Beruht Anklage gegen Mann aus Porta auf Falschaussage? Zeugin verstrickt sich in Widersprüche Hartmut Nolte Porta Westfalica/Minden. Einen vollen Gerichtstag hatte Dr. Sebastian Homeier, Vorsitzender Richter des Schöffengerichts in Minden für einen Vergewaltigungsprozess am Dienstag angesetzt. Doch das reichte nicht. Fortsetzung folgt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt gegen den 26-jährigen Portaner Raoul G. (Name geändert) den Vorwurf, in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 2020 eine damals 18-jährige, völlig betrunkene Frau vergewaltigt zu haben. G. bestreitet nicht den Sexualverkehr, aber der soll einvernehmlich erfolgt sein. Das Ganze spielte sich spät in der Nacht auf einer Party ab, die am frühen Vormittag begonnen hatte und bei der reichlich Alkohol und harte Drogen konsumiert wurden. Gut zwei Dutzend Gäste seien auf der von ihm veranstalteten Party gewesen sein. Einige sollen jetzt als Zeugen Aufklärung zum fraglichen Verlauf geben. Die Geschädigte habe er vorher nicht gekannt. Himmelfahrtfeiertag vor einem verlängerten Wochenende. Raoul G. hatte dazu die passende „Partyhütte“ wie er den Bungalow auf dem elterlichen Grundstück beschrieb. Hier wurde „die Sau rausgelassen“. Trinkritualien wie Trichter und Co. wurden zelebriert. Dem Gericht lagen Bilder einer Kreditkarte an einem weißen Pulver vor, was auf Kokain hindeutete. Die 18-Jährige soll gegen 17 Uhr schon so betrunken gewesen sein, dass sie stürzte. Die junge Frau wurde in ein dunkles Zimmer mit breitem Wasserbett gebracht. Sie sei nicht mehr in der Lage gewesen zu gehen, zu stehen oder ihre Situation wahrzunehmen.Auch der Gastgeber war nach eigener Aussage sehr betrunken. Er legte sich ebenfalls in das Wasserbett. Ab und zu kam jemand herein und sah nach den beiden. Was beide Schlafwillige gestört habe soll. Weit nach Mitternacht fand man die 18-Jährige halbentkleidet mit Sperma auf dem Körper, brachte sie ins Bad. Der Angeklagte soll zugegeben haben, dass er mit ihr geschlafen habe. Kurze Zeit später kam die Polizei und er wurde zu einem Abstrich ins Klinikum gebracht. Unter den Partygästen breitete sich das Gerücht einer Vergewaltigung auf. Dass er damit gemeint war, will G. erst am nächsten Tag erfahren haben. Gerichtsverfahren zu Sexualdelikten haben meist eine besondere Problematik. Das Geschehen spielt sich im Verborgenen ab, oft sind nur der mutmaßliche Täter und sein Opfer direkte Augen- und Ohrenzeugen. Kompliziert wird es, wenn während der Verhandlung Widersprüche auftauchen. Das wurde in diesem Fall bei einer 21-Jährigen aus Vlotho besonders deutlich. Neun Seiten umfasste das von ihr als gelesen anerkannte Vernehmungsprotokoll kurz nach der Tat: Detailliert hatte sie den Verlauf und ihre eigenen Beobachtungen geschildert, dabei den Angeklagten so schwer belastet, dass das wesentlich zur Anklageerhebung beitrug. Nun aber gab sie dem Gericht eine andere Version. Die war nicht nur viel unbestimmter, sondern sie schilderte den Ablauf in einigen Dingen ganz anders. Das ging so weit, dass der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Andreas Chlosta aus Bielefeld, schon an Stimme und Körpersprache die Lüge entlarvt sah. Auch das ihr zunächst geduldig zuhörende Gericht registrierte mehr und mehr Widersprüche. „Allein zur ersten Seite des Polizeiprotokolls haben Sie heute fünfmal anders ausgesagt.“ Damit hatte sich die Psychologiestudentin eine doppelte Gefahr hineingeredet. War die Polizeiaussage falsch, könnte das eine Anzeige wegen falscher Verdächtigung bedeuten, stellt sich die Darstellung vor Gericht als gelogen heraus, droht eine Anzeige wegen uneidlicher Falschaussage. „Das ist eine Straftat, die nicht mit einer Geldstrafe geahndet wird“, machte ihr der Staatsanwalt deutlich.Aber die 21-Jährige schien sich schon so psychisch eingeigelt zu haben, dass auch nach einer zehnminütigen Denkpause fast allein im großen Gerichtssaal keine eindeutige, glaubhafte Schilderung kam. Zwei Stunden saß die junge Frau im Zeugenstuhl. „Zäh wie Kaugummi“, gab Chlosta die Hoffnung auf, mit ihrer Aussage ein bisschen mehr Licht in das Geschehen jener Nacht zu bringen, in der zwei völlig betrunkene junge Menschen auf einem Wasserbett in einem dunklen Zimmer lagen, während davor die Party weiterging. Das Gerichtsverfahren soll am 27. Januar fortgesetzt werden.

Beruht Anklage gegen Mann aus Porta auf Falschaussage? Zeugin verstrickt sich in Widersprüche

Ein 26-jähriger Portaner muss sich vor dem Amtsgericht in Minden verantworten. Foto: MT-Archiv

Porta Westfalica/Minden. Einen vollen Gerichtstag hatte Dr. Sebastian Homeier, Vorsitzender Richter des Schöffengerichts in Minden für einen Vergewaltigungsprozess am Dienstag angesetzt. Doch das reichte nicht. Fortsetzung folgt.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt gegen den 26-jährigen Portaner Raoul G. (Name geändert) den Vorwurf, in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 2020 eine damals 18-jährige, völlig betrunkene Frau vergewaltigt zu haben. G. bestreitet nicht den Sexualverkehr, aber der soll einvernehmlich erfolgt sein. Das Ganze spielte sich spät in der Nacht auf einer Party ab, die am frühen Vormittag begonnen hatte und bei der reichlich Alkohol und harte Drogen konsumiert wurden. Gut zwei Dutzend Gäste seien auf der von ihm veranstalteten Party gewesen sein. Einige sollen jetzt als Zeugen Aufklärung zum fraglichen Verlauf geben. Die Geschädigte habe er vorher nicht gekannt.

Himmelfahrtfeiertag vor einem verlängerten Wochenende. Raoul G. hatte dazu die passende „Partyhütte“ wie er den Bungalow auf dem elterlichen Grundstück beschrieb. Hier wurde „die Sau rausgelassen“. Trinkritualien wie Trichter und Co. wurden zelebriert. Dem Gericht lagen Bilder einer Kreditkarte an einem weißen Pulver vor, was auf Kokain hindeutete.

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Patrick Schwemmling

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Die 18-Jährige soll gegen 17 Uhr schon so betrunken gewesen sein, dass sie stürzte. Die junge Frau wurde in ein dunkles Zimmer mit breitem Wasserbett gebracht. Sie sei nicht mehr in der Lage gewesen zu gehen, zu stehen oder ihre Situation wahrzunehmen.

Auch der Gastgeber war nach eigener Aussage sehr betrunken. Er legte sich ebenfalls in das Wasserbett. Ab und zu kam jemand herein und sah nach den beiden. Was beide Schlafwillige gestört habe soll. Weit nach Mitternacht fand man die 18-Jährige halbentkleidet mit Sperma auf dem Körper, brachte sie ins Bad. Der Angeklagte soll zugegeben haben, dass er mit ihr geschlafen habe. Kurze Zeit später kam die Polizei und er wurde zu einem Abstrich ins Klinikum gebracht. Unter den Partygästen breitete sich das Gerücht einer Vergewaltigung auf. Dass er damit gemeint war, will G. erst am nächsten Tag erfahren haben.

Gerichtsverfahren zu Sexualdelikten haben meist eine besondere Problematik. Das Geschehen spielt sich im Verborgenen ab, oft sind nur der mutmaßliche Täter und sein Opfer direkte Augen- und Ohrenzeugen. Kompliziert wird es, wenn während der Verhandlung Widersprüche auftauchen.

Das wurde in diesem Fall bei einer 21-Jährigen aus Vlotho besonders deutlich. Neun Seiten umfasste das von ihr als gelesen anerkannte Vernehmungsprotokoll kurz nach der Tat: Detailliert hatte sie den Verlauf und ihre eigenen Beobachtungen geschildert, dabei den Angeklagten so schwer belastet, dass das wesentlich zur Anklageerhebung beitrug. Nun aber gab sie dem Gericht eine andere Version. Die war nicht nur viel unbestimmter, sondern sie schilderte den Ablauf in einigen Dingen ganz anders.

Das ging so weit, dass der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Andreas Chlosta aus Bielefeld, schon an Stimme und Körpersprache die Lüge entlarvt sah. Auch das ihr zunächst geduldig zuhörende Gericht registrierte mehr und mehr Widersprüche. „Allein zur ersten Seite des Polizeiprotokolls haben Sie heute fünfmal anders ausgesagt.“

Damit hatte sich die Psychologiestudentin eine doppelte Gefahr hineingeredet. War die Polizeiaussage falsch, könnte das eine Anzeige wegen falscher Verdächtigung bedeuten, stellt sich die Darstellung vor Gericht als gelogen heraus, droht eine Anzeige wegen uneidlicher Falschaussage. „Das ist eine Straftat, die nicht mit einer Geldstrafe geahndet wird“, machte ihr der Staatsanwalt deutlich.

Aber die 21-Jährige schien sich schon so psychisch eingeigelt zu haben, dass auch nach einer zehnminütigen Denkpause fast allein im großen Gerichtssaal keine eindeutige, glaubhafte Schilderung kam. Zwei Stunden saß die junge Frau im Zeugenstuhl. „Zäh wie Kaugummi“, gab Chlosta die Hoffnung auf, mit ihrer Aussage ein bisschen mehr Licht in das Geschehen jener Nacht zu bringen, in der zwei völlig betrunkene junge Menschen auf einem Wasserbett in einem dunklen Zimmer lagen, während davor die Party weiterging.

Das Gerichtsverfahren soll am 27. Januar fortgesetzt werden.

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