Archäologen verfilmen Urnenraub von Costedt: Das ist die besondere Motivation dahinter Thomas Lieske Porta Westfalica-Costedt. Der Urnenraub von Costedt bei Ausgrabungen im Jahr 1989 gilt als einmalig in der deutschen Archäologiegeschichte. Kein Wunder also, dass die anonyme Rückgabe der aus einem Gräberfeld gestohlenen Urne Anfang dieses Jahres hohe Wellen schlug (MT berichtete). Der Fall beschäftigt seitdem auch die ehrenamtlichen Archäologen der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GfBdML). So sehr, dass aktuell sogar Dreharbeiten für eine Verfilmung des Urnenraubes stattfinden. „Wir wollen die Geschichte rund um diesen einzigartigen Fall auch den Leuten zugänglich machen, die nicht in Fachkreisen der Archäologie unterwegs sind“, erklärt Daniel Bake vom Verein. „Wir haben alle Orte, an denen sich die Geschichte abgespielt hat, direkt vor der Haustür“, sagt Bake. Die Idee zu dem Film entstand im März. Eine Mischung aus nachgestellten Szenen – etwa der Beerdigung – und Dokumentation soll es am Ende sein, wenn das Video veröffentlicht wird. Vor allem die historischen Szene sind schwer zu drehen, erzählt Daniel Bake. „Die Bestattung fand vermutlich 150 bis 250 nach Christus statt. Davon gibt es aber keine Schriftquellen. Da mussten wir uns richtig Gedanken machen, um die Szene zu rekonstruieren.“ Gut die Hälfte Szenen ist bereits im Kasten. An weiteren arbeiten die ehrenamtlichen Mitglieder derzeit noch. „Wir wollen auch noch eine Rechtsanwältin aus Bielefeld interviewen“, verrät Bake. Sie soll eine Einschätzung abgeben, ob der Täter, der die Urne anonym in einem Karton vor einem Haus eines Vereinsmitgliedes abstellte, rechtlich noch belangt werden könnte. Oder ob der Diebstahl bereits verjährt ist. Zu den Experten soll auch ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Hessen gehören. Dort gebe es jemanden, der sich hauptsächlich mit Raubgrabungen beschäftige, sagt Bake. Auch ein Facharchäologe, der den Fall betrachten soll, zählt zu den Experten, die der Verein befragen will. Der Dreh ist aufwenig: Verschiedene Orte, Fachliteratur wälzen, Lizenzrechte besorgen, Szenen rekonstruieren, Experten suchen und mit ihnen sprechen und natürlich ständig alle Corona-Hygieneregeln einhalten – all das machen die Vereinsmitglieder ehrenamtlich in ihrer Freizeit. „Mit dem Video wollen und können wir gar kein Geld verdienen“, erklärt Daniel Bake. Doch warum dann der Aufwand? „Da gehört für uns schon eine gehörige Portion Idealismus und Leidenschaft dazu. Wir brennen für die Archäologie“, sagt der ausgebildete Grabungstechniker, der auch beruflich bereits viele Jahre Erfahrung in der Archäologie gesammelt hat. Deshalb arbeitet der Verein nach Möglichkeit mit Sponsoren zusammen und ist auch ständig auf der Suche nach weiteren. Etwa für die Vertonung des Videos. „Wir haben uns entschieden, mit einem professionellen Vertoner zusammenzuarbeiten, um die Stimme aus dem Off einzusprechen.“ Das werde vermutlich rund 400 Euro kosten, die der Verein auf eigene Kosten stemmen müsste. Wann das Video genau fertig sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Zwei bis drei Monate werde die Arbeit mindestens noch dauern, sagt Bake. Veröffentlicht wird es dann – „auf jeden Fall noch in diesem Jahr“ – auf dem vereinseigenen Youtube-Kanal. Auf dem sind bereits weitere Videoprojekte der ehrenamtlichen Archäologen zu sehen. „Die großen Klickzahlen werden wir dort natürlich nicht erreichen“, gibt sich Daniel Bake realistisch. „Aber so erreichen wir mit unserer Arbeit zumindest jeden, der das auch möchte.“

Archäologen verfilmen Urnenraub von Costedt: Das ist die besondere Motivation dahinter

Kurz vor dem Take: Alle sind auf Position, die Dreharbeiten für die Nachstellung der Beerdigungsszene können beginnen. Fotos: Karin Höhle/GeFBdML © Karin Höhle/GeFBdML

Porta Westfalica-Costedt. Der Urnenraub von Costedt bei Ausgrabungen im Jahr 1989 gilt als einmalig in der deutschen Archäologiegeschichte. Kein Wunder also, dass die anonyme Rückgabe der aus einem Gräberfeld gestohlenen Urne Anfang dieses Jahres hohe Wellen schlug (MT berichtete). Der Fall beschäftigt seitdem auch die ehrenamtlichen Archäologen der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke (GfBdML). So sehr, dass aktuell sogar Dreharbeiten für eine Verfilmung des Urnenraubes stattfinden.

„Wir wollen die Geschichte rund um diesen einzigartigen Fall auch den Leuten zugänglich machen, die nicht in Fachkreisen der Archäologie unterwegs sind“, erklärt Daniel Bake vom Verein. „Wir haben alle Orte, an denen sich die Geschichte abgespielt hat, direkt vor der Haustür“, sagt Bake. Die Idee zu dem Film entstand im März. Eine Mischung aus nachgestellten Szenen – etwa der Beerdigung – und Dokumentation soll es am Ende sein, wenn das Video veröffentlicht wird. Vor allem die historischen Szene sind schwer zu drehen, erzählt Daniel Bake. „Die Bestattung fand vermutlich 150 bis 250 nach Christus statt. Davon gibt es aber keine Schriftquellen. Da mussten wir uns richtig Gedanken machen, um die Szene zu rekonstruieren.“

Gut die Hälfte Szenen ist bereits im Kasten. An weiteren arbeiten die ehrenamtlichen Mitglieder derzeit noch. „Wir wollen auch noch eine Rechtsanwältin aus Bielefeld interviewen“, verrät Bake. Sie soll eine Einschätzung abgeben, ob der Täter, der die Urne anonym in einem Karton vor einem Haus eines Vereinsmitgliedes abstellte, rechtlich noch belangt werden könnte. Oder ob der Diebstahl bereits verjährt ist. Zu den Experten soll auch ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Hessen gehören. Dort gebe es jemanden, der sich hauptsächlich mit Raubgrabungen beschäftige, sagt Bake. Auch ein Facharchäologe, der den Fall betrachten soll, zählt zu den Experten, die der Verein befragen will.


Der Dreh ist aufwenig: Verschiedene Orte, Fachliteratur wälzen, Lizenzrechte besorgen, Szenen rekonstruieren, Experten suchen und mit ihnen sprechen und natürlich ständig alle Corona-Hygieneregeln einhalten – all das machen die Vereinsmitglieder ehrenamtlich in ihrer Freizeit. „Mit dem Video wollen und können wir gar kein Geld verdienen“, erklärt Daniel Bake. Doch warum dann der Aufwand? „Da gehört für uns schon eine gehörige Portion Idealismus und Leidenschaft dazu. Wir brennen für die Archäologie“, sagt der ausgebildete Grabungstechniker, der auch beruflich bereits viele Jahre Erfahrung in der Archäologie gesammelt hat.

Diese Zeichnung hat das Vereinsmitglied Kati Benseler eigens für den Dreh angefertigt. - © Kati Benseler/GeFBdML
Diese Zeichnung hat das Vereinsmitglied Kati Benseler eigens für den Dreh angefertigt. - © Kati Benseler/GeFBdML

Deshalb arbeitet der Verein nach Möglichkeit mit Sponsoren zusammen und ist auch ständig auf der Suche nach weiteren. Etwa für die Vertonung des Videos. „Wir haben uns entschieden, mit einem professionellen Vertoner zusammenzuarbeiten, um die Stimme aus dem Off einzusprechen.“ Das werde vermutlich rund 400 Euro kosten, die der Verein auf eigene Kosten stemmen müsste.

Wann das Video genau fertig sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Zwei bis drei Monate werde die Arbeit mindestens noch dauern, sagt Bake. Veröffentlicht wird es dann – „auf jeden Fall noch in diesem Jahr“ – auf dem vereinseigenen Youtube-Kanal. Auf dem sind bereits weitere Videoprojekte der ehrenamtlichen Archäologen zu sehen. „Die großen Klickzahlen werden wir dort natürlich nicht erreichen“, gibt sich Daniel Bake realistisch. „Aber so erreichen wir mit unserer Arbeit zumindest jeden, der das auch möchte.“

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