Das jüngste Opfer war erst elf: Gedenktafel erinnert an das Schicksal der jüdischen Familie Seelig Stefan Lyrath Porta Westfalica-Costedt (Ly). Alfred und Julius Seelig, zwei jüdische Brüder aus Costedt, haben es nicht einmal bis nach Riga geschafft. Ihre Leben endeten bereits auf dem mörderischen Transport dorthin. „Einer starb vor Schwäche, einer wurde erschossen“, berichtet Stephan Böhme von der Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben an der Porta Westfalica“ des Gedenkstättenvereins. Die Brüder und ihre Lieben sind nicht vergessen. Zur Erinnerung an sechs Angehörige der Familie Seelig, im Dezember vor 80 Jahren deportiert und ermordet, ist in Costedt eine Gedenktafel eingeweiht worden. „Wir sind heute hier, um der Familie Seelig, die von den Nazis verschleppt wurde und jämmerlich zu Tode gekommen ist, wieder ein Gesicht zu geben“, sagte Ortsheimatpfleger Ulrich Dörjes. Das jüngste Opfer war die erst elf Jahre alte Hanna.Gedenken ist für Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) „eine Zukunftsaufgabe“. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen sei so wichtig, weil auch künftigen Generationen immer wieder deutlich gemacht werden müsse, was passiert sei. „Die Stadt Porta Westfalica ist sich ihrer historischen Verantwortung bewusst“, betonte die Verwaltungschefin. „Als Bürgermeisterin und auch persönlich sehe ich es als meine Pflicht und Aufgabe an, unsere Erinnerungs- und Gedenkkultur hier vor Ort aktiv zu unterstützen.“ Der Haupt- und Finanzausschuss, so Gerlach weiter, habe vor kurzem einstimmig beschlossen, dem Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte für eine Ausstellung ein Grundstück in Barkhausen zur Verfügung zu stellen.Wie berichtet soll gegenüber dem ehemaligen Hotel „Kaiserhof“, in dessen Festsaal während der Nazizeit ein Konzentrationslager für bis zu 1.500 Häftlinge untergebracht war, zunächst eine Container-Ausstellung entstehen. Später könnte dort ein Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung errichtet werden. Hinter dem Projekt steht der im Jahr 2009 gegründete Gedenkstättenverein, dessen Vorsitzender zunächst Stephan Böhme war und dem heute Bernd Hedtmann vorsitzt, beide ehemalige Bürgermeister. „Zur Erinnerungsarbeit gehören Stolpersteine genauso wie Gedenktafeln, Führungen, Vortragsreihen oder Kontakte zu Angehörigen“, zählte Hedtmann auf. In Hausberge sind bisher 27 Stolpersteine verlegt worden, während sich die Kleinenbremer für eine Stele vor der Kirche entschieden haben – und Costedt für die Gedenktafel, angebracht am früheren Mahnmal für die Gefallenen der Weltkriege. Pfarrer Torsten Willimczik ist „der festen Überzeugung, dass es sich bei solchen Aktionen nicht um einen Schuldkult handelt, wie das von manchen deutlich rechtsgerichteten Menschen unserer Tage gerne formuliert wird“. Die Frage von Schuld der Menschen damals sei längst beantwortet. „Es geht darum, den Mitgliedern der Familie Seelig mit unserem Gedenken die Achtung zu erweisen, die ihnen als Menschen gebührt – und die ihnen und so vielen, vielen anderen vor 80 Jahren in so grausamer Weise vorenthalten wurde“, so Willimczik.Familie Seelig hat an der heutigen Vennebecker Straße gelebt, damals Costedt Nr. 33. Die Brüder Bernhard und Siegfried waren Viehhändler. Bernhard starb bereits im Juni 1941, also etwa ein halbes Jahr vor der Deportation. Er und seine Frau Else hatten drei Kinder: Alfred, Julius und Hanna. Siegfried war mit Rosa verheiratet. „Die Nationalsozialisten hatten das Ziel, jüdisches Leben zu löschen. Es ist nicht gelungen, die Namen zu löschen“, stellte Stephan Böhme fest. Um die Finanzierung der etwa 2.500 Euro teuren Gedenktafel, die an Familie Seelig und alle anderen Opfer des Nationalsozialismus erinnert, haben sich Böhme und der Gedenkstättenverein gekümmert.Sechs Millionen ermordete Juden – wie konnte Gott den Holocaust zulassen? „Es war nicht der Ewige. Es waren die Menschen“, antwortet Harald Scheurenberg, der 33 Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Minden war, allen Zweiflern, die ihm diese Frage stellen. „Wir haben dafür zu sorgen, dass all diese Dinge, die jeden Tag passieren, endlich aufhören“, schlug er eine Brücke zur Gegenwart.

Das jüngste Opfer war erst elf: Gedenktafel erinnert an das Schicksal der jüdischen Familie Seelig

Nach der Feierstunde sehen sich Teilnehmer die Gedenktafel an. Vorne steht Nina Pape, geschäftsführende Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden. Foto: Stefan Lyrath

Porta Westfalica-Costedt (Ly). Alfred und Julius Seelig, zwei jüdische Brüder aus Costedt, haben es nicht einmal bis nach Riga geschafft. Ihre Leben endeten bereits auf dem mörderischen Transport dorthin. „Einer starb vor Schwäche, einer wurde erschossen“, berichtet Stephan Böhme von der Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben an der Porta Westfalica“ des Gedenkstättenvereins.

Die Brüder und ihre Lieben sind nicht vergessen. Zur Erinnerung an sechs Angehörige der Familie Seelig, im Dezember vor 80 Jahren deportiert und ermordet, ist in Costedt eine Gedenktafel eingeweiht worden. „Wir sind heute hier, um der Familie Seelig, die von den Nazis verschleppt wurde und jämmerlich zu Tode gekommen ist, wieder ein Gesicht zu geben“, sagte Ortsheimatpfleger Ulrich Dörjes. Das jüngste Opfer war die erst elf Jahre alte Hanna.

Gedenken ist für Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) „eine Zukunftsaufgabe“. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen sei so wichtig, weil auch künftigen Generationen immer wieder deutlich gemacht werden müsse, was passiert sei. „Die Stadt Porta Westfalica ist sich ihrer historischen Verantwortung bewusst“, betonte die Verwaltungschefin. „Als Bürgermeisterin und auch persönlich sehe ich es als meine Pflicht und Aufgabe an, unsere Erinnerungs- und Gedenkkultur hier vor Ort aktiv zu unterstützen.“

Der Haupt- und Finanzausschuss, so Gerlach weiter, habe vor kurzem einstimmig beschlossen, dem Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte für eine Ausstellung ein Grundstück in Barkhausen zur Verfügung zu stellen.

Wie berichtet soll gegenüber dem ehemaligen Hotel „Kaiserhof“, in dessen Festsaal während der Nazizeit ein Konzentrationslager für bis zu 1.500 Häftlinge untergebracht war, zunächst eine Container-Ausstellung entstehen. Später könnte dort ein Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung errichtet werden.

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Patrick Schwemmling

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Hinter dem Projekt steht der im Jahr 2009 gegründete Gedenkstättenverein, dessen Vorsitzender zunächst Stephan Böhme war und dem heute Bernd Hedtmann vorsitzt, beide ehemalige Bürgermeister. „Zur Erinnerungsarbeit gehören Stolpersteine genauso wie Gedenktafeln, Führungen, Vortragsreihen oder Kontakte zu Angehörigen“, zählte Hedtmann auf. In Hausberge sind bisher 27 Stolpersteine verlegt worden, während sich die Kleinenbremer für eine Stele vor der Kirche entschieden haben – und Costedt für die Gedenktafel, angebracht am früheren Mahnmal für die Gefallenen der Weltkriege.

Pfarrer Torsten Willimczik ist „der festen Überzeugung, dass es sich bei solchen Aktionen nicht um einen Schuldkult handelt, wie das von manchen deutlich rechtsgerichteten Menschen unserer Tage gerne formuliert wird“. Die Frage von Schuld der Menschen damals sei längst beantwortet. „Es geht darum, den Mitgliedern der Familie Seelig mit unserem Gedenken die Achtung zu erweisen, die ihnen als Menschen gebührt – und die ihnen und so vielen, vielen anderen vor 80 Jahren in so grausamer Weise vorenthalten wurde“, so Willimczik.

Familie Seelig hat an der heutigen Vennebecker Straße gelebt, damals Costedt Nr. 33. Die Brüder Bernhard und Siegfried waren Viehhändler. Bernhard starb bereits im Juni 1941, also etwa ein halbes Jahr vor der Deportation. Er und seine Frau Else hatten drei Kinder: Alfred, Julius und Hanna. Siegfried war mit Rosa verheiratet.

„Die Nationalsozialisten hatten das Ziel, jüdisches Leben zu löschen. Es ist nicht gelungen, die Namen zu löschen“, stellte Stephan Böhme fest. Um die Finanzierung der etwa 2.500 Euro teuren Gedenktafel, die an Familie Seelig und alle anderen Opfer des Nationalsozialismus erinnert, haben sich Böhme und der Gedenkstättenverein gekümmert.

Sechs Millionen ermordete Juden – wie konnte Gott den Holocaust zulassen? „Es war nicht der Ewige. Es waren die Menschen“, antwortet Harald Scheurenberg, der 33 Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Minden war, allen Zweiflern, die ihm diese Frage stellen. „Wir haben dafür zu sorgen, dass all diese Dinge, die jeden Tag passieren, endlich aufhören“, schlug er eine Brücke zur Gegenwart.

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