„Der Beamer ist ständig kaputt“ Michael Grundmeier Porta Westfalica-Hausberge (mig). Im Klassenraum des „Sowi“-Kurses Jahrgang 8 ist es an diesem Morgen mäuschenstill. Ein Zettel wird verteilt, dann treten die Realschüler hinter den Sichtschutz und machen ihr Kreuz. SPD, CDU oder doch die Grünen? Über Parteien und Programme sind die „Erstwähler“ erstaunlich gut informiert.Wer jetzt einen Schreck bekommt: Nein, das Wahlalter für die Bundestagswahl ist nicht herabgesetzt worden. Nur wer einen deutschen Pass hat und 18 Jahre alt ist, darf am Sonntag sein Kreuz machen. Jugendlichen wird eine so wichtige Entscheidung - bisher - offenbar nicht zugetraut.Immerhin: Mit der sogenannten „Juniorwahl“ gibt es eine Alternative. Schulen bekommen die für eine Wahl nötigen Utensilien gestellt - von der Urne über den Wahlzettel bis hin zur Plombe und Wahlbenachrichtigung. Die Schüler dürfen eine Wahl simulieren.„Das ist alles sehr professionell gemacht“, sagt Lehrer Fabian Steinki, der an dem Projekt teilnimmt. Die Schüler würden zunächst im Unterricht vorbereitet - „wir haben Parteiprogramme studiert und uns die Personen angeschaut, die bei uns zur Wahl stehen.“ Wichtig ist Steinki, „dass den Schülern ein Basiswissen vermittelt wird, wie eine Wahl und wie Demokratie funktioniert“. Das könne am besten an einem realen Ereignis wie der Bundestagswahl vermittelt werden. Er gehe davon aus, „dass die Schüler zeit ihres Lebens nicht mehr vergessen werden, was eine Erst- und was eine Zweitstimme ist“. Die „Juniorwahl“ sei eine „Schule in Demokratie“ und habe den Jugendlichen viel Spaß gemacht.Über eine Sache wundert sich Steinki aber doch: dass so wenige Schulen im Kreis an der „Juniorwahl“ teilgenommen haben. „Das ist doch die Gelegenheit, den Schülern zu vermitteln, worum es in der Demokratie geht“, meint der Pädagoge. Er halte das für eine verpasste Gelegenheit. Denn dass die „Juniorwahl“ bei den Jugendlichen und ihren Eltern die Wahlbeteiligung steigert, zeigen sämtliche Studien, die die „Juniorwahl“ seit 1999 begleiten. „Die Debatten, die wir hier führen, werden dann abends am Esstisch fortgesetzt“, berichtet Steinki.Schüler Jonas Huber hat die Wahl jedenfalls viel Spaß gemacht, wie er sagt. Jonas möchte später selbst mal Politiker werden. „Mir wurde bescheinigt, ich könne viel reden, ohne was zu sagen“, meint er und lächelt spitzbübisch. Wahlen hält Jonas für sehr wichtig, „um zu verhindern, dass irgendwer sagt: Mein Sohn ist jetzt der nächste Boss“. Ohne Wahlen könne es keine Demokratie geben, seine Wahlentscheidung mache er übrigens von Umwelt- und sozialen Themen abhängig.Philipos Ctsanis findet, dass mehr für die Digitalisierung getan werden müsste. Das gelte sowohl für die Bundespolitik als auch für die Politik vor Ort: „Das Modernste, das wir haben, sind Tageslichtprojektoren - der Beamer ist ständig kaputt“, ärgert sich Philipos.Leon Bödiger wünscht sich, wie fast alle anderen Schüler auch, mehr Geld für Bildung und für den Bau von Schulen. „Bei uns müsste einiges renoviert werden“, sagt Leon - und weist auf Risse in der Wand hin. Ansonsten ist es vor allem der Umweltschutz, der ihn interessiert. Seine Stimme der Tierschutzpartei zu geben, die ein Familienmitglied favorisiere - das kommt für ihn aber nicht in Frage. „Dann wäre sie doch verloren“, meint er, weil die Tierschützer nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kämen. Und was würde Leon unternehmen, wenn er Kanzler für einen Tag wäre? „Ich würde elektrische Autos einführen und den Diesel abschaffen. Der ist einfach zu gesundheitsschädigend. Außerdem würde ich Waffenexporte verbieten, damit der Terror keine Chance hat.“Wie die meisten anderen Schüler plädiert Leon für eine Absenkung des Wahlalters auf 17 oder 16 Jahre. „Auf diese Weise wären in der Politik auch unsere Interessen besser vertreten.“Joy Roßmann macht ihre Wahlentscheidung von anderen Faktoren abhängig. Ihr sind Umweltschutz, die Betreuung von Flüchtlingen und überhaupt soziale Themen wichtig. Zu 100 Prozent würden ihre Ansichten aber von keiner Partei vertreten.Die Ergebnisse der Juniorwahl werden erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht Bei der Landtagswahl, an der die Realschule ebenfalls teilgenommen hat, gab es, laut Fabian Steinki „keine Überraschungen. „Da hat die CDU gewonnen, die SPD war Zweite, und die FDP, die Grünen und die AfD waren ebenfalls vertreten.“www.juniorwahl.de

„Der Beamer ist ständig kaputt“

Fast wie bei den Erwachsenen: Den Realschülern machte die Juniorwahl viel Spaß. © Foto: Michael Grundmeier

Porta Westfalica-Hausberge (mig). Im Klassenraum des „Sowi“-Kurses Jahrgang 8 ist es an diesem Morgen mäuschenstill. Ein Zettel wird verteilt, dann treten die Realschüler hinter den Sichtschutz und machen ihr Kreuz. SPD, CDU oder doch die Grünen? Über Parteien und Programme sind die „Erstwähler“ erstaunlich gut informiert.

Wer jetzt einen Schreck bekommt: Nein, das Wahlalter für die Bundestagswahl ist nicht herabgesetzt worden. Nur wer einen deutschen Pass hat und 18 Jahre alt ist, darf am Sonntag sein Kreuz machen. Jugendlichen wird eine so wichtige Entscheidung - bisher - offenbar nicht zugetraut.

Immerhin: Mit der sogenannten „Juniorwahl“ gibt es eine Alternative. Schulen bekommen die für eine Wahl nötigen Utensilien gestellt - von der Urne über den Wahlzettel bis hin zur Plombe und Wahlbenachrichtigung. Die Schüler dürfen eine Wahl simulieren.

„Das ist alles sehr professionell gemacht“, sagt Lehrer Fabian Steinki, der an dem Projekt teilnimmt. Die Schüler würden zunächst im Unterricht vorbereitet - „wir haben Parteiprogramme studiert und uns die Personen angeschaut, die bei uns zur Wahl stehen.“ Wichtig ist Steinki, „dass den Schülern ein Basiswissen vermittelt wird, wie eine Wahl und wie Demokratie funktioniert“. Das könne am besten an einem realen Ereignis wie der Bundestagswahl vermittelt werden. Er gehe davon aus, „dass die Schüler zeit ihres Lebens nicht mehr vergessen werden, was eine Erst- und was eine Zweitstimme ist“. Die „Juniorwahl“ sei eine „Schule in Demokratie“ und habe den Jugendlichen viel Spaß gemacht.

Über eine Sache wundert sich Steinki aber doch: dass so wenige Schulen im Kreis an der „Juniorwahl“ teilgenommen haben. „Das ist doch die Gelegenheit, den Schülern zu vermitteln, worum es in der Demokratie geht“, meint der Pädagoge. Er halte das für eine verpasste Gelegenheit. Denn dass die „Juniorwahl“ bei den Jugendlichen und ihren Eltern die Wahlbeteiligung steigert, zeigen sämtliche Studien, die die „Juniorwahl“ seit 1999 begleiten. „Die Debatten, die wir hier führen, werden dann abends am Esstisch fortgesetzt“, berichtet Steinki.

Schüler Jonas Huber hat die Wahl jedenfalls viel Spaß gemacht, wie er sagt. Jonas möchte später selbst mal Politiker werden. „Mir wurde bescheinigt, ich könne viel reden, ohne was zu sagen“, meint er und lächelt spitzbübisch. Wahlen hält Jonas für sehr wichtig, „um zu verhindern, dass irgendwer sagt: Mein Sohn ist jetzt der nächste Boss“. Ohne Wahlen könne es keine Demokratie geben, seine Wahlentscheidung mache er übrigens von Umwelt- und sozialen Themen abhängig.

Philipos Ctsanis findet, dass mehr für die Digitalisierung getan werden müsste. Das gelte sowohl für die Bundespolitik als auch für die Politik vor Ort: „Das Modernste, das wir haben, sind Tageslichtprojektoren - der Beamer ist ständig kaputt“, ärgert sich Philipos.

Leon Bödiger wünscht sich, wie fast alle anderen Schüler auch, mehr Geld für Bildung und für den Bau von Schulen. „Bei uns müsste einiges renoviert werden“, sagt Leon - und weist auf Risse in der Wand hin. Ansonsten ist es vor allem der Umweltschutz, der ihn interessiert. Seine Stimme der Tierschutzpartei zu geben, die ein Familienmitglied favorisiere - das kommt für ihn aber nicht in Frage. „Dann wäre sie doch verloren“, meint er, weil die Tierschützer nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kämen. Und was würde Leon unternehmen, wenn er Kanzler für einen Tag wäre? „Ich würde elektrische Autos einführen und den Diesel abschaffen. Der ist einfach zu gesundheitsschädigend. Außerdem würde ich Waffenexporte verbieten, damit der Terror keine Chance hat.“

Wie die meisten anderen Schüler plädiert Leon für eine Absenkung des Wahlalters auf 17 oder 16 Jahre. „Auf diese Weise wären in der Politik auch unsere Interessen besser vertreten.“

Joy Roßmann macht ihre Wahlentscheidung von anderen Faktoren abhängig. Ihr sind Umweltschutz, die Betreuung von Flüchtlingen und überhaupt soziale Themen wichtig. Zu 100 Prozent würden ihre Ansichten aber von keiner Partei vertreten.

Die Ergebnisse der Juniorwahl werden erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht Bei der Landtagswahl, an der die Realschule ebenfalls teilgenommen hat, gab es, laut Fabian Steinki „keine Überraschungen. „Da hat die CDU gewonnen, die SPD war Zweite, und die FDP, die Grünen und die AfD waren ebenfalls vertreten.“

www.juniorwahl.de

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