Diskussion über Kaiserhof-Pläne: Zwischen Wunsch und Wirtschaftlichkeit Michael Grundmeier Porta Westfalica-Barkhausen. Der Barkhauser Ortsrat diskutierte über die Kaiserhofpläne der Architekten Albersmeier, die zugleich Eigentümer der geschichtsträchtigen Immobilie sind. Vor allem aus den Reihen der Bürgerschaft meldeten sich kritische Stimmen. Wie berichtet (MT vom 11. Juni) planen die Mindener Architekten sowohl Wohnungen, als auch Geschäftsräume. Ein Bäcker möchte sich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes niederlassen (100 Sitzplätze), vielleicht sogar mit Außenbereich. Ein Hotel bekomme man damit zwar nicht wieder, aber zumindest „einen Teil davon“, hieß es. Ein Versammlungsraum für mehr 200 Personen ist ebenfalls angedacht sowie eine Mischung aus Gastronomie und Verkauf (insbesondere österreichischer Spezialitäten). Der Garten soll nach „historischen Vorbild“ angelegt werden, dabei soll eine Masterarbeit der Uni Hannover als Vorlage dienen. Der Laubengang sei in einem schlechten Zustand, drei verschiedene Gutachten seien niederschmetternd ausgefallen. Deshalb soll nur ein Teil erhalten werden. Auf den Gelände könnten „140 Parkplätze abgebildet werden“, berichtete Dennis Albersmeier. 30 mehr müssten es wegen der neuen verpflichtenden Stellplatzverordnung der Stadt sein. Von Seiten der Ausschussmitglieder gab es nach der Präsentation viel Lob, aber auch Kritik. Bernd Bültemeier (SPD) merkte an, dass der Plan der Architekten „schon um Längen besser“ aussehe als der frühere Lidl-Plan. „Es ist gut, dass wir so lange gewartet haben, das hier macht einen sehr guten Eindruck“, meinte auch Ratsfrau Elke Brandt (CDU). Marc Weber (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einem „wichtigen Fortschritt, damit das Gelände nicht weiterem Verfall preisgegeben wird“. Der Verlust des Laubengangs sei ein „Wermutstropfen“, über den in der Fraktion noch diskutiert werde. Weniger zufrieden waren einige Bürger, die sich in die Diskussion einschalteten. Ein Mitglied der früheren Inhaberfamilie meinte, dass der Platanengang weichen müsse, „um genügend Parkplätze zu erhalten“. Dass der Schatten der Platanen die vorgesehene Photovoltaikanlagen behinderten und die Bäume deshalb verschwinden müssten, sei nicht richtig. Die Solaranlagen seien durch den Wald zu beiden Seiten ohnehin ineffizient. Bezirksausschussvorsitzender Dirk Rahnenführer (SPD) wies darauf hin, dass er die Emotionen auf Seiten der früheren Inhaberfamilie Vonalt zwar verstehen könne, diese selbst aber „das ganze Areal aus dem Denkmalschutz heraus haben wollte“. Dass Jörg Albersmeier jetzt „den ersten Aufschlag“ mache, heiße noch nicht, dass das Projekt auch genau so umgesetzt werde. Man werde sich intensiv mit dem Investor auseinandersetzen, „ob es nicht andere Lösungsmöglichkeiten gibt“. Es müsse aber auch klar sein, dass sich eine Investition wirtschaftlich rechnen müsse. Auf die Frage nach der Bauplanung antwortete Jörg Albersmeier, dass man eigentlich im nächsten Jahr anfangen wolle. „Das kann sich aber bis ins übernächste Jahr hinziehen.“ Fragen gab es auch zur möglichen Geräuschkulisse, verursacht durch die oberhalb der geplanten Wohnhäuser gelegenen Freilichtbühne und Schießstand. „Nicht dass es auf einmal heißt, dass wegen Lärm alles eingestellt werden muss“, meinte ein Bürger. Vor dem Hintergrund, dass das Hotel Kaiserhof am Ende des Zweiten Weltkriegs ein Teil des KZ-Außenlagers Neuengamme war, erläuterte Thomas Lange die Position des KZ-Gedenkstättenvereins. Man begrüße die Entwicklung und sei mit dem Eigentümer m Gespräch. „Nichts ist schlimmer, als wenn eine Ruine herumsteht und gar nichts passiert.“ Der Verein wünsche sich einen sensiblen, pietätvollen Umgang mit dem Areal „und kein Freilichtmuseum“, so der Vereinsgeschäftsführer. „Im Gelände muss an die Opfer gedacht werden, aber einen Gedenkraum können wir uns eher nicht vorstellen.“ Stattdessen sei der Einsatz von Multimedia oder Gedenktafel denkbar. Dirk Rahnenführer erläuterte, der Politik sei wichtig, nicht nur die Schreckenszeit des Nationalsozialismus, sondern die gesamte Historie des Kaiserhofs zu dokumentieren – daher die Idee, einen öffentlich begehbaren Raum einzurichten, um die nahezu 130-jährige Geschichte des Hauses darzustellen.

Diskussion über Kaiserhof-Pläne: Zwischen Wunsch und Wirtschaftlichkeit

Architekten und Kaiserhof-Eigentümer: Jörg Albersmeier präsentierte gemeinsam mit seinem Sohn Dennis die Pläne samt Modell im Bezirksausschuss. Foto: Michael Grundmeier © Picasa

Porta Westfalica-Barkhausen. Der Barkhauser Ortsrat diskutierte über die Kaiserhofpläne der Architekten Albersmeier, die zugleich Eigentümer der geschichtsträchtigen Immobilie sind. Vor allem aus den Reihen der Bürgerschaft meldeten sich kritische Stimmen.

Wie berichtet (MT vom 11. Juni) planen die Mindener Architekten sowohl Wohnungen, als auch Geschäftsräume. Ein Bäcker möchte sich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes niederlassen (100 Sitzplätze), vielleicht sogar mit Außenbereich. Ein Hotel bekomme man damit zwar nicht wieder, aber zumindest „einen Teil davon“, hieß es. Ein Versammlungsraum für mehr 200 Personen ist ebenfalls angedacht sowie eine Mischung aus Gastronomie und Verkauf (insbesondere österreichischer Spezialitäten). Der Garten soll nach „historischen Vorbild“ angelegt werden, dabei soll eine Masterarbeit der Uni Hannover als Vorlage dienen. Der Laubengang sei in einem schlechten Zustand, drei verschiedene Gutachten seien niederschmetternd ausgefallen. Deshalb soll nur ein Teil erhalten werden. Auf den Gelände könnten „140 Parkplätze abgebildet werden“, berichtete Dennis Albersmeier. 30 mehr müssten es wegen der neuen verpflichtenden Stellplatzverordnung der Stadt sein.

Von Seiten der Ausschussmitglieder gab es nach der Präsentation viel Lob, aber auch Kritik. Bernd Bültemeier (SPD) merkte an, dass der Plan der Architekten „schon um Längen besser“ aussehe als der frühere Lidl-Plan. „Es ist gut, dass wir so lange gewartet haben, das hier macht einen sehr guten Eindruck“, meinte auch Ratsfrau Elke Brandt (CDU). Marc Weber (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einem „wichtigen Fortschritt, damit das Gelände nicht weiterem Verfall preisgegeben wird“. Der Verlust des Laubengangs sei ein „Wermutstropfen“, über den in der Fraktion noch diskutiert werde.

Weniger zufrieden waren einige Bürger, die sich in die Diskussion einschalteten. Ein Mitglied der früheren Inhaberfamilie meinte, dass der Platanengang weichen müsse, „um genügend Parkplätze zu erhalten“. Dass der Schatten der Platanen die vorgesehene Photovoltaikanlagen behinderten und die Bäume deshalb verschwinden müssten, sei nicht richtig. Die Solaranlagen seien durch den Wald zu beiden Seiten ohnehin ineffizient.

Bezirksausschussvorsitzender Dirk Rahnenführer (SPD) wies darauf hin, dass er die Emotionen auf Seiten der früheren Inhaberfamilie Vonalt zwar verstehen könne, diese selbst aber „das ganze Areal aus dem Denkmalschutz heraus haben wollte“. Dass Jörg Albersmeier jetzt „den ersten Aufschlag“ mache, heiße noch nicht, dass das Projekt auch genau so umgesetzt werde. Man werde sich intensiv mit dem Investor auseinandersetzen, „ob es nicht andere Lösungsmöglichkeiten gibt“. Es müsse aber auch klar sein, dass sich eine Investition wirtschaftlich rechnen müsse.

Auf die Frage nach der Bauplanung antwortete Jörg Albersmeier, dass man eigentlich im nächsten Jahr anfangen wolle. „Das kann sich aber bis ins übernächste Jahr hinziehen.“ Fragen gab es auch zur möglichen Geräuschkulisse, verursacht durch die oberhalb der geplanten Wohnhäuser gelegenen Freilichtbühne und Schießstand. „Nicht dass es auf einmal heißt, dass wegen Lärm alles eingestellt werden muss“, meinte ein Bürger.

Vor dem Hintergrund, dass das Hotel Kaiserhof am Ende des Zweiten Weltkriegs ein Teil des KZ-Außenlagers Neuengamme war, erläuterte Thomas Lange die Position des KZ-Gedenkstättenvereins. Man begrüße die Entwicklung und sei mit dem Eigentümer m Gespräch. „Nichts ist schlimmer, als wenn eine Ruine herumsteht und gar nichts passiert.“ Der Verein wünsche sich einen sensiblen, pietätvollen Umgang mit dem Areal „und kein Freilichtmuseum“, so der Vereinsgeschäftsführer. „Im Gelände muss an die Opfer gedacht werden, aber einen Gedenkraum können wir uns eher nicht vorstellen.“ Stattdessen sei der Einsatz von Multimedia oder Gedenktafel denkbar.

Dirk Rahnenführer erläuterte, der Politik sei wichtig, nicht nur die Schreckenszeit des Nationalsozialismus, sondern die gesamte Historie des Kaiserhofs zu dokumentieren – daher die Idee, einen öffentlich begehbaren Raum einzurichten, um die nahezu 130-jährige Geschichte des Hauses darzustellen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Porta Westfalica