Absturz landet vor Gericht: Drachenflieger klagt gegen Einsatzrechnung Thomas Lieske Porta Westfalica-Barkhausen. Unscheinbar kommt der 6. August vor fünf Jahren daher. Rund 22 Grad, ein paar Tropfen Regen, es reicht für vier Millimeter auf den Quadratmeter – eben das, was die Menschen in einem durchschnittlichen Sommer hierzulande gewohnt sind. Wer sich nicht gerade für das Archiv des Deutschen Wetterdienstes interessiert, der dürfte diesen Tag wettertechnisch längst vergessen haben. Einem damals 44 Jahre alten Mann aus Kirchlengern dürfte es da allerdings ganz und gar anders gehen. Der Moment, als der Drachenflieger nahe der Wittekindsburg in eine Baumkrone stürzt, ist alles andere als vergessen. Im Gegenteil: Er ist sogar noch so präsent, dass sich jetzt das Verwaltungsgericht Minden mit dem Unfall beschäftigt. Der Mann klagt gegen die Stadt Porta Westfalica, genauer: gegen den Gebührenbescheid der Stadt für den Feuerwehreinsatz. Das Geld will die Kommune nämlich zurückhaben. Und die Höhe der Rechnung gefällt dem damals Verunfallten offenbar nicht. Die Verhandlung startet am 13. Oktober um 11.30 Uhr (Aktenzeichen 3 K 3677/19). Der Absturz schon kurz nach dem Start an der Drachenfliegerrampe an der Wittekindsburg in Barkhausen löst damals einen größeren Feuerwehreinsatz aus. Weil der Mann mehrere Meter über dem Erdboden festhängt, rücken auch die Höhenretter der Feuerwehr aus Espelkamp an. Glück für den damals 44-Jährigen: Er ist unverletzt. Damit das auch so bleibt, spannen die freiwilligen und hauptamtlichen Hilfskräfte ein Sprungkissen auf. Auch eine Leiter steht parat. Über die kann der Verunglückte tatsächlich nach gut drei Stunden allein die Baumkrone verlassen. War der Unfall und damit der Feuerwehreinsatz vermeidbar? Vermutlich um diese Frage wird sich die Verhandlung drehen. Denn erst, wenn eine Person grob fahrlässig handelt und damit einen Rettungseinsatz auslöst, können Kommunen in NRW die Kosten zurückfordern. Wie hoch die Kosten in diesem Fall waren, wollte das MT von der Stadtverwaltung als Trägerin der Hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache wissen. Die Stadt verweist allerdings auf ein laufendes Verfahren und will so lange keine Details nennen. Ein Blick in die Satzung der Feuerwehrgebühren offenbart aber, dass es sich bei der Anzahl an eingesetzten Kräften und Fahrzeugen der Portaner Wehr um einen vierstelligen Betrag handeln dürfte. Pro Feuerwehrmann und -frau fallen je Stunde 25 Euro an. Die Fahrzeuge liegen im Stundensatz zwischen sieben Euro für einen Mannschaftswagen und 115 Euro für eine Drehleiter. Offen blieb, ob der Kläger nur einen Teil der Kosten anfechtet oder die gesamte Höhe nicht begleichen möchte. Vermeidbar oder nicht? Am 6. August 2016 herrscht jedenfalls böiger Wind. Eine Windböe gibt auch der Mann später bei seiner Rettung als Grund für den Unfall an. Sie habe den Drachenschirm erwischt und ihn dann in die Baumkrone gedrückt. Ob Drachenflieger oder Segelflugzeug: Schon mehrfach musste die Feuerwehr Porta Westfalica zusammen mit den Höhenrettern ausrücken, weil irgendwo in den Wäldern in Weser- oder Wiehengebirge Flugobjekte gestrandet waren. Sowohl der Flugplatz in Vennebeck als auch der Startplatz für Drachenflieger und Gleitschirme sind sehr beliebte Anlaufpunkte. Viele Flugbegeisterte reisen dafür sogar mehrere hundert Kilometer an, um an der Porta Westfalica in die Luft zu gehen. Dem Mann aus Kirchlengern wurde dieser Wunsch zum Verhängnis.

Absturz landet vor Gericht: Drachenflieger klagt gegen Einsatzrechnung

Die Feuerwehr baute damals ein Sprungkissen unter dem Mann auf. MT-Foto (Archiv): Dorothee Meinhardt

Porta Westfalica-Barkhausen. Unscheinbar kommt der 6. August vor fünf Jahren daher. Rund 22 Grad, ein paar Tropfen Regen, es reicht für vier Millimeter auf den Quadratmeter – eben das, was die Menschen in einem durchschnittlichen Sommer hierzulande gewohnt sind. Wer sich nicht gerade für das Archiv des Deutschen Wetterdienstes interessiert, der dürfte diesen Tag wettertechnisch längst vergessen haben.

Einem damals 44 Jahre alten Mann aus Kirchlengern dürfte es da allerdings ganz und gar anders gehen. Der Moment, als der Drachenflieger nahe der Wittekindsburg in eine Baumkrone stürzt, ist alles andere als vergessen. Im Gegenteil: Er ist sogar noch so präsent, dass sich jetzt das Verwaltungsgericht Minden mit dem Unfall beschäftigt. Der Mann klagt gegen die Stadt Porta Westfalica, genauer: gegen den Gebührenbescheid der Stadt für den Feuerwehreinsatz. Das Geld will die Kommune nämlich zurückhaben. Und die Höhe der Rechnung gefällt dem damals Verunfallten offenbar nicht. Die Verhandlung startet am 13. Oktober um 11.30 Uhr (Aktenzeichen 3 K 3677/19).

Der Absturz schon kurz nach dem Start an der Drachenfliegerrampe an der Wittekindsburg in Barkhausen löst damals einen größeren Feuerwehreinsatz aus. Weil der Mann mehrere Meter über dem Erdboden festhängt, rücken auch die Höhenretter der Feuerwehr aus Espelkamp an. Glück für den damals 44-Jährigen: Er ist unverletzt. Damit das auch so bleibt, spannen die freiwilligen und hauptamtlichen Hilfskräfte ein Sprungkissen auf. Auch eine Leiter steht parat. Über die kann der Verunglückte tatsächlich nach gut drei Stunden allein die Baumkrone verlassen.

Malina Reckordt

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War der Unfall und damit der Feuerwehreinsatz vermeidbar? Vermutlich um diese Frage wird sich die Verhandlung drehen. Denn erst, wenn eine Person grob fahrlässig handelt und damit einen Rettungseinsatz auslöst, können Kommunen in NRW die Kosten zurückfordern. Wie hoch die Kosten in diesem Fall waren, wollte das MT von der Stadtverwaltung als Trägerin der Hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache wissen. Die Stadt verweist allerdings auf ein laufendes Verfahren und will so lange keine Details nennen. Ein Blick in die Satzung der Feuerwehrgebühren offenbart aber, dass es sich bei der Anzahl an eingesetzten Kräften und Fahrzeugen der Portaner Wehr um einen vierstelligen Betrag handeln dürfte. Pro Feuerwehrmann und -frau fallen je Stunde 25 Euro an. Die Fahrzeuge liegen im Stundensatz zwischen sieben Euro für einen Mannschaftswagen und 115 Euro für eine Drehleiter. Offen blieb, ob der Kläger nur einen Teil der Kosten anfechtet oder die gesamte Höhe nicht begleichen möchte.

Vermeidbar oder nicht? Am 6. August 2016 herrscht jedenfalls böiger Wind. Eine Windböe gibt auch der Mann später bei seiner Rettung als Grund für den Unfall an. Sie habe den Drachenschirm erwischt und ihn dann in die Baumkrone gedrückt. Ob Drachenflieger oder Segelflugzeug: Schon mehrfach musste die Feuerwehr Porta Westfalica zusammen mit den Höhenrettern ausrücken, weil irgendwo in den Wäldern in Weser- oder Wiehengebirge Flugobjekte gestrandet waren. Sowohl der Flugplatz in Vennebeck als auch der Startplatz für Drachenflieger und Gleitschirme sind sehr beliebte Anlaufpunkte. Viele Flugbegeisterte reisen dafür sogar mehrere hundert Kilometer an, um an der Porta Westfalica in die Luft zu gehen. Dem Mann aus Kirchlengern wurde dieser Wunsch zum Verhängnis.

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