Duell zweier Ungleicher: So präsentierten sich Grotjohann und Böhme vor der Bürgermeisterwahl Benjamin Piel Porta Westfalica-Hausberge. Es wird kaum zu klären sein, ob jemals bei einem politischen Duell der Ehepartner eines Kandidaten das Wort ergriffen hat. Am Dienstagabend jedenfalls war es im Hausberger Bürgerhaus vor rund 50 Zuschauern soweit. Auf die Frage hin, was denn Stephan Böhmes Frau zu dem Plan gesagt habe, mit 73 Jahren noch einmal Bürgermeister werden zu wollen, antwortete aus dem Publikum heraus Gattin Petra. „Ich unterstütze dich", sagte sie – und bekam prompt Applaus. Stephan Böhme betonte, dass er vor allem angetreten sei, als Sondierungsgespräche der SPD mit anderen Kandidaten gescheitert waren und von der AfD das Signal gekommen sei, einen Kandidaten ins Rennen schicken zu wollen. Das kam letztlich nicht so. Doch eine andere Motivation blieb: Porta als erfahrener Verwaltungsmann „eine Verschnaufpause zu geben", um sich nach dem überraschenden Rücktritt von Bürgermeisterin Sonja Gerlach (CDU) zu sortieren. Seine Grundorientierung sei dabei sozialdemokratisch. Allerdings gehe er trotz SPD-Mitgliedschaft bewusst als Unabhängiger ins Rennen, um nicht in einen Fraktionszwang zu geraten. Böhme verwies häufig in seine Zeit als Portaner Bürgermeister (2004-2014) zurück. Nachdem Kandidatin Anke Grotjohann (Grüne und unterstützt durch die CDU) sogar eine der Unterschriften abgegeben hatte, die Böhme als unabhängiger Bewerber benötigte, wäre ein Kuschel-Duell keine Überraschung gewesen. Dem allerdings schoben die moderierenden MT-Journalisten Dirk Haunhorst und Carsten Korfesmeyer einen Riegel vor. Sie erinnerten daran, dass Grotjohann als Elternvertreterin vor dem Verwaltungsgericht gegen den damaligen Bürgermeister Böhme und seine Entscheidung geklagt hatte, die Grundschule in Möllbergen zu schließen. Das blieb ohne Erfolg, doch die Auseinandersetzung führte dazu, dass Grotjohann aus der SPD austrat. Böhme erinnerte daran, dass er damals seine „Pflicht getan" und landespolitische Beschlüsse umgesetzt habe. Mit der Erinnerung an diese Auseinandersetzung kam zu viel Einmütigkeit gar nicht erst auf. Klar machten beide Kandidaten, dass sie sich mit dem zuletzt offenbar mitunter rauen Wind in der Portaner Politik umzugehen trauen. Böhme mit dem Vertrauen darauf, dass alle zu guten Lösungen kommen wollen. Grotjohann in der Überzeugung, dass es durchaus wieder freundlicher im Ton werden dürfe, aber Kommunalpolitik auch von der Auseinandersetzung lebe. Ihr sei es außerdem wichtig, dass es beim Bürgermeisteramt nicht in erster Linie um das Parteibuch gehe, sondern darum, die Verwaltung zu leiten. Während Böhme sich mit Zukunftsthemen zurückhielt, machte Grotjohann deutlich, dass die Digitalisierung der Verwaltung gesetzlich vorgeschrieben sei und vom Bürger erwartet werde. Dabei richtete sie ihren Blick vor allem auf Bürgeramt und Bauordnung. Böhme nannte die Digitalisierung „unumgehbar", habe aber „gar keine Vorstellung, wie der Stand der Dinge ist". Wichtig sei es, die Verwaltungsmitarbeiter mitzunehmen. Beim Thema Parkleitsystem, das seit Monaten defekt ist, zeigten sich beide Kandidaten ahnungslos. Eine klare Meinung hatten sie dagegen zur Personalsituation in der Verwaltung (beide finden eine externe Untersuchung sinnvoll, die auch schon angeschoben ist), Flächen für erneuerbare Energiegewinnung (beide sind für Vorrangflächen, um feste Bereiche dafür zu definieren), zur Wittekindsburg (beide haben Zweifel daran, ob die laufende Mediation zu einem Ergebnis führt und könnten sich eher vorstellen, dass ein Gerichtsurteil Klarheit bringt) und Wolfsschluchtweg (beide sähen ihn gerne wieder geöffnet). Eine klare Sache Ein Kommentar von Benjamin Piel Es gibt politische Duelle, da weiß am Ende niemand so recht weiter. Wen wählen – und warum? Diese Frage dürfte sich bei der Bürgermeisterwahl am 15. Mai in Porta Westfalica kaum jemand stellen. Denn das MT-Wahlforum hat gezeigt: Da treten zwei Kandidaten gegeneinander an, von denen vorher klar ist, was nachher von ihnen zu erwarten sein wird. Und noch mehr: was nicht. Es war schon erstaunlich, wie unmissverständlich sich Alt-Bürgermeister Stephan Böhme (SPD-Mitglied, aber als Unabhängiger in den Ring gestiegen) als Kandidat der Zwischenlösung präsentierte. Er gab sich als reiner Verwalter ohne jeden Anspruch auf Aufbruch und Erneuerung. Das machte er derart unmissverständlich klar, dass sich der neutrale Betrachter zwischenzeitlich schon erstaunt die Augen reiben konnte. Da fielen Sätze wie „Da bin ich jetzt nicht im Thema" oder er werde die ausstehenden Jahre schon „über die Runden bringen". Killersätze, die kein Kandidat von sich geben würde, dem es nicht relativ egal sein könnte, ob er gewählt wird oder nicht. Doch es war vermutlich kein Zufall, dass diese Aussagen fielen. Nein, es war eher eine Botschaft: Ich kann Verwaltung, ich kann Übergang, ich kann nach einem Konflikt die Wogen glätten – aber gestalten, das will ich nicht mehr. Ob dieser dezidierte Nicht-Reformwille allerdings beim Wähler verfängt? Fraglich. So machte Böhme es seiner Kontrahentin Anke Grotjohann (Grüne) leicht, als Kandidatin mit Veränderungswillen, Langzeitanspruch und Orientierung zu wirken. Dafür musste sie nicht viel mehr tun, als ein wenig Entschlossenheit zu zeigen und darauf zu verweisen, dass sie noch elf Jahre Zeit habe bis zur Rente. Subtext: Ich kann und will mehr als nur diese Legislaturperiode zu Ende zu bringen. Auch Grotjohann brachte nicht den großen Zukunftsplan zum Leuchten. Aber sie verlieh der Überzeugung Leben, dass Porta auch in dieser verzwickten politischen Situation mehr braucht als bloß über die Zeit gerettet zu werden.

Duell zweier Ungleicher: So präsentierten sich Grotjohann und Böhme vor der Bürgermeisterwahl

Stephan Böhme präsentierte sich als Übergangsverwalter der ruhigen Hand. Anke Grotjohann betonte, dass sie noch elf Jahre bis zur Rente und demnach Zeit habe. MT-Fotos: © Patrick Schwemling

Porta Westfalica-Hausberge. Es wird kaum zu klären sein, ob jemals bei einem politischen Duell der Ehepartner eines Kandidaten das Wort ergriffen hat. Am Dienstagabend jedenfalls war es im Hausberger Bürgerhaus vor rund 50 Zuschauern soweit. Auf die Frage hin, was denn Stephan Böhmes Frau zu dem Plan gesagt habe, mit 73 Jahren noch einmal Bürgermeister werden zu wollen, antwortete aus dem Publikum heraus Gattin Petra. „Ich unterstütze dich", sagte sie – und bekam prompt Applaus.

Stephan Böhme betonte, dass er vor allem angetreten sei, als Sondierungsgespräche der SPD mit anderen Kandidaten gescheitert waren und von der AfD das Signal gekommen sei, einen Kandidaten ins Rennen schicken zu wollen. Das kam letztlich nicht so. Doch eine andere Motivation blieb: Porta als erfahrener Verwaltungsmann „eine Verschnaufpause zu geben", um sich nach dem überraschenden Rücktritt von Bürgermeisterin Sonja Gerlach (CDU) zu sortieren. Seine Grundorientierung sei dabei sozialdemokratisch. Allerdings gehe er trotz SPD-Mitgliedschaft bewusst als Unabhängiger ins Rennen, um nicht in einen Fraktionszwang zu geraten. Böhme verwies häufig in seine Zeit als Portaner Bürgermeister (2004-2014) zurück.

Das MT-Moderatorenduo um Dirk Haunhorst (im Vordergrund) und Carsten Korfesmeyer erinnerte daran, dass Grotjohann und Böhme eine bewegte Vergangenheit inklusive Gang vor das Verwaltungsgericht hatten. - © Patrick Schwemling
Das MT-Moderatorenduo um Dirk Haunhorst (im Vordergrund) und Carsten Korfesmeyer erinnerte daran, dass Grotjohann und Böhme eine bewegte Vergangenheit inklusive Gang vor das Verwaltungsgericht hatten. - © Patrick Schwemling

Nachdem Kandidatin Anke Grotjohann (Grüne und unterstützt durch die CDU) sogar eine der Unterschriften abgegeben hatte, die Böhme als unabhängiger Bewerber benötigte, wäre ein Kuschel-Duell keine Überraschung gewesen. Dem allerdings schoben die moderierenden MT-Journalisten Dirk Haunhorst und Carsten Korfesmeyer einen Riegel vor. Sie erinnerten daran, dass Grotjohann als Elternvertreterin vor dem Verwaltungsgericht gegen den damaligen Bürgermeister Böhme und seine Entscheidung geklagt hatte, die Grundschule in Möllbergen zu schließen. Das blieb ohne Erfolg, doch die Auseinandersetzung führte dazu, dass Grotjohann aus der SPD austrat. Böhme erinnerte daran, dass er damals seine „Pflicht getan" und landespolitische Beschlüsse umgesetzt habe. Mit der Erinnerung an diese Auseinandersetzung kam zu viel Einmütigkeit gar nicht erst auf.

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Klar machten beide Kandidaten, dass sie sich mit dem zuletzt offenbar mitunter rauen Wind in der Portaner Politik umzugehen trauen. Böhme mit dem Vertrauen darauf, dass alle zu guten Lösungen kommen wollen. Grotjohann in der Überzeugung, dass es durchaus wieder freundlicher im Ton werden dürfe, aber Kommunalpolitik auch von der Auseinandersetzung lebe. Ihr sei es außerdem wichtig, dass es beim Bürgermeisteramt nicht in erster Linie um das Parteibuch gehe, sondern darum, die Verwaltung zu leiten.

Anke Grotjohann vertrat die Meinung, dass Kommunalpolitik auch von der Auseinandersetzung lebe. - © Patrick Schwemling
Anke Grotjohann vertrat die Meinung, dass Kommunalpolitik auch von der Auseinandersetzung lebe. - © Patrick Schwemling

Während Böhme sich mit Zukunftsthemen zurückhielt, machte Grotjohann deutlich, dass die Digitalisierung der Verwaltung gesetzlich vorgeschrieben sei und vom Bürger erwartet werde. Dabei richtete sie ihren Blick vor allem auf Bürgeramt und Bauordnung. Böhme nannte die Digitalisierung „unumgehbar", habe aber „gar keine Vorstellung, wie der Stand der Dinge ist". Wichtig sei es, die Verwaltungsmitarbeiter mitzunehmen.

Beim Thema Parkleitsystem, das seit Monaten defekt ist, zeigten sich beide Kandidaten ahnungslos. Eine klare Meinung hatten sie dagegen zur Personalsituation in der Verwaltung (beide finden eine externe Untersuchung sinnvoll, die auch schon angeschoben ist), Flächen für erneuerbare Energiegewinnung (beide sind für Vorrangflächen, um feste Bereiche dafür zu definieren), zur Wittekindsburg (beide haben Zweifel daran, ob die laufende Mediation zu einem Ergebnis führt und könnten sich eher vorstellen, dass ein Gerichtsurteil Klarheit bringt) und Wolfsschluchtweg (beide sähen ihn gerne wieder geöffnet).

Stephan Böhme hielt sich gerade bei den Zukunftsthemen zurück. - © Patrick Schwemling
Stephan Böhme hielt sich gerade bei den Zukunftsthemen zurück. - © Patrick Schwemling

Eine klare Sache

Ein Kommentar von Benjamin Piel

Es gibt politische Duelle, da weiß am Ende niemand so recht weiter. Wen wählen – und warum? Diese Frage dürfte sich bei der Bürgermeisterwahl am 15. Mai in Porta Westfalica kaum jemand stellen. Denn das MT-Wahlforum hat gezeigt: Da treten zwei Kandidaten gegeneinander an, von denen vorher klar ist, was nachher von ihnen zu erwarten sein wird. Und noch mehr: was nicht.

Es war schon erstaunlich, wie unmissverständlich sich Alt-Bürgermeister Stephan Böhme (SPD-Mitglied, aber als Unabhängiger in den Ring gestiegen) als Kandidat der Zwischenlösung präsentierte. Er gab sich als reiner Verwalter ohne jeden Anspruch auf Aufbruch und Erneuerung. Das machte er derart unmissverständlich klar, dass sich der neutrale Betrachter zwischenzeitlich schon erstaunt die Augen reiben konnte. Da fielen Sätze wie „Da bin ich jetzt nicht im Thema" oder er werde die ausstehenden Jahre schon „über die Runden bringen". Killersätze, die kein Kandidat von sich geben würde, dem es nicht relativ egal sein könnte, ob er gewählt wird oder nicht. Doch es war vermutlich kein Zufall, dass diese Aussagen fielen. Nein, es war eher eine Botschaft: Ich kann Verwaltung, ich kann Übergang, ich kann nach einem Konflikt die Wogen glätten – aber gestalten, das will ich nicht mehr. Ob dieser dezidierte Nicht-Reformwille allerdings beim Wähler verfängt? Fraglich.

So machte Böhme es seiner Kontrahentin Anke Grotjohann (Grüne) leicht, als Kandidatin mit Veränderungswillen, Langzeitanspruch und Orientierung zu wirken. Dafür musste sie nicht viel mehr tun, als ein wenig Entschlossenheit zu zeigen und darauf zu verweisen, dass sie noch elf Jahre Zeit habe bis zur Rente. Subtext: Ich kann und will mehr als nur diese Legislaturperiode zu Ende zu bringen. Auch Grotjohann brachte nicht den großen Zukunftsplan zum Leuchten. Aber sie verlieh der Überzeugung Leben, dass Porta auch in dieser verzwickten politischen Situation mehr braucht als bloß über die Zeit gerettet zu werden.

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