Abenteuerlicher Weg zum vergessenen Relief Thomas Lieske Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Der Weg ist schmal und holperig. Links führt der steile, fast beängstigende Abhang Dutzende Meter in die Tiefe. Rechts: Gesteinsbrocken in einer steilen Felswand, die aussehen, als würden sie bald abbrechen. Durch die noch kahlen Äste des verwunschenen Buchenhochwaldes blitzt hingegen das weitläufige, romantisch anmutende Wesertalpanorama durch. Gut einen Kilometer weit geht es hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Barkhausen über den Wolfsschluchtweg über grobe Steine, unter umgestürzten Bäumen hindurch, vorbei an der mystischen Wolfshöhle zu einem Ort, der wegen seiner Lage wohl bei vielen in Vergessenheit geraten ist: zum mittelalterlichen Relief am Wittekindsberg. „Man muss schon genau hinschauen, um die in den Sandstein eingearbeitete Figur zu erkennen“, sagt Portas Stadtheimatpfleger Herbert Wiese, als er mit der flachen Hand über das verwitterte Relief streicht. Die Kontur ist abgerieben, der eigentlich helle Sandstein dunkler geworden. Drumherum wachsen Moos und Flechten. „Man erkennt eine Person, die ihre Arme mit gespreizten Fingern auf der Hüfte stützt. Ob das eine Frau oder ein Mann sein soll, darüber gehen die Meinungen auseinander“, weiß Herbert Wiese. Experten tendieren aber eher zu einer männlichen Figur: wegen des Oberkörperbaus und der fehlenden weiblichen Attribute. Das Relief könnte ein gescheiterter Versuch für eine Grabplatte gewesen sein. Weiter unten ist das Relief stark abgeplatzt. Womöglich handelt es sich um Überreste eines Ankers, vermuten Archäologen der Uni Heidelberg, die im Dezember 2013 ein 3D-Bild erstellt haben, um das schon stark verwitterte Relief zu konservieren. Eigentlich müsste es restauriert werden. Der schlechte Zustand rechtfertigt aus Sicht der Archäologen aber keinen hohen Kostenaufwand mehr. Dennoch: „An diesem Ort lohnt sich eine Rast“, findet der Ortsheimatpfleger. Allein der Weg zum Relief ist ein Abenteuer – wer gut aufpasst, müsse aber keine Angst haben, beruhigt Wiese. An einigen Stellen ist der Weg, der auf eigene Gefahr freigegeben ist, gerade einmal so breit, dass eine Person darauf laufen kann. An anderen Stellen wird er breiter. Die Wolfsschlucht war immer wieder Teil öffentlicher Diskussionen. Während die einen forderten, den Weg zu schließen, kämpften andere um die Offenhaltung. Zu Letzteren gehörte auch Herbert Wiese. Aus seiner Sicht ist die Offenhaltung allein schon aus historischer Sicht notwendig: „Teile dieses Pfades dienten im späten 19. Jahrhundert als Transportweg für Sandstein. Damit haben Arbeiter das Kaiser-Denkmal erbaut“, erklärt Wiese. Deshalb ist der Weg bis zum letzten Abbaupunkt auch relativ eben. Danach geht es deutlich steiler bergauf und -ab, durch scharfe Kurven und über oft nur sehr schmale Passagen. Das Relief befindet sich in einem besonders sensiblen Naturschutzgebiet, in dem der Lebensraum Wald sich selbst überlassen wird. Erst wenn direkt auf dem übrigens zertifizierten Wanderweg eine konkrete Gefahr für Leib und Seele besteht, greift der Mensch ein. Und das könnte dann kompliziert werden, weiß Wiese. Denn muss der Mensch eingreifen, sind wegen des Naturschutzstatus' gleich mehrere Behörden beteiligt. „Deshalb liegen hier auch Bäume über dem Weg. Man kann ja drunter durch gehen oder drüber steigen“, sagt Wiese. Aber: Die Bäume machen den Pfad erst zu einem Erlebnis. MT-Serie: Portas verborgene Schätze Die MT-Serie „Portas verborgene Schätze“ widmet sich in loser Reihenfolge besonderen Hinguckern in Porta Westfalica, die auf den ersten Blick nicht zu entdecken sind. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal kennt nahezu jeder. Doch was ist eigentlich mit den Orten, die fernab der typischen Wanderwege liegen, für den täglichen Besucherverkehr nicht zugänglich sind oder auf den ersten Blick unscheinbar sind und einfach übersehen werden? Stadtheimatpfleger Herbert Wiese kennt viele dieser Orte und weiß viel über sie zu erzählen. Heute: das Relief in der Wolfsschlucht zwischen dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal und der Wittekindsburg.

Abenteuerlicher Weg zum vergessenen Relief

Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Der Weg ist schmal und holperig. Links führt der steile, fast beängstigende Abhang Dutzende Meter in die Tiefe. Rechts: Gesteinsbrocken in einer steilen Felswand, die aussehen, als würden sie bald abbrechen. Durch die noch kahlen Äste des verwunschenen Buchenhochwaldes blitzt hingegen das weitläufige, romantisch anmutende Wesertalpanorama durch. Gut einen Kilometer weit geht es hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Barkhausen über den Wolfsschluchtweg über grobe Steine, unter umgestürzten Bäumen hindurch, vorbei an der mystischen Wolfshöhle zu einem Ort, der wegen seiner Lage wohl bei vielen in Vergessenheit geraten ist: zum mittelalterlichen Relief am Wittekindsberg.

Man muss zwar genauer hinschauen, um das verwitterte Relief zu entdecken. Doch allein der Wanderweg dorthin lohnt sich. MT-Fotos: Thomas Lieske
Man muss zwar genauer hinschauen, um das verwitterte Relief zu entdecken. Doch allein der Wanderweg dorthin lohnt sich. MT-Fotos: Thomas Lieske

„Man muss schon genau hinschauen, um die in den Sandstein eingearbeitete Figur zu erkennen“, sagt Portas Stadtheimatpfleger Herbert Wiese, als er mit der flachen Hand über das verwitterte Relief streicht. Die Kontur ist abgerieben, der eigentlich helle Sandstein dunkler geworden. Drumherum wachsen Moos und Flechten. „Man erkennt eine Person, die ihre Arme mit gespreizten Fingern auf der Hüfte stützt. Ob das eine Frau oder ein Mann sein soll, darüber gehen die Meinungen auseinander“, weiß Herbert Wiese. Experten tendieren aber eher zu einer männlichen Figur: wegen des Oberkörperbaus und der fehlenden weiblichen Attribute. Das Relief könnte ein gescheiterter Versuch für eine Grabplatte gewesen sein.

Fast die gesamte Sandstein-Felswand ist mit Moos und Flechten bewachsen.
Fast die gesamte Sandstein-Felswand ist mit Moos und Flechten bewachsen.

Weiter unten ist das Relief stark abgeplatzt. Womöglich handelt es sich um Überreste eines Ankers, vermuten Archäologen der Uni Heidelberg, die im Dezember 2013 ein 3D-Bild erstellt haben, um das schon stark verwitterte Relief zu konservieren. Eigentlich müsste es restauriert werden. Der schlechte Zustand rechtfertigt aus Sicht der Archäologen aber keinen hohen Kostenaufwand mehr.

Dennoch: „An diesem Ort lohnt sich eine Rast“, findet der Ortsheimatpfleger. Allein der Weg zum Relief ist ein Abenteuer – wer gut aufpasst, müsse aber keine Angst haben, beruhigt Wiese. An einigen Stellen ist der Weg, der auf eigene Gefahr freigegeben ist, gerade einmal so breit, dass eine Person darauf laufen kann. An anderen Stellen wird er breiter. Die Wolfsschlucht war immer wieder Teil öffentlicher Diskussionen. Während die einen forderten, den Weg zu schließen, kämpften andere um die Offenhaltung. Zu Letzteren gehörte auch Herbert Wiese. Aus seiner Sicht ist die Offenhaltung allein schon aus historischer Sicht notwendig: „Teile dieses Pfades dienten im späten 19. Jahrhundert als Transportweg für Sandstein. Damit haben Arbeiter das Kaiser-Denkmal erbaut“, erklärt Wiese. Deshalb ist der Weg bis zum letzten Abbaupunkt auch relativ eben. Danach geht es deutlich steiler bergauf und -ab, durch scharfe Kurven und über oft nur sehr schmale Passagen.

Das Relief befindet sich in einem besonders sensiblen Naturschutzgebiet, in dem der Lebensraum Wald sich selbst überlassen wird. Erst wenn direkt auf dem übrigens zertifizierten Wanderweg eine konkrete Gefahr für Leib und Seele besteht, greift der Mensch ein. Und das könnte dann kompliziert werden, weiß Wiese. Denn muss der Mensch eingreifen, sind wegen des Naturschutzstatus' gleich mehrere Behörden beteiligt. „Deshalb liegen hier auch Bäume über dem Weg. Man kann ja drunter durch gehen oder drüber steigen“, sagt Wiese. Aber: Die Bäume machen den Pfad erst zu einem Erlebnis.

MT-Serie: Portas verborgene Schätze

Die MT-Serie „Portas verborgene Schätze“ widmet sich in loser Reihenfolge besonderen Hinguckern in Porta Westfalica, die auf den ersten Blick nicht zu entdecken sind. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal kennt nahezu jeder. Doch was ist eigentlich mit den Orten, die fernab der typischen Wanderwege liegen, für den täglichen Besucherverkehr nicht zugänglich sind oder auf den ersten Blick unscheinbar sind und einfach übersehen werden? Stadtheimatpfleger Herbert Wiese kennt viele dieser Orte und weiß viel über sie zu erzählen. Heute: das Relief in der Wolfsschlucht zwischen dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal und der Wittekindsburg.

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