Experte der unangenehmen Fragen: Michael Müller tritt für die Freien Wähler an Thomas Lieske Porta Westfalica-Holzhausen. Gewohnheiten sind nicht sein Ding. Nur eine Gewohnheit ist Michael Müller lieb geworden: das permanente Streben nach Veränderung. Das war schon so, als der 72-Jährige aus Holzhausen noch in verschiedenen Manager-Positionen für Johnson&Johnson, Bayer oder Melitta gearbeitet hat – nach dem Abitur und dem BWL-Studium. 20 Jahre das Gleiche zu machen, das wäre für Michael Müller nie in Frage gekommen. Deshalb mag er es auch nicht, wenn die Menschen „aus Gewohnheit eine etablierte Partei wählen", sagt Müller. Mit seinen klaren Vorstellungen könnte er locker für CDU, SPD, FDP oder Grüne antreten. Als Kandidat für die Bundestagswahl hat sich der Diplom-Kaufmann allerdings für die Freien Wähler NRW aufstellen lassen – er steht auf Landeslistenplatz 16. „Ich finde es besser, wenn viele Köpfe für Kompetenz stehen und nicht die Partei." Mit 72 will er noch einmal den großen Schritt wagen. Dabei könnte Michael Müller es ruhig und idyllisch haben. In seinem Wohnhaus in Holzhausen mit unverbautem Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es könnte so unkompliziert sein in seinem aufwendig sanierten Domizil an der Porta. Mit seiner Frau, seinen zwei der drei Kinder, die noch zu Hause wohnen, und dem quirligen Labradorrüden Magic, der gerne Zeit mit seinem Herrchen verbringt. Wie gesagt: könnte. Doch die Zeit, die Müller nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben vor zwölf Jahren dazugewonnen hat, investiert er seitdem lieber in politische Aktivitäten. 2014 versuchte er es als parteiloser Kandidat im Rennen um das Bürgermeisteramt für Porta Westfalica, unterlag damals aber Bernd Hedtmann. Für Müller ist das bis heute keine Niederlage, sondern immer noch eine Frage der Prioritäten, die die Wählerinnen und Wähler damals gesetzt hätten. Er hätte sich dieses Amt weiterhin zugetraut. Dann jetzt eben der mögliche Schritt nach Berlin. Wichtig ist ihm, dabei immer mit Porta verbunden zu bleiben. Genau diese Verbindung wolle er für den ländlichen Raum nutzen. „Es geht darum, jetzt die heimische Landwirtschaft mit einem vernünftigen Förderkonzept zu stärken." Es sei wichtig, die Höfe lokal zu stärken und „endlich die Familienbetriebe so zu behandeln wie die Großbetriebe". Er beobachte den Trend, dass immer mehr Menschen lieber regional und aus biologischem Anbau einkaufen wollten. Er selbst zählt sich auch dazu, wobei er eine „gesunde Mischung aus bio und konventionell" bevorzugt. Auf Bundesebene sieht er mehr Chancen, sich für diesen Aspekt einzusetzen, als etwa in seiner Mitarbeit in der Wählergemeinschaft Porta (WP), die seit der vergangenen Kommunalwahl im Rat der Stadt Porta Westfalica vertreten ist. Genau diese Erfahrung gebe ihm Mut, jetzt für den Bundestagswahlkampf anzutreten. „Wir haben es mit der WP auf Anhieb geschafft. Das ist auch auf Bundesebene möglich." Michael Müller mag es unbequem. Was zeitweise den einen oder anderen politischen Gegenüber bereits zum Verzweifeln gebracht und sicherlich auch entnervt hat, will er nutzen, „um die richtigen Fragen zu den richtigen Themen zu stellen". Dazu gehört für ihn auch, das Thema Bildung anzupacken. Das fängt aus seiner Sicht schon damit an, Familien frühzeitig zu entlasten und die Kitagebühr flächendeckend abzuschaffen. Und das gehe mit gleichen Bildungschancen für alle in der Schule weiter, die nicht von finanziellen Verhältnissen der Eltern abhängen dürften. Die Zahlen will Müller als Kaufmann im Blick behalten. „Es ist essenziell, dass wir alle politischen Entscheidungen auf Nachhaltigkeit prüfen. Zum einen finanziell, zum anderen natürlich mit ihren Auswirkungen auf das Klima." Den Klimaschutz könne man gut lokal vorantreiben. Denn wenn vieles vor Ort gemacht werde, könne das zu einem flächendeckenden Teppich über die gesamte Republik werden, ist Michael Müller überzeugt. Sein Ansatz: Möglichst viele Alternativen prüfen. „Nichts ist alternativlos." Wenn man in Deutschland über Klimaschutz spreche, dann dürfe man sich nicht nur auf Elektromobilität versteifen, sondern müsse auch Wasserstoff oder die Brennstoffzelle in den Fokus nehmen. Und das Thema Bahn? Für Porta ein ganz aktuelles, das obendrein auf Bundesebene zu entscheiden ist. Da sieht Michael Müller als Portaner eine Schlüsselrolle als möglicher Abgeordneter. „Wir müssen dafür sorgen, auch mit dem Blick auf die Nachhaltigkeit, dass die Bestandsstrecke vernünftig ausgebaut und kein milliardenschwerer Neubau vor die Tür gesetzt wird." Seine Chancen für die Wahl? Da ist er Realist: „Der Kampf um das Direktmandat wird schwer." Und der Listenplatz 16 für NRW ist auch weit abgeschlagen. Für ihn wäre es aber ein Erfolg, wenn die Freien Wähler überhaupt in den Bundestag einzögen.

Experte der unangenehmen Fragen: Michael Müller tritt für die Freien Wähler an

Michael Müller ist Familien- und Hundemensch. Entsprechend will er sich zum Beispiel für soziale Themen einsetzen. MT-Foto: Thomas Lieske © Thomas Lieske

Porta Westfalica-Holzhausen. Gewohnheiten sind nicht sein Ding. Nur eine Gewohnheit ist Michael Müller lieb geworden: das permanente Streben nach Veränderung. Das war schon so, als der 72-Jährige aus Holzhausen noch in verschiedenen Manager-Positionen für Johnson&Johnson, Bayer oder Melitta gearbeitet hat – nach dem Abitur und dem BWL-Studium. 20 Jahre das Gleiche zu machen, das wäre für Michael Müller nie in Frage gekommen. Deshalb mag er es auch nicht, wenn die Menschen „aus Gewohnheit eine etablierte Partei wählen", sagt Müller. Mit seinen klaren Vorstellungen könnte er locker für CDU, SPD, FDP oder Grüne antreten. Als Kandidat für die Bundestagswahl hat sich der Diplom-Kaufmann allerdings für die Freien Wähler NRW aufstellen lassen – er steht auf Landeslistenplatz 16. „Ich finde es besser, wenn viele Köpfe für Kompetenz stehen und nicht die Partei."

Mit 72 will er noch einmal den großen Schritt wagen. Dabei könnte Michael Müller es ruhig und idyllisch haben. In seinem Wohnhaus in Holzhausen mit unverbautem Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es könnte so unkompliziert sein in seinem aufwendig sanierten Domizil an der Porta. Mit seiner Frau, seinen zwei der drei Kinder, die noch zu Hause wohnen, und dem quirligen Labradorrüden Magic, der gerne Zeit mit seinem Herrchen verbringt. Wie gesagt: könnte.

Doch die Zeit, die Müller nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben vor zwölf Jahren dazugewonnen hat, investiert er seitdem lieber in politische Aktivitäten. 2014 versuchte er es als parteiloser Kandidat im Rennen um das Bürgermeisteramt für Porta Westfalica, unterlag damals aber Bernd Hedtmann. Für Müller ist das bis heute keine Niederlage, sondern immer noch eine Frage der Prioritäten, die die Wählerinnen und Wähler damals gesetzt hätten. Er hätte sich dieses Amt weiterhin zugetraut. Dann jetzt eben der mögliche Schritt nach Berlin.


Wichtig ist ihm, dabei immer mit Porta verbunden zu bleiben. Genau diese Verbindung wolle er für den ländlichen Raum nutzen. „Es geht darum, jetzt die heimische Landwirtschaft mit einem vernünftigen Förderkonzept zu stärken." Es sei wichtig, die Höfe lokal zu stärken und „endlich die Familienbetriebe so zu behandeln wie die Großbetriebe". Er beobachte den Trend, dass immer mehr Menschen lieber regional und aus biologischem Anbau einkaufen wollten. Er selbst zählt sich auch dazu, wobei er eine „gesunde Mischung aus bio und konventionell" bevorzugt.

Auf Bundesebene sieht er mehr Chancen, sich für diesen Aspekt einzusetzen, als etwa in seiner Mitarbeit in der Wählergemeinschaft Porta (WP), die seit der vergangenen Kommunalwahl im Rat der Stadt Porta Westfalica vertreten ist. Genau diese Erfahrung gebe ihm Mut, jetzt für den Bundestagswahlkampf anzutreten. „Wir haben es mit der WP auf Anhieb geschafft. Das ist auch auf Bundesebene möglich."

Michael Müller mag es unbequem. Was zeitweise den einen oder anderen politischen Gegenüber bereits zum Verzweifeln gebracht und sicherlich auch entnervt hat, will er nutzen, „um die richtigen Fragen zu den richtigen Themen zu stellen". Dazu gehört für ihn auch, das Thema Bildung anzupacken. Das fängt aus seiner Sicht schon damit an, Familien frühzeitig zu entlasten und die Kitagebühr flächendeckend abzuschaffen. Und das gehe mit gleichen Bildungschancen für alle in der Schule weiter, die nicht von finanziellen Verhältnissen der Eltern abhängen dürften.

Die Zahlen will Müller als Kaufmann im Blick behalten. „Es ist essenziell, dass wir alle politischen Entscheidungen auf Nachhaltigkeit prüfen. Zum einen finanziell, zum anderen natürlich mit ihren Auswirkungen auf das Klima." Den Klimaschutz könne man gut lokal vorantreiben. Denn wenn vieles vor Ort gemacht werde, könne das zu einem flächendeckenden Teppich über die gesamte Republik werden, ist Michael Müller überzeugt. Sein Ansatz: Möglichst viele Alternativen prüfen. „Nichts ist alternativlos." Wenn man in Deutschland über Klimaschutz spreche, dann dürfe man sich nicht nur auf Elektromobilität versteifen, sondern müsse auch Wasserstoff oder die Brennstoffzelle in den Fokus nehmen.

Und das Thema Bahn? Für Porta ein ganz aktuelles, das obendrein auf Bundesebene zu entscheiden ist. Da sieht Michael Müller als Portaner eine Schlüsselrolle als möglicher Abgeordneter. „Wir müssen dafür sorgen, auch mit dem Blick auf die Nachhaltigkeit, dass die Bestandsstrecke vernünftig ausgebaut und kein milliardenschwerer Neubau vor die Tür gesetzt wird."

Seine Chancen für die Wahl? Da ist er Realist: „Der Kampf um das Direktmandat wird schwer." Und der Listenplatz 16 für NRW ist auch weit abgeschlagen. Für ihn wäre es aber ein Erfolg, wenn die Freien Wähler überhaupt in den Bundestag einzögen.

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