Das ewige Geheimnis: Haben unbekannte Täter eine Urne aus Portaner Familiengrab gestohlen? Thomas Lieske Porta Westfalica-Barkhausen. „Das Ermittlungsverfahren ist eingestellt worden, weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte.“ Was die Staatsanwaltschaft Bielefeld so nüchtern zusammenfasst, ist für Marion N. (Name von der Redaktion geändert) aus Barkhausen viel emotionaler. Nach einer Strafanzeige hatte sie sich endlich Aufklärung erhofft. Aufklärung darüber, ob jemand aus dem Familiengrab auf dem städtischen Friedhof in Barkhausen eine der beiden Urnen gestohlen hat. Davon sind Marion N. und ihr Mann nämlich überzeugt. Doch letzte Gewissheit hatte sie sich von den Ermittlungsbehörden erhofft. Heute, mehrere Monate nach dem Vorfall, ist sie genau so ratlos wie vorher. Von den Behörden fühlt sie sich allein gelassen. Es ist das unbefriedigende Ende einer vertrackten Geschichte, in der es um Totenruhe, Ermittlungsarbeit und Grenzen der Justiz geht. Es ist Ostern. Marion N. und ihr Mann wollen das Familiengrab besuchen. Schon auf dem Weg dorthin entdecken sie Teile von Grabschmuck, zerstört und verteilt auf der Rasenfläche am Eingang. Dann der Schock: Der Grabschmuck fehlt, die Blumentöpfe sind weg oder zerstört. Und in der Erde steckt ein Stein. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt das Ehepaar, dass es um weit mehr gehen könnte als ein zerstörtes Grab. Denn dort, wo der Stein steckt, müsste eine der Urnen vergraben sein. Die Erde ist locker, gespickt mit Scherben und Kieselsteinen, die von oben nachgerutscht sein müssen. Geschockt erstatten sie Anzeige bei der Polizei. „Hier geht es nicht nur um Sachbeschädigung oder Diebstahl, sondern auch um einen Urnenraub“, ist die Frau aus Barkhausen überzeugt. Die Tage vergehen, die Ungewissheit bleibt. Noch ein Anruf von der Polizei, dann hören sie ganz lange nichts. Gut drei Wochen lassen sie das Grab so wie sie es vorgefunden haben. Dann gibt die Polizei grünes Licht, dass sie die Ruhestätte wieder herrichten dürfen. Auf einem Video, das Marion N. zur Beweissicherung gedreht hat und das auch dem MT vorliegt, ist zu sehen, wie plötzlich die Abdeckfolie für das Unkraut zum Vorschein kommt. Zusammengeknüllt liegt sie in dem Loch. Dort, wo eigentlich die Urne liegen müsste. „Die hätte bei der Tiefe längst zu sehen gewesen sein müssen“, sagt Marion N. Doch in dem Loch ist nichts. Für die beiden eine unbefriedigende Situation. Sie wollen, dass endlich ernsthaft nachgeforscht wird. Und fragen nach beim zuständigen Friedhofsamt der Stadt. Doch auch dort blitzen sie ab: Es gebe keine Möglichkeit, das Grab einfach auszuheben, um nachzuschauen. Vielleicht war es ja auch ein Maulwurf, der die Erde aufgelockert hat? Oder ist die Urne mittlerweile sogar verrottet? Sie holt sich Rat bei einem Bestatter ein, der sofort Einspruch erhoben und gemeint habe, dass das Aschegefäß länger brauche, um zu verrotten. Auch das MT hakt während der monatelangen Recherchen bei der Stadt Porta Westfalica nach. Sprecherin Babette Lissner verweist auf die polizeilichen Ermittlungen. „Insofern handelt es sich um einen möglichen Tatort. Eine Graböffnung von Seiten der Verwaltung oder von Seiten der Nutzungsberechtigten kann aus diesem Grund sowie auf Grund der zu wahrenden Totenruhe auf keinen Fall durchgeführt werden.“ Totenruhe, die sieht Marion N. an der Stelle sowieso schon seit Langem gestört. Einfach selbst graben und nachschauen, das geht also nicht. Und eine Ausgrabung von Amts wegen – auch die ist hier offenbar schwierig. „Dies wäre, wenn ein hinreichender Tatverdacht gegeben ist, von der Staatsanwaltschaft zu veranlassen.“ Und dort? „Erfolg versprechende Ermittlungsansätze standen nicht zur Verfügung“, heißt es in einer kurzen Stellungnahme. Und weiter: „Eine weitere Nachschau im Urnengrab ist daher nicht erfolgt“, erklärt Staatsanwältin Claudia Bosse gegenüber dem MT. Für Marion N. dreht sich an dieser Stelle alles im Kreis. Sie hätte erwartet, dass zuerst im Grab nachgeschaut wird, um dann in die Ermittlungen einzusteigen. Bis heute versteht sie dieses Vorgehen bei den Ermittlungen nicht. Was juristisch womöglich korrekt ist, lässt die Barkhauserin ratlos zurück. Sie steht genau dort, wo sie auch zu Ostern schon stand. Geblieben ist die Ungewissheit, ob die Urne noch da ist – oder nicht.

Das ewige Geheimnis: Haben unbekannte Täter eine Urne aus Portaner Familiengrab gestohlen?

Nicht immer geht es auf Friedhöfen beschaulich zu. Ein Ehepaar aus Barkhausen entdeckt rund um Ostern ein zerstörtes Familiengrab. Es vermutet, dass die Urne bei der Zerstörungsaktion gestohlen wurde. Letzte Gewissheit wird es aber wohl nie geben. Symbolfoto: pixabay © pixabay

Porta Westfalica-Barkhausen. „Das Ermittlungsverfahren ist eingestellt worden, weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte.“ Was die Staatsanwaltschaft Bielefeld so nüchtern zusammenfasst, ist für Marion N. (Name von der Redaktion geändert) aus Barkhausen viel emotionaler. Nach einer Strafanzeige hatte sie sich endlich Aufklärung erhofft. Aufklärung darüber, ob jemand aus dem Familiengrab auf dem städtischen Friedhof in Barkhausen eine der beiden Urnen gestohlen hat. Davon sind Marion N. und ihr Mann nämlich überzeugt. Doch letzte Gewissheit hatte sie sich von den Ermittlungsbehörden erhofft. Heute, mehrere Monate nach dem Vorfall, ist sie genau so ratlos wie vorher. Von den Behörden fühlt sie sich allein gelassen. Es ist das unbefriedigende Ende einer vertrackten Geschichte, in der es um Totenruhe, Ermittlungsarbeit und Grenzen der Justiz geht.

Es ist Ostern. Marion N. und ihr Mann wollen das Familiengrab besuchen. Schon auf dem Weg dorthin entdecken sie Teile von Grabschmuck, zerstört und verteilt auf der Rasenfläche am Eingang. Dann der Schock: Der Grabschmuck fehlt, die Blumentöpfe sind weg oder zerstört. Und in der Erde steckt ein Stein. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt das Ehepaar, dass es um weit mehr gehen könnte als ein zerstörtes Grab. Denn dort, wo der Stein steckt, müsste eine der Urnen vergraben sein. Die Erde ist locker, gespickt mit Scherben und Kieselsteinen, die von oben nachgerutscht sein müssen.

Geschockt erstatten sie Anzeige bei der Polizei. „Hier geht es nicht nur um Sachbeschädigung oder Diebstahl, sondern auch um einen Urnenraub“, ist die Frau aus Barkhausen überzeugt. Die Tage vergehen, die Ungewissheit bleibt. Noch ein Anruf von der Polizei, dann hören sie ganz lange nichts. Gut drei Wochen lassen sie das Grab so wie sie es vorgefunden haben. Dann gibt die Polizei grünes Licht, dass sie die Ruhestätte wieder herrichten dürfen. Auf einem Video, das Marion N. zur Beweissicherung gedreht hat und das auch dem MT vorliegt, ist zu sehen, wie plötzlich die Abdeckfolie für das Unkraut zum Vorschein kommt. Zusammengeknüllt liegt sie in dem Loch. Dort, wo eigentlich die Urne liegen müsste. „Die hätte bei der Tiefe längst zu sehen gewesen sein müssen“, sagt Marion N. Doch in dem Loch ist nichts.


Für die beiden eine unbefriedigende Situation. Sie wollen, dass endlich ernsthaft nachgeforscht wird. Und fragen nach beim zuständigen Friedhofsamt der Stadt. Doch auch dort blitzen sie ab: Es gebe keine Möglichkeit, das Grab einfach auszuheben, um nachzuschauen. Vielleicht war es ja auch ein Maulwurf, der die Erde aufgelockert hat? Oder ist die Urne mittlerweile sogar verrottet? Sie holt sich Rat bei einem Bestatter ein, der sofort Einspruch erhoben und gemeint habe, dass das Aschegefäß länger brauche, um zu verrotten.

Auch das MT hakt während der monatelangen Recherchen bei der Stadt Porta Westfalica nach. Sprecherin Babette Lissner verweist auf die polizeilichen Ermittlungen. „Insofern handelt es sich um einen möglichen Tatort. Eine Graböffnung von Seiten der Verwaltung oder von Seiten der Nutzungsberechtigten kann aus diesem Grund sowie auf Grund der zu wahrenden Totenruhe auf keinen Fall durchgeführt werden.“ Totenruhe, die sieht Marion N. an der Stelle sowieso schon seit Langem gestört. Einfach selbst graben und nachschauen, das geht also nicht. Und eine Ausgrabung von Amts wegen – auch die ist hier offenbar schwierig. „Dies wäre, wenn ein hinreichender Tatverdacht gegeben ist, von der Staatsanwaltschaft zu veranlassen.“

Und dort? „Erfolg versprechende Ermittlungsansätze standen nicht zur Verfügung“, heißt es in einer kurzen Stellungnahme. Und weiter: „Eine weitere Nachschau im Urnengrab ist daher nicht erfolgt“, erklärt Staatsanwältin Claudia Bosse gegenüber dem MT. Für Marion N. dreht sich an dieser Stelle alles im Kreis. Sie hätte erwartet, dass zuerst im Grab nachgeschaut wird, um dann in die Ermittlungen einzusteigen. Bis heute versteht sie dieses Vorgehen bei den Ermittlungen nicht. Was juristisch womöglich korrekt ist, lässt die Barkhauserin ratlos zurück. Sie steht genau dort, wo sie auch zu Ostern schon stand. Geblieben ist die Ungewissheit, ob die Urne noch da ist – oder nicht.

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