Bürgerdialog zur ICE-Trasse Hannover-Bielefeld: Wo sind die Widerstände? Thomas Lieske Porta Westfalica. Rund 2.800 Menschen verfolgten am Donnerstagabend den Auftakt des Bahn-Bürger-Dialogs für die Einführung des Deutschlandtakts auf der ICE-Strecke Hannover-Bielefeld, die auch durch Porta Westfalica führen könnte. Wahrscheinlich mal mehr, mal weniger konzentriert auf das eigentliche Informationsformat, das nach hinten raus dann doch ziemlich langatmig war. Jetzt geht es ins Detail, das machte unter anderem Chefplaner Carsten-Alexander Müller deutlich. Wer allerdings auf ein schnelles Verfahren hofft, der hofft wohl vergebens. Der erste Schritt hin zu einer möglichen ganz groben Verlaufsplanung wird voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres getan sein. Was dann noch folgt, sind die aufwendigen Untersuchungen vor Ort – auch in Porta Westfalica. Der Bundestag muss eingebunden werden, und erst danach kann es überhaupt an eine Detailplanung für mögliche Trassen gehen. Experten rechnen insgesamt mit mindestens zehn Jahren, bevor überhaupt an einen Spatenstich zu denken ist. Doch was genau geschieht in der der ersten Stufe überhaupt? Die Bahn hat nach Vorgabe des Deutschlandtakts – Knotenbahnhöfe wie Hannover und Bielefeld müssen innerhalb von rund 30 Minuten untereinander erreichbar sein – grob skizziert, in welchem Raum eine solche Trasse überhaupt verlaufen könnte, damit die Züge in der vorgegebenen Zeit rollen. Dieser Korridor (siehe Grafik) reicht im Norden von einer Linie zwischen Hannover, Petershagen, Hille und Bielefeld bis zu einer Linie zwischen Hannover, Hameln, Lemgo und Bielefeld im Süden. Dazwischen, sagt Müller, sei erst einmal alles möglich. Mittendrin: Porta. Im ersten Schritt müssen Experten nun untersuchen, welche möglichen Widerstände sich in diesem Korridor ergeben. Wo gibt es dichte Siedlungsgebiete? Eine Trasse mitten durch Minden etwa ist unwahrscheinlich. Wo befinden sich besonders schützenswerte Landschaftsgebiete? Porta hat mit „Schwatten Paul", der Holzhauser Mark und anderen Gebieten einige davon. Sie ziehen sich durch das gesamte Stadtgebiet. Wo gibt es Trinkwasserschutzgebiete? In Vennebeck ist eines eingegrenzt, und daran hängt auch ein Teil der Versorgung von Minden. Wo gibt es natürliche Hindernisse? Dazu zählen Weser- und Wiehengebirge. All diese Widerstände sammeln Experten und bewerten sie. Ein Gebirge ließe sich grundsätzlich mit einem Tunnel überwinden. Hier spielen vor allem die Kostenfrage und die Beschaffenheit des Bergzuges eine Rolle. Für Flussläufe wie die Weser gäbe es Brücken oder Tunnel – auch hier steht die Kostenfrage im Raum. Schwieriger wird es, wenn viele Menschen in einem Siedlungsgebiet wohnen. Dieser Faktor gilt als besonders großer Widerstand. Sind diese Faktoren zusammengetragen, werden sie auf einer Karte notiert. Erst dann – es geht immerhin um rund 90 Kilometer Strecke – können die Planer der Bahn ganz grobe Trassenkorridore ermitteln. Konkrete Trassenverläufe wird es Ende 2022 damit noch nicht geben. Und die fünf ins Spiel gebrachten Trassenverläufe – da wird die Bahn nicht müde zu betonen – seien keine festgelegten Varianten, sondern nur Rechenbeispiele gewesen. Kommentar: Zäher Auftakt Nein, seinen Namen hatte das digitale Bürgerdialog-Forum zum Auftakt der ICE-Trassenplanung am Donnerstag nicht verdient. Vielmehr reihten sich zwar teils gute, aber längst bekannte Argumente in oft abgelesenen Videobotschaften aneinander. Ein zäher Auftakt. Kein Wunder, dass die Chatfunktion, die eigentlich für Fragen zum Thema gedacht war, eine Eigendynamik entwickelte, die immer wieder die sachliche Ebene verließ und nicht nachprüfbare vermeintliche Fakten in den Raum warf. Viele beschäftigten sich so intensiv mit dem Chat, dass sie vermutlich kaum noch dem eigentlichen Forum folgten. Die lahme Dynamik des eigentlichen Dialogs wurde der Brisanz des Themas mit Auswirkungen für Millionen von Menschen in ganz Deutschland, ob Bahnpendler oder Anwohner, nicht gerecht. Das muss besser werden.

Bürgerdialog zur ICE-Trasse Hannover-Bielefeld: Wo sind die Widerstände?

Wo soll die Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover gebaut werden? Im Bürgerdialog wird darüber diskutiert. © 2182694 auf Pixabay

Porta Westfalica. Rund 2.800 Menschen verfolgten am Donnerstagabend den Auftakt des Bahn-Bürger-Dialogs für die Einführung des Deutschlandtakts auf der ICE-Strecke Hannover-Bielefeld, die auch durch Porta Westfalica führen könnte. Wahrscheinlich mal mehr, mal weniger konzentriert auf das eigentliche Informationsformat, das nach hinten raus dann doch ziemlich langatmig war. Jetzt geht es ins Detail, das machte unter anderem Chefplaner Carsten-Alexander Müller deutlich. Wer allerdings auf ein schnelles Verfahren hofft, der hofft wohl vergebens. Der erste Schritt hin zu einer möglichen ganz groben Verlaufsplanung wird voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres getan sein. Was dann noch folgt, sind die aufwendigen Untersuchungen vor Ort – auch in Porta Westfalica. Der Bundestag muss eingebunden werden, und erst danach kann es überhaupt an eine Detailplanung für mögliche Trassen gehen. Experten rechnen insgesamt mit mindestens zehn Jahren, bevor überhaupt an einen Spatenstich zu denken ist.

Doch was genau geschieht in der der ersten Stufe überhaupt? Die Bahn hat nach Vorgabe des Deutschlandtakts – Knotenbahnhöfe wie Hannover und Bielefeld müssen innerhalb von rund 30 Minuten untereinander erreichbar sein – grob skizziert, in welchem Raum eine solche Trasse überhaupt verlaufen könnte, damit die Züge in der vorgegebenen Zeit rollen. Dieser Korridor (siehe Grafik) reicht im Norden von einer Linie zwischen Hannover, Petershagen, Hille und Bielefeld bis zu einer Linie zwischen Hannover, Hameln, Lemgo und Bielefeld im Süden. Dazwischen, sagt Müller, sei erst einmal alles möglich. Mittendrin: Porta.

Im ersten Schritt müssen Experten nun untersuchen, welche möglichen Widerstände sich in diesem Korridor ergeben. Wo gibt es dichte Siedlungsgebiete? Eine Trasse mitten durch Minden etwa ist unwahrscheinlich. Wo befinden sich besonders schützenswerte Landschaftsgebiete? Porta hat mit „Schwatten Paul", der Holzhauser Mark und anderen Gebieten einige davon. Sie ziehen sich durch das gesamte Stadtgebiet. Wo gibt es Trinkwasserschutzgebiete? In Vennebeck ist eines eingegrenzt, und daran hängt auch ein Teil der Versorgung von Minden. Wo gibt es natürliche Hindernisse? Dazu zählen Weser- und Wiehengebirge.

All diese Widerstände sammeln Experten und bewerten sie. Ein Gebirge ließe sich grundsätzlich mit einem Tunnel überwinden. Hier spielen vor allem die Kostenfrage und die Beschaffenheit des Bergzuges eine Rolle. Für Flussläufe wie die Weser gäbe es Brücken oder Tunnel – auch hier steht die Kostenfrage im Raum. Schwieriger wird es, wenn viele Menschen in einem Siedlungsgebiet wohnen. Dieser Faktor gilt als besonders großer Widerstand.

Sind diese Faktoren zusammengetragen, werden sie auf einer Karte notiert. Erst dann – es geht immerhin um rund 90 Kilometer Strecke – können die Planer der Bahn ganz grobe Trassenkorridore ermitteln. Konkrete Trassenverläufe wird es Ende 2022 damit noch nicht geben. Und die fünf ins Spiel gebrachten Trassenverläufe – da wird die Bahn nicht müde zu betonen – seien keine festgelegten Varianten, sondern nur Rechenbeispiele gewesen.

Kommentar: Zäher Auftakt

Nein, seinen Namen hatte das digitale Bürgerdialog-Forum zum Auftakt der ICE-Trassenplanung am Donnerstag nicht verdient. Vielmehr reihten sich zwar teils gute, aber längst bekannte Argumente in oft abgelesenen Videobotschaften aneinander. Ein zäher Auftakt. Kein Wunder, dass die Chatfunktion, die eigentlich für Fragen zum Thema gedacht war, eine Eigendynamik entwickelte, die immer wieder die sachliche Ebene verließ und nicht nachprüfbare vermeintliche Fakten in den Raum warf. Viele beschäftigten sich so intensiv mit dem Chat, dass sie vermutlich kaum noch dem eigentlichen Forum folgten. Die lahme Dynamik des eigentlichen Dialogs wurde der Brisanz des Themas mit Auswirkungen für Millionen von Menschen in ganz Deutschland, ob Bahnpendler oder Anwohner, nicht gerecht. Das muss besser werden.

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