friedhof steht. „Darin ist es deutlich ruhiger.“ Haben die Möllberger schon einmal darüber nachgedacht, den Friedhof einfach zu verlegen? „So einfach ist das nicht“, weiß der Pfarrer. Es sei beinahe unmöglich. Das liege an Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen. Auch neben einer lärmenden Autobahn wie in Möllbergen. Aber für ihn steht fest: „Der Friedhof war da, ist da und bleibt auch da.“ Sicherlich gebe es ab und zu kritische Stimmen, die sich über den Lärm auf der letzten Ruhestätte, die seit 1973 in städtischer Hand ist, beschweren. Aber Pfarrer Willimczik ist sich sicher: „Die Möllberger haben sich längst an die Autobahn gewöhnt. Der Verkehr nahm schrittweise zu. – ein schleichender Prozess für alle Anwohner in dem Ortsteil. Der Möllberger Friedhof an der A2, er hat für Torsten Willimczik und sicherlich viele Möllberger auch eine tröstende und hoffnungsvolle Symbolik: „Es ist ein Ort, wo Friede herrscht, direkt neben dem Verkehrsstrom, der selbst oft unfriedlich oder gar tödlich ist. Ist das nicht wunderbar?“ MT-Serie: "A2 - hautnah" Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht. Heute: der Friedhof Möllbergen an der A2. Alle Artikel der MT-Serie finden Sie hier.

Friedhof Möllbergen: Letzte Unruhe fünf Meter neben der Autobahn

Während vor in den Gräbern die Toten ihre letzte Ruhe finden sollen, rauschen hinten die Lkw und Autos auf der A2 vorbei: Der Friedhof Möllbergen hat eine ungewöhnliche Lage als letzte Ruhestätte – nur fünf Meter neben der Autobahn. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica-Möllbergen (mt). Nur eine Wand aus Beton trennt das vorbeirauschende Leben von der letzten Ruhestätte für Hunderte Tote, den rastlosen Verkehr von dem ewigen Frieden. Laut ist es auf dem Friedhof in Möllbergen, sehr laut. Nur rund fünf Meter neben den äußeren Gräbern rauschen täglich Tausende Autos und Lkw vorbei. Eine letzte Ruhestätte direkt neben der Autobahn 2 – kann das funktionieren?

„Das funktioniert“, sagt ausgerechnet Möllbergens Pfarrer Torsten Willimczik. Als letzte Ruhestätte, gibt er zu, „ist das sicherlich ein merkwürdiger Ort“. Doch auf eines besteht er: „Der Friedhof war zuerst da, dann kam die Autobahn.“ Der Friedhof neben der A2 habe sozusagen das Recht des Älteren. „Entscheidend ist doch, wie man den Friedhof als letzte Ruhestätte für sich nutzt, und zwar trotz des Lärms“, betont der Pastor. Ein Grundrauschen der A2 sei in Möllbergen sowieso fast überall zu hören. Die Autobahn symbolisiert für Willimczik das vorbeirauschende Leben. „Gerade in einer solchen Zeit ist es doch schön, einen Friedhof als Ruhepol zu haben. Und warum dann nicht sogar neben der Autobahn?“

Der Friedhof wurde Ende der 1930er Jahre angelegt. Die Autobahn kam erst später dazu. - © Alexander Hoffmann/mt
Der Friedhof wurde Ende der 1930er Jahre angelegt. Die Autobahn kam erst später dazu. - © Alexander Hoffmann/mt

So weit die Theorie. In der Praxis zeigen sich dann aber auch die Tücken der Lage neben der vielbefahrenen Straße. „Bei einer Beisetzung direkt an der Lärmschutzwand wird es echt schwierig“, weiß der Pfarrer aus Erfahrung. Eine echte Herausforderung. „Wenn man dort als Pastor spricht, muss man so reden, dass die Gemeinde alles hört, ohne dass es gebrüllt ist“, erklärt Willimczik. Man müsse sprichwörtlich den richtigen Ton finden, ohne Geschrei, ohne Gekreische. „Damit die Begräbnisliturgie ihre Würde behält.“ Angenehmer sei es während des großen restlichen Teils der Trauerfeier in der Kapelle, die mitten auf dem Friedhof steht. „Darin ist es deutlich ruhiger.“

Haben die Möllberger schon einmal darüber nachgedacht, den Friedhof einfach zu verlegen? „So einfach ist das nicht“, weiß der Pfarrer. Es sei beinahe unmöglich. Das liege an Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen. Auch neben einer lärmenden Autobahn wie in Möllbergen. Aber für ihn steht fest: „Der Friedhof war da, ist da und bleibt auch da.“ Sicherlich gebe es ab und zu kritische Stimmen, die sich über den Lärm auf der letzten Ruhestätte, die seit 1973 in städtischer Hand ist, beschweren. Aber Pfarrer Willimczik ist sich sicher: „Die Möllberger haben sich längst an die Autobahn gewöhnt. Der Verkehr nahm schrittweise zu. – ein schleichender Prozess für alle Anwohner in dem Ortsteil.

Der Möllberger Friedhof an der A2, er hat für Torsten Willimczik und sicherlich viele Möllberger auch eine tröstende und hoffnungsvolle Symbolik: „Es ist ein Ort, wo Friede herrscht, direkt neben dem Verkehrsstrom, der selbst oft unfriedlich oder gar tödlich ist. Ist das nicht wunderbar?“

MT-Serie: "A2 - hautnah"

  • Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich.
  • Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht. Heute: der Friedhof Möllbergen an der A2.

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