Ehemalige Portanerin tauscht Agentur gegen Acker Christine Riechmann Porta Westfalica-Neesen/Warburg. Als Katharina Jacobi noch Katharina Kruse hieß, lebte sie in Minden, arbeitete bei der Edeka in der Mios-Werbeagentur und träumte davon, irgendwann mal in einer schicken Altbauwohnung in einer noch schickeren Großstadt zu wohnen und in einer bekannten Agentur zu arbeiten. Heute lebt die 30-Jährige mit Mann und Sohn in einem 600-Seelendorf, auf einem Biohof umgeben von Kühen, Schweinen und Hühnern – und ist glücklicher denn je. Zu sehen war die Jungbäuerin, die in Neesen aufgewachsen ist und deren Eltern und Großeltern dort auch heute noch leben, am vergangenen Montagabend in der WDR-Sendung „Land & Lecker“. In der Sendung treffen sich Landfrauen und -männer, die sich gegenseitig besuchen und bekochen und im Wettbewerb um das schönste Hoferlebnis gegeneinander antreten. Dass es Katharina Jacobi auf einen Bauernhof verschlagen hat, ist der Liebe geschuldet. Während ihrer Zeit bei der Edeka hat sie über das Internet ihren heutigen Mann Julius kennengelernt. Der Sohn eines Landwirtes absolvierte auf dem Biohof Kinkelbur in Minden-Haddenhausen sein erstes Ausbildungsjahr. Katharina verliebte sich nicht nur in ihn, sondern auch in die Landwirtschaft, die sie durch Julius kennenlernte. Um herauszufinden, ob sie ihrem früheren Leben nur wegen des Mannes den Rücken kehren wollte oder auch, weil sie es selbst wirklich wollte, hat sie ihren Job bei der Mios-Werbeagentur für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf einem Demeter-Hof gekündigt. „Dass ich meine gute, unbefristete Stelle aufgegeben habe, fand meine Familie damals ziemlich verwunderlich“, erzählt Katharina. Der Job bei Edeka sei super gewesen und die Arbeit hätte ihr großen Spaß gemacht. Dennoch habe sie das Gefühl gehabt, noch etwas Größeres schaffen zu müssen. „Ich habe mich gefragt, ob es das jetzt war. Mir hat es noch an Lebensinhalt gefehlt.“ Eine Zeit lang hat die 30-Jährige selbstständig als Grafikerin für Höfe gearbeitet und deren Produkte vermarktet. „Ich kenne mich sowohl mit Landwirtschaft, als auch mit Grafik und Werbung aus, das ist eine Marktlücke.“ Mittlerweile haben Katharina und ihr Mann Julius den Biohof seiner Eltern in Körbecke in der Nähe von Warburg zwischen Paderborn und Kassel übernommen. Dort bilden Ackerbau und Saatgutvermehrung zusammen mit der Milchviehhaltung eine ineinandergreifende ökologische Kreislaufwirtschaft. In der Hofkäserei wird aus der hofeigenen Milch handwerklich Käse in allen Varianten hergestellt und der Hofladen hat all das zu bieten, was die Biolandwirtschaft der Jacobis hergibt. Katharina sitzt selten auf dem Trecker oder arbeitet im Stall. Die Jungbäuerin kümmert sich vor allem um das, was im Hintergrund läuft: Vermarktung, Verkauf, Organisation und die Versorgung der Mitarbeiter. „Ich koche jeden Tag für all unsere Mitarbeiter und die Familie das Betriebsessen“, berichtet sie von ihrem abwechslungsreichen Alltag in einer großen Gemeinschaft. Nicht nur drei Generationen Jacobis leben auf dem Hof, sondern auch die meisten Mitarbeiter. Katharina ist begeistert, dass ihr einjähriger Sohn Joost genauso aufwächst. „Der fährt schon Trecker und ist natürlich jeden Tag mindestens einmal im Kuhstall.“ Mit der Übernahme des Hofes im Jahr 2020 hat sich das junge Paar auch eine ordentliche Portion Verantwortung und Arbeit aufgehalst. Da für Julius Vater mit 75 Jahren der Ruhestand auf dem Plan stand, mussten – und wollten – die Jungen ran, Julius war zu dem Zeitpunkt erst 26 Jahre alt. Ihr Motto ist „Altes erhalten, Neues schaffen“. „Es ist schon toll, so jung etwas Eigenes zu haben und gestalten zu dürfen“, meint Katharina. Trotzdem seien die Fußstapfen groß, in die sie treten müssten. „Mein Schwiegervater ist in der Szene sehr bekannt, er war früher ein echter rebellischer Biopionier und politisch immer sehr aktiv“, erzählt Katharina. „Man schaut auf uns und darauf, was wir so machen.“ Und das ist viel. Julius arbeitet täglich bis zu 14 Stunden und auch Katharina ist rund um die Uhr beschäftigt. „Wenn ich allerdings früher in meinem Job anstrengende Tage hatte, war ich abends immer total k.o. und habe mich schlecht gefühlt. Heute macht mir das gar nichts aus und es geht mir gut damit.“ Richtig romantisch wird es manchmal, wenn im Sommer die Rindertour gefahren wird. „Einmal am Tag muss das Vieh auf der Weide kontrolliert werden“, erklärt Katharina. „Dann nehmen wir auch schon mal ein Bier mit und genießen die Abendsonne.“ Landwirtschaft und Urlaub ist immer ein schwieriges Thema – und auch die Jacobis konnten sich in diesem Jahr nur sieben Tage freischaufeln. „Wir müssen uns halt immer nach den Jahreszeiten und vor allem nach dem Wetter richten, darum dreht sich bei uns alles“, erklärt Katharina. Ihren Urlaub hat die junge Familie nicht etwa an der See oder in den Bergen verbracht, sondern auf verschiedenen Höfen von Freunden – echte Landliebe eben. „Unser Freundeskreis besteht zu 80 Prozent aus Bauern, bei uns dreht sich fast alles um Landwirtschaft“, erzählt Kathrina, die darin total aufgeht. „Ich liebe es, etwas Sinnvolles zu machen, nämlich Lebensmittel zu produzieren“, beschreibt sie ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft. Die Natur, der viele Platz, das Dorfleben und die zahllosen Möglichkeiten würden sie beflügeln. „Wir könnten ein Café, eine Pension oder einen Streichelzoo aufmachen“, sinniert die junge Frau. „Mein Mann sagt oft scherzhaft, ich sei für die Betriebsentwicklung zuständig, weil ich ständig neue Ideen habe“, erzählt sie und lacht. Ihr aktuelles Herzensprojekt sind die Bullenkälber. Die werden nun auf dem Hof Jacobi nicht mehr an Viehhändler und somit an konservative Mastanlagen verkauft, sondern bleiben auf dem Hof. Die Aufnahmen fürs Fernsehen haben der ganzen Familie viel Spaß bereitet. „Meine Schwiegermutter hatte vor ein paar Jahren schon mal bei einem anderen landwirtschaftlichen Format mitgemacht und so ist die Produktionsfirma auf uns zu gekommen“, erzählt Katharina. Und auch mit dem Ergebnis, das über den Bildschirm flimmerte, ist sie zufrieden: „Das war alles echt, nichts inszeniert. Da gibt es nichts zu meckern.“

Ehemalige Portanerin tauscht Agentur gegen Acker

Katharina Jacobi und ihr Mann Julius auf ihrem Biohof Jacobi in Borgentreich. Die aus Porta Westfalica stammende Bäuerin hatte eigentlich mal ganz andere Pläne für ihre Zukunft.
Foto: Melanie Grande/WDR
© WDR/Melanie Grande

Porta Westfalica-Neesen/Warburg. Als Katharina Jacobi noch Katharina Kruse hieß, lebte sie in Minden, arbeitete bei der Edeka in der Mios-Werbeagentur und träumte davon, irgendwann mal in einer schicken Altbauwohnung in einer noch schickeren Großstadt zu wohnen und in einer bekannten Agentur zu arbeiten.

Heute lebt die 30-Jährige mit Mann und Sohn in einem 600-Seelendorf, auf einem Biohof umgeben von Kühen, Schweinen und Hühnern – und ist glücklicher denn je.

Zu sehen war die Jungbäuerin, die in Neesen aufgewachsen ist und deren Eltern und Großeltern dort auch heute noch leben, am vergangenen Montagabend in der WDR-Sendung „Land & Lecker“. In der Sendung treffen sich Landfrauen und -männer, die sich gegenseitig besuchen und bekochen und im Wettbewerb um das schönste Hoferlebnis gegeneinander antreten.


Dass es Katharina Jacobi auf einen Bauernhof verschlagen hat, ist der Liebe geschuldet. Während ihrer Zeit bei der Edeka hat sie über das Internet ihren heutigen Mann Julius kennengelernt. Der Sohn eines Landwirtes absolvierte auf dem Biohof Kinkelbur in Minden-Haddenhausen sein erstes Ausbildungsjahr. Katharina verliebte sich nicht nur in ihn, sondern auch in die Landwirtschaft, die sie durch Julius kennenlernte.

Für den WDR standen sie nun vor der Kamera. Foto: WDR - © WDR
Für den WDR standen sie nun vor der Kamera. Foto: WDR - © WDR

Um herauszufinden, ob sie ihrem früheren Leben nur wegen des Mannes den Rücken kehren wollte oder auch, weil sie es selbst wirklich wollte, hat sie ihren Job bei der Mios-Werbeagentur für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf einem Demeter-Hof gekündigt. „Dass ich meine gute, unbefristete Stelle aufgegeben habe, fand meine Familie damals ziemlich verwunderlich“, erzählt Katharina. Der Job bei Edeka sei super gewesen und die Arbeit hätte ihr großen Spaß gemacht. Dennoch habe sie das Gefühl gehabt, noch etwas Größeres schaffen zu müssen. „Ich habe mich gefragt, ob es das jetzt war. Mir hat es noch an Lebensinhalt gefehlt.“

Eine Zeit lang hat die 30-Jährige selbstständig als Grafikerin für Höfe gearbeitet und deren Produkte vermarktet. „Ich kenne mich sowohl mit Landwirtschaft, als auch mit Grafik und Werbung aus, das ist eine Marktlücke.“

Mittlerweile haben Katharina und ihr Mann Julius den Biohof seiner Eltern in Körbecke in der Nähe von Warburg zwischen Paderborn und Kassel übernommen. Dort bilden Ackerbau und Saatgutvermehrung zusammen mit der Milchviehhaltung eine ineinandergreifende ökologische Kreislaufwirtschaft. In der Hofkäserei wird aus der hofeigenen Milch handwerklich Käse in allen Varianten hergestellt und der Hofladen hat all das zu bieten, was die Biolandwirtschaft der Jacobis hergibt.

Katharina sitzt selten auf dem Trecker oder arbeitet im Stall. Die Jungbäuerin kümmert sich vor allem um das, was im Hintergrund läuft: Vermarktung, Verkauf, Organisation und die Versorgung der Mitarbeiter. „Ich koche jeden Tag für all unsere Mitarbeiter und die Familie das Betriebsessen“, berichtet sie von ihrem abwechslungsreichen Alltag in einer großen Gemeinschaft. Nicht nur drei Generationen Jacobis leben auf dem Hof, sondern auch die meisten Mitarbeiter. Katharina ist begeistert, dass ihr einjähriger Sohn Joost genauso aufwächst. „Der fährt schon Trecker und ist natürlich jeden Tag mindestens einmal im Kuhstall.“

Mit der Übernahme des Hofes im Jahr 2020 hat sich das junge Paar auch eine ordentliche Portion Verantwortung und Arbeit aufgehalst. Da für Julius Vater mit 75 Jahren der Ruhestand auf dem Plan stand, mussten – und wollten – die Jungen ran, Julius war zu dem Zeitpunkt erst 26 Jahre alt. Ihr Motto ist „Altes erhalten, Neues schaffen“. „Es ist schon toll, so jung etwas Eigenes zu haben und gestalten zu dürfen“, meint Katharina. Trotzdem seien die Fußstapfen groß, in die sie treten müssten. „Mein Schwiegervater ist in der Szene sehr bekannt, er war früher ein echter rebellischer Biopionier und politisch immer sehr aktiv“, erzählt Katharina. „Man schaut auf uns und darauf, was wir so machen.“

Und das ist viel. Julius arbeitet täglich bis zu 14 Stunden und auch Katharina ist rund um die Uhr beschäftigt. „Wenn ich allerdings früher in meinem Job anstrengende Tage hatte, war ich abends immer total k.o. und habe mich schlecht gefühlt. Heute macht mir das gar nichts aus und es geht mir gut damit.“ Richtig romantisch wird es manchmal, wenn im Sommer die Rindertour gefahren wird. „Einmal am Tag muss das Vieh auf der Weide kontrolliert werden“, erklärt Katharina. „Dann nehmen wir auch schon mal ein Bier mit und genießen die Abendsonne.“

Landwirtschaft und Urlaub ist immer ein schwieriges Thema – und auch die Jacobis konnten sich in diesem Jahr nur sieben Tage freischaufeln. „Wir müssen uns halt immer nach den Jahreszeiten und vor allem nach dem Wetter richten, darum dreht sich bei uns alles“, erklärt Katharina. Ihren Urlaub hat die junge Familie nicht etwa an der See oder in den Bergen verbracht, sondern auf verschiedenen Höfen von Freunden – echte Landliebe eben. „Unser Freundeskreis besteht zu 80 Prozent aus Bauern, bei uns dreht sich fast alles um Landwirtschaft“, erzählt Kathrina, die darin total aufgeht. „Ich liebe es, etwas Sinnvolles zu machen, nämlich Lebensmittel zu produzieren“, beschreibt sie ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft. Die Natur, der viele Platz, das Dorfleben und die zahllosen Möglichkeiten würden sie beflügeln. „Wir könnten ein Café, eine Pension oder einen Streichelzoo aufmachen“, sinniert die junge Frau. „Mein Mann sagt oft scherzhaft, ich sei für die Betriebsentwicklung zuständig, weil ich ständig neue Ideen habe“, erzählt sie und lacht.

Ihr aktuelles Herzensprojekt sind die Bullenkälber. Die werden nun auf dem Hof Jacobi nicht mehr an Viehhändler und somit an konservative Mastanlagen verkauft, sondern bleiben auf dem Hof.

Die Aufnahmen fürs Fernsehen haben der ganzen Familie viel Spaß bereitet. „Meine Schwiegermutter hatte vor ein paar Jahren schon mal bei einem anderen landwirtschaftlichen Format mitgemacht und so ist die Produktionsfirma auf uns zu gekommen“, erzählt Katharina. Und auch mit dem Ergebnis, das über den Bildschirm flimmerte, ist sie zufrieden: „Das war alles echt, nichts inszeniert. Da gibt es nichts zu meckern.“

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