Eine Familie aus Porta Westfalica erzählt, wie schwer das Warten auf ein Adoptivkind ist Carolin Nieder-Entgelmeier Herford/Porta Westfalica. 1.617 Paare aus NRW haben sich im vergangenen Jahr bei Adoptionsvermittlungsstellen beworben, um ein Kind zu adoptieren. Demgegenüber waren jedoch nur 245 Mädchen und Jungen zur Adoption vorgemerkt. So kann es Jahre dauern, bis sich der Wunsch einer Adoption erfüllt. „Es gibt keine Garantie", erklärt Rainer Simon von der Adoptionsvermittlungsstelle des Herforder Jugendamts. Das ist für die Bewerber nicht immer einfach, denn oft ist die Adoptionsvermittlungsstelle die letzte Chance auf ein Kind. Ein Paar aus Porta Westfalica erzählt, wie schwierig das Warten ist. Die Adoptionsvermittlungsstelle des Herforder Jugendamts ist für alle Kommunen im Kreis Herford und die Stadt Porta Westfalica im Kreis Minden-Lübbecke zuständig. In einem Besprechungsraum des Jugendamts sitzen Rainer Simon und seine Kollegin Swea Hartl einem Bewerberpaar aus Porta Westfalica gegenüber. Heike und Thomas Lehmann (Namen von der Redaktion geändert) erzählen von ihrem Kinderwunsch, möchten ihre wirklichen Namen aber nicht preisgeben, denn sie hoffen sobald wie möglich auf die Adoption eines Kindes. Kinderwunsch seit zehn Jahren Seit zehn Jahren wünschen sich Heike und Thomas Lehmann ein Kind. „Mit Mitte 20 dachten wir uns, dass es irgendwann schon klappen wird", sagt Thomas Lehmann. „Doch bis heute hat es einfach nicht funktioniert." Das Paar lässt sich untersuchen und Heike Lehmann beginnt mit einer Hormonbehandlung, die sie im Nachhinein als Katastrophe bezeichnet. „Es war eine sehr schmerzhafte und belastende Zeit", sagt Heike die 35-jährige Verkäuferin. „Es war sehr schwer für mich schwangere Frauen oder Mütter mit ihren Kindern zu sehen, da ich wusste, dass uns dieser Wunsch verwehrt bleibt." Heike Lehmann bricht die Hormonbehandlung ab und das Paar informiert sich über Adoptionen. „Zum ersten Mal waren wir als unverheiratetes Paar bei der Adoptionsvermittlungsstelle", sagt der 36-jährige Thomas Lehmann. Doch in Deutschland können nur verheiratete Paare ein Kind gemeinsam adoptieren. Bei unverheirateten und nicht eingetragenen Lebenspartnerschaften kann nur einer der Lebenspartner das Kind adoptieren. 2011 gibt sich das Paar das Jawort, 2012 bauen Heike und Thomas Lehmann ein Haus in Porta Westfalica und Ende des vergangenen Jahres bewerben sie sich bei der Adoptionsvermittlungsstelle in Herford. Sie werden von Rainer Simon und Swea Hartl überprüft, denn in Deutschland geht jeder Adoption eine Überprüfung voraus. „Da wir passende Eltern für ein Kind suchen, führen wir viele Gespräche, denn wir wollen die Bewerber so gut es geht kennenlernen", erklärt Hartl. "Jeder Adoption geht eine Krise voraus" Neben Paar- und Einzelgesprächen zählen auch Fragebögen, Seminare und Hausbesuche zur Überprüfung. „Wir müssen wissen, welche Wünsche die Bewerber haben, was sie sich zutrauen und ob sie in ihrem Umfeld auch Platz für ein Kind haben", sagt Simon. Paare müssen beispielsweise angeben, ob es ihnen egal ist, welches Geschlecht das Kind hat und aus welchem Kulturkreis es kommt und ob sie sich zutrauen ein Kind mit Krankheiten, Behinderungen oder andere Beeinträchtigungen aufzuziehen. „Anfangs sind viele Paare ängstlich und haben genaue Vorstellungen von einem Kind", sagt Simon. Doch das ändert sich häufig während der Überprüfung. So auch bei Thomas Lehmann: „Mir war es wichtig, dass das Kind keine Beeinträchtigungen hat und uns zumindest etwas ähnelt, doch inzwischen ist mir das egal, so wie meiner Frau." Das Team der Adoptionsvermittlungsstelle bereitet Paare auch darauf vor, dass Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, häufig aus schwierigen Verhältnissen stammen. „Jeder Adoption geht eine Krise voraus, denn keine Mutter gibt ihr Kind einfach so ab", erklärt Hartl. „Wir vermitteln in der Regel Säuglinge, doch auch die haben bereits ein Päckchen, das sie mit in ihre neue Familie bringen." Angst haben die Lehmanns davor nicht. „Für uns wäre es ein Wunder, wenn wir ein Kind bekommen", sagt Heike Lehmann. Paare sollten sich ein Limit setzen Das Paar weiß, dass es keine Garantie auf eine gelingende Adoption hat, doch die Hoffnung ist groß. „Wir wünschen uns, dass wir bald zu dritt in unserem großen Haus leben." Deshalb löst jeder Anruf der Adoptionsvermittlungsstelle Herzrasen aus. „Unsere Familie und Freunde fragen ständig nach, weil sie ebenso aufgeregt sind wie wir", erzählt Heike Lehmann. Die Lehmanns haben sich eine Wartezeit von fünf Jahren gesetzt. „Wenn es bis dahin nicht klappt, werden wir unser Leben anders gestalten. Entweder werden wir viel reisen oder uns selbstständig machen", sagt Thomas Lehmann. Hartl und Simon raten allen Paaren dazu, sich ein Limit zu setzen. „Man kann nicht ewig warten und muss sich irgendwann damit abfinden, denn nur so kann das Thema Kinderwunsch abgeschlossen werden", erklärt Simon. Wichtig ist den Adoptionsvermittlern auch, dass die Paare offen mit dem Thema Adoption umgehen. „Am besten funktioniert es, wenn man den Kindern von klein auf erzählt, dass sie auch noch leibliche Eltern haben, damit nicht irgendwann der große Knall kommt und Kinder erfahren müssen, dass sie mit einer Lebenslüge aufgewachsen sind", sagt Hartl.

Eine Familie aus Porta Westfalica erzählt, wie schwer das Warten auf ein Adoptivkind ist

Viele Paare fühlen sich erst mit einem Kind als Familie komplett. Wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt, hoffen viele auf eine Adoption.  © Foto: dpa

Herford/Porta Westfalica. 1.617 Paare aus NRW haben sich im vergangenen Jahr bei Adoptionsvermittlungsstellen beworben, um ein Kind zu adoptieren. Demgegenüber waren jedoch nur 245 Mädchen und Jungen zur Adoption vorgemerkt. So kann es Jahre dauern, bis sich der Wunsch einer Adoption erfüllt.

„Es gibt keine Garantie", erklärt Rainer Simon von der Adoptionsvermittlungsstelle des Herforder Jugendamts. Das ist für die Bewerber nicht immer einfach, denn oft ist die Adoptionsvermittlungsstelle die letzte Chance auf ein Kind. Ein Paar aus Porta Westfalica erzählt, wie schwierig das Warten ist.

Adoptionsvermittler: Swea Hartl und Rainer Simon vom Herforder Jugendamt. - © Foto: Carolin Nieder-Entgelmeier
Adoptionsvermittler: Swea Hartl und Rainer Simon vom Herforder Jugendamt. - © Foto: Carolin Nieder-Entgelmeier

Die Adoptionsvermittlungsstelle des Herforder Jugendamts ist für alle Kommunen im Kreis Herford und die Stadt Porta Westfalica im Kreis Minden-Lübbecke zuständig. In einem Besprechungsraum des Jugendamts sitzen Rainer Simon und seine Kollegin Swea Hartl einem Bewerberpaar aus Porta Westfalica gegenüber. Heike und Thomas Lehmann (Namen von der Redaktion geändert) erzählen von ihrem Kinderwunsch, möchten ihre wirklichen Namen aber nicht preisgeben, denn sie hoffen sobald wie möglich auf die Adoption eines Kindes.

Kinderwunsch seit zehn Jahren

Seit zehn Jahren wünschen sich Heike und Thomas Lehmann ein Kind. „Mit Mitte 20 dachten wir uns, dass es irgendwann schon klappen wird", sagt Thomas Lehmann. „Doch bis heute hat es einfach nicht funktioniert." Das Paar lässt sich untersuchen und Heike Lehmann beginnt mit einer Hormonbehandlung, die sie im Nachhinein als Katastrophe bezeichnet. „Es war eine sehr schmerzhafte und belastende Zeit", sagt Heike die 35-jährige Verkäuferin. „Es war sehr schwer für mich schwangere Frauen oder Mütter mit ihren Kindern zu sehen, da ich wusste, dass uns dieser Wunsch verwehrt bleibt."

Heike Lehmann bricht die Hormonbehandlung ab und das Paar informiert sich über Adoptionen. „Zum ersten Mal waren wir als unverheiratetes Paar bei der Adoptionsvermittlungsstelle", sagt der 36-jährige Thomas Lehmann. Doch in Deutschland können nur verheiratete Paare ein Kind gemeinsam adoptieren. Bei unverheirateten und nicht eingetragenen Lebenspartnerschaften kann nur einer der Lebenspartner das Kind adoptieren.

2011 gibt sich das Paar das Jawort, 2012 bauen Heike und Thomas Lehmann ein Haus in Porta Westfalica und Ende des vergangenen Jahres bewerben sie sich bei der Adoptionsvermittlungsstelle in Herford. Sie werden von Rainer Simon und Swea Hartl überprüft, denn in Deutschland geht jeder Adoption eine Überprüfung voraus. „Da wir passende Eltern für ein Kind suchen, führen wir viele Gespräche, denn wir wollen die Bewerber so gut es geht kennenlernen", erklärt Hartl.

"Jeder Adoption geht eine Krise voraus"

Neben Paar- und Einzelgesprächen zählen auch Fragebögen, Seminare und Hausbesuche zur Überprüfung. „Wir müssen wissen, welche Wünsche die Bewerber haben, was sie sich zutrauen und ob sie in ihrem Umfeld auch Platz für ein Kind haben", sagt Simon. Paare müssen beispielsweise angeben, ob es ihnen egal ist, welches Geschlecht das Kind hat und aus welchem Kulturkreis es kommt und ob sie sich zutrauen ein Kind mit Krankheiten, Behinderungen oder andere Beeinträchtigungen aufzuziehen.

„Anfangs sind viele Paare ängstlich und haben genaue Vorstellungen von einem Kind", sagt Simon. Doch das ändert sich häufig während der Überprüfung. So auch bei Thomas Lehmann: „Mir war es wichtig, dass das Kind keine Beeinträchtigungen hat und uns zumindest etwas ähnelt, doch inzwischen ist mir das egal, so wie meiner Frau."

Das Team der Adoptionsvermittlungsstelle bereitet Paare auch darauf vor, dass Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, häufig aus schwierigen Verhältnissen stammen. „Jeder Adoption geht eine Krise voraus, denn keine Mutter gibt ihr Kind einfach so ab", erklärt Hartl. „Wir vermitteln in der Regel Säuglinge, doch auch die haben bereits ein Päckchen, das sie mit in ihre neue Familie bringen." Angst haben die Lehmanns davor nicht. „Für uns wäre es ein Wunder, wenn wir ein Kind bekommen", sagt Heike Lehmann.

Paare sollten sich ein Limit setzen

Das Paar weiß, dass es keine Garantie auf eine gelingende Adoption hat, doch die Hoffnung ist groß. „Wir wünschen uns, dass wir bald zu dritt in unserem großen Haus leben." Deshalb löst jeder Anruf der Adoptionsvermittlungsstelle Herzrasen aus. „Unsere Familie und Freunde fragen ständig nach, weil sie ebenso aufgeregt sind wie wir", erzählt Heike Lehmann.

Die Lehmanns haben sich eine Wartezeit von fünf Jahren gesetzt. „Wenn es bis dahin nicht klappt, werden wir unser Leben anders gestalten. Entweder werden wir viel reisen oder uns selbstständig machen", sagt Thomas Lehmann. Hartl und Simon raten allen Paaren dazu, sich ein Limit zu setzen. „Man kann nicht ewig warten und muss sich irgendwann damit abfinden, denn nur so kann das Thema Kinderwunsch abgeschlossen werden", erklärt Simon.

Wichtig ist den Adoptionsvermittlern auch, dass die Paare offen mit dem Thema Adoption umgehen. „Am besten funktioniert es, wenn man den Kindern von klein auf erzählt, dass sie auch noch leibliche Eltern haben, damit nicht irgendwann der große Knall kommt und Kinder erfahren müssen, dass sie mit einer Lebenslüge aufgewachsen sind", sagt Hartl.

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