Der singende Herzog: Chorleiter Harald Kleine Kracht und seine neuen Ideen Gisela Schwarze Porta Westfalica-Eisbergen. Dass kultururelle Arbeit in Porta Westfalica trotz der drastischen Einschränkungen während der Pandemie weiterleben kann, beweist Harald Kleine Kracht. Der Eisberger Künstler ist in mehreren Projekten tätig und erfüllt sich zudem den lange gehegten Traum, ein Buch zu schreiben. Kleine Kracht ist unter anderem als Tenor vieler Chorkonzerte sowie als langjähriger Leiter der „Blauen Jungs“. bekannt. Mit dem Shantychor möchte der Dirigent zumindest in Kleingruppen Gesangsproben abhalten. Er hat sich deshalb beim Bundesmusikverband um Fördergelder beim „Neustart-Projekt“ für Amateurmusik beworben. Nun wartet Harald Kleine Kracht auf den positiven Bescheid für Finanzspritzen, um geeignet große Räumlichkeiten für Chorgesang anzumieten. „Im Sommer und Herbst 2020 konnten wir unsere bisher letzten Proben, natürlich unter Hygieneauflagen, absolvieren“, denkt der Chorleiter zurück. Auf der Tribüne in der Sportarena in Möllbergen trafen sich die Sänger zum Üben. Chorgesang funktioniere eigentlich anders, ganz abgesehen von der Akustik in der Sporthalle, resümiert Kleine Kracht. „Das Proben war eigentlich mehr eine Möglichkeit, sich zu sehen und sich auszutauschen.“ Wie fast alle Künstler zurzeit, muss der 53-Jährige Musiker auf gewohnte regelmäßige Tätigkeiten verzichten, die er außer der Chorleitung in Alten- und Pflegeheimen mit diversen Singkreisen ausübt. Vorige Woche gelang es ihm, einen solchen Singkreis in einer Seniorengruppe in Eisbergen coronakonform zu begleiten: „In einer Wohngruppe spielte ich auf dem Akkordeon, natürlich getestet und hinter einer Plexiglaswand.“ Die Senioren hätten hätten sich über den Auftritt sichtlich gefreut. Ob im Chor oder solo – miteinander Spaß an der Musik zu haben, ist die Motivation Kleine Krachts. So auch Anfang März 2020 als Tenor im vierköpfigen Ensemble „Ad Libitum“ während eines Konzerts im Kulturverein Auetal (Kreis Schaumburg). Der nicht erfüllbare Wunsch des Kulturvereins nach der Wiederholung eines solchen Konzerts in diesem Jahr führte Harald Kleine Kracht auf neue Wege: Das „Auetaler Wunschkonzert“, ein digitales Wunschkonzert initiiert vom Kulturverein, wurde im Schaumburger Radio aus der Taufe gehoben. Hier erfüllt der Portaner Sänger monatlich Hörerwünsche (zu sehen und hören unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=JkF-XK9Irns). Er bringt dort populäre Songs und eigene Kompositionen zu Gehör. „Inzwischen komponiere ich selbst Schlager mit deutschen Texten“, zählt der Sänger eine seiner weiteren künstlerischen Tätigkeiten auf. Er habe zum Bert-Kaempfert-Titel „Über das Meer“ vor einigen Jahren einen eigenen Text geschrieben und den öffentlich singen lassen. Damit er keine Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht bekam, wollte er für die Auftritte mit seinem Text eine Genehmigung einholen. Er bekam die (nachträgliche) Genehmigung aber nur für erfolgte Vorträge, durfte seinen Text aber zukünftig nicht mehr zur Kaempfert-Melodie verwenden. „Weil ich ja nun den Text geschrieben hatte und nutzen wollte, musste ich zwangsläufig eine eigene Melodie komponieren und tat das. Das war mein Start als Komponist und Song-Schreiber.“ Inzwischen habe er fünf Schlager gemeinsam mit seinem Berliner Produzenten Steven auf den Markt gebracht. Seine Themen seien hauptsächlich Liebe und Beziehungen. Einen Bezug zur aktuell schwierigen Zeit habe er mit dem Titel „Lass uns doch mal wieder richtig streiten“ hergestellt. Auch eine neue Idee für seine Solo-Liedervorträge setzte Harald Kleine Kracht in die Tat um: „Ich schuf mir die Kunstfigur eines Herzogs aus der späten Barockzeit.“ Die passende Kostümierung beschaffte er sich und brachte sie bei digitalen Auftritten bereits zur Geltung. Dem Portaner schwebt vor, demnächst im Stadttheater Minden am Klavier mit Halb-Playbacks ein Konzert zu gestalten. Außer diversen musikalischen Aktivitäten bot die Corona-Zeit dem von Geburt an hochgradig sehbehinderten Künstler die Möglichkeit, ein Herzensprojekt zu verwirklichen und einen historischen Roman zu schreiben, der im 13. Jahrhundert datiert und den Titel trägt „Sieh doch, Blinder“. „Wie würde es mir ergehen, wenn ich damals gelebt hätte?“, fragte sich Harald Kleine Kracht. Inzwischen sei er auf Seite 273 und es müsse lediglich noch der Schluss hinzugefügt werden, den er aber schon im Kopf habe, erzählt der Autor. Er bemüht sich bereits, einen Verlag für den Druck zu finden. „Der Ort der Handlung ist ein fiktiver Flecken in Ostwestfalen. Minden wird namentlich erwähnt“, verrät der Schriftsteller.

Der singende Herzog: Chorleiter Harald Kleine Kracht und seine neuen Ideen

Harald Kleine Kracht komponiert und singt als Tenor voller Leidenschaft. Der Eisbär neben ihm ist eine Requisite für das Mai-Wunschkonzert. Foto: Gisela Schwarze © Gisela Schwarze

Porta Westfalica-Eisbergen. Dass kultururelle Arbeit in Porta Westfalica trotz der drastischen Einschränkungen während der Pandemie weiterleben kann, beweist Harald Kleine Kracht. Der Eisberger Künstler ist in mehreren Projekten tätig und erfüllt sich zudem den lange gehegten Traum, ein Buch zu schreiben.

Kleine Kracht ist unter anderem als Tenor vieler Chorkonzerte sowie als langjähriger Leiter der „Blauen Jungs“. bekannt. Mit dem Shantychor möchte der Dirigent zumindest in Kleingruppen Gesangsproben abhalten. Er hat sich deshalb beim Bundesmusikverband um Fördergelder beim „Neustart-Projekt“ für Amateurmusik beworben. Nun wartet Harald Kleine Kracht auf den positiven Bescheid für Finanzspritzen, um geeignet große Räumlichkeiten für Chorgesang anzumieten.

Als Herzog in der Barockzeit ist Tenor Harald Kleine Kracht zurzeit bei digitalen Soloauftritten zu sehen. Foto: Gisela Schwarze - © dhaunhorst
Als Herzog in der Barockzeit ist Tenor Harald Kleine Kracht zurzeit bei digitalen Soloauftritten zu sehen. Foto: Gisela Schwarze - © dhaunhorst

„Im Sommer und Herbst 2020 konnten wir unsere bisher letzten Proben, natürlich unter Hygieneauflagen, absolvieren“, denkt der Chorleiter zurück. Auf der Tribüne in der Sportarena in Möllbergen trafen sich die Sänger zum Üben. Chorgesang funktioniere eigentlich anders, ganz abgesehen von der Akustik in der Sporthalle, resümiert Kleine Kracht. „Das Proben war eigentlich mehr eine Möglichkeit, sich zu sehen und sich auszutauschen.“

Wie fast alle Künstler zurzeit, muss der 53-Jährige Musiker auf gewohnte regelmäßige Tätigkeiten verzichten, die er außer der Chorleitung in Alten- und Pflegeheimen mit diversen Singkreisen ausübt. Vorige Woche gelang es ihm, einen solchen Singkreis in einer Seniorengruppe in Eisbergen coronakonform zu begleiten: „In einer Wohngruppe spielte ich auf dem Akkordeon, natürlich getestet und hinter einer Plexiglaswand.“ Die Senioren hätten hätten sich über den Auftritt sichtlich gefreut.

Ob im Chor oder solo – miteinander Spaß an der Musik zu haben, ist die Motivation Kleine Krachts. So auch Anfang März 2020 als Tenor im vierköpfigen Ensemble „Ad Libitum“ während eines Konzerts im Kulturverein Auetal (Kreis Schaumburg). Der nicht erfüllbare Wunsch des Kulturvereins nach der Wiederholung eines solchen Konzerts in diesem Jahr führte Harald Kleine Kracht auf neue Wege: Das „Auetaler Wunschkonzert“, ein digitales Wunschkonzert initiiert vom Kulturverein, wurde im Schaumburger Radio aus der Taufe gehoben. Hier erfüllt der Portaner Sänger monatlich Hörerwünsche (zu sehen und hören unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=JkF-XK9Irns). Er bringt dort populäre Songs und eigene Kompositionen zu Gehör.

„Inzwischen komponiere ich selbst Schlager mit deutschen Texten“, zählt der Sänger eine seiner weiteren künstlerischen Tätigkeiten auf. Er habe zum Bert-Kaempfert-Titel „Über das Meer“ vor einigen Jahren einen eigenen Text geschrieben und den öffentlich singen lassen. Damit er keine Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht bekam, wollte er für die Auftritte mit seinem Text eine Genehmigung einholen. Er bekam die (nachträgliche) Genehmigung aber nur für erfolgte Vorträge, durfte seinen Text aber zukünftig nicht mehr zur Kaempfert-Melodie verwenden. „Weil ich ja nun den Text geschrieben hatte und nutzen wollte, musste ich zwangsläufig eine eigene Melodie komponieren und tat das. Das war mein Start als Komponist und Song-Schreiber.“

Inzwischen habe er fünf Schlager gemeinsam mit seinem Berliner Produzenten Steven auf den Markt gebracht. Seine Themen seien hauptsächlich Liebe und Beziehungen. Einen Bezug zur aktuell schwierigen Zeit habe er mit dem Titel „Lass uns doch mal wieder richtig streiten“ hergestellt.

Auch eine neue Idee für seine Solo-Liedervorträge setzte Harald Kleine Kracht in die Tat um: „Ich schuf mir die Kunstfigur eines Herzogs aus der späten Barockzeit.“ Die passende Kostümierung beschaffte er sich und brachte sie bei digitalen Auftritten bereits zur Geltung. Dem Portaner schwebt vor, demnächst im Stadttheater Minden am Klavier mit Halb-Playbacks ein Konzert zu gestalten.

Außer diversen musikalischen Aktivitäten bot die Corona-Zeit dem von Geburt an hochgradig sehbehinderten Künstler die Möglichkeit, ein Herzensprojekt zu verwirklichen und einen historischen Roman zu schreiben, der im 13. Jahrhundert datiert und den Titel trägt „Sieh doch, Blinder“. „Wie würde es mir ergehen, wenn ich damals gelebt hätte?“, fragte sich Harald Kleine Kracht. Inzwischen sei er auf Seite 273 und es müsse lediglich noch der Schluss hinzugefügt werden, den er aber schon im Kopf habe, erzählt der Autor. Er bemüht sich bereits, einen Verlag für den Druck zu finden. „Der Ort der Handlung ist ein fiktiver Flecken in Ostwestfalen. Minden wird namentlich erwähnt“, verrät der Schriftsteller.

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