Bürgermeister-Stichwahl: Grüne unterstützen Jörg Achilles Thomas Lieske,Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Noch elf Tage, dann können die Portanerinnen und Portaner erneut ihre Kreuze setzen. Denn im ersten Wahldurchgang hat es für keinen der Bewerber um das Bürgermeister- und das Landratsamt zur absoluten Mehrheit gereicht. Vor allem in der Bürgermeisterfrage dürfte es für Porta spannend werden. Denn eineinhalb Wochen vor der Stichwahl kommt neue Dynamik in den Wahlkampf. Der Stadtverband der Grünen ruft seit Dienstag in den sozialen Netzwerken dazu auf, den SPD-Kandidaten Jörg Achilles zu unterstützen, der gegen die gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP, Dr. Sonja Gerlach (CDU), ins Rennen geht. Der Slogan dazu: „Verlässlichkeit für Porta". Auch die unterlegene Kandidatin der Grünen, Anke Grotjohann, sichert Achilles öffentlich ihre Stimme zu. Rein rechnerisch könnte die Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden – wenn sich denn die gleichen Stimmenverhältnisse ergeben, wie am vergangenen Wochenende. Kurios ist allerdings: Nicht allen Grünen schmeckt die jetzige Kampagne für den SPD-Kandidaten. Und auch Stefan Borgmann aus der Stadtverbandsdoppelspitze der Grünen erklärt, dass es sich bei dieser Kampagne um eine handele, die „vor der Wahl untereinander abgestimmt" worden sei. Die SPD, sagt Borgmann, habe das gleiche zugesichert, wäre Anke Grotjohann in die Stichwahl gekommen – und Jörg Achilles nicht. Auf keinen Fall, betont der Vorsitzende, bedeute die jetzige Unterstützung, dass es wieder zu einer Koalition komme, wie im letzten Rat. „Wir haben als Grüne ein sehr gutes Ergebnis eingefahren und wollen natürlich unsere Politik durchsetzen", sagt Borgmann. Man sehe sich nicht mehr als „Juniorpartner der SPD". Deshalb zeigten sich die Grünen auch für alle Parteien gesprächsbereit – „nur nicht mit der AfD", betont er. Aus seiner Sicht könnten sich durchaus neue Mehrheiten finden lassen, auch fernab der SPD. Trotz solcher Relativierungen setzt Jörg Achilles gemäß den Absprachen für die Stichwahl auf die Unterstützung der Grünen. Seinen Optimismus habe er trotz der Enttäuschung am Wahlabend nicht verloren. „Ein Ergebnis von mehr als 30 Prozent habe ich schon erwartet", sagt Achilles. „Sowohl für die SPD als auch für mich." Nun gelte es weiter zu arbeiten und sich „vor Ort zu zeigen", um Überzeugungsarbeit zu leisten, da die Beteiligung bei einer Stichwahl erfahrungsgemäß nicht so gut sei. Sonja Gerlach überrascht die Aussage der Grünen zugunsten ihren Kontrahenten nicht: „Sie wollen offensichtlich jede Veränderung verhindern." Aus der Bevölkerung erhalte sie gegenteilige Aussagen, so die Kandidatin von CDU und FDP. „Der Wunsch nach Erneuerung ist ausgeprägt groß." Rot-Grün dagegen bedeute Stillstand, meint Gerlach. Sie sei bereit, mit allen demokratischen Parteien zusammenzuarbeiten. Ein Blick auf die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl in den einzelnen Wahlbezirken zeigt, dass Gerlach in 17 von 19 Bezirken vor Achilles lag, einmal sogar mit mehr als 50 Prozent der Stimmen (Veltheim), meist mit über 40 Prozent. Achilles und Grotjohann bewegten sich in diesen Wahlbezirken meist bei je 20 plus x Prozent. Sollte sich eine ähnliche Gewichtung in der Stichwahl ergeben – das hängt auch davon ab, wie viele Wähler aus welchen politischen Richtungen zur Wahl gehen –, bräuchte Achilles alle Stimmen von Grotjohanns Unterstützern, um sich durchzusetzen – vorausgesetzt, auch Gerlach bekommt die gleiche Unterstützung wie im ersten Durchgang. Die Bürgermeister-Stichwahl ist auch für die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat von großer Bedeutung. Dort haben die Gewinne der Grünen die erheblichen Verluste der SPD nicht auffangen können. Die ehemals komfortable rot-grüne Mehrheit ist Geschichte. Sollte sich SPD-Mann Jörg Achilles im Stechen durchsetzen, bliebe der rot-grünen Koalition samt Bürgermeister rein rechnerisch eine Ein-Stimmen-Mehrheit. Mit der Wahl von Sonja Gerlach wäre die Konstellation eine andere. Es ist noch nicht gelaufen Ein Kommentar von Dirk Haunhorst 27 plus 24 sind 51. Rein rechnerisch ist die Sache einfach: Wenn SPD-Mann Jörg Achilles seinem Ergebnis in der Stichwahl das der Grünen-Kandidatin Anke Grotjohan hinzufügen kann, wird er Stadtoberhaupt. Damit behielte Rot-Grün plus Bürgermeister eine Mehrheit im Stadtrat, wenn auch nur eine hauchdünne. So viel zur Theorie: In der Praxis dürfte es schwierig werden, sämtliche Grotjohann-Wähler für die Stichwahl zu motivieren. Und diejenigen, die tatsächlich ihr Kreuz machen, werden nicht alle Achilles wählen. Das zeigte sich bereits vorigen Sonntag: Anke Grotjohann war zwar die Kandidatin der Grünen, schnitt aber als Parteilose einige Prozentpunkte besser ab als die Umweltpartei. Heißt: Nicht jeder, der Grotjohann wählte, votierte auch für die Grünen. Die Kalkulation von SPD und zumindest Teilen der Grünen ist offensichtlich: Sie werben in der Stichwahl mit dem Slogan „Verlässlichkeit für Porta" für Kontinuität. Richtig ist, dass es angesichts der künftigen Sitzverteilung schwierig wird, gegen Rot-Grün (19 Stimmen) Mehrheiten im Rat zu organisieren. Dazu bräuchte es neben einer Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) den Schulterschluss von CDU, FDP, Wählergemeinschaft Porta (WP) und AfD. Sie alle zusammen kämen auf 20 Stimmen. Ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin ist jedoch nicht in erster Linie Mehrheitsbeschaffer. Die Portaner wählen am 27. September ein Stadtoberhaupt, das eine Verwaltung mit mehreren hundert Mitarbeitern führen muss, das in rechtlichen und organisatorischen Fragen gefordert wird und seine Moderatorenrolle in (Rats-)Sitzungen souverän ausüben sollte – im Sinne guter Entscheidungen für die Sache und nicht zugunsten politischer Lager. Wem trauen die Portaner das am ehesten zu? Sonja Gerlach, Kandidatin von CDU und FDP, hat mit 44 Prozent ein Resultat erzielt, das nur auf den ersten Blick erstaunlich ist. Rechnet man die Prozentzahlen des „bürgerlichen Lagers" (CDU, FDP und WP) für den Stadtrat zusammen, ergibt dies ziemlich genau das Gerlach-Ergebnis. Auch sie benötigt übernächsten Sonntag Stimmen von Grotjohann-Wählern. Noch wichtiger aber ist für Achilles und Gerlach gleichermaßen, ihre bisherigen Wähler erneut zu motivieren. Trotz des deutlichen Unterschieds von nahezu 17 Prozentpunkten zwischen beiden Bewerbern in Durchgang eins ist ihre wichtigste Botschaft in den nächsten anderthalb Wochen dieselbe: Es ist noch nicht gelaufen.

Bürgermeister-Stichwahl: Grüne unterstützen Jörg Achilles

Porta Westfalica. Noch elf Tage, dann können die Portanerinnen und Portaner erneut ihre Kreuze setzen. Denn im ersten Wahldurchgang hat es für keinen der Bewerber um das Bürgermeister- und das Landratsamt zur absoluten Mehrheit gereicht. Vor allem in der Bürgermeisterfrage dürfte es für Porta spannend werden. Denn eineinhalb Wochen vor der Stichwahl kommt neue Dynamik in den Wahlkampf.

Ziehen in die Stichwahl ums Bürgermeisteramt: Dr. Sonja Gerlach (CDU) für CDU und FDP und Jörg Achilles (SPD). - © MT-Foto: Thomas Lieske
Ziehen in die Stichwahl ums Bürgermeisteramt: Dr. Sonja Gerlach (CDU) für CDU und FDP und Jörg Achilles (SPD). - © MT-Foto: Thomas Lieske

Der Stadtverband der Grünen ruft seit Dienstag in den sozialen Netzwerken dazu auf, den SPD-Kandidaten Jörg Achilles zu unterstützen, der gegen die gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP, Dr. Sonja Gerlach (CDU), ins Rennen geht. Der Slogan dazu: „Verlässlichkeit für Porta". Auch die unterlegene Kandidatin der Grünen, Anke Grotjohann, sichert Achilles öffentlich ihre Stimme zu. Rein rechnerisch könnte die Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden – wenn sich denn die gleichen Stimmenverhältnisse ergeben, wie am vergangenen Wochenende.

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Kurios ist allerdings: Nicht allen Grünen schmeckt die jetzige Kampagne für den SPD-Kandidaten. Und auch Stefan Borgmann aus der Stadtverbandsdoppelspitze der Grünen erklärt, dass es sich bei dieser Kampagne um eine handele, die „vor der Wahl untereinander abgestimmt" worden sei. Die SPD, sagt Borgmann, habe das gleiche zugesichert, wäre Anke Grotjohann in die Stichwahl gekommen – und Jörg Achilles nicht. Auf keinen Fall, betont der Vorsitzende, bedeute die jetzige Unterstützung, dass es wieder zu einer Koalition komme, wie im letzten Rat. „Wir haben als Grüne ein sehr gutes Ergebnis eingefahren und wollen natürlich unsere Politik durchsetzen", sagt Borgmann. Man sehe sich nicht mehr als „Juniorpartner der SPD". Deshalb zeigten sich die Grünen auch für alle Parteien gesprächsbereit – „nur nicht mit der AfD", betont er. Aus seiner Sicht könnten sich durchaus neue Mehrheiten finden lassen, auch fernab der SPD.

Trotz solcher Relativierungen setzt Jörg Achilles gemäß den Absprachen für die Stichwahl auf die Unterstützung der Grünen. Seinen Optimismus habe er trotz der Enttäuschung am Wahlabend nicht verloren. „Ein Ergebnis von mehr als 30 Prozent habe ich schon erwartet", sagt Achilles. „Sowohl für die SPD als auch für mich." Nun gelte es weiter zu arbeiten und sich „vor Ort zu zeigen", um Überzeugungsarbeit zu leisten, da die Beteiligung bei einer Stichwahl erfahrungsgemäß nicht so gut sei.

Sonja Gerlach überrascht die Aussage der Grünen zugunsten ihren Kontrahenten nicht: „Sie wollen offensichtlich jede Veränderung verhindern." Aus der Bevölkerung erhalte sie gegenteilige Aussagen, so die Kandidatin von CDU und FDP. „Der Wunsch nach Erneuerung ist ausgeprägt groß." Rot-Grün dagegen bedeute Stillstand, meint Gerlach. Sie sei bereit, mit allen demokratischen Parteien zusammenzuarbeiten.

Ein Blick auf die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl in den einzelnen Wahlbezirken zeigt, dass Gerlach in 17 von 19 Bezirken vor Achilles lag, einmal sogar mit mehr als 50 Prozent der Stimmen (Veltheim), meist mit über 40 Prozent. Achilles und Grotjohann bewegten sich in diesen Wahlbezirken meist bei je 20 plus x Prozent. Sollte sich eine ähnliche Gewichtung in der Stichwahl ergeben – das hängt auch davon ab, wie viele Wähler aus welchen politischen Richtungen zur Wahl gehen –, bräuchte Achilles alle Stimmen von Grotjohanns Unterstützern, um sich durchzusetzen – vorausgesetzt, auch Gerlach bekommt die gleiche Unterstützung wie im ersten Durchgang.

Die Bürgermeister-Stichwahl ist auch für die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat von großer Bedeutung. Dort haben die Gewinne der Grünen die erheblichen Verluste der SPD nicht auffangen können. Die ehemals komfortable rot-grüne Mehrheit ist Geschichte. Sollte sich SPD-Mann Jörg Achilles im Stechen durchsetzen, bliebe der rot-grünen Koalition samt Bürgermeister rein rechnerisch eine Ein-Stimmen-Mehrheit. Mit der Wahl von Sonja Gerlach wäre die Konstellation eine andere.

Es ist noch nicht gelaufen

Ein Kommentar von Dirk Haunhorst

27 plus 24 sind 51. Rein rechnerisch ist die Sache einfach: Wenn SPD-Mann Jörg Achilles seinem Ergebnis in der Stichwahl das der Grünen-Kandidatin Anke Grotjohan hinzufügen kann, wird er Stadtoberhaupt. Damit behielte Rot-Grün plus Bürgermeister eine Mehrheit im Stadtrat, wenn auch nur eine hauchdünne.

So viel zur Theorie: In der Praxis dürfte es schwierig werden, sämtliche Grotjohann-Wähler für die Stichwahl zu motivieren. Und diejenigen, die tatsächlich ihr Kreuz machen, werden nicht alle Achilles wählen. Das zeigte sich bereits vorigen Sonntag: Anke Grotjohann war zwar die Kandidatin der Grünen, schnitt aber als Parteilose einige Prozentpunkte besser ab als die Umweltpartei. Heißt: Nicht jeder, der Grotjohann wählte, votierte auch für die Grünen.

Die Kalkulation von SPD und zumindest Teilen der Grünen ist offensichtlich: Sie werben in der Stichwahl mit dem Slogan „Verlässlichkeit für Porta" für Kontinuität. Richtig ist, dass es angesichts der künftigen Sitzverteilung schwierig wird, gegen Rot-Grün (19 Stimmen) Mehrheiten im Rat zu organisieren. Dazu bräuchte es neben einer Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) den Schulterschluss von CDU, FDP, Wählergemeinschaft Porta (WP) und AfD. Sie alle zusammen kämen auf 20 Stimmen.

Ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin ist jedoch nicht in erster Linie Mehrheitsbeschaffer. Die Portaner wählen am 27. September ein Stadtoberhaupt, das eine Verwaltung mit mehreren hundert Mitarbeitern führen muss, das in rechtlichen und organisatorischen Fragen gefordert wird und seine Moderatorenrolle in (Rats-)Sitzungen souverän ausüben sollte – im Sinne guter Entscheidungen für die Sache und nicht zugunsten politischer Lager. Wem trauen die Portaner das am ehesten zu?

Sonja Gerlach, Kandidatin von CDU und FDP, hat mit 44 Prozent ein Resultat erzielt, das nur auf den ersten Blick erstaunlich ist. Rechnet man die Prozentzahlen des „bürgerlichen Lagers" (CDU, FDP und WP) für den Stadtrat zusammen, ergibt dies ziemlich genau das Gerlach-Ergebnis. Auch sie benötigt übernächsten Sonntag Stimmen von Grotjohann-Wählern. Noch wichtiger aber ist für Achilles und Gerlach gleichermaßen, ihre bisherigen Wähler erneut zu motivieren. Trotz des deutlichen Unterschieds von nahezu 17 Prozentpunkten zwischen beiden Bewerbern in Durchgang eins ist ihre wichtigste Botschaft in den nächsten anderthalb Wochen dieselbe: Es ist noch nicht gelaufen.

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