Explosiver Fund: So wurde die Weltkriegs-Granate in Porta Westfalica gesprengt Patrick Schwemling Porta Westfalica-Costedt. Erst Freitag, dann noch einmal Sonntag: Daniel Bake hat schon viele Stunden auf dem Acker an der Holzhauser Straße verbracht. Der Archäologe sucht für die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke nach Funden aus der römischen Kaiserzeit. Fibeln, Feuersteine und Keramikscherben hat er schon entdeckt. Am späten Sonntagmittag schlägt die Metallsonde des Archäologen noch einmal an. Was er dann entdeckt, ist jedoch nicht 2.000 Jahre alt – sondern etwas mehr als 75. Es handelt sich um eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg. Bake ist sofort klar: Es besteht Explosionsgefahr. „Ich habe bei meiner Arbeit schon einmal Granaten entdeckt, und wusste zum Glück sofort, um was es sich handelt", erklärt Bake, der zudem als Grabungstechniker arbeitet. Sofort stellt er seine Arbeit ein und verständigt um 14.15 Uhr die Polizei. „Das ist alles vorbildlich abgelaufen", sagt Sven Jütte vom Ordnungsamt der Stadt Porta Westfalica. Er ist für den Einsatz zuständig.Schnell laufen seine Drähte heiß. „Der Kampfmittelräumdienst ist verständigt und auf dem Weg", erklärt Jütte. Das Problem: Die Sprengstoff-Experten befinden sich zu dem Zeitpunkt noch in Rheine, also zwei Autostunden entfernt. Vor 16.30 Uhr ist mit ihnen nicht zu rechnen. In der Zwischenzeit treffen Mitarbeiter des Baubetriebshofs ein und bringen Materialien für eine Absperrung. Aber nicht nur sie haben sich auf den Weg gemacht: In dem Wohngebiet hat sich rumgesprochen, dass irgendetwas im Gange ist.„Es sind plötzlich immer mehr Menschen mit Westen aufgetaucht. Da wussten wir, dass irgendetwas nicht stimmen kann", sagt einer der Anwohner. Auch zahlreiche Fahrradfahrer halten an: „Was ist hier los?" Dann fährt der Kampfmittelräumdienst vor. Es ist inzwischen 16.45 Uhr. Karl-Heinz Clemens und sein Kollege Ralf Kuhlpeter steigen aus dem dunkelblauen Mercedes-Sprinter und gehen schnurstracks zu der Fundstelle auf dem Acker. Nach wenigen Minuten der Beratung kehren sie zurück und haben einen Entschluss gefasst: Es muss gesprengt werden. „Der Zünder von der Granate ist so in Mitleidenschaft gezogen, dass wir sie nicht transportieren können", erklärt Clemens. Der Experte kann zu diesem Zeitpunkt bereits sagen, um was es sich bei dem Fund handelt: „Es ist ein 90 Millimeter US-Sprenggeschoss." Die Granate ist ungefähr 30 Zentimer groß, dementsprechend müssen für die kontrollierte Sprengung einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Sven Jütte macht sich auf dem Weg durch die Nachbarschaft und informiert die Anwohner darüber, dass sie in der nächsten Zeit im Haus bleiben sollen. Die Mitarbeiter des Baubetriebshof sperren die Straßen und Feldwegen in einem Radius von knapp 200 Metern ab. „Wir wollen sicher gehen, dass niemand von Splittern getroffen wird", sagt Karl-Heinz Clemens. Dann startet die finale Phase. Zusammen mit seinem Kollegen bereitet er mit Zündschnur und Sprengstoff die Beseitigung der Granate vor. „Wir wollen den Zünder wegsprengen", erklärt Clemens. Kurze Zeit später ertönt ein schriller Warnton. Die Anspannung bei allen Beteiligten ist zu spüren. Es scheint jeden Moment loszugehen. Um 17.36 Uhr knallt es, die Erde bebt kurz, Dreck schleudert durch die Luft. Sieben Minuten später ertönt derselbe schrille Ton dreimal. Das ist das vorher vereinbarte Zeichen – es hat alles geklappt, die Gefahr ist gebannt.

Explosiver Fund: So wurde die Weltkriegs-Granate in Porta Westfalica gesprengt

Nach der erfolgreichen Sprengung präsentieren Ralf Kuhlpeter und Karl-Heinz Clemens (von links) vom Kampfmittelräumdienst Arnsberg das US-Sprenggeschoss aus dem Zweiten Weltkrieg. MT-Fotos: Patrick Schwemling

Porta Westfalica-Costedt. Erst Freitag, dann noch einmal Sonntag: Daniel Bake hat schon viele Stunden auf dem Acker an der Holzhauser Straße verbracht. Der Archäologe sucht für die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke nach Funden aus der römischen Kaiserzeit. Fibeln, Feuersteine und Keramikscherben hat er schon entdeckt. Am späten Sonntagmittag schlägt die Metallsonde des Archäologen noch einmal an. Was er dann entdeckt, ist jedoch nicht 2.000 Jahre alt – sondern etwas mehr als 75. Es handelt sich um eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg. Bake ist sofort klar: Es besteht Explosionsgefahr.

In diesem Moment wird die Granate in die Luft gesprengt.
In diesem Moment wird die Granate in die Luft gesprengt.

„Ich habe bei meiner Arbeit schon einmal Granaten entdeckt, und wusste zum Glück sofort, um was es sich handelt", erklärt Bake, der zudem als Grabungstechniker arbeitet. Sofort stellt er seine Arbeit ein und verständigt um 14.15 Uhr die Polizei. „Das ist alles vorbildlich abgelaufen", sagt Sven Jütte vom Ordnungsamt der Stadt Porta Westfalica. Er ist für den Einsatz zuständig.Schnell laufen seine Drähte heiß. „Der Kampfmittelräumdienst ist verständigt und auf dem Weg", erklärt Jütte. Das Problem: Die Sprengstoff-Experten befinden sich zu dem Zeitpunkt noch in Rheine, also zwei Autostunden entfernt. Vor 16.30 Uhr ist mit ihnen nicht zu rechnen.

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In der Zwischenzeit treffen Mitarbeiter des Baubetriebshofs ein und bringen Materialien für eine Absperrung. Aber nicht nur sie haben sich auf den Weg gemacht: In dem Wohngebiet hat sich rumgesprochen, dass irgendetwas im Gange ist.„Es sind plötzlich immer mehr Menschen mit Westen aufgetaucht. Da wussten wir, dass irgendetwas nicht stimmen kann", sagt einer der Anwohner. Auch zahlreiche Fahrradfahrer halten an: „Was ist hier los?" Dann fährt der Kampfmittelräumdienst vor. Es ist inzwischen 16.45 Uhr.

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Karl-Heinz Clemens und sein Kollege Ralf Kuhlpeter steigen aus dem dunkelblauen Mercedes-Sprinter und gehen schnurstracks zu der Fundstelle auf dem Acker. Nach wenigen Minuten der Beratung kehren sie zurück und haben einen Entschluss gefasst: Es muss gesprengt werden. „Der Zünder von der Granate ist so in Mitleidenschaft gezogen, dass wir sie nicht transportieren können", erklärt Clemens. Der Experte kann zu diesem Zeitpunkt bereits sagen, um was es sich bei dem Fund handelt: „Es ist ein 90 Millimeter US-Sprenggeschoss." Die Granate ist ungefähr 30 Zentimer groß, dementsprechend müssen für die kontrollierte Sprengung einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Die Menschen in Costedt verfolgen das Geschehen gespannt: Der Sprinter vom Kampfmittelräumdienst lockt am Sonntagnachmittag viele Neugierige an.
Die Menschen in Costedt verfolgen das Geschehen gespannt: Der Sprinter vom Kampfmittelräumdienst lockt am Sonntagnachmittag viele Neugierige an.

Sven Jütte macht sich auf dem Weg durch die Nachbarschaft und informiert die Anwohner darüber, dass sie in der nächsten Zeit im Haus bleiben sollen. Die Mitarbeiter des Baubetriebshof sperren die Straßen und Feldwegen in einem Radius von knapp 200 Metern ab. „Wir wollen sicher gehen, dass niemand von Splittern getroffen wird", sagt Karl-Heinz Clemens.

Dann startet die finale Phase. Zusammen mit seinem Kollegen bereitet er mit Zündschnur und Sprengstoff die Beseitigung der Granate vor. „Wir wollen den Zünder wegsprengen", erklärt Clemens. Kurze Zeit später ertönt ein schriller Warnton. Die Anspannung bei allen Beteiligten ist zu spüren. Es scheint jeden Moment loszugehen. Um 17.36 Uhr knallt es, die Erde bebt kurz, Dreck schleudert durch die Luft. Sieben Minuten später ertönt derselbe schrille Ton dreimal. Das ist das vorher vereinbarte Zeichen – es hat alles geklappt, die Gefahr ist gebannt.

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