Auf der falschen Seite: In dieser Straße gibt es schnelles Internet für Portaner - die Vlothoer müssen warten Dirk Haunhorst Porta Westfalica/Vlotho. Zwischen schnellem und langsamem Internet liegt manchmal nur eine schmale Straße. „Im Buhnsiek“ markiert nicht nur die Grenze zwischen Porta Westfalica und Vlotho, sondern zugleich zwischen den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford. Und deshalb erhalten Bewohner auf der Möllberger Seite Breitbandanschluss in Zuge des „Weiße-Flecken“–Programms des Mühlenkreises, während die Vlothoer Seite noch warten muss. Das sei ein schlechter Witz, finden drei betroffene Anwohner aus Vlotho. „Die müssten hier doch nur einfach unter der Straße durch“, sagt Jürgen Skrotzki und schüttelt den Kopf. Sein Nachbar Franz Müller steht an den Warnbaken, die den Bereich markieren, an dem kürzlich die Leerrohre verbuddelt wurden. Die seien für Glasfaser, hörte Müller von den Arbeitern. Da sei ihm erstmal das Herz aufgegangen. Kein Wunder, hat er doch an guten Tagen höchstens 20 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) Internetleistung – meistens ist es deutlich weniger. Doch die Hoffnung, künftig mit einem Vielfachen an Geschwindigkeit im Netz unterwegs zu sein, währte nicht lange. Müller und seine Vlo-thoer Nachbarn erfuhren, dass das Unternehmen Greenfiber im Auftrag des Mühlenkreises hier Kabel verlegen lässt. Und damit ist die Vlothoer Seite außen vor. Im Kreis Herford kümmert sich die Deutsche Glasfaser GmbH um den geförderten Ausbau, der aber in Vlotho noch nicht gestartet ist. Und wenn es dann auf der anderen Seite des Stadtgebietes losgehe, könne es noch Jahre dauern, bis der Buhnsiek an der Reihe sei, befürchtet Müller. Seine Nachbarin Carmen Leuchtenberger bezeichnet das drohende Prozedere als „irre“: Man ziehe lange Leitungen für ein Portaner Haus in diesem Bereich und die drei gegenüberliegenden Adressen gingen zunächst leer aus, bevor dann die nächste Firma anrücke. „Zwei Unternehmen legen an der selben Straße schnelles Internet, zweimal müssen Arbeiter und hochwertiges Kabel bezahlt werden.“ Franz Müller hat sich bereits bei Greenfiber erkundigt, wie er dennoch an die Leitung kommen könnte. Das wäre wohl möglich, aber nicht innerhalb des Förderprogramm zu vergleichsweise geringen Kosten von 100 Euro je Anschluss. „Ein paar tausend Euro müsste ich dann bezahlen.“ Möglicherweise besteht für die „Grenzbewohner“ jedoch Hoffnung, von dem Portaner Abschluss zu profitieren und deutlich schneller und günstiger ans Glasfaser zu kommen. Auf Nachfrage teilt der Kreis Herford mit, dass die Problemstellung bekannt sei. Der geförderte Ausbau ende zwar grundsätzlich an der Kreisgrenze und habe hier zur Folge, dass eine Straße von zwei Unternehmen ausgebaut werde. Doch befänden sich die Kreise in Abstimmung, ob und in welcher Weise eine Ausnahme von dieser Regel möglich ist. Ähnlich die Antwort aus dem Kreishaus in Minden. Eine formale kreisübergreifende Kooperation gebe es zwar nicht, doch stimmten sich die beiden Kreise gut ab, auch in diesem Fall, berichtet Kreis-Sprecherin Sabine Ohnesorge. „So gibt es Überlegungen, wie zumindest ein Doppelausbau in den Straßen Im Buhnsiek und Buhnegge vermieden werden kann.“ Es komme jetzt darauf an, ob das in Vlotho ausbauende Unternehmen die betroffenen unterversorgten Adressen an das Mühlenkreis-Projektgebiet abgeben kann.“ Hier stelle sich die Frage, ob das Unternehmen die Wirtschaftlichkeitslückenberechnung neu durchführe und den Ausbau um die entsprechenden Adressen reduziere, was auch einen Änderungsantrag beim Bund nach sich zieht. Greenfiber habe bereits signalisiert, die betroffenen Häuser mit ausbauen zu wollen, wenn die Fördermittelgeber zustimmten. Die Deutsche Glasfaser GmbH verweist darauf, dass der Kreis Herford Herr des Verfahrens sei. Über Veränderungen bei den Buhn-Adressen sei noch keine Abstimmung erfolgt, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag dem MT. Zugleich kündigte er an, dass der Glasfaserausbau in Vlotho in diesem Sommer starten soll. Ob dann aber auch zeitnah der Buhn versorgt werde, ließ er offen. Überdies würde dann im Grenzbereich eben jene zweite Leitung verlegt, die eigentlich nicht nötig wäre. Beträchtliche Unterschiede bei der Breitbandversorgung gibt es nicht nur diesseits und jenseits von Stadt- und Kreisgrenzen, sondern oftmals in ein und der selben Straße in einer Kommune. Das berichtet Michael Höfft vom Ingenieurbüro LAN Consult (Hamburg), das mit Greenfiber im Mühlenkreis zusammenarbeitet. So könne es passieren, dass einzelne Häuser durchs Raster fielen, weil bei den bisweilen einige Jahre zurückliegenden Bedarfsermittlungen die Mindestleistung von 30 Mbit pro Sekunde überschritten wurde. Dabei sei offenbar nicht immer unterschieden worden, ob im Haus selbst die Leistung erreicht wurde, oder am Verteiler, an dem mehrere Häuser hingen. Auch wenn in der Zwischenzeit zum Beispiel ein neues Baugebiet hinzugekommen sei, könnten die 30 Mbit deutlich unterschritten werden, die betroffenen Häuser aber nicht im Förderprogramm sein. Hier gebe es sowohl Gespräche mit Anwohnern als auch mit dem Kreis, um eventuell nachzubessern, berichtet Höfft. „Im Buhnsiek“ hoffen Franz Müller, Carmen Leuchtenberger und Jürgen Skrotzki derweil auf eine pragmatische Lösung – obwohl sie ja als Grenzgänger einiges gewohnt sind. So wird zum Beispiel der Restmüll für die Vlothoer am Freitag abgefahren und für die Portaner am Dienstag. Und obwohl ihre Grundstücke die Postleitzahl von Vlotho haben, sind sie telefonisch unter der Portaner Vorwahl 05706 zu erreichen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auf der falschen Seite: In dieser Straße gibt es schnelles Internet für Portaner - die Vlothoer müssen warten

Links Porta, rechts Vlotho: Franz Müller steht an der Stelle, wo kürzlich Leerrohre für Glasfaser verlegt wurden. Sein Haus (im Hintergrund rechts) soll nicht davon profitieren – zumindest bislang. MT-Foto: Dirk Haunhorst © Haunhorst

Porta Westfalica/Vlotho. Zwischen schnellem und langsamem Internet liegt manchmal nur eine schmale Straße. „Im Buhnsiek“ markiert nicht nur die Grenze zwischen Porta Westfalica und Vlotho, sondern zugleich zwischen den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford. Und deshalb erhalten Bewohner auf der Möllberger Seite Breitbandanschluss in Zuge des „Weiße-Flecken“–Programms des Mühlenkreises, während die Vlothoer Seite noch warten muss. Das sei ein schlechter Witz, finden drei betroffene Anwohner aus Vlotho.

„Die müssten hier doch nur einfach unter der Straße durch“, sagt Jürgen Skrotzki und schüttelt den Kopf. Sein Nachbar Franz Müller steht an den Warnbaken, die den Bereich markieren, an dem kürzlich die Leerrohre verbuddelt wurden. Die seien für Glasfaser, hörte Müller von den Arbeitern. Da sei ihm erstmal das Herz aufgegangen. Kein Wunder, hat er doch an guten Tagen höchstens 20 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) Internetleistung – meistens ist es deutlich weniger. Doch die Hoffnung, künftig mit einem Vielfachen an Geschwindigkeit im Netz unterwegs zu sein, währte nicht lange. Müller und seine Vlo-thoer Nachbarn erfuhren, dass das Unternehmen Greenfiber im Auftrag des Mühlenkreises hier Kabel verlegen lässt. Und damit ist die Vlothoer Seite außen vor.

Im Kreis Herford kümmert sich die Deutsche Glasfaser GmbH um den geförderten Ausbau, der aber in Vlotho noch nicht gestartet ist. Und wenn es dann auf der anderen Seite des Stadtgebietes losgehe, könne es noch Jahre dauern, bis der Buhnsiek an der Reihe sei, befürchtet Müller. Seine Nachbarin Carmen Leuchtenberger bezeichnet das drohende Prozedere als „irre“: Man ziehe lange Leitungen für ein Portaner Haus in diesem Bereich und die drei gegenüberliegenden Adressen gingen zunächst leer aus, bevor dann die nächste Firma anrücke. „Zwei Unternehmen legen an der selben Straße schnelles Internet, zweimal müssen Arbeiter und hochwertiges Kabel bezahlt werden.“

Franz Müller hat sich bereits bei Greenfiber erkundigt, wie er dennoch an die Leitung kommen könnte. Das wäre wohl möglich, aber nicht innerhalb des Förderprogramm zu vergleichsweise geringen Kosten von 100 Euro je Anschluss. „Ein paar tausend Euro müsste ich dann bezahlen.“

Möglicherweise besteht für die „Grenzbewohner“ jedoch Hoffnung, von dem Portaner Abschluss zu profitieren und deutlich schneller und günstiger ans Glasfaser zu kommen. Auf Nachfrage teilt der Kreis Herford mit, dass die Problemstellung bekannt sei. Der geförderte Ausbau ende zwar grundsätzlich an der Kreisgrenze und habe hier zur Folge, dass eine Straße von zwei Unternehmen ausgebaut werde. Doch befänden sich die Kreise in Abstimmung, ob und in welcher Weise eine Ausnahme von dieser Regel möglich ist.

Ähnlich die Antwort aus dem Kreishaus in Minden. Eine formale kreisübergreifende Kooperation gebe es zwar nicht, doch stimmten sich die beiden Kreise gut ab, auch in diesem Fall, berichtet Kreis-Sprecherin Sabine Ohnesorge. „So gibt es Überlegungen, wie zumindest ein Doppelausbau in den Straßen Im Buhnsiek und Buhnegge vermieden werden kann.“ Es komme jetzt darauf an, ob das in Vlotho ausbauende Unternehmen die betroffenen unterversorgten Adressen an das Mühlenkreis-Projektgebiet abgeben kann.“ Hier stelle sich die Frage, ob das Unternehmen die Wirtschaftlichkeitslückenberechnung neu durchführe und den Ausbau um die entsprechenden Adressen reduziere, was auch einen Änderungsantrag beim Bund nach sich zieht. Greenfiber habe bereits signalisiert, die betroffenen Häuser mit ausbauen zu wollen, wenn die Fördermittelgeber zustimmten.

Die Deutsche Glasfaser GmbH verweist darauf, dass der Kreis Herford Herr des Verfahrens sei. Über Veränderungen bei den Buhn-Adressen sei noch keine Abstimmung erfolgt, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag dem MT. Zugleich kündigte er an, dass der Glasfaserausbau in Vlotho in diesem Sommer starten soll. Ob dann aber auch zeitnah der Buhn versorgt werde, ließ er offen. Überdies würde dann im Grenzbereich eben jene zweite Leitung verlegt, die eigentlich nicht nötig wäre.

Beträchtliche Unterschiede bei der Breitbandversorgung gibt es nicht nur diesseits und jenseits von Stadt- und Kreisgrenzen, sondern oftmals in ein und der selben Straße in einer Kommune. Das berichtet Michael Höfft vom Ingenieurbüro LAN Consult (Hamburg), das mit Greenfiber im Mühlenkreis zusammenarbeitet. So könne es passieren, dass einzelne Häuser durchs Raster fielen, weil bei den bisweilen einige Jahre zurückliegenden Bedarfsermittlungen die Mindestleistung von 30 Mbit pro Sekunde überschritten wurde. Dabei sei offenbar nicht immer unterschieden worden, ob im Haus selbst die Leistung erreicht wurde, oder am Verteiler, an dem mehrere Häuser hingen. Auch wenn in der Zwischenzeit zum Beispiel ein neues Baugebiet hinzugekommen sei, könnten die 30 Mbit deutlich unterschritten werden, die betroffenen Häuser aber nicht im Förderprogramm sein. Hier gebe es sowohl Gespräche mit Anwohnern als auch mit dem Kreis, um eventuell nachzubessern, berichtet Höfft.

„Im Buhnsiek“ hoffen Franz Müller, Carmen Leuchtenberger und Jürgen Skrotzki derweil auf eine pragmatische Lösung – obwohl sie ja als Grenzgänger einiges gewohnt sind. So wird zum Beispiel der Restmüll für die Vlothoer am Freitag abgefahren und für die Portaner am Dienstag. Und obwohl ihre Grundstücke die Postleitzahl von Vlotho haben, sind sie telefonisch unter der Portaner Vorwahl 05706 zu erreichen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Porta Westfalica