Update: Bahn erhält Auftrag für ICE-Neubauplanung Hannover-Bielefeld - Porta Westfalica spielt Schlüsselrolle Thomas Lieske Porta Westfalica/Hannover/Bielefeld. Die Bahn hat am Mittwochnachmittag bestätigt, worauf viele – wenn auch nicht mit Freude – bereits gewartet haben: Das Bundesverkehrsministerium hat den Konzern offiziell mit dem Ausbau der ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Hannover und Bielefeld beauftragt. Ein Projektteam der Bahn werde sich nun umgehend an die Planungen setzen und auch einen Bürgerdialog vorbereiten, bestätigt eine Sprecherin der Bahn. Der Auftakt für den Dialog ist nach MT-Informationen jetzt für Januar 2021 geplant – deutlich früher als bisher von vielen angenommen. Noch in diesem Jahr will die Bahn offenbar das Gespräch zu den betroffenen Landräten, also auch Anna-Katharina Bölling (CDU), suchen. Der Verlauf der Trasse – Kostenpunkt insgesamt für 100 Kilometer Strecke: zwischen sieben und neun Milliarden Euro – könnte massive Auswirkungen auf Porta Westfalica haben. Fünf verschiedene Varianten sind nach MT-Informationen in der engeren Auswahl. In Porta Westfalica regt sich, wie berichtet, seit einiger Zeit großer Widerstand gegen Neubaupläne des Bundes und der Bahn. Bisher hofften Neubaugegner immer noch auf einen Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Hannover und Minden. Doch diese Hoffnungen dürften am Mittwoch wie eine Seifenblase zerplatzt sein: „Die Strecke Hannover–Bielefeld ist ein Schlüsselprojekt für mehr und schnellere Verbindungen zwischen Rhein und Spree“, betont nämlich Bahnvorstand Ronald Pofalla. Dort sei am meisten Zeit im Vergleich zur heutigen Bahnverbindung herauszuholen: Die Fahrzeit des ICE soll sich auf diesem Abschnitt von 49 auf 31 Minuten reduzieren, um den Deutschlandtakt durchgehend von Berlin nach Bonn zu ermöglichen. heißt: Alle sogenannten Knotenpunkte, dazu zählen Hannover und Bielefeld, sollen innerhalb von rund 30 Minuten erreichbar sein. Damit das möglich wird, rückt vor allem der Bereich rund um Porta Westfalica in den besonderen Fokus. Dort könnte mit einem nahezu geraden Verlauf vom Schaumburger Land kommend über die Ortsteile Eisbergen, Lohfeld, Veltheim Möllbergen und auch Vennebeck viel Zeit eingespart werden. Denn mit einem geraden Streckenverlauf könnte der ICE an der Stelle um die 300 km/h fahren. Das stößt erwartungsgemäß auf massive Kritik – vor allem bei Naturschützern. Denn ein gerader Trassenverlauf würde bedeuten, dass die ICE-Strecke gleich mehrere Naturschutzgebiete wie „Schwatten Paul“ und auch Trinkwassergewinnungsgebiete zerschneiden könnte. Ein genauer Verlauf steht zwar noch nicht fest – zu den Varianten wollte die Bahn am Mittwoch noch keine Angaben machen. Doch viel Spielraum bleibe der Bahn bei den Planungen ohnehin nicht, befürchten Neubaugegner. Deshalb tauchen seit einigen Wochen vermehrt rote Kreuze im Stadtbild auf. Sie symbolisieren den Widerstand gegen die Neubautrasse quer durch Porta Westfalica – angelehnt an die Kreuze die schon seit Jahren im Schaumburger Land stehen. Zuletzt hatten sich im näheren Umfeld unter dem Schirm der Bigtab (Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau) mehrere Gruppierungen gegen den trassenfernen Ausbau gegründet – unter anderem in Möllbergen (MT berichtete). Auch in Vlotho haben sich Gegner mobilisiert. Und verschiedene Parteien wie die Grünen und die Linke versuchen über öffentliche virtuelle Diskussionsrunden die Bürger zu informieren und gegen den Neubau zu mobilisieren. Zuletzt hatte sich auch Portas neue Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) gegen eine Neubautrasse quer durch das Stadtgebiet positioniert. Heftige Kritik zum Planungsauftrag kommt auch von den Bundestagsabgeordneten Achim Post, Stefan Schwartze, Dr. Wiebke Esdar und Marja-Liisa Völlers (alle SPD). Der Planungsauftrag an die Deutsche Bahn sei mit dem Ziel einer Strecke mit 31 Minuten Kantenzeit zwischen Bielefeld und Hannover erteilt worden. Dies entspräche der für den Deutschland-Takt angesetzten Hochgeschwindigkeitsstrecke. Gegner fordern immer wieder, den Ausbau der Strecke vom Deutschlandtakt als Zwang zu entkoppeln. „Dass bei diesen Planungen der trassennahe Ausbau keine Rolle spielt, ist allerdings skandalös. Es werden stattdessen Streckenvarianten mit irgendwelchen Kantenzeiten geplant in einem Deutschland-Takt, über dessen Ausgestaltung das Parlament bisher weder beraten, noch diesen beschlossen hat. Dies ist allerdings unserer Meinung nach zwingend notwendig“, kritisieren die Abgeordneten. Dennoch: Bund und Bahn sind überzeugt davon, dass eine Verbindung im Deutschlandtakt Millionen Menschen einen Vorteil bringen würden. Dazu Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr: „Der Ausbau der Strecke Hannover – Bielefeld mit kürzeren Fahrzeiten und höheren Kapazitäten ist nicht nur ein zentrales Projekt für den Deutschlandtakt, sondern auch für die schnellen Verbindungen auf der Achse zwischen Warschau, Berlin, Amsterdam, Brüssel und Paris. Ich begrüße es daher sehr, dass die Deutsche Bahn nun die Planungen beginnt.“

Update: Bahn erhält Auftrag für ICE-Neubauplanung Hannover-Bielefeld - Porta Westfalica spielt Schlüsselrolle

Die ICE-Strecke Hannover-Bielefeld wird nun offiziell geplant. Foto: MT-Archiv © imago images/Martin Bäuml Fotodesign

Porta Westfalica/Hannover/Bielefeld. Die Bahn hat am Mittwochnachmittag bestätigt, worauf viele – wenn auch nicht mit Freude – bereits gewartet haben: Das Bundesverkehrsministerium hat den Konzern offiziell mit dem Ausbau der ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Hannover und Bielefeld beauftragt. Ein Projektteam der Bahn werde sich nun umgehend an die Planungen setzen und auch einen Bürgerdialog vorbereiten, bestätigt eine Sprecherin der Bahn. Der Auftakt für den Dialog ist nach MT-Informationen jetzt für Januar 2021 geplant – deutlich früher als bisher von vielen angenommen. Noch in diesem Jahr will die Bahn offenbar das Gespräch zu den betroffenen Landräten, also auch Anna-Katharina Bölling (CDU), suchen.

Der Verlauf der Trasse – Kostenpunkt insgesamt für 100 Kilometer Strecke: zwischen sieben und neun Milliarden Euro – könnte massive Auswirkungen auf Porta Westfalica haben. Fünf verschiedene Varianten sind nach MT-Informationen in der engeren Auswahl. In Porta Westfalica regt sich, wie berichtet, seit einiger Zeit großer Widerstand gegen Neubaupläne des Bundes und der Bahn. Bisher hofften Neubaugegner immer noch auf einen Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Hannover und Minden. Doch diese Hoffnungen dürften am Mittwoch wie eine Seifenblase zerplatzt sein: „Die Strecke Hannover–Bielefeld ist ein Schlüsselprojekt für mehr und schnellere Verbindungen zwischen Rhein und Spree“, betont nämlich Bahnvorstand Ronald Pofalla. Dort sei am meisten Zeit im Vergleich zur heutigen Bahnverbindung herauszuholen: Die Fahrzeit des ICE soll sich auf diesem Abschnitt von 49 auf 31 Minuten reduzieren, um den Deutschlandtakt durchgehend von Berlin nach Bonn zu ermöglichen. heißt: Alle sogenannten Knotenpunkte, dazu zählen Hannover und Bielefeld, sollen innerhalb von rund 30 Minuten erreichbar sein.

Damit das möglich wird, rückt vor allem der Bereich rund um Porta Westfalica in den besonderen Fokus. Dort könnte mit einem nahezu geraden Verlauf vom Schaumburger Land kommend über die Ortsteile Eisbergen, Lohfeld, Veltheim Möllbergen und auch Vennebeck viel Zeit eingespart werden. Denn mit einem geraden Streckenverlauf könnte der ICE an der Stelle um die 300 km/h fahren.

Das stößt erwartungsgemäß auf massive Kritik – vor allem bei Naturschützern. Denn ein gerader Trassenverlauf würde bedeuten, dass die ICE-Strecke gleich mehrere Naturschutzgebiete wie „Schwatten Paul“ und auch Trinkwassergewinnungsgebiete zerschneiden könnte. Ein genauer Verlauf steht zwar noch nicht fest – zu den Varianten wollte die Bahn am Mittwoch noch keine Angaben machen. Doch viel Spielraum bleibe der Bahn bei den Planungen ohnehin nicht, befürchten Neubaugegner.

Deshalb tauchen seit einigen Wochen vermehrt rote Kreuze im Stadtbild auf. Sie symbolisieren den Widerstand gegen die Neubautrasse quer durch Porta Westfalica – angelehnt an die Kreuze die schon seit Jahren im Schaumburger Land stehen. Zuletzt hatten sich im näheren Umfeld unter dem Schirm der Bigtab (Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau) mehrere Gruppierungen gegen den trassenfernen Ausbau gegründet – unter anderem in Möllbergen (MT berichtete). Auch in Vlotho haben sich Gegner mobilisiert. Und verschiedene Parteien wie die Grünen und die Linke versuchen über öffentliche virtuelle Diskussionsrunden die Bürger zu informieren und gegen den Neubau zu mobilisieren.

Zuletzt hatte sich auch Portas neue Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) gegen eine Neubautrasse quer durch das Stadtgebiet positioniert. Heftige Kritik zum Planungsauftrag kommt auch von den Bundestagsabgeordneten Achim Post, Stefan Schwartze, Dr. Wiebke Esdar und Marja-Liisa Völlers (alle SPD). Der Planungsauftrag an die Deutsche Bahn sei mit dem Ziel einer Strecke mit 31 Minuten Kantenzeit zwischen Bielefeld und Hannover erteilt worden. Dies entspräche der für den Deutschland-Takt angesetzten Hochgeschwindigkeitsstrecke. Gegner fordern immer wieder, den Ausbau der Strecke vom Deutschlandtakt als Zwang zu entkoppeln. „Dass bei diesen Planungen der trassennahe Ausbau keine Rolle spielt, ist allerdings skandalös. Es werden stattdessen Streckenvarianten mit irgendwelchen Kantenzeiten geplant in einem Deutschland-Takt, über dessen Ausgestaltung das Parlament bisher weder beraten, noch diesen beschlossen hat. Dies ist allerdings unserer Meinung nach zwingend notwendig“, kritisieren die Abgeordneten.

Dennoch: Bund und Bahn sind überzeugt davon, dass eine Verbindung im Deutschlandtakt Millionen Menschen einen Vorteil bringen würden. Dazu Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr: „Der Ausbau der Strecke Hannover – Bielefeld mit kürzeren Fahrzeiten und höheren Kapazitäten ist nicht nur ein zentrales Projekt für den Deutschlandtakt, sondern auch für die schnellen Verbindungen auf der Achse zwischen Warschau, Berlin, Amsterdam, Brüssel und Paris. Ich begrüße es daher sehr, dass die Deutsche Bahn nun die Planungen beginnt.“

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