Die Leiden der KZ-Häftlinge: Ausstellung nahe Kaiserhof soll Anfang 2023 öffnen Porta Westfalica (mt/dh). Eine Ausstellung wird vom kommenden Jahr an über die Leiden der KZ-Häftlinge an der Porta informieren. Dafür stellt die Stadt dem Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica für die nächsten fünf ein Grundstück an der Portastraße in Barkhausen zur Verfügung. Bürgermeisterin Anke Grotjohann (Grüne) und die Vereinsleitung haben jetzt einen Nutzungsvertrag unterschrieben. Der politische Beschluss dafür wurde Ende 2021 getroffen. Die vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Ausstellung über die Häftlinge der drei Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica und die Zwangsarbeit unter Tage soll Anfang 2023 eröffnet werden, teilt die Stadt mit. Die Ausstellung sei der Ausgangspunkt für stadtweit verstreute Orte des Konzentrationslagers, darunter das Frauenlager in Hausberge und das Lager in Lerbeck, die über Informationsstelen, Gästeführungen und in Zukunft auch mithilfe multimedialer Zugänge sichtbar gemacht werden. Die Ausstellungsfläche liegt gegenüber dem ehemaligen Hotel Kaiserhof, in dem das Männerlager untergebracht war. Unter menschenunwürdigen Bedingungen waren hier ungefähr 1.500 Männer eingepfercht. Sie litten unter Hunger, Krankheiten, völliger Erschöpfung und unter extremer Gewalt im Lager und auf den Untertage-Baustellen. Die Außenlager bestanden von März 1944 bis April 1945. Die Container-Ausstellung soll im Innern ebenso wie im Außenbereich auf einer Gesamtfläche von rund 300 Quadratmetern Inhalte vermitteln, die zuvor professionell aufbereitet und gestaltet wurden. Mit der Umsetzung wurde die Agentur „Ziele und Zeichen“ (Dinslaken) beauftragt, die im Auswahlverfahren mit ihrem Konzept überzeugt habe, so die Stadt. Aufgestellt werden insgesamt vier Container, davon drei als Gesamtobjekt, in dem der Hauptteil der Ausstellung untergebracht wird. Im Außenbereich sind mehrere Stelen geplant, die viele Informationen auch außerhalb der Öffnungszeiten der Container zugänglich machen. Ebenso werden die ehemaligen Orte der Lager und der Zwangsarbeit innerhalb des Stadtgebietes nach und nach mit Info-Stellen zu einem Erinnerungsnetz verbunden. Eine zentrale Rolle nehmen die Biografien ehemaliger Häftlinge ein. Durch die Erfahrungen der Betroffenen werden die Leitthemen KZ-Haft, Zwangsarbeit, Täterschaft und Rüstungsindustrie vermittelt und in den historischen Kontext gestellt. „In den vergangenen 13 Jahren ist eine beeindruckende ehrenamtliche Leistung erbracht worden, die es ermöglichte, bereits tausende Menschen aufzuklären über die brutalen Auswirkungen des totalitären nationalsozialistischen Regimes“, lobt Bürgermeisterin Grotjohann das Engagement des Vereins. Die KZ-Gedenkstätte sei ein fester Bestandteil des Bildungstourismus an der Porta Westfalica geworden und trage dazu bei, die demokratische Gesellschaft durch Bildungs- und Gedenkarbeit zu stärken. „Die Ausstellung ist eine weitere hervorragende Möglichkeit, dem großen Interesse an den historischen Ereignissen, der Erinnerungsarbeit und dem Gedenken gerecht zu werden“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Hedtmann. Darüber hinaus sei sie ein wichtiger Baustein auf dem Weg, eine dauerhafte Gedenkstätte in festen Räumlichkeiten zu schaffen.“ Wie berichtet, soll auf der anderen Weserseite in einigen Jahren ein Dokumentationszentrum entstehen, eventuell am früheren Berghotel oder in unmittelbarer Nähe des Bahnhofsgeländes. Zunächst war der Vorplatz des Nazistollens im Jakobsberg vorgesehen, doch dabei handelt es sich um ein FFH-Schutzgebiet. Die Ausstellung sei ein wichtiger Meilenstein, um die Gedenkstätte als Gedenk- und Lernort mit überregionaler, wenn nicht internationaler Bedeutung zu etablieren, meint Thomas Lange, Geschäftsführer der Gedenkstätte. Mit zunehmender Professionalisierung der inhaltlichen Aufarbeitung, der pädagogischen Vermittlung und der Gesamtstruktur, zu der auch ein zukünftig festes Gebäude gehöre, könne das gesteckte Ziel erreicht werden. „Angehörige der ehemaligen Häftlinge sowie Angehörigenverbände besuchen Porta Westfalica regelmäßig und begrüßen die jetzige Entwicklung und Perspektive für eine dauerhaft eingerichtete Gedenkstätte“, so Lange.
Anzeige Werbung

Die Leiden der KZ-Häftlinge: Ausstellung nahe Kaiserhof soll Anfang 2023 öffnen

Die Stadt stellt dem Gedenkstättenverein ein Grundstück an der Portastraße zur Verfügung. Die Ausstellung - hier eine Simulation - wird dort in mehreren Containern präsentiert. Foto/Simulation: privat

Porta Westfalica (mt/dh). Eine Ausstellung wird vom kommenden Jahr an über die Leiden der KZ-Häftlinge an der Porta informieren. Dafür stellt die Stadt dem Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica für die nächsten fünf ein Grundstück an der Portastraße in Barkhausen zur Verfügung. Bürgermeisterin Anke Grotjohann (Grüne) und die Vereinsleitung haben jetzt einen Nutzungsvertrag unterschrieben. Der politische Beschluss dafür wurde Ende 2021 getroffen.

Die vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Ausstellung über die Häftlinge der drei Außenlager des KZ Neuengamme an der Porta Westfalica und die Zwangsarbeit unter Tage soll Anfang 2023 eröffnet werden, teilt die Stadt mit. Die Ausstellung sei der Ausgangspunkt für stadtweit verstreute Orte des Konzentrationslagers, darunter das Frauenlager in Hausberge und das Lager in Lerbeck, die über Informationsstelen, Gästeführungen und in Zukunft auch mithilfe multimedialer Zugänge sichtbar gemacht werden.

Die Ausstellungsfläche liegt gegenüber dem ehemaligen Hotel Kaiserhof, in dem das Männerlager untergebracht war. Unter menschenunwürdigen Bedingungen waren hier ungefähr 1.500 Männer eingepfercht. Sie litten unter Hunger, Krankheiten, völliger Erschöpfung und unter extremer Gewalt im Lager und auf den Untertage-Baustellen. Die Außenlager bestanden von März 1944 bis April 1945.

Benjamin Piel

Jetzt kostenlos „Post von Piel“ abonnieren!

Jeden Donnerstag von unserem Chefredakteur Benjamin Piel

Die Container-Ausstellung soll im Innern ebenso wie im Außenbereich auf einer Gesamtfläche von rund 300 Quadratmetern Inhalte vermitteln, die zuvor professionell aufbereitet und gestaltet wurden. Mit der Umsetzung wurde die Agentur „Ziele und Zeichen“ (Dinslaken) beauftragt, die im Auswahlverfahren mit ihrem Konzept überzeugt habe, so die Stadt. Aufgestellt werden insgesamt vier Container, davon drei als Gesamtobjekt, in dem der Hauptteil der Ausstellung untergebracht wird. Im Außenbereich sind mehrere Stelen geplant, die viele Informationen auch außerhalb der Öffnungszeiten der Container zugänglich machen.

Thomas Lange (links, Geschäftsführer des Gedenkstättenvereins), Bürgermeisterin Anke Grotjohann und Bernd Hedtmann (Vorsitzender des Gedenkstättenvereins) nach der Unterzeichnung des Vertrags über die Nutzung eines städtischen Grundstücks für die Container-Ausstellung. Foto: privat - © Stadt Porta Westfalica
Thomas Lange (links, Geschäftsführer des Gedenkstättenvereins), Bürgermeisterin Anke Grotjohann und Bernd Hedtmann (Vorsitzender des Gedenkstättenvereins) nach der Unterzeichnung des Vertrags über die Nutzung eines städtischen Grundstücks für die Container-Ausstellung. Foto: privat - © Stadt Porta Westfalica

Ebenso werden die ehemaligen Orte der Lager und der Zwangsarbeit innerhalb des Stadtgebietes nach und nach mit Info-Stellen zu einem Erinnerungsnetz verbunden. Eine zentrale Rolle nehmen die Biografien ehemaliger Häftlinge ein. Durch die Erfahrungen der Betroffenen werden die Leitthemen KZ-Haft, Zwangsarbeit, Täterschaft und Rüstungsindustrie vermittelt und in den historischen Kontext gestellt.

„In den vergangenen 13 Jahren ist eine beeindruckende ehrenamtliche Leistung erbracht worden, die es ermöglichte, bereits tausende Menschen aufzuklären über die brutalen Auswirkungen des totalitären nationalsozialistischen Regimes“, lobt Bürgermeisterin Grotjohann das Engagement des Vereins. Die KZ-Gedenkstätte sei ein fester Bestandteil des Bildungstourismus an der Porta Westfalica geworden und trage dazu bei, die demokratische Gesellschaft durch Bildungs- und Gedenkarbeit zu stärken.

„Die Ausstellung ist eine weitere hervorragende Möglichkeit, dem großen Interesse an den historischen Ereignissen, der Erinnerungsarbeit und dem Gedenken gerecht zu werden“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Hedtmann. Darüber hinaus sei sie ein wichtiger Baustein auf dem Weg, eine dauerhafte Gedenkstätte in festen Räumlichkeiten zu schaffen.“ Wie berichtet, soll auf der anderen Weserseite in einigen Jahren ein Dokumentationszentrum entstehen, eventuell am früheren Berghotel oder in unmittelbarer Nähe des Bahnhofsgeländes. Zunächst war der Vorplatz des Nazistollens im Jakobsberg vorgesehen, doch dabei handelt es sich um ein FFH-Schutzgebiet.

Die Ausstellung sei ein wichtiger Meilenstein, um die Gedenkstätte als Gedenk- und Lernort mit überregionaler, wenn nicht internationaler Bedeutung zu etablieren, meint Thomas Lange, Geschäftsführer der Gedenkstätte. Mit zunehmender Professionalisierung der inhaltlichen Aufarbeitung, der pädagogischen Vermittlung und der Gesamtstruktur, zu der auch ein zukünftig festes Gebäude gehöre, könne das gesteckte Ziel erreicht werden. „Angehörige der ehemaligen Häftlinge sowie Angehörigenverbände besuchen Porta Westfalica regelmäßig und begrüßen die jetzige Entwicklung und Perspektive für eine dauerhaft eingerichtete Gedenkstätte“, so Lange.

Anzeige Werbung
Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Mehr zum Thema
Themen der Woche