Bilder und Briefe aus dunkler Zeit Portas Verein bittet Bevölkerung um Mithilfe / Exponate für neues Doku-Zentrum gesucht Stefan Lyrath Porta Westfalica (Ly). Drei Monate nach der Gedenkfeier für mehr als 3000 KZ-Häftlinge geht die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Portaner Geschichte weiter. Der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte, dessen Vorsitzender Bürgermeister Bernd Hedtmann ist, möchte dabei die Bevölkerung einbinden. Gesucht werden zum Beispiel Fotos aus der Nazizeit, Tagebücher, Briefe, Postkarten oder Erlebnisberichte. Bei der Sanierung des Kaiser-Wihelm-Denkmals ist ein Dokumentationszentrum im Sockel des Monumentes geplant, das auch der Verein mit nutzen möchte.„Unser Problem ist, dass wir dafür wenig Gegenstände haben“, erklärt Herbert Wiese, Vereinsmitglied und Ortsheimatpfleger in Hausberge. „Es gibt auch keine Häftlingskleidung, kein Essgeschirr“, fügt Wiese hinzu. Wer Exponate besitzt, kann sich an die Stadtverwaltung (Babette Lissner) wenden, Tel. (05 71) 791 133.Über die Gestaltung des Doku-Zentrums möchte der Verein demnächst Gespräche mit Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe führen, dem das Denkmal gehört. Denkbar sind Filme, einzelne Biografien und eine ruhige Ecke, in der Literatur ausliegt. Zudem überlegt der Vorstand, durch ein professionelles Filmteam dokumentieren zu lassen, wie es heute etwa im Jakobsberg aussieht, wo früher KZ-Häftlinge mörderische Zwangsarbeit in Stollen verrichten mussten.Zunächst wird Material gesammeltGefilmt werden sollen auch Gespräche mit Zeitzeugen. Darum kümmern sich der Historiker Thomas Lange, der seine Magisterarbeit über die drei Portaner Konzentrationslager geschrieben hat, sowie andere Mitglieder.Mitte September trifft sich zum ersten Mal eine neue Untergruppe, geleitet von Dominique Schröder, die „Jüdisches Lebens an der Porta“ dokumentieren will. Schwerpunkt soll die NS-Zeit von 1933 bis 1945 sein. Zunächst will die bislang siebenköpfige Gruppe Kontakt mit den Ortsheimatpflegern aufnehmen und Material sammeln.Geplant sind außerdem Stolpersteine und Hinweise auf jüdische Häuser. Möglich geworden ist das Vorhaben, weil der Verein zehn neue Mitglieder gewonnen hat, sodass ihm jetzt insgesamt etwa 40 Männer und Frauen angehören, fast nur Aktive übrigens.Um Infotafeln (mit Stadtplan) und Führungen kümmert sich die Steuerungsgruppe. Von sieben großen Tafeln stehen sechs. Die Tafel für den Standort Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist zwar fertig, aber noch nicht aufgebaut.Erste Führungen (Anmeldungen unter Tel. 0571/791 133) hat es bereits gegeben, Anmeldungen für weitere Rundgänge liegen vor. Zuletzt waren Gymnasiasten aus Detmold auf dem Jakobsberg unterwegs. An Routen, die dann auf die Homepage des Vereins gestellt werden, arbeitet Manfred Schulz, zugleich Ortsheimatpfleger von Barkhausen.Von 1944 an gab es Lager im Festsaal des Barkhauser Hotels „Kaiserhof“, wo allein bis zu 1500 Menschen eingepfercht waren, an der Ecke Frettholzweg/Mindener Weg (Hausberge) sowie am Pfahlweg an der Grenze zwischen Neesen und Lerbeck.Historiker gehen von mehr als 700 Todesopfern aus, rund 600 davon aus dem „Kaiserhof“. Die Häftlinge mussten Stollen ins Gebirge treiben oder Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben leisten. Alle Lager waren Außenstellen des KZ Hamburg-Neuengamme. Informationen dazu liefert auch ein Flyer, der im Rathaus zu haben ist.Zum 70. Jahrestag der Befreiung sind im Frühjahr 2015 mehrere Veranstaltungen geplant, an denen sich auch Gruppen aus dem benachbarten Schaumburg beteiligen sollen. „Ich finde es außerdem wichtig, dass auch Schulen das Thema aufarbeiten“, betont Thomas Hartmann vom Verein.Viel Lob hatten die Aktiven für die Gedenkstunde im Mai bekommen, in der Augenzeugen und Angehörige von Opfern ihre Erlebnisse schilderten (das MT berichtete).

Bilder und Briefe aus dunkler Zeit Portas

Porta Westfalica (Ly). Drei Monate nach der Gedenkfeier für mehr als 3000 KZ-Häftlinge geht die Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Portaner Geschichte weiter.

Der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte, dessen Vorsitzender Bürgermeister Bernd Hedtmann ist, möchte dabei die Bevölkerung einbinden. Gesucht werden zum Beispiel Fotos aus der Nazizeit, Tagebücher, Briefe, Postkarten oder Erlebnisberichte. Bei der Sanierung des Kaiser-Wihelm-Denkmals ist ein Dokumentationszentrum im Sockel des Monumentes geplant, das auch der Verein mit nutzen möchte.

Thomas Hartmann (l.) und Herbert Wiese recherchieren häufig im Internet.
Thomas Hartmann (l.) und Herbert Wiese recherchieren häufig im Internet.

„Unser Problem ist, dass wir dafür wenig Gegenstände haben“, erklärt Herbert Wiese, Vereinsmitglied und Ortsheimatpfleger in Hausberge. „Es gibt auch keine Häftlingskleidung, kein Essgeschirr“, fügt Wiese hinzu. Wer Exponate besitzt, kann sich an die Stadtverwaltung (Babette Lissner) wenden, Tel. (05 71) 791 133.

Über den Schwollmannsweg mussten Jüdinnen zur Zwangsarbeit gehen. - © Fotos: Stefan Lyrath
Über den Schwollmannsweg mussten Jüdinnen zur Zwangsarbeit gehen. - © Fotos: Stefan Lyrath

Über die Gestaltung des Doku-Zentrums möchte der Verein demnächst Gespräche mit Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe führen, dem das Denkmal gehört. Denkbar sind Filme, einzelne Biografien und eine ruhige Ecke, in der Literatur ausliegt. Zudem überlegt der Vorstand, durch ein professionelles Filmteam dokumentieren zu lassen, wie es heute etwa im Jakobsberg aussieht, wo früher KZ-Häftlinge mörderische Zwangsarbeit in Stollen verrichten mussten.

Zunächst wird Material gesammelt

Gefilmt werden sollen auch Gespräche mit Zeitzeugen. Darum kümmern sich der Historiker Thomas Lange, der seine Magisterarbeit über die drei Portaner Konzentrationslager geschrieben hat, sowie andere Mitglieder.

Mitte September trifft sich zum ersten Mal eine neue Untergruppe, geleitet von Dominique Schröder, die „Jüdisches Lebens an der Porta“ dokumentieren will. Schwerpunkt soll die NS-Zeit von 1933 bis 1945 sein. Zunächst will die bislang siebenköpfige Gruppe Kontakt mit den Ortsheimatpflegern aufnehmen und Material sammeln.

Geplant sind außerdem Stolpersteine und Hinweise auf jüdische Häuser. Möglich geworden ist das Vorhaben, weil der Verein zehn neue Mitglieder gewonnen hat, sodass ihm jetzt insgesamt etwa 40 Männer und Frauen angehören, fast nur Aktive übrigens.

Um Infotafeln (mit Stadtplan) und Führungen kümmert sich die Steuerungsgruppe. Von sieben großen Tafeln stehen sechs. Die Tafel für den Standort Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist zwar fertig, aber noch nicht aufgebaut.

Erste Führungen (Anmeldungen unter Tel. 0571/791 133) hat es bereits gegeben, Anmeldungen für weitere Rundgänge liegen vor. Zuletzt waren Gymnasiasten aus Detmold auf dem Jakobsberg unterwegs. An Routen, die dann auf die Homepage des Vereins gestellt werden, arbeitet Manfred Schulz, zugleich Ortsheimatpfleger von Barkhausen.

Von 1944 an gab es Lager im Festsaal des Barkhauser Hotels „Kaiserhof“, wo allein bis zu 1500 Menschen eingepfercht waren, an der Ecke Frettholzweg/Mindener Weg (Hausberge) sowie am Pfahlweg an der Grenze zwischen Neesen und Lerbeck.

Historiker gehen von mehr als 700 Todesopfern aus, rund 600 davon aus dem „Kaiserhof“. Die Häftlinge mussten Stollen ins Gebirge treiben oder Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben leisten. Alle Lager waren Außenstellen des KZ Hamburg-Neuengamme. Informationen dazu liefert auch ein Flyer, der im Rathaus zu haben ist.

Zum 70. Jahrestag der Befreiung sind im Frühjahr 2015 mehrere Veranstaltungen geplant, an denen sich auch Gruppen aus dem benachbarten Schaumburg beteiligen sollen. „Ich finde es außerdem wichtig, dass auch Schulen das Thema aufarbeiten“, betont Thomas Hartmann vom Verein.

Viel Lob hatten die Aktiven für die Gedenkstunde im Mai bekommen, in der Augenzeugen und Angehörige von Opfern ihre Erlebnisse schilderten (das MT berichtete).

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