Acht Millionen Lkw rollen bei Porta pro Jahr über die A2 Thomas Lieske Porta Westfalica (mt). Der Lärm ist kaum auszuhalten. Lkw um Lkw donnert an Porta Westfalica vorbei. Deren Kennzeichen zeugen von langen Fahrten aus Richtung Ungarn, Tschechien, Russland, Polen, Litauen und den Niederlanden. Wenn am 1. Juli die Hauptferienreisezeit beginnt, dann herrscht auf der gesamten A2 bis Ende August samstags von 7 bis 20 Uhr ein Lkw-Fahrverbot für alle Gespanne, die keine verderbliche Ware transportieren. Mit einer Ausnahme: Porta Westfalica. Ausgerechnet? Wer sich die neueste „Ausweichstreckenkarte“ des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung anschaut, dem wird eines schnell klar: Vom Samstagsfahrverbot ist die gesamte Transitstrecke von den Niederlanden bis nach Polen ausgenommen. Porta gehört dazu, denn am Kreuz Bad Oeynhausen trifft die A30 aus Richtung Amsterdam auf die A2 in Richtung Polen. Und dass es sich um eine stark belastete Transitstrecke handelt, zeigen die Zahlen der zwischen dem Kreuz Bad Oeynhausen und der Abfahrt Porta Westfalica liegenden automatischen Verkehrszählstation der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die Messstelle liefert mit ihren aktuellsten Zahlen von Ende 2017 erstaunliche Ergebnisse: Durchschnittlich fast 11.000 schwere Lkw passieren die Messstelle täglich in Richtung Hannover. In die andere Richtung sind es im Schnitt rund 10.400 Lkw. In der Summe passieren im Jahr jeweils etwas mehr oder weniger als vier Millionen Lastwagen den Bereich Porta. Tendenz: steigend. Denn als die Messstelle 2004 in Betrieb ging, waren es noch rund 9.700 Lkw pro Tag und Fahrtrichtung. Insgesamt bewegt sich der Anteil des Schwerlast- am Gesamtverkehr an der Stelle um die 22 Prozent. Eine enorme Belastung für den Straßenbelag, weiß Prof. Dr. Hartmut Johannes Beckedahl. Er ist Leiter des Bergischen Straßenbaulabors der Universität Wuppertal und kennt sich mit der Beschaffenheit von Asphalt und den Auswirkungen des Verkehrs auf Straßenbelag gut aus. Je nach Bezugsgröße könne man davon ausgehen, dass ein Lkw die Straße so sehr beanspruche wie 15.000 Pkw, erklärt der Physiker. „Je nach Achslast-Annahmen, etwa ein voll beladener 40-Tonner, und Leergewicht plus Fahrer eines Pkw, etwa ein Smart, können auch günstigere oder ungünstigere Verhältniswerte errechnet werden.“ Zur Berechnung des Schädigungsverhältnisses Lkw/Pkw ziehen Forscher derzeit eine „nicht allgemeingültige, aber der Einfachheit halber als Regel interpretierte“ Faustformel heran, die aus „einem der größten Straßenversuche“ der 1950er-Jahren in den USA stammt, weiß Beckedahl. Zahlen anderer Forscher, die davon ausgehen, dass ein Lkw eine Straße bis zu 60.000-fach mehr belaste als ein Pkw, hält der Professor für „doch ziemlich hoch gegriffen und eher unrealistisch“. Zurück zu den von der BASt ermittelten rund vier Millionen Lkw pro Jahr und Fahrtrichtung auf der A2 in Porta Westfalica: Nach Beckedahls Formel würden diese den Asphalt an der Stelle genauso stark belasten als würden 60 Milliarden Pkw über den gleichen Autobahnabschnitt rollen. Die Belastung für den Straßenbelag ist enorm. Deshalb forschen Prof. Beckedahl und seine Kollegen an dem Institut ständig an neuen Asphaltmischungen, die langlebiger sind und auch in Zeiten steigenden Schwerlastverkehrs Bestand haben sollen. Dass die Mischungen noch recht selten zum Einsatz kommen, liegt laut den beteiligten Forschern auch an der Kostenfrage. Denn günstig ist der Asphalt nicht. Dafür, versprechen die Forscher, halte er aber deutlich länger als herkömmlicher Straßenbelag. Die BASt Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde 1951 in Köln gegründet und ist seit 1983 in Bergisch Gladbach. Die rund 400 Beschäftigten haben pro Jahr rund 47 Millionen Euro an Mitteln des Bundes für Forschungsprojekte und die Verkehrszählung auf Deutschen Straßen zur Verfügung. Pro Jahr arbeiten die Mitarbeiter an rund 300 eigenen Projekten und begleiten noch einmal genauso viele Forschungsprojekte von externen Wissenschaftlern. Die BASt ist als Forschungseinrichtung an das Bundesverkehrsministerium angedockt. Serie "A2 - hautnah" Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 Porta Westfalica. Mehr als 100.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht. Heute: der Schwerlastverkehr.Hier gibt es alle Teile zur MT-Serie A2 hautnah

Acht Millionen Lkw rollen bei Porta pro Jahr über die A2

Besonders bei Stau, wie hier vor der Abfahrt Porta Westfalica, wird deutlich, wie viele Lkw den Bereich der A2 täglich passieren. MT- © Foto: Thomas Lieske

Porta Westfalica (mt). Der Lärm ist kaum auszuhalten. Lkw um Lkw donnert an Porta Westfalica vorbei. Deren Kennzeichen zeugen von langen Fahrten aus Richtung Ungarn, Tschechien, Russland, Polen, Litauen und den Niederlanden. Wenn am 1. Juli die Hauptferienreisezeit beginnt, dann herrscht auf der gesamten A2 bis Ende August samstags von 7 bis 20 Uhr ein Lkw-Fahrverbot für alle Gespanne, die keine verderbliche Ware transportieren. Mit einer Ausnahme: Porta Westfalica.

Ausgerechnet? Wer sich die neueste „Ausweichstreckenkarte“ des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung anschaut, dem wird eines schnell klar: Vom Samstagsfahrverbot ist die gesamte Transitstrecke von den Niederlanden bis nach Polen ausgenommen. Porta gehört dazu, denn am Kreuz Bad Oeynhausen trifft die A30 aus Richtung Amsterdam auf die A2 in Richtung Polen. Und dass es sich um eine stark belastete Transitstrecke handelt, zeigen die Zahlen der zwischen dem Kreuz Bad Oeynhausen und der Abfahrt Porta Westfalica liegenden automatischen Verkehrszählstation der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die Messstelle liefert mit ihren aktuellsten Zahlen von Ende 2017 erstaunliche Ergebnisse: Durchschnittlich fast 11.000 schwere Lkw passieren die Messstelle täglich in Richtung Hannover. In die andere Richtung sind es im Schnitt rund 10.400 Lkw. In der Summe passieren im Jahr jeweils etwas mehr oder weniger als vier Millionen Lastwagen den Bereich Porta. Tendenz: steigend. Denn als die Messstelle 2004 in Betrieb ging, waren es noch rund 9.700 Lkw pro Tag und Fahrtrichtung. Insgesamt bewegt sich der Anteil des Schwerlast- am Gesamtverkehr an der Stelle um die 22 Prozent.

Eine enorme Belastung für den Straßenbelag, weiß Prof. Dr. Hartmut Johannes Beckedahl. Er ist Leiter des Bergischen Straßenbaulabors der Universität Wuppertal und kennt sich mit der Beschaffenheit von Asphalt und den Auswirkungen des Verkehrs auf Straßenbelag gut aus. Je nach Bezugsgröße könne man davon ausgehen, dass ein Lkw die Straße so sehr beanspruche wie 15.000 Pkw, erklärt der Physiker. „Je nach Achslast-Annahmen, etwa ein voll beladener 40-Tonner, und Leergewicht plus Fahrer eines Pkw, etwa ein Smart, können auch günstigere oder ungünstigere Verhältniswerte errechnet werden.“

Prof. Dr. Hartmut Johannes Beckedahl. - © Foto: pr
Prof. Dr. Hartmut Johannes Beckedahl. - © Foto: pr

Zur Berechnung des Schädigungsverhältnisses Lkw/Pkw ziehen Forscher derzeit eine „nicht allgemeingültige, aber der Einfachheit halber als Regel interpretierte“ Faustformel heran, die aus „einem der größten Straßenversuche“ der 1950er-Jahren in den USA stammt, weiß Beckedahl. Zahlen anderer Forscher, die davon ausgehen, dass ein Lkw eine Straße bis zu 60.000-fach mehr belaste als ein Pkw, hält der Professor für „doch ziemlich hoch gegriffen und eher unrealistisch“.

Zurück zu den von der BASt ermittelten rund vier Millionen Lkw pro Jahr und Fahrtrichtung auf der A2 in Porta Westfalica: Nach Beckedahls Formel würden diese den Asphalt an der Stelle genauso stark belasten als würden 60 Milliarden Pkw über den gleichen Autobahnabschnitt rollen. Die Belastung für den Straßenbelag ist enorm. Deshalb forschen Prof. Beckedahl und seine Kollegen an dem Institut ständig an neuen Asphaltmischungen, die langlebiger sind und auch in Zeiten steigenden Schwerlastverkehrs Bestand haben sollen. Dass die Mischungen noch recht selten zum Einsatz kommen, liegt laut den beteiligten Forschern auch an der Kostenfrage. Denn günstig ist der Asphalt nicht. Dafür, versprechen die Forscher, halte er aber deutlich länger als herkömmlicher Straßenbelag.

Die BASt

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wurde 1951 in Köln gegründet und ist seit 1983 in Bergisch Gladbach. Die rund 400 Beschäftigten haben pro Jahr rund 47 Millionen Euro an Mitteln des Bundes für Forschungsprojekte und die Verkehrszählung auf Deutschen Straßen zur Verfügung. Pro Jahr arbeiten die Mitarbeiter an rund 300 eigenen Projekten und begleiten noch einmal genauso viele Forschungsprojekte von externen Wissenschaftlern. Die BASt ist als Forschungseinrichtung an das Bundesverkehrsministerium angedockt.

Serie "A2 - hautnah"

Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 Porta Westfalica. Mehr als 100.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich.

Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht. Heute: der Schwerlastverkehr.Hier gibt es alle Teile zur MT-Serie A2 hautnah

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