Elf schwere Unfälle in kürzester Zeit auf der A2: Viele offene Fragen, keine Antworten Thomas Lieske Porta Westfalica. Der Notruf geht am Donnerstagnachmittag um 16.52 Uhr in der Leitstelle ein. Es ist der elfte schwere Unfall in 45 Tagen auf dem Portaner Abschnitt der A2. Ein Lkw-Transporter hat zwischen Vennebeck und Veltheim die Mittelschutzplanke durchbrochen, drei weitere Autos können nicht mehr rechtzeitig bremsen. Die traurige Bilanz: zwei Verletzte, ein Schaden von rund 300.000 Euro und 13 Stunden Vollsperrung. Damit schnellen die Zahlen in der Unfallstatistik weiter nach oben. Hohe Schadenssumme: rund 1,6 Millionen Euro Und die lässt aufhorchen. Im Schnitt jeden vierten Tag hat es seit dem 7. Mai auf der A2 im Bereich Porta gekracht. Damals fuhr ein Kleinlaster ungebremst auf ein Stauende zwischen der Talbrücke Kleinenbremen und Veltheim auf einen Lkw auf. Der Fahrer schleuderte aus seinem Fahrzeug und wurde lebensgefährlich verletzt. Nur eine Woche später muss auch ein zweiter Lkw-Fahrer nach einem Auffahrunfall um sein Leben kämpfen. Insgesamt fordern die Unfälle seit Mai elf Verletzte, darunter neben den beiden lebensgefährlich auch drei schwer und sechs leicht Verletzte. Besonders eindrücklich in der Statistik die Gesamtschadenssumme. Satte 1,6 Millionen Euro bei 25 schrottreifen Fahrzeugen – neun Lkw, 15 Pkw und ein Motorrad – bilanziert die Polizei in nur eineinhalb Monaten. Polizei: Zu früh, um Lage zu bewerten Das wirft Fragen auf. Vor allem eine: Müssen die zuständigen Behörden womöglich eingreifen, um die Unfallzahlen zu reduzieren? Diese Frage könne die zuständige Autobahnpolizei Bielefeld derzeit noch nicht beantworten, erklärt deren Pressesprecher Michael Kötter gegenüber dem MT. „Inhalte dieser Statistik nutzen wir erst für die Jahresbilanz als Rückblick und Ausrichtung für unsere kommenden Aufgaben.“ Heißt: Die Polizei betrachte generell das Unfallgeschehen über ein gesamtes Jahr, um Folgen für ihre Arbeit daraus abzuleiten. Eine gesonderte Unfallstatistik nur für den Abschnitt Porta Westfalica führt die Polizei in Bielefeld nicht. Bisher beurteilte man den Portaner Abschnitt aber als nicht besonders auffällig. Das könnte sich womöglich Ende des Jahres ändern. An rund der Hälfte der schweren Unfälle sind Lkw beteiligt. Diese verliefen jedes Mal besonders schwer. Die Folge: stundenlange Vollsperrungen. Bei vier der fünf Unfälle mit Lastwagen auf der A2 blieb die Strecke jeweils mehrere Stunden gesperrt – zweimal für mehr als einen halben Tag. Bei mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Tag sorgte das stets für ein Verkehrschaos. Fast 70 Kilometer Stau bildete sich zusammengerechnet bei allen elf Unfällen laut dem Verkehrsüberwachungsportal verkehr.nrw. Zunehmende Belastung für die Retter Die Unfälle auf der A2 werden auch für die Feuerwehr zunehmend zu einer Belastung. Acht der elf Unfälle sorgten seit Anfang Mai für einen Feuerwehreinsatz. Besonders belastend wird es, wenn die Retter eingeklemmte Fahrer aus dem Wrack befreien müssen. Dabei dürften vor allem die beiden schweren Lkw-Unfälle aus dem vergangenen Monat in Erinnerung bleiben. Gleich zweimal ging es um jede Minute, damit zwei lebensgefährlich verletzte Trucker noch eine Überlebenschance haben. In sozialen Netzwerken wie Facebook wird längst eine Lösung gefordert, um die Unfallzahlen auf der A2 einzudämmen. Von Tempolimit über Lkw-Überholverbot wird alles diskutiert. Zuletzt stellte Straßen NRW als zuständige Behörde aber keine Veränderungen in Aussicht. Ob sich das im kommenden Jahr ändert: ungewiss. Die Unfälle im Überblick 1: Ein Motorradfahrer fährt am 10. Mai vor Porta in die Leitplanke und wird schwer verletzt – Vollsperrung. 2: Aus ungeklärter Ursache durchbricht ein Lkw-Transporter am 25. Juni die Mittelleitplanke und kollidiert mit drei Pkw. Schaden: 300.000 Euro – Vollsperrung.3: Nach einem Starkregen am 14. Juni fahren zwei Autos ineinander. Verletzt wird niemand.4: Nach einer Unfallflucht bleibt eine Familie am 16. Mai mit ihrem zerstörten Mercedes auf der linken Spur liegen. Ein dunkler SUV hatte den Sportwagen zuvor geschnitten. Eine Frau wird leicht verletzt. 5: Ein Lkw schert am 9. Juni vor einem Ford ein. Der Fahrer muss ausweichen und überschlägt sich. Er wird schwer verletzt, der Lkw flüchtet.6: Zwei Autos fahren am 18. Mai mit hoher Geschwindigkeit aufeinander und werden völlig zerstört. Wie durch ein Wunder bleiben alle unverletzt.7: Ein zweiter Unfall ereignet sich während des Starkregens am 14. Juni, diesmal überschlägt sich ein Wagen, der Fahrer bleibt unversehrt.8: Im Rückstau der Unfallflucht am 16. Mai kracht ein Sattelschlepper ungebremst ins Stauende und schiebt vier Lkw aufeinander. Ein Fahrer schwebt in Lebensgefahr. Schaden: eine Million Euro – Vollsperrung.9: Der erste Unfall im Mai: Am 7. fährt ein Kleinlaster auf ein Stauende auf, der Fahrer wird herausgeschleudert und lebensgefährlich verletzt – Vollsperrung.10: Ein Lkw übersieht bei einem Spurwechsel am 5. Juni einen Audi und drückt ihn an die Leitplanke. Zwei Insassen werden dabei verletzt.11: Betrunken fährt ein junger BMW-Fahrer auf einen Tanklaster auf. 14 Tonnen Kokos-Öl müssen abgepumpt werden, der Autofahrer wird schwer verletzt. Schaden: rund 100.000 Euro. (lies)

Elf schwere Unfälle in kürzester Zeit auf der A2: Viele offene Fragen, keine Antworten

Der Unfall am Donnerstag sorgte für eine 13-stündige Vollsperrung der A2 bei Porta. Es war einer von elf schwereren Unfällen in den vergangenen 45 Tagen in diesem Abschnitt der Autobahn. © Foto: Gisela Schwarze

Porta Westfalica. Der Notruf geht am Donnerstagnachmittag um 16.52 Uhr in der Leitstelle ein. Es ist der elfte schwere Unfall in 45 Tagen auf dem Portaner Abschnitt der A2. Ein Lkw-Transporter hat zwischen Vennebeck und Veltheim die Mittelschutzplanke durchbrochen, drei weitere Autos können nicht mehr rechtzeitig bremsen. Die traurige Bilanz: zwei Verletzte, ein Schaden von rund 300.000 Euro und 13 Stunden Vollsperrung. Damit schnellen die Zahlen in der Unfallstatistik weiter nach oben.

Hohe Schadenssumme: rund 1,6 Millionen Euro

Und die lässt aufhorchen. Im Schnitt jeden vierten Tag hat es seit dem 7. Mai auf der A2 im Bereich Porta gekracht. Damals fuhr ein Kleinlaster ungebremst auf ein Stauende zwischen der Talbrücke Kleinenbremen und Veltheim auf einen Lkw auf. Der Fahrer schleuderte aus seinem Fahrzeug und wurde lebensgefährlich verletzt. Nur eine Woche später muss auch ein zweiter Lkw-Fahrer nach einem Auffahrunfall um sein Leben kämpfen. Insgesamt fordern die Unfälle seit Mai elf Verletzte, darunter neben den beiden lebensgefährlich auch drei schwer und sechs leicht Verletzte. Besonders eindrücklich in der Statistik die Gesamtschadenssumme. Satte 1,6 Millionen Euro bei 25 schrottreifen Fahrzeugen – neun Lkw, 15 Pkw und ein Motorrad – bilanziert die Polizei in nur eineinhalb Monaten.

Polizei: Zu früh, um Lage zu bewerten

Das wirft Fragen auf. Vor allem eine: Müssen die zuständigen Behörden womöglich eingreifen, um die Unfallzahlen zu reduzieren? Diese Frage könne die zuständige Autobahnpolizei Bielefeld derzeit noch nicht beantworten, erklärt deren Pressesprecher Michael Kötter gegenüber dem MT. „Inhalte dieser Statistik nutzen wir erst für die Jahresbilanz als Rückblick und Ausrichtung für unsere kommenden Aufgaben.“ Heißt: Die Polizei betrachte generell das Unfallgeschehen über ein gesamtes Jahr, um Folgen für ihre Arbeit daraus abzuleiten. Eine gesonderte Unfallstatistik nur für den Abschnitt Porta Westfalica führt die Polizei in Bielefeld nicht. Bisher beurteilte man den Portaner Abschnitt aber als nicht besonders auffällig.

Das könnte sich womöglich Ende des Jahres ändern. An rund der Hälfte der schweren Unfälle sind Lkw beteiligt. Diese verliefen jedes Mal besonders schwer. Die Folge: stundenlange Vollsperrungen. Bei vier der fünf Unfälle mit Lastwagen auf der A2 blieb die Strecke jeweils mehrere Stunden gesperrt – zweimal für mehr als einen halben Tag. Bei mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Tag sorgte das stets für ein Verkehrschaos. Fast 70 Kilometer Stau bildete sich zusammengerechnet bei allen elf Unfällen laut dem Verkehrsüberwachungsportal verkehr.nrw.

Zunehmende Belastung für die Retter

Die Unfälle auf der A2 werden auch für die Feuerwehr zunehmend zu einer Belastung. Acht der elf Unfälle sorgten seit Anfang Mai für einen Feuerwehreinsatz. Besonders belastend wird es, wenn die Retter eingeklemmte Fahrer aus dem Wrack befreien müssen. Dabei dürften vor allem die beiden schweren Lkw-Unfälle aus dem vergangenen Monat in Erinnerung bleiben. Gleich zweimal ging es um jede Minute, damit zwei lebensgefährlich verletzte Trucker noch eine Überlebenschance haben.

In sozialen Netzwerken wie Facebook wird längst eine Lösung gefordert, um die Unfallzahlen auf der A2 einzudämmen. Von Tempolimit über Lkw-Überholverbot wird alles diskutiert. Zuletzt stellte Straßen NRW als zuständige Behörde aber keine Veränderungen in Aussicht. Ob sich das im kommenden Jahr ändert: ungewiss.

Die Unfälle im Überblick

1: Ein Motorradfahrer fährt am 10. Mai vor Porta in die Leitplanke und wird schwer verletzt – Vollsperrung. 2: Aus ungeklärter Ursache durchbricht ein Lkw-Transporter am 25. Juni die Mittelleitplanke und kollidiert mit drei Pkw. Schaden: 300.000 Euro – Vollsperrung.3: Nach einem Starkregen am 14. Juni fahren zwei Autos ineinander. Verletzt wird niemand.4: Nach einer Unfallflucht bleibt eine Familie am 16. Mai mit ihrem zerstörten Mercedes auf der linken Spur liegen. Ein dunkler SUV hatte den Sportwagen zuvor geschnitten. Eine Frau wird leicht verletzt. 5: Ein Lkw schert am 9. Juni vor einem Ford ein. Der Fahrer muss ausweichen und überschlägt sich. Er wird schwer verletzt, der Lkw flüchtet.6: Zwei Autos fahren am 18. Mai mit hoher Geschwindigkeit aufeinander und werden völlig zerstört. Wie durch ein Wunder bleiben alle unverletzt.7: Ein zweiter Unfall ereignet sich während des Starkregens am 14. Juni, diesmal überschlägt sich ein Wagen, der Fahrer bleibt unversehrt.8: Im Rückstau der Unfallflucht am 16. Mai kracht ein Sattelschlepper ungebremst ins Stauende und schiebt vier Lkw aufeinander. Ein Fahrer schwebt in Lebensgefahr. Schaden: eine Million Euro – Vollsperrung.9: Der erste Unfall im Mai: Am 7. fährt ein Kleinlaster auf ein Stauende auf, der Fahrer wird herausgeschleudert und lebensgefährlich verletzt – Vollsperrung.10: Ein Lkw übersieht bei einem Spurwechsel am 5. Juni einen Audi und drückt ihn an die Leitplanke. Zwei Insassen werden dabei verletzt.11: Betrunken fährt ein junger BMW-Fahrer auf einen Tanklaster auf. 14 Tonnen Kokos-Öl müssen abgepumpt werden, der Autofahrer wird schwer verletzt. Schaden: rund 100.000 Euro. (lies)

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