Ärger in Porta Westfalica: Straße so zugewachsen, dass Autos nicht mehr durchkommen Thomas Lieske Porta Westfalica-Neesen. Nach 30 Zentimetern ist Schluss. Wenn Elke Schulz (Name von der Redaktion geändert) jetzt mit ihrem eine Woche alten Passat die Straße Mittelfeld-Nord in Neesen weiterfahren würde, wären die ersten dicken Kratzer im Lack. Von links überwuchern Bäume und Heckenpflanzen mindestens ein Drittel der ohnehin schon schmalen Straße. Rechts: ein Metallzaun. Der Weg zu ihrer Garage ist unpassierbar – zumindest ohne Schäden am Fahrzeug geht es hier nicht mehr durch. Genau 1,2 Kilometer muss Elke Schulz zurückfahren – zur Mittelfeldstraße, über die Straße „An der Bahn“ bis in den Grünen Weg –, um von der anderen Seite auf die Garagenauffahrt zu kommen. Doch auch dort wuchert es schon. Die Pflanzen wachsen von einem Privatgrundstück auf die öffentliche Straße. Bei der Eigentümergemeinschaft des Grundstücks sei schon seit Jahren niemand mehr ansprechbar. Und von der Stadt fühlen sie und weitere Anwohner sich im Stich gelassen. „Das Problem besteht seit Jahren. Seit neun Monaten suchen wir den Kontakt zur Verwaltung“, erklärt Schulz. Effektiv sei am Bewuchs nichts passiert. Ihr neues Auto sei das eine Problem. Doch sie und weitere Anwohner machen sich auch um den Rettungsweg Sorgen. Die Straße Mittelfeld-Nord ist eine öffentliche Straße – und somit prinzipiell auch Rettungsweg. „Wenn unser Auto schon nicht durchkommt, dann passt ein Rettungswagen hier schon gar nicht durch. Und eine Drehleiter der Feuerwehr: unmöglich“, schimpft die Anwohnerin. Unzählige Telefonate habe sie deshalb schon mit der Stadt geführt. Immer wieder habe es geheißen: „Wir sind am Ball“, zitiert die Frau verschiedene Mitarbeiter. Auch das sei aus ihrer Sicht ein Problem: „Jedes Mal, wenn wir uns gemeldet haben, weil wieder nicht passiert ist, war jemand anderes zuständig.“ Die Anwohner würden sich wünschen, dass die Stadt als Ordnungsbehörde durchgreift – oder dass die Eigentümer des Grundstücks endlich aktiv werden. Ein Gesprächsversuch des MT vor Ort mit dem Eigentümer blieb erfolglos. Zumindest von der Stadt gibt es aber Antworten auf die offenen Fragen der Anwohner und Reaktionen auf die Vorwürfe. Auf MT-Nachfrage bestätigt Stadtsprecherin Babette Lissner, dass die Behörde sich seit einiger Zeit mit der Problematik beschäftige. Und ja, es habe wechselnde Ansprechpartner bei der Stadt für die Angelegenheit gegeben. „Die Zuständigkeit hat in diesem Fall nicht gewechselt, zuständig ist das Sachgebiet Straße. Zeitliche Verzögerungen können unter Umständen durch Ausfall von Personal und/oder Personalwechsel eintreten. Dies war hier der Fall“, erklärt Lissner. Grundsätzlich behalte sich die Stadt aber vor, solche Problemfälle innerhalb der Verwaltungsabteilungen zu verschieben. Doch zurück zum eigentlich Fall. Was hat die Stadt bisher konkret unternommen, um gegen den überbordenden Bewuchs vorzugehen? „Die Eigentümergemeinschaft wurde mehrfach zum Zurückschneiden aufgefordert“, sagt Lissner. „Die Frist ist abgelaufen.“ Doch passiert ist trotzdem nichts. Die Stadt beruft sich auf eine Klage, die die Eigentümergemeinschaft gegen die Aufforderung zum Rückschnitt gegen die Stadt eingereicht habe. „Die weiteren Schritte werden derzeit geprüft.“ Reagiert ein Eigentümer mehrfach nicht auf Aufforderungen der Stadt, könnte sie selbst tätig werden: über den städtischen Bauhof oder mit einem Auftrag an eine Fremdfirma – Ersatzvornahme heißt das im Verwaltungsdeutsch. Die könnte durch eine Klage, wie sie jetzt vor dem Verwaltungsgericht eingereicht wurde, tatsächlich verzögert werden. Doch wie das MT von einer Rechtsanwältin erfuhr, hätte die Stadt gute Chancen, schnell eingreifen zu können, wenn sie mit der Aufforderung zum Rückschnitt auch den sofortigen Vollzug angeordnet hätte. Denn gegen den lasse sich gerichtlich kaum etwas machen. Eine weitere MT-Anfrage, ob die Stadt diesen Vollzug angeordnet hat, blieb bisher unbeantwortet. Das Verfahren könnte sich also noch länger ziehen. Für Elke Schulz ist das alles unbefriedigend. Sie möchte mit ihrem Auto einfach nur normal in ihre Garage fahren können. Und sich nicht mehr über den Wildwuchs und den damit verbundenen Dreck in der Straße ärgern müssen. Mehrfach seien Passanten dort auf dem Dreck ausgerutscht. „Das ist ein unzumutbarer Zustand. Der hätte längst beseitigt werden können“, findet sie.

Ärger in Porta Westfalica: Straße so zugewachsen, dass Autos nicht mehr durchkommen

Foto von der Mitte der Straße aus: Selbst für einen normalen Pkw ist hier kaum noch ein Durchkommen möglich. Das Problem bestehe seit Jahren, monieren Anwohner. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica-Neesen. Nach 30 Zentimetern ist Schluss. Wenn Elke Schulz (Name von der Redaktion geändert) jetzt mit ihrem eine Woche alten Passat die Straße Mittelfeld-Nord in Neesen weiterfahren würde, wären die ersten dicken Kratzer im Lack. Von links überwuchern Bäume und Heckenpflanzen mindestens ein Drittel der ohnehin schon schmalen Straße. Rechts: ein Metallzaun. Der Weg zu ihrer Garage ist unpassierbar – zumindest ohne Schäden am Fahrzeug geht es hier nicht mehr durch. Genau 1,2 Kilometer muss Elke Schulz zurückfahren – zur Mittelfeldstraße, über die Straße „An der Bahn“ bis in den Grünen Weg –, um von der anderen Seite auf die Garagenauffahrt zu kommen. Doch auch dort wuchert es schon. Die Pflanzen wachsen von einem Privatgrundstück auf die öffentliche Straße. Bei der Eigentümergemeinschaft des Grundstücks sei schon seit Jahren niemand mehr ansprechbar. Und von der Stadt fühlen sie und weitere Anwohner sich im Stich gelassen.

„Das Problem besteht seit Jahren. Seit neun Monaten suchen wir den Kontakt zur Verwaltung“, erklärt Schulz. Effektiv sei am Bewuchs nichts passiert. Ihr neues Auto sei das eine Problem. Doch sie und weitere Anwohner machen sich auch um den Rettungsweg Sorgen. Die Straße Mittelfeld-Nord ist eine öffentliche Straße – und somit prinzipiell auch Rettungsweg. „Wenn unser Auto schon nicht durchkommt, dann passt ein Rettungswagen hier schon gar nicht durch. Und eine Drehleiter der Feuerwehr: unmöglich“, schimpft die Anwohnerin. Unzählige Telefonate habe sie deshalb schon mit der Stadt geführt. Immer wieder habe es geheißen: „Wir sind am Ball“, zitiert die Frau verschiedene Mitarbeiter. Auch das sei aus ihrer Sicht ein Problem: „Jedes Mal, wenn wir uns gemeldet haben, weil wieder nicht passiert ist, war jemand anderes zuständig.“

Die Anwohner würden sich wünschen, dass die Stadt als Ordnungsbehörde durchgreift – oder dass die Eigentümer des Grundstücks endlich aktiv werden. Ein Gesprächsversuch des MT vor Ort mit dem Eigentümer blieb erfolglos. Zumindest von der Stadt gibt es aber Antworten auf die offenen Fragen der Anwohner und Reaktionen auf die Vorwürfe.

Auf MT-Nachfrage bestätigt Stadtsprecherin Babette Lissner, dass die Behörde sich seit einiger Zeit mit der Problematik beschäftige. Und ja, es habe wechselnde Ansprechpartner bei der Stadt für die Angelegenheit gegeben. „Die Zuständigkeit hat in diesem Fall nicht gewechselt, zuständig ist das Sachgebiet Straße. Zeitliche Verzögerungen können unter Umständen durch Ausfall von Personal und/oder Personalwechsel eintreten. Dies war hier der Fall“, erklärt Lissner. Grundsätzlich behalte sich die Stadt aber vor, solche Problemfälle innerhalb der Verwaltungsabteilungen zu verschieben.

Doch zurück zum eigentlich Fall. Was hat die Stadt bisher konkret unternommen, um gegen den überbordenden Bewuchs vorzugehen? „Die Eigentümergemeinschaft wurde mehrfach zum Zurückschneiden aufgefordert“, sagt Lissner. „Die Frist ist abgelaufen.“ Doch passiert ist trotzdem nichts. Die Stadt beruft sich auf eine Klage, die die Eigentümergemeinschaft gegen die Aufforderung zum Rückschnitt gegen die Stadt eingereicht habe. „Die weiteren Schritte werden derzeit geprüft.“

Reagiert ein Eigentümer mehrfach nicht auf Aufforderungen der Stadt, könnte sie selbst tätig werden: über den städtischen Bauhof oder mit einem Auftrag an eine Fremdfirma – Ersatzvornahme heißt das im Verwaltungsdeutsch. Die könnte durch eine Klage, wie sie jetzt vor dem Verwaltungsgericht eingereicht wurde, tatsächlich verzögert werden. Doch wie das MT von einer Rechtsanwältin erfuhr, hätte die Stadt gute Chancen, schnell eingreifen zu können, wenn sie mit der Aufforderung zum Rückschnitt auch den sofortigen Vollzug angeordnet hätte. Denn gegen den lasse sich gerichtlich kaum etwas machen. Eine weitere MT-Anfrage, ob die Stadt diesen Vollzug angeordnet hat, blieb bisher unbeantwortet.

Das Verfahren könnte sich also noch länger ziehen. Für Elke Schulz ist das alles unbefriedigend. Sie möchte mit ihrem Auto einfach nur normal in ihre Garage fahren können. Und sich nicht mehr über den Wildwuchs und den damit verbundenen Dreck in der Straße ärgern müssen. Mehrfach seien Passanten dort auf dem Dreck ausgerutscht. „Das ist ein unzumutbarer Zustand. Der hätte längst beseitigt werden können“, findet sie.

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