Am Straßenrand zurück zur Natur: Porta ändert Mähkonzept Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Wer sich für Umwelt- und Naturschutz einsetzt, bohrt dicke Bretter. Dr. Albrecht von Lochow kann das bezeugen. Die schonende Pflege der Straßen- und Wegränder habe ihn schon vor 30 Jahren beschäftigt, berichtet der städtische Umweltbeauftragte. Damals aber sei er mit dem Thema nicht durchgedrungen. Um so größer seine Freude, dass die Portaner Politik nun einem neuen Pflegekonzept zugestimmt hat. Von 2022 an wird mindestens ein Drittel der Straßen- und Wegränder naturnah gemäht. Das bedeutet, dass an noch auszuwählenden Strecken im Außenbereich nur ein- bis maximal zweimal pro Jahr gemäht und das Mahdgut anschließend abgefahren wird, anstatt zu mulchen. Bleibe das Material nämlich wie bisher an Ort und Stelle liegen, führe das zu Fäulnisprozessen und Überdüngung, was in der Konsequenz Graswuchs fördere, aber Kräuter und damit Artenvielfalt hemme, so der Umweltexperte. Der Probebetrieb soll zunächst drei Jahre laufen und dann ausgewertet werden. Eventuell erfolgt dann eine Ausdehnung des Projekts auf weitere Säume. Zunächst umfasst das ökologische Wegerandkonzept eine Fläche von knapp 160.000 Quadratmeter. Die Kosten belaufen sich auf jährlich 54.000 Euro. Eine Firma, die über eine im ökologischen Sinn optimierte Mähtechnik verfügt, übernimmt die Arbeiten. Wichtig: Das Schnittgut wird nicht direkt vom Saum abgesaugt. Stattdessen befördern Greifarme die Mahd ungefähr einen halben Meter über den Saum. Von dort wird das Schnittgut in einen Schlauch geblasen, der es über einen Saugmechanismus in den Ladewagen befördert. Vielleicht übernimmt später einmal der städtische Bauhof diese Arbeiten. Dazu muss aber erst das passende Gerät beschafft werden. Technischer Beigeordneter Stefan Mohme sicherte vor der Sommerpause der Politik zu, die nötigen Informationen einzuholen. Zuvor hatte die Wählergemeinschaft Porta dafür plädiert, auf Balkenmäher umzustellen, um ökologisch schonender vorzugehen. Der Bauhof wird trotz der externen vergebenen „Ökomahd“ weiterhin wichtige Mäharbeiten übernehmen. So ist er für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit im Außenbereich zuständig und schneidet Kreuzungen und Einmündungen frei. Der gesamte Innenbereich der Dörfer wird ohnehin weiter herkömmlich gemäht. Porta Westfalica kommt innerorts auch 234 Kilometer städtische Straßen und Wege, außerorts sind es 328. Insgesamt 562 Kilometer Strecke ergeben die doppelte Menge an Straßen- und Wegrändern, nämlich 1.124 Kilometer. Eine große Aufgabe, die weiter wächst, wenn die ökologische Unterhaltung der Randbereiche nach und nach ausgedehnt wird. „Wir sind jetzt auf dem Weg“, sagt von Lochow. Der erste wichtige Schritt sei 2014 mit dem „Lengericher Wegrain-Appell“ gemacht worden, sagt der Umweltbeauftragte. Damals fand in Lengerich eine Fachtagung statt, die sich mit Erhalt und Wiederbelebung der Wegraine beschäftigte. Er habe seinerzeit darauf gedrängt, dass nicht nur diskutiert werde, „sondern danach auch etwas passieren muss“, sagt von Lochow. Der Appell richtet sich an Umweltministerien, Landwirtschaftskammern, Kommunen, Natur- und Landschaftsverbände. Die Vorschläge umfassen zehn Punkte, darunter die Bereitstellung von Fördermitteln für die Erarbeitung naturschutzorientierter Wegekonzepte, die Einrichtung von Runden Tischen mit den Akteuren auf Gemeindeebene und die Schulung von Verantwortlichen in Städten und Gemeinden. Ein Ergebnis heißt „Blühendes Porta Westfalica“. Es ist Teil eines Mühlenkreisprojektes, zu dem auch „Stemwede blüht auf“ zählt. Während in Stemwede zusätzlich Saatgut für die Ränder verwendet wird, liegt das Augenmerk in Porta auf dem veränderten Mähkonzept. Im Juni 2018 fand In Porta die Auftaktveranstaltung statt. In Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Mindener Planungsbüros o.9 und Stadtverwaltung wurde ein Pflegekonzept entwickelt und dieses testweise zunächst an ausgewählten Stellen in Holtrup und Möllbergen umgesetzt. Ziel ist, mithilfe ökologisch optimierter Pflege der Wegsäume bislang artenarme und vergraste Wegränder zu artenreichen, blühenden Säumen zu entwickeln. Diese sollen bedrohten Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlingen dringend benötigte Nahrungsflächen bieten, aber auch Rückzugsräume für die Überwinterung und Vermehrungsstätten. Zudem dienen artenreiche Säume nach Auskunft der Fachleute der Vernetzung von Lebensräumen und ermöglichen den Austausch zur Erhaltung eines gesunden Genpools. Dass sich an der naturnahen Pflege der Straßen- und Wegränder durchaus die Geister scheiden, zeigt sich besonders in feuchtwarmen Sommer, wenn draußen alles sprießt und manch breiter Saum schlicht als Unkraut betrachtet wird, wie aktuelle Rückmeldungen im Bauhof zeigen. Auch müsse die Stadt im Hinblick auf mögliche Interessenkonflikte mit den Landwirten im Gespräch bleiben, forderte die FDP im Fachausschuss. Etwa wenn bei wuchernden Pflanzen wie dem Jakobskreuzkraut Handlungsbedarf bestehe, damit Wiesen nicht gespritzt werden müssten. Albrecht von Lochow wirbt auch deshalb für das ökologische Wegerandkonzept,weil man mit relativ wenig Geld viel bewegen könne. Die Zurückhaltung beim Mähen und Mulchen habe einen erheblichen ökologischen Effekt. Der etwas abgestandene Satz, wonach weniger oft mehr sein kann, scheint hier zu passen.

Am Straßenrand zurück zur Natur: Porta ändert Mähkonzept

Wilde Möhre und Pastinak: Ein Beispiel für naturnahe Wegränder ist diese Stelle in der Nähe des Burkamps (oberhalb des Weserauentunnels) in Barkhausen. Fotos: Landschaftsarchitekten o.9/privat © privat

Porta Westfalica. Wer sich für Umwelt- und Naturschutz einsetzt, bohrt dicke Bretter. Dr. Albrecht von Lochow kann das bezeugen. Die schonende Pflege der Straßen- und Wegränder habe ihn schon vor 30 Jahren beschäftigt, berichtet der städtische Umweltbeauftragte. Damals aber sei er mit dem Thema nicht durchgedrungen. Um so größer seine Freude, dass die Portaner Politik nun einem neuen Pflegekonzept zugestimmt hat.

Von 2022 an wird mindestens ein Drittel der Straßen- und Wegränder naturnah gemäht. Das bedeutet, dass an noch auszuwählenden Strecken im Außenbereich nur ein- bis maximal zweimal pro Jahr gemäht und das Mahdgut anschließend abgefahren wird, anstatt zu mulchen. Bleibe das Material nämlich wie bisher an Ort und Stelle liegen, führe das zu Fäulnisprozessen und Überdüngung, was in der Konsequenz Graswuchs fördere, aber Kräuter und damit Artenvielfalt hemme, so der Umweltexperte.

Der Probebetrieb soll zunächst drei Jahre laufen und dann ausgewertet werden. Eventuell erfolgt dann eine Ausdehnung des Projekts auf weitere Säume. Zunächst umfasst das ökologische Wegerandkonzept eine Fläche von knapp 160.000 Quadratmeter. Die Kosten belaufen sich auf jährlich 54.000 Euro.


Eine Firma, die über eine im ökologischen Sinn optimierte Mähtechnik verfügt, übernimmt die Arbeiten. Wichtig: Das Schnittgut wird nicht direkt vom Saum abgesaugt. Stattdessen befördern Greifarme die Mahd ungefähr einen halben Meter über den Saum. Von dort wird das Schnittgut in einen Schlauch geblasen, der es über einen Saugmechanismus in den Ladewagen befördert.

Artenarmer Grassaum: Hauptsächlich Glatthafer und Knäuelgras dominieren die Ränder des Maschwegs in Costedt. - © privat
Artenarmer Grassaum: Hauptsächlich Glatthafer und Knäuelgras dominieren die Ränder des Maschwegs in Costedt. - © privat

Vielleicht übernimmt später einmal der städtische Bauhof diese Arbeiten. Dazu muss aber erst das passende Gerät beschafft werden. Technischer Beigeordneter Stefan Mohme sicherte vor der Sommerpause der Politik zu, die nötigen Informationen einzuholen. Zuvor hatte die Wählergemeinschaft Porta dafür plädiert, auf Balkenmäher umzustellen, um ökologisch schonender vorzugehen.

Der Bauhof wird trotz der externen vergebenen „Ökomahd“ weiterhin wichtige Mäharbeiten übernehmen. So ist er für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit im Außenbereich zuständig und schneidet Kreuzungen und Einmündungen frei. Der gesamte Innenbereich der Dörfer wird ohnehin weiter herkömmlich gemäht. Porta Westfalica kommt innerorts auch 234 Kilometer städtische Straßen und Wege, außerorts sind es 328. Insgesamt 562 Kilometer Strecke ergeben die doppelte Menge an Straßen- und Wegrändern, nämlich 1.124 Kilometer. Eine große Aufgabe, die weiter wächst, wenn die ökologische Unterhaltung der Randbereiche nach und nach ausgedehnt wird. „Wir sind jetzt auf dem Weg“, sagt von Lochow.

Der erste wichtige Schritt sei 2014 mit dem „Lengericher Wegrain-Appell“ gemacht worden, sagt der Umweltbeauftragte. Damals fand in Lengerich eine Fachtagung statt, die sich mit Erhalt und Wiederbelebung der Wegraine beschäftigte. Er habe seinerzeit darauf gedrängt, dass nicht nur diskutiert werde, „sondern danach auch etwas passieren muss“, sagt von Lochow. Der Appell richtet sich an Umweltministerien, Landwirtschaftskammern, Kommunen, Natur- und Landschaftsverbände. Die Vorschläge umfassen zehn Punkte, darunter die Bereitstellung von Fördermitteln für die Erarbeitung naturschutzorientierter Wegekonzepte, die Einrichtung von Runden Tischen mit den Akteuren auf Gemeindeebene und die Schulung von Verantwortlichen in Städten und Gemeinden.

Ein Ergebnis heißt „Blühendes Porta Westfalica“. Es ist Teil eines Mühlenkreisprojektes, zu dem auch „Stemwede blüht auf“ zählt. Während in Stemwede zusätzlich Saatgut für die Ränder verwendet wird, liegt das Augenmerk in Porta auf dem veränderten Mähkonzept.

Im Juni 2018 fand In Porta die Auftaktveranstaltung statt. In Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Mindener Planungsbüros o.9 und Stadtverwaltung wurde ein Pflegekonzept entwickelt und dieses testweise zunächst an ausgewählten Stellen in Holtrup und Möllbergen umgesetzt. Ziel ist, mithilfe ökologisch optimierter Pflege der Wegsäume bislang artenarme und vergraste Wegränder zu artenreichen, blühenden Säumen zu entwickeln. Diese sollen bedrohten Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlingen dringend benötigte Nahrungsflächen bieten, aber auch Rückzugsräume für die Überwinterung und Vermehrungsstätten. Zudem dienen artenreiche Säume nach Auskunft der Fachleute der Vernetzung von Lebensräumen und ermöglichen den Austausch zur Erhaltung eines gesunden Genpools.

Dass sich an der naturnahen Pflege der Straßen- und Wegränder durchaus die Geister scheiden, zeigt sich besonders in feuchtwarmen Sommer, wenn draußen alles sprießt und manch breiter Saum schlicht als Unkraut betrachtet wird, wie aktuelle Rückmeldungen im Bauhof zeigen. Auch müsse die Stadt im Hinblick auf mögliche Interessenkonflikte mit den Landwirten im Gespräch bleiben, forderte die FDP im Fachausschuss. Etwa wenn bei wuchernden Pflanzen wie dem Jakobskreuzkraut Handlungsbedarf bestehe, damit Wiesen nicht gespritzt werden müssten.

Albrecht von Lochow wirbt auch deshalb für das ökologische Wegerandkonzept,weil man mit relativ wenig Geld viel bewegen könne. Die Zurückhaltung beim Mähen und Mulchen habe einen erheblichen ökologischen Effekt. Der etwas abgestandene Satz, wonach weniger oft mehr sein kann, scheint hier zu passen.

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