Bewegung auf zwei Baustellen: Musikschule hat wieder eine Perspektive Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Rüdiger Konrad strahlt. Auf gleich zwei Großbaustellen der Musikschule bewegen sich die Dinge aus Sicht ihres Leiters in die richtige Richtung: zum einem auf der eigentlichen Baustelle in dem Schulgebäude am Kirchhofsweg. Dort haben die Sanierungsarbeiten endlich begonnen. Zum anderen auf einer Dauerbaustelle im Personalbereich: Künftig will die Stadt wieder Musikschullehrer einstellen, anstatt die Lücken ausschließlich mit Honorarkräften aufzufüllen. „Das ist ein klares Bekenntnis zur Musikschule“, freut sich Konrad. Er spricht sogar von einem Paradigmenwechsel. Viele Jahre habe der Sparzwang die politischen Debatten über den Zuschussbetrieb Musikschule bestimmt. Jetzt sei die Stadt bereit, dafür wieder Geld in die Hand zu nehmen und frei werdende Stellen nachzubesetzen. Dafür gibt die Musikschuloffensive des Landes Nordrhein-Westfalen den entscheidenden Impuls. Die Stadt beteiligt sich an dem Förderprogramm und bekommt vom Land einen Stellenanteil von zwölf Jahreswochenstunden (30 Jahreswochenstunden entsprechen einer Vollzeitstelle) „geschenkt“. Dieses Präsent ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass Kommunen ihr Engagement für die öffentlichen Musikschulen ebenfalls steigern, mindestens aber beibehalten und nach Möglichkeit Tarifsteigerungen nachvollziehen. Dabei hilft der Stadt, dass 2021 der Stärkungspakt Stadtfinanzen endet, der Porta in den vergangenen Jahren eine rigide Sparpolitik auferlegte. Für Rüdiger Konrad bedeutet die Lockerung der finanziellen Fesseln, dass er sich aktuell auf die Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen machen darf. Konkret sollen drei halbe Stellen ausgeschrieben werden. Auch um den Verlust eines Musikschullehrers, der im kommenden Frühjahr in den Ruhestand geht wird, aufzufangen. Aktuell stehen der Musikschule inklusive Leitung noch sechs „hauptamtliche“ Kräfte zur Verfügung, die sich 3,2 vollzeitverrechnete Stellen für die Unterrichtung der Schüler teilen. „Wir hatten hier bestimmt mal 15 Lehrerinnen und Lehrer“, erinnert sich Konrad. Um den Zuschussbedarf, der jährlich zwischen 160.000 Euro und 200.000 Euro pendelt, in den Griff zu bekommen, wurden Ruheständler durch Honorarkräfte ersetzt. Von denen gibt es in der Musikschule, die rund 650 Lernende hat, inzwischen anderthalb Dutzend. Dadurch spart die Stadt einerseits Geld; andererseits tauchen aber Probleme auf, weil Honorarkräfte nicht weisungsgebunden sind und das Thema Scheinselbstständigkeit den Verantwortlichen chronisch Sorgen macht. Und noch etwas komme dazu, sagt Gabriele Brose-Konrad, die sich um die Sparte Kunst in der Musikschule kümmert: Dauerhaft Beschäftigte hätten einen ganz anderen Zusammenhalt und fühlten sich der Einrichtung enger verbunden. „Die Identifikation mit der Schule ist größer.“ Und das wirke sich positiv auf Projekte, Konferenzen und das gesamte Schulleben aus. Letzteres wurde von Corona stark beeinflusst. Und nach den Ferien wird die Baustelle am Kirchhofsweg das Unterrichtsgeschehen beeinträchtigen. Die Musikschule weicht in die benachbarte Grundschule Hausberge aus sowie ins Bürgerhaus. Mit den Problemen, die damit verbunden sind, kann Rüdiger Konrad ganz gut leben. Die Perspektive, spätestens nach den Herbstferien in ein durchsaniertes Musikschulgebäude ziehen zu können, stimmt ihn ebenso zuversichtlich wie der Kontakt zu einem festen Ansprechpartner auf städtischer Seite: Nach mehreren Wechseln kümmert sich nun Benjamin Freienstein neben weiteren Projekten auch um die Musikschule. Der alte Estrich, der zuvor direkt auf der Erde lag, sei inzwischen entfernt, berichtet der städtische Architekt. In einem nächsten Schritt komme eine vernünftige Bodenplatte ins Gebäude und dann neuer Estrich drauf. Auch die Lehrer- und Schülertoiletten werden erneuert. Alles in allem soll die Musikschulsanierung rund eine Viertelmillion Euro kosten. Zunächst sei es schwierig gewesen, einzelne Gewerke überhaupt zu vergeben, berichtet Freienstein. Geholfen habe dann, die Projekte Musikschule und die Toilettensanierung in der benachbarten Grundschule zum Teil gemeinsam auszuschreiben. Mit den personellen und baulichen Lösungen hatte Rüdiger Konrad fast schon nicht mehr gerechnet. Die letzten zehn Jahre hätten sich angefühlt wie eine lange Talfahrt, sagt er und wechselt dann in ein anderes Bild, um die neue Perspektive für die Musikschule zu beschreiben: „Wie ein Blume, die plötzlich aufgeht.“ Gleichwohl gibt es noch weitere Ziele. Zum Beispiel die Entwicklung hin zu einer richtigen Musik- und Kunstschule. Denn bislang, so berichten Rüdiger Konrad und seine Frau Gabriele Brose-Konrad, sei der Begriff „Kunst“ an die Musikschule Porta mit einem Pluszeichen lediglich angehängt. Die Aufwertung des Bereichs Kunst ist noch Zukunftsmusik.

Bewegung auf zwei Baustellen: Musikschule hat wieder eine Perspektive

Der alte Estrich wurde entfernt. Eine Bodenplatte, die bislang fehlte, bietet künftig eine solidere Grundlage. MT-Foto: Dirk Haunhorst © HAunhorst

Porta Westfalica. Rüdiger Konrad strahlt. Auf gleich zwei Großbaustellen der Musikschule bewegen sich die Dinge aus Sicht ihres Leiters in die richtige Richtung: zum einem auf der eigentlichen Baustelle in dem Schulgebäude am Kirchhofsweg. Dort haben die Sanierungsarbeiten endlich begonnen. Zum anderen auf einer Dauerbaustelle im Personalbereich: Künftig will die Stadt wieder Musikschullehrer einstellen, anstatt die Lücken ausschließlich mit Honorarkräften aufzufüllen. „Das ist ein klares Bekenntnis zur Musikschule“, freut sich Konrad. Er spricht sogar von einem Paradigmenwechsel. Viele Jahre habe der Sparzwang die politischen Debatten über den Zuschussbetrieb Musikschule bestimmt. Jetzt sei die Stadt bereit, dafür wieder Geld in die Hand zu nehmen und frei werdende Stellen nachzubesetzen.

Dafür gibt die Musikschuloffensive des Landes Nordrhein-Westfalen den entscheidenden Impuls. Die Stadt beteiligt sich an dem Förderprogramm und bekommt vom Land einen Stellenanteil von zwölf Jahreswochenstunden (30 Jahreswochenstunden entsprechen einer Vollzeitstelle) „geschenkt“. Dieses Präsent ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass Kommunen ihr Engagement für die öffentlichen Musikschulen ebenfalls steigern, mindestens aber beibehalten und nach Möglichkeit Tarifsteigerungen nachvollziehen. Dabei hilft der Stadt, dass 2021 der Stärkungspakt Stadtfinanzen endet, der Porta in den vergangenen Jahren eine rigide Sparpolitik auferlegte.

Für Rüdiger Konrad bedeutet die Lockerung der finanziellen Fesseln, dass er sich aktuell auf die Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen machen darf. Konkret sollen drei halbe Stellen ausgeschrieben werden. Auch um den Verlust eines Musikschullehrers, der im kommenden Frühjahr in den Ruhestand geht wird, aufzufangen. Aktuell stehen der Musikschule inklusive Leitung noch sechs „hauptamtliche“ Kräfte zur Verfügung, die sich 3,2 vollzeitverrechnete Stellen für die Unterrichtung der Schüler teilen. „Wir hatten hier bestimmt mal 15 Lehrerinnen und Lehrer“, erinnert sich Konrad.


Um den Zuschussbedarf, der jährlich zwischen 160.000 Euro und 200.000 Euro pendelt, in den Griff zu bekommen, wurden Ruheständler durch Honorarkräfte ersetzt. Von denen gibt es in der Musikschule, die rund 650 Lernende hat, inzwischen anderthalb Dutzend. Dadurch spart die Stadt einerseits Geld; andererseits tauchen aber Probleme auf, weil Honorarkräfte nicht weisungsgebunden sind und das Thema Scheinselbstständigkeit den Verantwortlichen chronisch Sorgen macht. Und noch etwas komme dazu, sagt Gabriele Brose-Konrad, die sich um die Sparte Kunst in der Musikschule kümmert: Dauerhaft Beschäftigte hätten einen ganz anderen Zusammenhalt und fühlten sich der Einrichtung enger verbunden. „Die Identifikation mit der Schule ist größer.“ Und das wirke sich positiv auf Projekte, Konferenzen und das gesamte Schulleben aus.

Freuen sich über die Fortschritte: Musikschulleiter Rüdiger Konrad und seine Frau Gabriele Brose-Konrad, die sich um die Kunstsparte kümmert. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © musikschule porta
Freuen sich über die Fortschritte: Musikschulleiter Rüdiger Konrad und seine Frau Gabriele Brose-Konrad, die sich um die Kunstsparte kümmert. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © musikschule porta

Letzteres wurde von Corona stark beeinflusst. Und nach den Ferien wird die Baustelle am Kirchhofsweg das Unterrichtsgeschehen beeinträchtigen. Die Musikschule weicht in die benachbarte Grundschule Hausberge aus sowie ins Bürgerhaus. Mit den Problemen, die damit verbunden sind, kann Rüdiger Konrad ganz gut leben. Die Perspektive, spätestens nach den Herbstferien in ein durchsaniertes Musikschulgebäude ziehen zu können, stimmt ihn ebenso zuversichtlich wie der Kontakt zu einem festen Ansprechpartner auf städtischer Seite: Nach mehreren Wechseln kümmert sich nun Benjamin Freienstein neben weiteren Projekten auch um die Musikschule.

Die Bauarbeiten im Musikschul-Gebäude haben begonnen und werden vermutlich bis in den Herbst andauern. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © HAunhorst
Die Bauarbeiten im Musikschul-Gebäude haben begonnen und werden vermutlich bis in den Herbst andauern. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © HAunhorst

Der alte Estrich, der zuvor direkt auf der Erde lag, sei inzwischen entfernt, berichtet der städtische Architekt. In einem nächsten Schritt komme eine vernünftige Bodenplatte ins Gebäude und dann neuer Estrich drauf. Auch die Lehrer- und Schülertoiletten werden erneuert. Alles in allem soll die Musikschulsanierung rund eine Viertelmillion Euro kosten. Zunächst sei es schwierig gewesen, einzelne Gewerke überhaupt zu vergeben, berichtet Freienstein. Geholfen habe dann, die Projekte Musikschule und die Toilettensanierung in der benachbarten Grundschule zum Teil gemeinsam auszuschreiben.

Mit den personellen und baulichen Lösungen hatte Rüdiger Konrad fast schon nicht mehr gerechnet. Die letzten zehn Jahre hätten sich angefühlt wie eine lange Talfahrt, sagt er und wechselt dann in ein anderes Bild, um die neue Perspektive für die Musikschule zu beschreiben: „Wie ein Blume, die plötzlich aufgeht.“

Gleichwohl gibt es noch weitere Ziele. Zum Beispiel die Entwicklung hin zu einer richtigen Musik- und Kunstschule. Denn bislang, so berichten Rüdiger Konrad und seine Frau Gabriele Brose-Konrad, sei der Begriff „Kunst“ an die Musikschule Porta mit einem Pluszeichen lediglich angehängt. Die Aufwertung des Bereichs Kunst ist noch Zukunftsmusik.

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