„Das darf nie wieder passieren“: Portaner Gymnasiasten pflegen Stolpersteine in Hausberge Stefan Lyrath Porta Westfalica-Hausberge. So bleibt die Erinnerung wach: Neuntklässler des städtischen Gymnasiums haben zehn Stolpersteine gereinigt, die an von den Nazis verschleppte Juden aus Hausberge erinnern. Nur einer von ihnen, der Viehhändler Justin Maier, hatte den Holocaust überlebt und war nach dem Krieg zurückgekehrt. Die Gymnasiasten und ihre Geschichtslehrerin Jasmin Steinborn stehen am Kirchsiek 23. Einige putzen die vier auf dem Bürgersteig verlegten Stolpersteine mit Messingreiniger. Hier hat bis zu ihrer Deportation nach Riga im Dezember 1941 die jüdische Familie Spangenthal gelebt – alle ermordet.„Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, dass Menschen so etwas tun können“, sagt Oscar (14). „Man kann über zusätzliche Aktionen wie Projekttage nachdenken“, schlägt er vor.„Das Grauen war so nah“, erinnert Pia (14) daran, dass nicht nur die jüdischen Einwohner in Todeslager deportiert worden sind, sondern es auch an der Porta Westfalica selbst drei KZ mit insgesamt mehr als 3.000 Häftlingen gab. „Das darf nie wieder passieren“, sagt sie.Zwei Tage zuvor hat eine andere neunte Klasse sechs weitere Stolpersteine gereinigt, die an der Ecke Hauptstraße/Unter der Schalksburg verlegt worden sind – zum Gedenken an die Familie von Justin Maier, dessen Tochter Mathel Susi erst zwei Jahre alt war, als sie deportiert wurde. Zwei Jahre später, im November 1943, starben Mathel Susi und ihre Mutter Irmgard in Auschwitz. An der Hauptstraße 51 haben außerdem Justin Maiers Schwiegermutter Henny Honi, Ernestine Cohn und Walter Coblenzer gewohnt.Vorreiter beim Aufarbeiten der Portaner NS-Vergangenheit ist der Gedenkstättenverein, dem Lehrerin Jasmin Steinborn „eine wahnsinnig wichtige Arbeit“ attestiert. Gymnasium, Real- und Gesamtschule beteiligen sich zurzeit gemeinsam an einem Social-Media-Projekt des Vereins zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Das berichtet der stellvertretende Vorsitzende Thomas Hartmann. Gymnasiasten widmen sich dem Schicksal der Kleinenbremer Juden. Realschüler befassen sich mit Familie Pinkus, die in Hausberge gelebt hat. Um Familie Windmüller, ebenfalls aus Hausberge, geht es im Beitrag der Gesamtschule.Stolpersteine, ein Projekt von Gunter Demnig, gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Für zehn hat das Gymnasium eine Patenschaft übernommen. Auf den Dörfern werden andere Wege eingeschlagen. So haben sich die Kleinenbremer für eine Stele vor der Kirche entschieden, in Costedt soll eine Gedenktafel angebracht werden.

„Das darf nie wieder passieren“: Portaner Gymnasiasten pflegen Stolpersteine in Hausberge

Mit Messingreiniger putzten Gymnasiasten vor Kurzem die Stolpersteine am Kirchsiek in Hausberge. Foto: Stefan Lyrath

Porta Westfalica-Hausberge. So bleibt die Erinnerung wach: Neuntklässler des städtischen Gymnasiums haben zehn Stolpersteine gereinigt, die an von den Nazis verschleppte Juden aus Hausberge erinnern. Nur einer von ihnen, der Viehhändler Justin Maier, hatte den Holocaust überlebt und war nach dem Krieg zurückgekehrt.

Die Gymnasiasten und ihre Geschichtslehrerin Jasmin Steinborn stehen am Kirchsiek 23. Einige putzen die vier auf dem Bürgersteig verlegten Stolpersteine mit Messingreiniger. Hier hat bis zu ihrer Deportation nach Riga im Dezember 1941 die jüdische Familie Spangenthal gelebt – alle ermordet.

„Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, dass Menschen so etwas tun können“, sagt Oscar (14). „Man kann über zusätzliche Aktionen wie Projekttage nachdenken“, schlägt er vor.

„Das Grauen war so nah“, erinnert Pia (14) daran, dass nicht nur die jüdischen Einwohner in Todeslager deportiert worden sind, sondern es auch an der Porta Westfalica selbst drei KZ mit insgesamt mehr als 3.000 Häftlingen gab. „Das darf nie wieder passieren“, sagt sie.

Zwei Tage zuvor hat eine andere neunte Klasse sechs weitere Stolpersteine gereinigt, die an der Ecke Hauptstraße/Unter der Schalksburg verlegt worden sind – zum Gedenken an die Familie von Justin Maier, dessen Tochter Mathel Susi erst zwei Jahre alt war, als sie deportiert wurde. Zwei Jahre später, im November 1943, starben Mathel Susi und ihre Mutter Irmgard in Auschwitz. An der Hauptstraße 51 haben außerdem Justin Maiers Schwiegermutter Henny Honi, Ernestine Cohn und Walter Coblenzer gewohnt.

Vorreiter beim Aufarbeiten der Portaner NS-Vergangenheit ist der Gedenkstättenverein, dem Lehrerin Jasmin Steinborn „eine wahnsinnig wichtige Arbeit“ attestiert. Gymnasium, Real- und Gesamtschule beteiligen sich zurzeit gemeinsam an einem Social-Media-Projekt des Vereins zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Das berichtet der stellvertretende Vorsitzende Thomas Hartmann. Gymnasiasten widmen sich dem Schicksal der Kleinenbremer Juden. Realschüler befassen sich mit Familie Pinkus, die in Hausberge gelebt hat. Um Familie Windmüller, ebenfalls aus Hausberge, geht es im Beitrag der Gesamtschule.

Stolpersteine, ein Projekt von Gunter Demnig, gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Für zehn hat das Gymnasium eine Patenschaft übernommen. Auf den Dörfern werden andere Wege eingeschlagen. So haben sich die Kleinenbremer für eine Stele vor der Kirche entschieden, in Costedt soll eine Gedenktafel angebracht werden.


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