Das Schweigen des Investors: Seltsame Episode in der Berghotel-Debatte Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Ein paar Minuten lang schien eine überraschende Wende möglich und die Zukunft des Porta-Berghotel-Areals wieder völlig offen. Architekt Jörg Albersmeier kündigte am Montagabend im Planungsausschuss an, dass Günter Schiffers, sein ehemaliger Kompagnon beim Kaiserhof-Projekt, Interesse an dem Grundstück habe. Besonders die SPD-Politiker, die Zeit für eine umfassendere Planung in Hausberge gewinnen wollten, witterten die Chance, eine Mehrheit für ihre Idee zu bekommen. Doch Schiffers schwieg. Er habe in der Sitzung keinen Ansatzpunkt gesehen, das Wort zu ergreifen, erklärte Günter Schiffers am Tag danach seine merkwürdige Zurückhaltung gegenüber dem MT. „Wenn ich angesprochen worden wäre, hätte ich etwas gesagt.“ Er habe nicht den Eindruck gewonnen, dass die Diskussion im Ausschuss ergebnisoffen gewesen sei. Die Mehrheit sei anscheinend froh, bereits einen Investor gefunden zu haben. Sollten sich noch Veränderungen ergeben, „bin ich grundsätzlich interessiert“. Er könne sich eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe auf dem bisherigen Hotelareal vorstellen. Da Schiffers geschwiegen hatte, war es in der Sitzung Albersmeier vorbehalten, für den „großen Wurf“ in Hausberge zu werben. Dazu zählt auch eine Vision, die der Architekt noch als „Schnapsidee“ bezeichnet: die Weiterführung der abgebundenen Hauptstraße an Berghotel und Berg entlang zur B 482, wo eine Anbindung an den Bahnhof erfolgen solle. Albersmeier hält eine bessere Erreichbarkeit des Bahnhofs für dringend geboten. Auch vor dem Hintergrund, dass dort eines Tages eine andere, seit nahezu sieben Jahren diskutierte Vision – nämlich eine Seilbahnstation – Realität werden könnte. Wie Albersmeier dem MT berichtet, habe ihn der österreichischen Seilbahnbauer Doppelmayr mit der Projektentwicklung beauftragt. Der Ausschussmehrheit waren die Albersmeierschen Ausführungen zur Straßenführung offensichtlich eine Spur zu visionär. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass die Einflussmöglichkeiten der Stadt auf die Verkehrsführung der B 482 sowie auf Bahn und Bahnhof allenfalls gering seien. Das plötzliche mutmaßliche Interesse eines weiteren Investors am Berghotel komme reichlich spät, wunderten sich Politiker von CDU, Grünen und WP. Und so votierte die Mehrheit des Planungsausschusses dafür, den Bebauungsplan fürs Berghotel zu ändern. Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Grundstück mit dem Hauptgebäude nicht länger als Hotel genutzt werden muss. Wie berichtet, hat der Christliche Schulförderverein FES Minden, der das Areal kaufen wird, konkrete Pläne. Dazu zählen Seniorenwohnungen, Tagespflege, Arztpraxen, Kindergarten sowie Büro- und Konferenzräume. MT-Informationen zufolge soll zu den Ideen von Albersmeier und Schiffers fürs Berghotel auch ein (Lidl-) Lebensmittelmarkt zählen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Ob die Vision einer neuen Verkehrsführung zwischen Berghotel und Bahnhof weiterverfolgt wird, ist nach dem politischen Beschluss vom Montag fraglich. Er habe zwar einen Verkehrsplaner damit beauftragt, seine Idee zu prüfen, so Albersmeier, eventuell lege man das aber auf Eis. Priorität habe ohnehin das Kaiserhof-Projekt auf der anderen Weserseite. Nach dem Startschuss zur Änderung des Bebauungsplanes kommt nun die Öffentlichkeit zu Wort. So soll der Christliche Schulverein seine Pläne im Bezirksausschuss Hausberge am 11. Februar vorstellen. Das hätte nach Auffassung von Dirk Rahnenführer wegen der großen Bedeutung des Projekts längst erfolgen müssen. Der SPD-Fraktionschef kritisiert, dass es bislang keine öffentliche Präsentation der Vereinspläne gegeben habe. Obwohl der Schulverein grundsätzlich auch für gastronomische Angebote in seiner Immobile offen ist, dürfte sich die „historische Stätte der Gastlichkeit“, wie sie Hans-Martin Polte in seiner Hausberge-Chronik bezeichnet, deutlich verändern. Belegt ist, dass es am Fuße des Jakobsberges bereits 1795 eine Gaststätte „Der Keller“ gab. Daraus wurde das Steinertz-Hotel und nach einem Umbau etwa 1880 das Hotel Bellevue, welches nach dem Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals (1896) in Hotel Kaiser Friedrich umbenannt wurde. Dieses existierte bis 1980 und wich dem Neubau des Porta Berghotels (1983), das um den achteckigen Kaiser-Friedrich-Saal (1986), das über eine Brücke mit dem Hauptgebäude verbundene Tagungshaus (1990) sowie um das Ärztehaus (1992) erweitert wurde. 2010 kaufte die RIMC-Gruppe der Familie Horstmann das Hotel ab. Trotz Millioneninvestitionen wurde der Betrieb 2015 eingestellt. Nun soll an geschichtsträchtiger Stelle etwas Neues beginnen.

Das Schweigen des Investors: Seltsame Episode in der Berghotel-Debatte

Postkartenansicht aus dem vorigen Jahrhundert: An der Stelle des heutigen Porta-Berghotels stand bis 1980 das Hotel Kaiser Friedrich. Rechts ist die katholische Kirche zu sehen, die einst einen Kirchturm hatte. Das baufällige Gotteshaus wurde 1966 abgerissen und durch einen turmlosen Neubau ersetzt.? Repro: Alex Lehn © dhaunhorst

Porta Westfalica. Ein paar Minuten lang schien eine überraschende Wende möglich und die Zukunft des Porta-Berghotel-Areals wieder völlig offen. Architekt Jörg Albersmeier kündigte am Montagabend im Planungsausschuss an, dass Günter Schiffers, sein ehemaliger Kompagnon beim Kaiserhof-Projekt, Interesse an dem Grundstück habe. Besonders die SPD-Politiker, die Zeit für eine umfassendere Planung in Hausberge gewinnen wollten, witterten die Chance, eine Mehrheit für ihre Idee zu bekommen. Doch Schiffers schwieg.

Er habe in der Sitzung keinen Ansatzpunkt gesehen, das Wort zu ergreifen, erklärte Günter Schiffers am Tag danach seine merkwürdige Zurückhaltung gegenüber dem MT. „Wenn ich angesprochen worden wäre, hätte ich etwas gesagt.“ Er habe nicht den Eindruck gewonnen, dass die Diskussion im Ausschuss ergebnisoffen gewesen sei. Die Mehrheit sei anscheinend froh, bereits einen Investor gefunden zu haben. Sollten sich noch Veränderungen ergeben, „bin ich grundsätzlich interessiert“. Er könne sich eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe auf dem bisherigen Hotelareal vorstellen.

Da Schiffers geschwiegen hatte, war es in der Sitzung Albersmeier vorbehalten, für den „großen Wurf“ in Hausberge zu werben. Dazu zählt auch eine Vision, die der Architekt noch als „Schnapsidee“ bezeichnet: die Weiterführung der abgebundenen Hauptstraße an Berghotel und Berg entlang zur B 482, wo eine Anbindung an den Bahnhof erfolgen solle. Albersmeier hält eine bessere Erreichbarkeit des Bahnhofs für dringend geboten. Auch vor dem Hintergrund, dass dort eines Tages eine andere, seit nahezu sieben Jahren diskutierte Vision – nämlich eine Seilbahnstation – Realität werden könnte. Wie Albersmeier dem MT berichtet, habe ihn der österreichischen Seilbahnbauer Doppelmayr mit der Projektentwicklung beauftragt.

Der Ausschussmehrheit waren die Albersmeierschen Ausführungen zur Straßenführung offensichtlich eine Spur zu visionär. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass die Einflussmöglichkeiten der Stadt auf die Verkehrsführung der B 482 sowie auf Bahn und Bahnhof allenfalls gering seien. Das plötzliche mutmaßliche Interesse eines weiteren Investors am Berghotel komme reichlich spät, wunderten sich Politiker von CDU, Grünen und WP. Und so votierte die Mehrheit des Planungsausschusses dafür, den Bebauungsplan fürs Berghotel zu ändern. Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Grundstück mit dem Hauptgebäude nicht länger als Hotel genutzt werden muss. Wie berichtet, hat der Christliche Schulförderverein FES Minden, der das Areal kaufen wird, konkrete Pläne. Dazu zählen Seniorenwohnungen, Tagespflege, Arztpraxen, Kindergarten sowie Büro- und Konferenzräume.

MT-Informationen zufolge soll zu den Ideen von Albersmeier und Schiffers fürs Berghotel auch ein (Lidl-) Lebensmittelmarkt zählen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Ob die Vision einer neuen Verkehrsführung zwischen Berghotel und Bahnhof weiterverfolgt wird, ist nach dem politischen Beschluss vom Montag fraglich. Er habe zwar einen Verkehrsplaner damit beauftragt, seine Idee zu prüfen, so Albersmeier, eventuell lege man das aber auf Eis. Priorität habe ohnehin das Kaiserhof-Projekt auf der anderen Weserseite.

Nach dem Startschuss zur Änderung des Bebauungsplanes kommt nun die Öffentlichkeit zu Wort. So soll der Christliche Schulverein seine Pläne im Bezirksausschuss Hausberge am 11. Februar vorstellen. Das hätte nach Auffassung von Dirk Rahnenführer wegen der großen Bedeutung des Projekts längst erfolgen müssen. Der SPD-Fraktionschef kritisiert, dass es bislang keine öffentliche Präsentation der Vereinspläne gegeben habe.

Obwohl der Schulverein grundsätzlich auch für gastronomische Angebote in seiner Immobile offen ist, dürfte sich die „historische Stätte der Gastlichkeit“, wie sie Hans-Martin Polte in seiner Hausberge-Chronik bezeichnet, deutlich verändern. Belegt ist, dass es am Fuße des Jakobsberges bereits 1795 eine Gaststätte „Der Keller“ gab. Daraus wurde das Steinertz-Hotel und nach einem Umbau etwa 1880 das Hotel Bellevue, welches nach dem Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals (1896) in Hotel Kaiser Friedrich umbenannt wurde. Dieses existierte bis 1980 und wich dem Neubau des Porta Berghotels (1983), das um den achteckigen Kaiser-Friedrich-Saal (1986), das über eine Brücke mit dem Hauptgebäude verbundene Tagungshaus (1990) sowie um das Ärztehaus (1992) erweitert wurde. 2010 kaufte die RIMC-Gruppe der Familie Horstmann das Hotel ab. Trotz Millioneninvestitionen wurde der Betrieb 2015 eingestellt. Nun soll an geschichtsträchtiger Stelle etwas Neues beginnen.

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