An der A2 wird ein Schrottauto ausgeschlachtet und niemand schreitet ein Thomas Lieske Porta Westfalica. Die Scheiben auf der Fahrerseite sind zertrümmert, das Radio: rausgerissen. Der Knauf der Gangschaltung fehlt, das Handschuhfach: aufgerissen und ausgeräumt. Selbst die vier Autoreifen fehlen mittlerweile – vor drei Wochen waren sie noch dran. Der silberne Toyota mit litauischem Kennzeichen liegt auf dem Asphalt auf. Zwischen zwei 40-Tonnern hat der verwaiste Wagen offenbar seine letzte Ruhestätte auf dem Rastparkplatz „Fuchsgrund“ an der Autobahn 2 in Porta Westfalica gefunden. So richtig zu stören scheint der schrottreife Wagen aber offenbar niemanden. Seit mindestens zwei Monaten steht das Auto nach MT-Beobachtungen schon dort. Schulterzucken bei der Autobahnmeisterei Hamm, die diesen Streckenabschnitt der Autobahn 2 bewirtschaftet und sich auch um die Rastanlagen kümmert. Eine Sprecherin scheint im MT-Gespräch zum ersten Mal von dem Toyota auf dem Parkplatz „Fuchsgrund“ zu hören. Ja, die Autobahnmeisterei von Straßen NRW sei grundsätzlich zuständig, den Parkplatz instand zu halten. Dazu gehöre es unter anderem, die Rastanlage müllfrei zu halten. Die Sprecherin schätzt das schrottreife Fahrzeug ebenfalls als Müll ein und will ihren Kollegen Bescheid geben. „Es kommt immer mal wieder vor, dass Unbekannte auf diese Weise ihre Autos entsorgen. Sie lassen sie einfach stehen und holen sie nie wieder ab.“ Oft sei sogar die Fahrgestellnummer herausgekratzt, damit die Polizei keinen Halter finden kann. Ob das in diesem Fall auch geschehen ist, bleibt unklar. Die Kennzeichen sind jedenfalls noch dran, eine Halterabfrage dürfte kein Problem sein. Das geschehe in der Regel auch bei „regelmäßigen Kontrollen der Rastanlagen an der A2“, bestätigt ein Sprecher der Autobahnpolizei Bielefeld, die für diesen Streckenabschnitt zuständig ist. Ein entsprechender Vorgang zu einem solchen Fahrzeug auf dem „Fuchsgrund“ sei ihm aber nicht bekannt und nur mit hohem Rechercheaufwand herauszubekommen. Denn seit wann das Auto genau dort steht, weiß niemand. Nur so viel: Bei der ersten Sichtung des Autos waren die Fensterscheiben noch ganz, alle vier Reifen waren noch am Fahrzeug, wenn auch die beiden vorderen platt waren. Es muss viel passiert sein an dem Wagen. Es fehlen nicht nur sämtliche verwertbaren Teile des Autos, an der Fahrerseite ist auch ein tiefer Riss mit Beule im Blech. So als wäre dort irgendwann mal ein Lkw gegengestoßen. Ein Unfallwagen? Vielleicht. Auf der Rückbank liegt ein Wagenheber. Ob der Fahrer damit versucht hat, die Reifen auf der Raststätte zu wechseln? Oder haben die Reifendiebe damit zugeschlagen? Auch ein Warndreieck liegt – aufgebaut – auf dem Rücksitz. Ein Pannenfahrzeug? Möglich. All das scheint unklärbar zu sein. Womöglich ist den zuständigen Behörden der Aufwand auch zu groß. Denn die Chance, an einen Fahrer oder Halter aus Litauen heranzukommen und ihn in Regress zu nehmen, dürfte gering sein. Die Autobahnmeisterei werde das Auto wohl entsorgen lassen, erklärt die Sprecherin von Straßen NRW im MT-Gespräch. Meist stelle die Behörde noch Anzeige gegen unbekannt, „in der Hoffnung, doch noch einen Verantwortlichen zu finden“. So richtig hoffnungsvoll klingt sie aber nicht. Das hänge von zu vielen Faktoren ab. Und außerdem kenne die Meisterei das Spielchen schon. Denn dass Autos an der A2 entsorgt werden, ist eben nichts Neues. Im Portaner Fall aber zumindest ein skurriler Hingucker. MT-Serie: A2 - hautnah Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 auch Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Lebensrettern, Straßenbauern oder Menschen, deren Gartenzaun an der A2 steht. Und von skurrilen Dingen. Heute: ein ausgeschlachtetes Auto.

An der A2 wird ein Schrottauto ausgeschlachtet und niemand schreitet ein

Der Toyota liegt mittlerweile nur noch auf den Felgen auf dem Asphalt. Seit Monaten steht er mitten auf dem Lkw-Stellplatz des Rastplatzes „Fuchsgrund“ an der A2. MT-Fotos: Thomas Lieske

Porta Westfalica. Die Scheiben auf der Fahrerseite sind zertrümmert, das Radio: rausgerissen. Der Knauf der Gangschaltung fehlt, das Handschuhfach: aufgerissen und ausgeräumt. Selbst die vier Autoreifen fehlen mittlerweile – vor drei Wochen waren sie noch dran. Der silberne Toyota mit litauischem Kennzeichen liegt auf dem Asphalt auf. Zwischen zwei 40-Tonnern hat der verwaiste Wagen offenbar seine letzte Ruhestätte auf dem Rastparkplatz „Fuchsgrund“ an der Autobahn 2 in Porta Westfalica gefunden.

So richtig zu stören scheint der schrottreife Wagen aber offenbar niemanden. Seit mindestens zwei Monaten steht das Auto nach MT-Beobachtungen schon dort. Schulterzucken bei der Autobahnmeisterei Hamm, die diesen Streckenabschnitt der Autobahn 2 bewirtschaftet und sich auch um die Rastanlagen kümmert. Eine Sprecherin scheint im MT-Gespräch zum ersten Mal von dem Toyota auf dem Parkplatz „Fuchsgrund“ zu hören. Ja, die Autobahnmeisterei von Straßen NRW sei grundsätzlich zuständig, den Parkplatz instand zu halten. Dazu gehöre es unter anderem, die Rastanlage müllfrei zu halten.

Zertrümmerte Scheiben, offenes Handschuhfach, rausgerissenes Radio: An dem Auto haben sich schon einige zu schaffen gemacht.
Zertrümmerte Scheiben, offenes Handschuhfach, rausgerissenes Radio: An dem Auto haben sich schon einige zu schaffen gemacht.

Die Sprecherin schätzt das schrottreife Fahrzeug ebenfalls als Müll ein und will ihren Kollegen Bescheid geben. „Es kommt immer mal wieder vor, dass Unbekannte auf diese Weise ihre Autos entsorgen. Sie lassen sie einfach stehen und holen sie nie wieder ab.“ Oft sei sogar die Fahrgestellnummer herausgekratzt, damit die Polizei keinen Halter finden kann. Ob das in diesem Fall auch geschehen ist, bleibt unklar. Die Kennzeichen sind jedenfalls noch dran, eine Halterabfrage dürfte kein Problem sein.

Das geschehe in der Regel auch bei „regelmäßigen Kontrollen der Rastanlagen an der A2“, bestätigt ein Sprecher der Autobahnpolizei Bielefeld, die für diesen Streckenabschnitt zuständig ist. Ein entsprechender Vorgang zu einem solchen Fahrzeug auf dem „Fuchsgrund“ sei ihm aber nicht bekannt und nur mit hohem Rechercheaufwand herauszubekommen. Denn seit wann das Auto genau dort steht, weiß niemand.

Nur so viel: Bei der ersten Sichtung des Autos waren die Fensterscheiben noch ganz, alle vier Reifen waren noch am Fahrzeug, wenn auch die beiden vorderen platt waren. Es muss viel passiert sein an dem Wagen. Es fehlen nicht nur sämtliche verwertbaren Teile des Autos, an der Fahrerseite ist auch ein tiefer Riss mit Beule im Blech. So als wäre dort irgendwann mal ein Lkw gegengestoßen. Ein Unfallwagen? Vielleicht.

Auf der Rückbank liegt ein Wagenheber. Ob der Fahrer damit versucht hat, die Reifen auf der Raststätte zu wechseln? Oder haben die Reifendiebe damit zugeschlagen? Auch ein Warndreieck liegt – aufgebaut – auf dem Rücksitz. Ein Pannenfahrzeug? Möglich. All das scheint unklärbar zu sein. Womöglich ist den zuständigen Behörden der Aufwand auch zu groß. Denn die Chance, an einen Fahrer oder Halter aus Litauen heranzukommen und ihn in Regress zu nehmen, dürfte gering sein.

Die Autobahnmeisterei werde das Auto wohl entsorgen lassen, erklärt die Sprecherin von Straßen NRW im MT-Gespräch. Meist stelle die Behörde noch Anzeige gegen unbekannt, „in der Hoffnung, doch noch einen Verantwortlichen zu finden“. So richtig hoffnungsvoll klingt sie aber nicht. Das hänge von zu vielen Faktoren ab. Und außerdem kenne die Meisterei das Spielchen schon. Denn dass Autos an der A2 entsorgt werden, ist eben nichts Neues. Im Portaner Fall aber zumindest ein skurriler Hingucker.

MT-Serie: A2 - hautnah

  • Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 auch Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich.
  • Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Lebensrettern, Straßenbauern oder Menschen, deren Gartenzaun an der A2 steht. Und von skurrilen Dingen.
  • Heute: ein ausgeschlachtetes Auto.
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