Da fehlen einem die Worte: Glosse zur verschwundenen Haushaltsrede der CDU Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Zu den ernüchternden und zugleich unausweichlichen Lebenserfahrungen zählt, dass manche Dinge, die eigentlich groß werden sollen, seltsam klein bleiben. Haushaltsreden zum Beispiel. Vielleicht plante CDU-Fraktionschef Kurt Baberske am 20. Dezember einen großen Vortrag zur Lage der Nation unter besonderer Berücksichtigung Portas. Womöglich hätte er trotz strittigen Stellenplans und ernüchternden Millionendefizits die richtigen Formulierungen gewählt, um weite Teile des Rats doch noch mit dem Haushaltsentwurf zu versöhnen. Eventuell hätte er sogar allen Knatsches mit seiner Parteifreundin Dr. Sonja Gerlach zum Trotz ein paar weihnachtlich warme Worte für die Bürgermeisterin und ihr erstes Amtsjahr gefunden. Und vielleicht wären dann alle glücklich und zufrieden nach Hause gegangen (okay, die notorisch oppositionelle SPD wohl nicht). Hätte, hätte, Fehlerkette: Kurt Baberske, so schilderte er freimütig vor Beginn seiner wohl wichtigsten Rede des Jahres, ist offenbar Opfer einer Computerpanne geworden. Beim Vergrößern der Seiten, der besseren Lesbarkeit wegen, „war plötzlich die halbe Rede weg", berichtete er den staunenden Ratskollegen. Das Problem ließ sich anscheinend kurzfristig nicht lösen, und so wirkte Baberskes knapper Vortrag wie eine improvisierte Pflichtübung, die unvermittelt zur finalen Aussage führte, dass die CDU-Fraktion dem Etat zustimmen werde. Hätte Baberske stattdessen gesagt, dass er nun nach Hause gehe, um seinen Computer zu reparieren, hätte das auch nicht verwundert. Ob Baberskes blasser Beitrag sämtliche CDU-Leute motivieren konnte, gemeinsam mit ihrer Bürgermeisterin für den Haushalt zu votieren, wird aufgrund geheimer Abstimmung, eingestielt von der schlitzohrigen SPD, wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Sicher ist: Mindestens zwei Abtrünnige gab es in den Reihen der Christdemokraten und/oder der Grünen. Letztere hatten ebenfalls erklärt, für den Haushalt zu stimmen (und nach dem Scheitern des Etats beteuert, dies auch getan zu haben). Nun müssen alle Fraktionen nachsitzen, um endlich einen Haushalt 2022 zustande zu bringen. Vielleicht klappt das im Laufe des Februars. Womöglich wird Kurt Baberske bis dahin eine neue Rede schreiben. „Auf keinen Fall vergrößern!", möchte man ihm raten. Sonst fehlen am Ende wieder irgendwelche Stimmen.

Da fehlen einem die Worte: Glosse zur verschwundenen Haushaltsrede der CDU

Ein Blick ins Forum des Gymnasiums während der konstituierenden Ratssitzung im November 2020. Im Forum finden zu Zeiten der Corona-Pandemie die wichtigen politischen Sitzungen der Stadt Porta Westfalica statt. MT-Archivfoto: © Alex Lehn

Porta Westfalica. Zu den ernüchternden und zugleich unausweichlichen Lebenserfahrungen zählt, dass manche Dinge, die eigentlich groß werden sollen, seltsam klein bleiben. Haushaltsreden zum Beispiel. Vielleicht plante CDU-Fraktionschef Kurt Baberske am 20. Dezember einen großen Vortrag zur Lage der Nation unter besonderer Berücksichtigung Portas. Womöglich hätte er trotz strittigen Stellenplans und ernüchternden Millionendefizits die richtigen Formulierungen gewählt, um weite Teile des Rats doch noch mit dem Haushaltsentwurf zu versöhnen. Eventuell hätte er sogar allen Knatsches mit seiner Parteifreundin Dr. Sonja Gerlach zum Trotz ein paar weihnachtlich warme Worte für die Bürgermeisterin und ihr erstes Amtsjahr gefunden. Und vielleicht wären dann alle glücklich und zufrieden nach Hause gegangen (okay, die notorisch oppositionelle SPD wohl nicht).

Hätte, hätte, Fehlerkette: Kurt Baberske, so schilderte er freimütig vor Beginn seiner wohl wichtigsten Rede des Jahres, ist offenbar Opfer einer Computerpanne geworden. Beim Vergrößern der Seiten, der besseren Lesbarkeit wegen, „war plötzlich die halbe Rede weg", berichtete er den staunenden Ratskollegen. Das Problem ließ sich anscheinend kurzfristig nicht lösen, und so wirkte Baberskes knapper Vortrag wie eine improvisierte Pflichtübung, die unvermittelt zur finalen Aussage führte, dass die CDU-Fraktion dem Etat zustimmen werde. Hätte Baberske stattdessen gesagt, dass er nun nach Hause gehe, um seinen Computer zu reparieren, hätte das auch nicht verwundert.

Ob Baberskes blasser Beitrag sämtliche CDU-Leute motivieren konnte, gemeinsam mit ihrer Bürgermeisterin für den Haushalt zu votieren, wird aufgrund geheimer Abstimmung, eingestielt von der schlitzohrigen SPD, wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Sicher ist: Mindestens zwei Abtrünnige gab es in den Reihen der Christdemokraten und/oder der Grünen. Letztere hatten ebenfalls erklärt, für den Haushalt zu stimmen (und nach dem Scheitern des Etats beteuert, dies auch getan zu haben). Nun müssen alle Fraktionen nachsitzen, um endlich einen Haushalt 2022 zustande zu bringen. Vielleicht klappt das im Laufe des Februars. Womöglich wird Kurt Baberske bis dahin eine neue Rede schreiben. „Auf keinen Fall vergrößern!", möchte man ihm raten. Sonst fehlen am Ende wieder irgendwelche Stimmen.

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Patrick Schwemmling

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