Die Stadt Porta Westfalica lädt die Bahn zu Gesprächen über die ICE-Trasse ein Thomas Lieske,Stefan Lyrath Porta Westfalica. Seit einigen Tagen ist die Unruhe rund um den möglichen Neubau einer ICE-Trasse durch Porta Westfalica wieder größer geworden. Auslöser dafür sind Detailplanungen für Kostenberechnungen von Streckenvarianten, die die Bahn nun auf der Informationsseite www.hannover-bielefeld.de hochgeladen hat (MT berichtete). Grund für die Empörung: Die Details der Pläne stammen bereits aus dem Jahr 2015. Im Portaner Rathaus bemüht sich Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach trotz aller Emotionen um Sachlichkeit. „Ich habe den Chefplaner der Deutschen Bahn nach Porta Westfalica eingeladen“‚ berichtete sie jetzt im Bezirksausschuss Eisbergen. Ihr Wunsch: Chefplaner Carsten-Alexander Müller soll am Montag, 22. Februar, in den Haupt- und Finanzausschuss kommen und Rede und Antwort stehen. Mitte Januar hatte er beim Online-Planungsauftakt mündlich zugesagt, dass auch ein Ausbau der Bestandsstrecke in den Planungsprozess kommen solle. Bürgermeisterin Gerlach wertet dies als „ersten Erfolg“. Allein in Eisbergen hatten Anfang Dezember rund 500 Menschen an einer Protestkundgebung gegen Pläne für eine ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld teilgenommen. Die Bürgerinitiative Bigtab fordert den viergleisigen Ausbau der bestehenden Strecke Hannover-Minden. Darin sieht auch Gerlach die Vorzugsvariante. Aber: „Wir haben der Bahn und den Planern deutlich gemacht, dass die Stadt Porta Westfalica gesprächs- und verhandlungsbereit ist. Erreicht haben wir, dass die Stadt Porta Westfalica in diesem Planungsprozess als betroffene Kommune wahrgenommen wird und von den Planern ein ergebnisoffener Planungsprozess zugesichert wurde, in den die Bestandsstrecke mit aufgenommen wird.“ Wie weit dieser Verhandlungsspielraum aus Gerlachs Sicht geht, lässt sie aber offen. Der Prozess stehe ganz am Anfang. Jetzt müssten erst einmal die Suchkorridore unter die Lupe genommen werden. Bisher gibt es eine Untersuchung von fünf trassenfernen Varianten, erstellt von einem Gutachterbüro im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. „Diese Trassenvarianten stammen nicht von der Deutschen Bahn“, betont Gerlach. „Keine einzige ist gesetzt“, hatte auch Bahnsprecher Peter Mantik zuletzt immer wieder erklärt. Es handele sich um Berechnungsvarianten, um zu prüfen, ob sich eine weitere Planung wirtschaftlich überhaupt lohne, so Mantik. Genau zu diesem Schluss ist der Bund nun aber gekommen und hat zumindest mündlich den Planungsauftrag an die Bahn vergeben. Ziel von Bund und Bahn ist es dabei, im sogenannten Deutschlandtakt die Knotenbahnhöfe Hannover und Bielefeld in einer Fahrtzeit von knapp 31 Minuten zu verbinden. Dies ließe sich – Stand jetzt – nur mit einem großflächigen Neubau der Strecke erreichen. Kritiker weisen darauf hin, dass die Bahn auch das Fahrtzeit von 31 Minuten zur Diskussion stellen müsse, wenn sie den Ausbau der bestehenden Strecke in Erwägung ziehe. Zu den Details im Bereich Porta Westfalica zählt zum Beispiel eine Tunnelanlage durch das Wesergebirge, die hinter dem Jakobsberg in die Bestandsstrecke mündet. Das Bauwerk soll rund drei Kilometer lang sein. Kosten: 168 Millionen Euro – zumindest Stand 2015. In der Variante, die eine Neubaustrecke zwischen Seelze und Bad Oeynhausen vorsieht, ist vom Löwenburgtunnel die Rede. Die Bahnstrecke würde dann fast 1,7 Kilometer unter der Erde zwischen der Autobahnanschlussstelle Veltheim und dem Parkplatz Löwenburg an der A2 verlaufen. Kosten: knapp 100 Millionen Euro – auch hier: Stand 2015. Dazu wären im weiteren Verlauf verschiedene Brückenbauwerke über die Weser und Landschaftstäler notwendig. Außerdem sieht die Variante einen fast 8,5 Kilometer langen Tunnel durch das Wesergebirge vor. Der würde mindestens 504 Millionen Euro schlucken. Portas Bürgermeisterin Sonja Gerlach gibt zu bedenken, dass eine Neubaustrecke erheblichen Einfluss auf die weitere Stadtentwicklung nehmen würde. Zudem müsse aus Sicht der Stadt Porta sichergestellt werden, dass Naturschutz und Wassergewinnung berücksichtigt werden. All das werden Experten nun in der ersten Phase des aufwendigen Planverfahrens untersuchen. Ergebnisse sollen vermutlich Ende dieses oder Anfang des kommenden Jahres vorliegen. Eine genaue Trasse wird sich daraus aber noch nicht ergeben. Die Voruntersuchungen werden lediglich grobe Räume bestimmen, in denen es die wenigsten natürlichen und menschengemachten Widerstände gibt.

Die Stadt Porta Westfalica lädt die Bahn zu Gesprächen über die ICE-Trasse ein

Die Stadtverwaltung Porta Westfalica will engen Kontakt zur Bahn halten, um im Planungsprozess wahrgenommen zu werden. Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach sieht bereits erste Erfolge. Foto: Rüdiger Wölk/imago images © imago images/Rüdiger Wölk

Porta Westfalica. Seit einigen Tagen ist die Unruhe rund um den möglichen Neubau einer ICE-Trasse durch Porta Westfalica wieder größer geworden. Auslöser dafür sind Detailplanungen für Kostenberechnungen von Streckenvarianten, die die Bahn nun auf der Informationsseite www.hannover-bielefeld.de hochgeladen hat (MT berichtete). Grund für die Empörung: Die Details der Pläne stammen bereits aus dem Jahr 2015.

Im Portaner Rathaus bemüht sich Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach trotz aller Emotionen um Sachlichkeit. „Ich habe den Chefplaner der Deutschen Bahn nach Porta Westfalica eingeladen“‚ berichtete sie jetzt im Bezirksausschuss Eisbergen. Ihr Wunsch: Chefplaner Carsten-Alexander Müller soll am Montag, 22. Februar, in den Haupt- und Finanzausschuss kommen und Rede und Antwort stehen. Mitte Januar hatte er beim Online-Planungsauftakt mündlich zugesagt, dass auch ein Ausbau der Bestandsstrecke in den Planungsprozess kommen solle. Bürgermeisterin Gerlach wertet dies als „ersten Erfolg“. Allein in Eisbergen hatten Anfang Dezember rund 500 Menschen an einer Protestkundgebung gegen Pläne für eine ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld teilgenommen. Die Bürgerinitiative Bigtab fordert den viergleisigen Ausbau der bestehenden Strecke Hannover-Minden.

Darin sieht auch Gerlach die Vorzugsvariante. Aber: „Wir haben der Bahn und den Planern deutlich gemacht, dass die Stadt Porta Westfalica gesprächs- und verhandlungsbereit ist. Erreicht haben wir, dass die Stadt Porta Westfalica in diesem Planungsprozess als betroffene Kommune wahrgenommen wird und von den Planern ein ergebnisoffener Planungsprozess zugesichert wurde, in den die Bestandsstrecke mit aufgenommen wird.“ Wie weit dieser Verhandlungsspielraum aus Gerlachs Sicht geht, lässt sie aber offen. Der Prozess stehe ganz am Anfang. Jetzt müssten erst einmal die Suchkorridore unter die Lupe genommen werden. Bisher gibt es eine Untersuchung von fünf trassenfernen Varianten, erstellt von einem Gutachterbüro im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. „Diese Trassenvarianten stammen nicht von der Deutschen Bahn“, betont Gerlach. „Keine einzige ist gesetzt“, hatte auch Bahnsprecher Peter Mantik zuletzt immer wieder erklärt. Es handele sich um Berechnungsvarianten, um zu prüfen, ob sich eine weitere Planung wirtschaftlich überhaupt lohne, so Mantik. Genau zu diesem Schluss ist der Bund nun aber gekommen und hat zumindest mündlich den Planungsauftrag an die Bahn vergeben.

Ziel von Bund und Bahn ist es dabei, im sogenannten Deutschlandtakt die Knotenbahnhöfe Hannover und Bielefeld in einer Fahrtzeit von knapp 31 Minuten zu verbinden. Dies ließe sich – Stand jetzt – nur mit einem großflächigen Neubau der Strecke erreichen. Kritiker weisen darauf hin, dass die Bahn auch das Fahrtzeit von 31 Minuten zur Diskussion stellen müsse, wenn sie den Ausbau der bestehenden Strecke in Erwägung ziehe.

Zu den Details im Bereich Porta Westfalica zählt zum Beispiel eine Tunnelanlage durch das Wesergebirge, die hinter dem Jakobsberg in die Bestandsstrecke mündet. Das Bauwerk soll rund drei Kilometer lang sein. Kosten: 168 Millionen Euro – zumindest Stand 2015. In der Variante, die eine Neubaustrecke zwischen Seelze und Bad Oeynhausen vorsieht, ist vom Löwenburgtunnel die Rede. Die Bahnstrecke würde dann fast 1,7 Kilometer unter der Erde zwischen der Autobahnanschlussstelle Veltheim und dem Parkplatz Löwenburg an der A2 verlaufen. Kosten: knapp 100 Millionen Euro – auch hier: Stand 2015. Dazu wären im weiteren Verlauf verschiedene Brückenbauwerke über die Weser und Landschaftstäler notwendig. Außerdem sieht die Variante einen fast 8,5 Kilometer langen Tunnel durch das Wesergebirge vor. Der würde mindestens 504 Millionen Euro schlucken.

Portas Bürgermeisterin Sonja Gerlach gibt zu bedenken, dass eine Neubaustrecke erheblichen Einfluss auf die weitere Stadtentwicklung nehmen würde. Zudem müsse aus Sicht der Stadt Porta sichergestellt werden, dass Naturschutz und Wassergewinnung berücksichtigt werden. All das werden Experten nun in der ersten Phase des aufwendigen Planverfahrens untersuchen.

Ergebnisse sollen vermutlich Ende dieses oder Anfang des kommenden Jahres vorliegen. Eine genaue Trasse wird sich daraus aber noch nicht ergeben. Die Voruntersuchungen werden lediglich grobe Räume bestimmen, in denen es die wenigsten natürlichen und menschengemachten Widerstände gibt.

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