Abstimmung am Montag: Die unterschiedlichen Pläne fürs Berghotel im Überblick Thomas Lieske,Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Hausberge. In Hausberge liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Mit dem Verkauf des ehemaligen Berghotels und des daran angeschlossenen Tagungshauses könnte die Stadtentwicklung einen entscheidenden Schritt vorankommen – und das an prominenter Stelle. Der Christliche Schulförderverein FES Minden ist bereit, mehrere Millionen Euro in die Hand zu nehmen, um den Komplex nach mehr als fünf Jahren Leerstand zu kaufen und zu entwickeln (MT berichtete). Entscheidend dafür sind allerdings politische Beschlüsse zum aktuellen Bebauungsplan. Denn der sieht derzeit an dieser Stelle nur ein Hotel vor. Der Verein plant aber auch mit Tagespflegeplätzen, Wohnungen, Gastronomie und womöglich auch einer Kita. Kurz: Wird der Bebauungsplan nicht verändert, könnte das Projekt scheitern. Die Entscheidung fällt kommenden Montag im Planungsausschuss. Sollte dieser der Empfehlung des Ausschusses für Stadtentwicklung (ASE) folgen, was nicht sicher ist, könnte das Verfahren beginnen. Der ASE sprach sich in dieser Woche mehrheitlich für die Änderung des B-Planes aus. Gleichwohl gibt es Diskussionsbedarf. SPD-Fraktionschef Dirk Rahnenführer betont, dass die Grundüberzeugung des christlichen Vereins nicht mit der Überzeugung der SPD übereinstimme – gerade was die Haltung zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zur Evolutionstheorie angehe. Dennoch wolle man sich nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben des Vereins stellen und begrüße dessen Engagement. Rahnenführer fordert aber im Namen seiner Fraktion einen umfassenderen Ansatz in der Stadtentwicklung, als nur den Bebauungsplan für dieses Areal zu ändern: „Wir haben hier die historisch einmalige Chance, viele Einzelplanungen und Interessenslagen mit der Städtebauförderung des Landes NRW zu verbinden", sagte er im ASE. Die SPD wünscht sich eine Verbindung mit den Planungen am Bahnhof, am Kaiserhof und den touristischen Strömen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal. „Wenn man sich mit dem Thema einer Veränderung auf dem Areal Berghotel auseinandersetzt, dann wird man plötzlich von vielen Seiten angesprochen", sagte Rahnenführer. So könnte sich der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica zum Beispiel direkt neben dem ehemaligen Berghotel einen Bauplatz für die geplante Dokumentationsstätte des Vereins vorstellen. Das bestätigt Vereinsgeschäftsführer Thomas Lange dem MT. „Unser Verein beschäftigt sich zur Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Standort für ein ganzjährig zu nutzendes Informations- und Dokumentationszentrum in der Nähe der ehemaligen Untertageverlagerung Dachs 1, in dem eine Ausstellung und vor allen Dingen die Bildungsarbeit des Vereins ihren Platz finden soll." Dachs 1 liegt direkt neben dem Berghotel-Areal. „Ob diese Fläche für die Errichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums zur Verfügung steht und welche baulichen Vorgaben damit verbunden wären, müsste ein Prüfungsverfahren innerhalb der Portaner Verwaltung ergeben", betont Lange. Abgeneigt sei der Verein jedenfalls nicht. Absprachen mit dem Verein FES stünden aber noch aus. Neben der SPD äußern sich auch die Grünen kritisch zu den FES-Plänen. Dr. Sylvia Arnold betonte im Ausschuss, dass die Grünen die Weltanschauung des Vereins nicht unterstützten. Sie schlug vor, die Entscheidung zum Bebauungsplan aufzuschieben. Doch dafür fand sich keine Mehrheit. Vielmehr sprach der Ausschuss bei fünf Gegenstimmen aus den Reihen von Grünen und SPD die Empfehlung aus, den B-Plan zu ändern. Es sei an der Zeit, dass in den Berghotel-Komplex wieder Leben reinkomme, sagt Ausschussvorsitzender Karl Erich Schmeding (CDU) dem MT. Es gehe darum, die Entwicklung im Stadtzentrum voranzutreiben, was ohne die Änderung des B-Plans und somit die Loslösung von der reinen Hotelnutzung nicht möglich wäre. Vor zwei Jahren schien die Wiederaufnahme eines abgespeckten Hotelbetriebes noch möglich. Damals interessierte sich Friedhelm Hohmeier von der Hausberger Beratungs- und Bauplanungsgesellschaft Profilia für das Tagungs- und Ärztehaus. Daraus wollte er ein Hotel mit 102 Betten machen – ohne Restaurantbetrieb. „Wir hatten erste Skizzen erstellt und das seriös durchgerechnet", sagt Hohmeier heute. Auch ein Betreiber habe bereitgestanden. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Immobilie seien an den Preisvorstellungen gescheitert. Hohmeier wollte maximal eine knappe Million Euro bezahlen – deutlich weniger als gefordert. Wie berichtet, will der Schulförderverein in einem ersten Schritt für den Erwerb der Gesamtimmobilie und die Herrichtung des Ärztehauses sechs Millionen Euro investieren. Hohmeier kalkulierte seinerzeit allein für den Umbau des Ärztehauses zu einem Hotel rund zehn Millionen Euro ein. Der Erwerb der eigentlichen Berghotel-Immobilie, die älter ist als das Ärztehaus, kam für ihn aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht infrage. Um dauerhaft Ruhe zu haben, müsste man das Hauptgebäude abreißen und dann neu bauen, meint Hohmeier. Allerdings könne ein Verein, der die Immobilie für eigene Zwecke erwerbe, anders agieren als ein Unternehmern, das solch ein Gebäude vermarkten müsse. Hohmeier, der vor Jahren auch für einen Discounter am Berghotel geworben hatte, bedauert, dass aus den Hotel-Plänen nichts geworden ist. „Der Bedarf an Betten ist ja grundsätzlich da." Viele Fahrradtouristen seien in der Vor-Coronazeit in Porta unterwegs gewesen und so manche Pension habe davon profitiert. Hohmeier hofft, dass sich der Christliche Schulverein auf dem Berghotel-Gelände nicht abschottet. „Es wäre bedauerlich, wenn dieser exponierte Platz der Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehen würde." Für Konzepte war genug Zeit Ein Kommentar von Dirk Haunhorst Konzepte sind an und für sich eine tolle Sache. Vor allem, wenn sie in einem ersten Schritt nicht nur zu Papier gebracht, sondern in einem zweiten auch umgesetzt werden. Ginge es nach dem Willen einiger SPD- und Grünen-Politiker, liefe es in Porta etwas anders. Dort gibt es aktuell mit dem Christlichen Schulförderverein einen Interessenten mit konkreten Ideen fürs Berghotel. Ein Teil der Politiker möchte aber lieber erstmal ein städtebauliches Konzept erstellen – am besten auch noch unter Einbeziehung der anderen Weserseite. Diese Eingebung kommt reichlich spät. Das Berghotel ist seit beinahe fünfeinhalb Jahren geschlossen, die Politik hatte genug Zeit für Konzepte. Sicher: Wenn man sich etwas wünschen dürfte, stünde ein ansprechendes Hotel mit attraktivem Restaurant- und Wellnessangebot weit oben auf der Liste. Doch realistisch ist das nicht. Und was taugen die schönsten Konzepte, wenn es niemanden gibt, der das nötige Geld investiert? Andernorts wie aktuell in Nammen und Neesen werden Gemeindehäuser aus Geldmangel von evangelischen Kirchengemeinden geschlossen. Der Christliche Schulförderverein FES Minden scheint hingegen solvent genug, um die millionenschwere Investition in die Berghotel-Immobilien stemmen zu können. Das mag wegen der strenggläubigen Ausrichtung des Vereins nicht jedem gefallen, ist aber kein Grund zu pauschaler Ablehnung oder gar Resignation. Die (politischen) Akteure haben im Bebauungsplanverfahren durchaus Gelegenheit, eigene Vorstellungen einfließen zu lassen. Der Schulförderverein hat jedenfalls erklärt, offen für Ideen zu sein; auch Gastronomie zum Beispiel sei möglich, heißt es. Die Politik sollte den Verein beim Wort nehmen, anstatt auf eine Konzeptdebatte zu dringen, die hier vor allem eines wäre: eine Verhinderungsplanung.

Abstimmung am Montag: Die unterschiedlichen Pläne fürs Berghotel im Überblick

Hinterm Hotel im Berg: Anstatt den Bebauungsplan fürs Berghotel zu ändern, möchten einige Politiker zuvor lieber ein Stadtentwicklungskonzept – auch mit Blick auf den Tourismus am Kaiser-Denkmal. MT-Foto: Alex Lehn © Lehn

Porta Westfalica-Hausberge. In Hausberge liegt Aufbruchstimmung in der Luft. Mit dem Verkauf des ehemaligen Berghotels und des daran angeschlossenen Tagungshauses könnte die Stadtentwicklung einen entscheidenden Schritt vorankommen – und das an prominenter Stelle. Der Christliche Schulförderverein FES Minden ist bereit, mehrere Millionen Euro in die Hand zu nehmen, um den Komplex nach mehr als fünf Jahren Leerstand zu kaufen und zu entwickeln (MT berichtete). Entscheidend dafür sind allerdings politische Beschlüsse zum aktuellen Bebauungsplan. Denn der sieht derzeit an dieser Stelle nur ein Hotel vor. Der Verein plant aber auch mit Tagespflegeplätzen, Wohnungen, Gastronomie und womöglich auch einer Kita. Kurz: Wird der Bebauungsplan nicht verändert, könnte das Projekt scheitern.

Die Entscheidung fällt kommenden Montag im Planungsausschuss. Sollte dieser der Empfehlung des Ausschusses für Stadtentwicklung (ASE) folgen, was nicht sicher ist, könnte das Verfahren beginnen. Der ASE sprach sich in dieser Woche mehrheitlich für die Änderung des B-Planes aus.

Gleichwohl gibt es Diskussionsbedarf. SPD-Fraktionschef Dirk Rahnenführer betont, dass die Grundüberzeugung des christlichen Vereins nicht mit der Überzeugung der SPD übereinstimme – gerade was die Haltung zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zur Evolutionstheorie angehe. Dennoch wolle man sich nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben des Vereins stellen und begrüße dessen Engagement. Rahnenführer fordert aber im Namen seiner Fraktion einen umfassenderen Ansatz in der Stadtentwicklung, als nur den Bebauungsplan für dieses Areal zu ändern: „Wir haben hier die historisch einmalige Chance, viele Einzelplanungen und Interessenslagen mit der Städtebauförderung des Landes NRW zu verbinden", sagte er im ASE. Die SPD wünscht sich eine Verbindung mit den Planungen am Bahnhof, am Kaiserhof und den touristischen Strömen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

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„Wenn man sich mit dem Thema einer Veränderung auf dem Areal Berghotel auseinandersetzt, dann wird man plötzlich von vielen Seiten angesprochen", sagte Rahnenführer. So könnte sich der Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica zum Beispiel direkt neben dem ehemaligen Berghotel einen Bauplatz für die geplante Dokumentationsstätte des Vereins vorstellen. Das bestätigt Vereinsgeschäftsführer Thomas Lange dem MT. „Unser Verein beschäftigt sich zur Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Standort für ein ganzjährig zu nutzendes Informations- und Dokumentationszentrum in der Nähe der ehemaligen Untertageverlagerung Dachs 1, in dem eine Ausstellung und vor allen Dingen die Bildungsarbeit des Vereins ihren Platz finden soll."

Dachs 1 liegt direkt neben dem Berghotel-Areal. „Ob diese Fläche für die Errichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums zur Verfügung steht und welche baulichen Vorgaben damit verbunden wären, müsste ein Prüfungsverfahren innerhalb der Portaner Verwaltung ergeben", betont Lange. Abgeneigt sei der Verein jedenfalls nicht. Absprachen mit dem Verein FES stünden aber noch aus.

Neben der SPD äußern sich auch die Grünen kritisch zu den FES-Plänen. Dr. Sylvia Arnold betonte im Ausschuss, dass die Grünen die Weltanschauung des Vereins nicht unterstützten. Sie schlug vor, die Entscheidung zum Bebauungsplan aufzuschieben. Doch dafür fand sich keine Mehrheit. Vielmehr sprach der Ausschuss bei fünf Gegenstimmen aus den Reihen von Grünen und SPD die Empfehlung aus, den B-Plan zu ändern.

Es sei an der Zeit, dass in den Berghotel-Komplex wieder Leben reinkomme, sagt Ausschussvorsitzender Karl Erich Schmeding (CDU) dem MT. Es gehe darum, die Entwicklung im Stadtzentrum voranzutreiben, was ohne die Änderung des B-Plans und somit die Loslösung von der reinen Hotelnutzung nicht möglich wäre.

Vor zwei Jahren schien die Wiederaufnahme eines abgespeckten Hotelbetriebes noch möglich. Damals interessierte sich Friedhelm Hohmeier von der Hausberger Beratungs- und Bauplanungsgesellschaft Profilia für das Tagungs- und Ärztehaus. Daraus wollte er ein Hotel mit 102 Betten machen – ohne Restaurantbetrieb. „Wir hatten erste Skizzen erstellt und das seriös durchgerechnet", sagt Hohmeier heute. Auch ein Betreiber habe bereitgestanden. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer der Immobilie seien an den Preisvorstellungen gescheitert. Hohmeier wollte maximal eine knappe Million Euro bezahlen – deutlich weniger als gefordert.

Wie berichtet, will der Schulförderverein in einem ersten Schritt für den Erwerb der Gesamtimmobilie und die Herrichtung des Ärztehauses sechs Millionen Euro investieren. Hohmeier kalkulierte seinerzeit allein für den Umbau des Ärztehauses zu einem Hotel rund zehn Millionen Euro ein. Der Erwerb der eigentlichen Berghotel-Immobilie, die älter ist als das Ärztehaus, kam für ihn aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht infrage. Um dauerhaft Ruhe zu haben, müsste man das Hauptgebäude abreißen und dann neu bauen, meint Hohmeier. Allerdings könne ein Verein, der die Immobilie für eigene Zwecke erwerbe, anders agieren als ein Unternehmern, das solch ein Gebäude vermarkten müsse.

Hohmeier, der vor Jahren auch für einen Discounter am Berghotel geworben hatte, bedauert, dass aus den Hotel-Plänen nichts geworden ist. „Der Bedarf an Betten ist ja grundsätzlich da." Viele Fahrradtouristen seien in der Vor-Coronazeit in Porta unterwegs gewesen und so manche Pension habe davon profitiert. Hohmeier hofft, dass sich der Christliche Schulverein auf dem Berghotel-Gelände nicht abschottet. „Es wäre bedauerlich, wenn dieser exponierte Platz der Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehen würde."

Für Konzepte war genug Zeit

Ein Kommentar von Dirk Haunhorst

Konzepte sind an und für sich eine tolle Sache. Vor allem, wenn sie in einem ersten Schritt nicht nur zu Papier gebracht, sondern in einem zweiten auch umgesetzt werden. Ginge es nach dem Willen einiger SPD- und Grünen-Politiker, liefe es in Porta etwas anders. Dort gibt es aktuell mit dem Christlichen Schulförderverein einen Interessenten mit konkreten Ideen fürs Berghotel. Ein Teil der Politiker möchte aber lieber erstmal ein städtebauliches Konzept erstellen – am besten auch noch unter Einbeziehung der anderen Weserseite. Diese Eingebung kommt reichlich spät.

Das Berghotel ist seit beinahe fünfeinhalb Jahren geschlossen, die Politik hatte genug Zeit für Konzepte. Sicher: Wenn man sich etwas wünschen dürfte, stünde ein ansprechendes Hotel mit attraktivem Restaurant- und Wellnessangebot weit oben auf der Liste. Doch realistisch ist das nicht. Und was taugen die schönsten Konzepte, wenn es niemanden gibt, der das nötige Geld investiert?

Andernorts wie aktuell in Nammen und Neesen werden Gemeindehäuser aus Geldmangel von evangelischen Kirchengemeinden geschlossen. Der Christliche Schulförderverein FES Minden scheint hingegen solvent genug, um die millionenschwere Investition in die Berghotel-Immobilien stemmen zu können. Das mag wegen der strenggläubigen Ausrichtung des Vereins nicht jedem gefallen, ist aber kein Grund zu pauschaler Ablehnung oder gar Resignation. Die (politischen) Akteure haben im Bebauungsplanverfahren durchaus Gelegenheit, eigene Vorstellungen einfließen zu lassen. Der Schulförderverein hat jedenfalls erklärt, offen für Ideen zu sein; auch Gastronomie zum Beispiel sei möglich, heißt es. Die Politik sollte den Verein beim Wort nehmen, anstatt auf eine Konzeptdebatte zu dringen, die hier vor allem eines wäre: eine Verhinderungsplanung.

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