Benzin im Blut: Ex-Rallye-Europameister am Kaiser-Denkmal Stefan Lyrath Porta Westfalica-Barkhausen (Ly). Als Klaus-Joachim Kleint mit seinem Ford Capri RS den Berg hochkommt, verstummen die Gespräche. Sofort ist „Jochi“ von Fans umringt, geduldig gibt er Autogramme. Er fährt das Auto, auf das viele Fans am Kaiser-Wilhelm-Denkmal gewartet haben, den früheren Rallyewagen des zweifachen Weltmeisters Walter Röhrl, mit dem dieser 1972 die Olympia-Rallye aufgemischt hat und danach eine Weltkarriere startete. Röhrl und Kleint waren damals Kollegen im Rallyeteam. Zeit für Autogramme bietet die Rast des Treser Clubs Hameln am Denkmal, bei dessen Ausfahrt „Jochi“ Ehrengast ist. „Für Fans habe ich immer Zeit, denn für sie machen wir solche Veranstaltungen“, erklärt Kleint (73), der Europameister des Jahres 1979, allerdings auf Opel Kadett GT/E und Ascona B. Eine Frau möchte gleich vier Autogramme für ihre Enkel. Frank Dökel aus Wagenfeld-Ströhen, der ebenfalls mit einem Capri in Renn-Optik (2,8 Liter, Einspritzer, Baujahr 1970) nach Porta gekommen ist, hat einen Kotflügel von Kleints Capri dabei, der als Ersatzteil bei ihm gelandet ist. „Jochi“ unterschreibt auf dem Kotflügel, Frank Dökel strahlt. Auf der Rallyepiste hat es Kleint richtig krachen lassen, auf der Straße lässt er es ruhig angehen. „Ich habe mir die Hörner abgestoßen“, sagt der 73-Jährige aus Hamburg. Auch auf der Tour des Treser Clubs wird sinnig gefahren. Unterwegs sind 64 Autos, darunter Audi Sport Quattro mit mächtigen Heckflügeln, ein 600 PS starker McLaren 600 LT, der zeitlos elegante Jaguar E-Type, ein Mercedes 190 SL aus den 1950er Jahren sowie diverse Treser. Walter Treser, Namensgeber des Clubs, hatte zunächst von 1982 an Sonderfahrzeuge auf Audi- und VW-Basis gebaut, bevor er 24 Sportwagen aus eigener Produktion auf die Räder stellte, den Treser TR 1. Zurück zum Capri RS: „Das Auto ist unbeschreiblich“, schwärmt Carsten Nitzsche, Vorsitzender des Treser Clubs, der mit dem früheren Werks-Renner eine halbe Stunde durchs Weserbergland fahren durfte. „Der Capri lenkt extrem direkt ein, die Beschleunigung ist brachial“, beschreibt er das Fahrgefühl. Zur Erklärung: Der Wagen hat zwar „nur“ 200 PS, die aber mit dem niedrigen Gewicht von etwa einer Tonne leichtes Spiel haben. Eigentlich ist der Vorsitzende BMW-Fan, denn er schwört auf den seidenweichen Motorlauf des Sechszylinders. Als Familienauto fährt Nitzsche einen E 3 (2,5 Liter Hubraum, 150 PS), in der BMW-Historie der Vorgänger des Siebeners. Hinzu kommt ein laut Prüfstand 173 PS starker 2002 ti Alpina, den er 1999 seinem Onkel Gisbert Nitzsche abgekauft hat. Der 88-Jährige aus Obernkirchen ist ältester Teilnehmer der Ausfahrt, ein Mann mit Benzin im Blut. Erst in diesem Jahr hat er an einem ADAC-Sicherheitstraining in Hannover-Laatzen teilgenommen, um nicht einzurosten. „Ich kann mir nicht vorstellen, eines Tages nicht mehr Auto zu fahren“, sagt er. Mit dem Alpina-BMW (Baujahr 1969, vier Zylinder, Weber-Doppelvergaser, Abarth-Auspuff, von null auf 100 in sieben Sekunden) hat Gisbert Nitzsche früher an Fahrertrainings auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings teilgenommen und sich an sein Limit herangetastet. „Damals habe ich vor keiner Kurve zurückgeschreckt“, erinnert er sich. „Auf dem 2002 ti habe ich das sportliche Fahren gelernt.“ Heute fährt der 88-Jährige einem BMW 635 CSI von 1984 – nicht schnell, aber zügig.

Benzin im Blut: Ex-Rallye-Europameister am Kaiser-Denkmal

Ein Auto mit Geschichte: Klaus-Joachim Kleints Ford Capri RS, mit dem früher Walter Röhrl unterwegs war, vor einem Teil der am Denkmal aufgereihten Fahrzeuge. Foto: Stefan Lyrath © dhaunhorst

Porta Westfalica-Barkhausen (Ly). Als Klaus-Joachim Kleint mit seinem Ford Capri RS den Berg hochkommt, verstummen die Gespräche. Sofort ist „Jochi“ von Fans umringt, geduldig gibt er Autogramme. Er fährt das Auto, auf das viele Fans am Kaiser-Wilhelm-Denkmal gewartet haben, den früheren Rallyewagen des zweifachen Weltmeisters Walter Röhrl, mit dem dieser 1972 die Olympia-Rallye aufgemischt hat und danach eine Weltkarriere startete. Röhrl und Kleint waren damals Kollegen im Rallyeteam.

Zeit für Autogramme bietet die Rast des Treser Clubs Hameln am Denkmal, bei dessen Ausfahrt „Jochi“ Ehrengast ist. „Für Fans habe ich immer Zeit, denn für sie machen wir solche Veranstaltungen“, erklärt Kleint (73), der Europameister des Jahres 1979, allerdings auf Opel Kadett GT/E und Ascona B.

Eine Frau möchte gleich vier Autogramme für ihre Enkel. Frank Dökel aus Wagenfeld-Ströhen, der ebenfalls mit einem Capri in Renn-Optik (2,8 Liter, Einspritzer, Baujahr 1970) nach Porta gekommen ist, hat einen Kotflügel von Kleints Capri dabei, der als Ersatzteil bei ihm gelandet ist. „Jochi“ unterschreibt auf dem Kotflügel, Frank Dökel strahlt. Auf der Rallyepiste hat es Kleint richtig krachen lassen, auf der Straße lässt er es ruhig angehen. „Ich habe mir die Hörner abgestoßen“, sagt der 73-Jährige aus Hamburg.


Auch auf der Tour des Treser Clubs wird sinnig gefahren. Unterwegs sind 64 Autos, darunter Audi Sport Quattro mit mächtigen Heckflügeln, ein 600 PS starker McLaren 600 LT, der zeitlos elegante Jaguar E-Type, ein Mercedes 190 SL aus den 1950er Jahren sowie diverse Treser. Walter Treser, Namensgeber des Clubs, hatte zunächst von 1982 an Sonderfahrzeuge auf Audi- und VW-Basis gebaut, bevor er 24 Sportwagen aus eigener Produktion auf die Räder stellte, den Treser TR 1.

Autos der Exotenmarke Treser wie dieser gelbe TR1 sorgen sofort für Begeisterung. Foto: Stefan Lyrath - © dhaunhorst
Autos der Exotenmarke Treser wie dieser gelbe TR1 sorgen sofort für Begeisterung. Foto: Stefan Lyrath - © dhaunhorst

Zurück zum Capri RS: „Das Auto ist unbeschreiblich“, schwärmt Carsten Nitzsche, Vorsitzender des Treser Clubs, der mit dem früheren Werks-Renner eine halbe Stunde durchs Weserbergland fahren durfte. „Der Capri lenkt extrem direkt ein, die Beschleunigung ist brachial“, beschreibt er das Fahrgefühl. Zur Erklärung: Der Wagen hat zwar „nur“ 200 PS, die aber mit dem niedrigen Gewicht von etwa einer Tonne leichtes Spiel haben.

Für seine Fans hat der frühere Rallye-Europameister „Jochi“ Kleint (hinter der Autotür) immer Zeit. Foto: Stefan Lyrath - © Lyrath
Für seine Fans hat der frühere Rallye-Europameister „Jochi“ Kleint (hinter der Autotür) immer Zeit. Foto: Stefan Lyrath - © Lyrath

Eigentlich ist der Vorsitzende BMW-Fan, denn er schwört auf den seidenweichen Motorlauf des Sechszylinders. Als Familienauto fährt Nitzsche einen E 3 (2,5 Liter Hubraum, 150 PS), in der BMW-Historie der Vorgänger des Siebeners. Hinzu kommt ein laut Prüfstand 173 PS starker 2002 ti Alpina, den er 1999 seinem Onkel Gisbert Nitzsche abgekauft hat.

Mit 88 Jahren ist Gisbert Nitzsche ältester Teilnehmer der Ausfahrt. Er steht neben seinem BWM M 635 CSi. Foto: Stefan Lyrath - © dhaunhorst
Mit 88 Jahren ist Gisbert Nitzsche ältester Teilnehmer der Ausfahrt. Er steht neben seinem BWM M 635 CSi. Foto: Stefan Lyrath - © dhaunhorst

Der 88-Jährige aus Obernkirchen ist ältester Teilnehmer der Ausfahrt, ein Mann mit Benzin im Blut. Erst in diesem Jahr hat er an einem ADAC-Sicherheitstraining in Hannover-Laatzen teilgenommen, um nicht einzurosten. „Ich kann mir nicht vorstellen, eines Tages nicht mehr Auto zu fahren“, sagt er.

Mit dem Alpina-BMW (Baujahr 1969, vier Zylinder, Weber-Doppelvergaser, Abarth-Auspuff, von null auf 100 in sieben Sekunden) hat Gisbert Nitzsche früher an Fahrertrainings auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings teilgenommen und sich an sein Limit herangetastet. „Damals habe ich vor keiner Kurve zurückgeschreckt“, erinnert er sich. „Auf dem 2002 ti habe ich das sportliche Fahren gelernt.“ Heute fährt der 88-Jährige einem BMW 635 CSI von 1984 – nicht schnell, aber zügig.

Mehr als 60 Autos stehen vorm Denkmal, hier in der ersten Reihe: Mercedes 190 SL, Audi Sport Quattro und BWM E3, der Vorgänger des Siebeners (von links). Foto: Stefan Lyrath - © Lyrath
Mehr als 60 Autos stehen vorm Denkmal, hier in der ersten Reihe: Mercedes 190 SL, Audi Sport Quattro und BWM E3, der Vorgänger des Siebeners (von links). Foto: Stefan Lyrath - © Lyrath
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