44 Prozent teurer als geplant: Das sind die Gründe für die Baukostenexplosion beim Feuerwehrhaus in Hausberge Thomas Lieske Porta Westfalica-Hausberge. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses der Löschgruppen Hausberge und Lohfeld wird satte 44 Prozent teurer als geplant. Statt 1,2 Millionen muss die Stadt nun mit 1,75 Millionen Euro Baukosten planen. Der Rat der Stadt hat dieser überplanmäßigen Ausgabe nun in einer Sondersitzung zähneknirschend nach einer Unterbrechung einstimmig zugestimmt. Ein Rückzieher kommt für Stadt und Politik nicht in Frage: Die Fördergelder sind bewilligt und auf der Hauptamtlichen Wache, der derzeitigen Unterkunft der Löschgruppe Hausberge, herrschen akuter Platzmangel und Sanierungsbedarf. Portas Technischer Beigeordnete Stefan Mohme ordnet die Baukostensteigerung „der aktuellen Marktlage im Baugewerbe“ zu. Grundsätzlich sei eine Steigerung zu erwarten gewesen. Doch diese Rate, das ist dem Verwaltungsvorstand und den Fraktionen am Mittwochabend im Forum des Gymnasiums anzumerken, hat alle Beteiligten dann doch erschrocken. „Auf dem Markt gibt es derzeit Gesamtkostensteigerungen, die zwischen 20 und 30 Prozent liegen“, erklärt Mohme. Bei Einzelgewerken wie der Holzverarbeitung zeichne sich eine leichte Entspannung ab. Dafür bleibe die Situation bei anderen Hauptgewerken angespannt. „Ein wesentlicher Faktor ist auch die Lohnentwicklung.“ Warum ausgerechnet das Hausberger Bauprojekt nun so viel teurer wird, blieb in der Sitzung offen. Das kritisiert auch Dr. Friedrich Hillbrand, Vorsitzender der Wählergemeinschaft Porta. „Ich hätte mir im Sinne der Transparenz gewünscht, dass hier die wichtigsten Posten mit der entsprechenden prozentualen Kostensteigerung aufgeführt werden. So können wir kaum nachvollziehen, wo das herkommt.“ Immer wieder dringen diffuse Bedenken der Ratsmitglieder durch. Wie soll das erst bei künftigen Bauprojekten der Stadt werden? Sollten die jetzt erst einmal gestoppt werden? „Ich wäre vorsichtig, jetzt alle Projekte so wie geplant durchzuziehen“, sagt Mohme. Er plädiert dafür, „das eine oder andere Projekt auf Dringlichkeit zu prüfen und eventuell zurückzustellen“. Derzeit könnten viele Unternehmen nur Tagespreise anbieten, weil die Materialkosten kaum für eine Woche kalkulierbar seien. Insgesamt, so heißt es aus der Verwaltung, seien öffentliche Bauprojekte aktuell einem deutlich höheren Kostenrisiko ausgesetzt. Mohme glaubt zwar, dass sich die Marktlage grundsätzlich irgendwann wieder entspannen werde. „Ich glaube aber nicht, dass wir auf das Niveau zurückkehren werden, auf dem wir mal angefangen haben zu planen.“ Grundsätzlich zeigt sich der Technische Beigeordnete froh, dass der Neubau in der Hausberger Schweiz als Gesamtprojekt ausgeschrieben worden sei. „Wenn wir jedes Gewerk einzeln ausgeschrieben hätten, lägen die Kosten vermutlich noch deutlich höher und wären noch schlechter kalkulierbar.“ Zwei Angebote von Firmen liegen laut Mohme dicht beieinander und kursieren rund um die nun veranschlagten 1,75 Millionen Euro. „Ein Angebot hat sogar das teurere dieser beiden noch getoppt. Das haben wir gar nicht erst berücksichtigt.“ Ob der Politik in einer der nächsten Sitzungen dann eine weitere Kostensteigerung präsentiert werde, will Hano Engels (CDU) wissen. Davon geht die Stadt nicht aus. Es gelte die Angebotssumme, „wenn wir nicht mehr fordern als bestellt“, betont Mohme. Und wie sieht es mit möglichen Eigenleistungen aus, will Cornelia Müller-Dieker (FDP) wissen. Die könnten sich Stadt und Löschgruppen durchaus vorstellen, erklärt der Technische Beigeordnete. Da könne es beispielsweise um Malerarbeiten im Innenbereich gehen. Dazu müssten aber noch Gespräche geführt werden.Eigenleistung ist auch das Stichwort in der Rückschau auf frühere Bauprojekte für Feuerwehren. Als die Stadt vor rund zehn Jahren das neue Gerätehaus in Nammen bauen ließ, lag die Bausumme noch bei 400.000 Euro. Zeiten, nach denen sich Portas Politik nun sehnt. „Die Zeiten sind aber nicht mit heute zu vergleichen“, hakt Mohme ein. Zum einen seien die Baukosten generell stark gestiegen. Zum anderen sei damals noch mit ganz anderen Eigenleistungen kalkuliert worden, die teilweise Hauptgewerke wie Dachdeckerarbeiten ersetzt hätten. „Das war damals sehr ambitioniert“, schätzt Mohme heute ein. Und das sei so auch gar nicht mehr möglich.Mit dem positiven Votum des Rates kann die Stadt nun trotz Kostenexplosion den Zeitplan für das Projekt halten. Den muss die Verwaltung nämlich dringend erfüllen – der Auftrag muss noch in diesem Jahr erteilt werden, damit die Fördergelder fließen. Die 1,75 Millionen Euro schlagen dann im kommenden Haushaltsjahr zu Buche, müssen aber bereits in diesem Jahr geblockt werden.

44 Prozent teurer als geplant: Das sind die Gründe für die Baukostenexplosion beim Feuerwehrhaus in Hausberge

An dieser Stelle soll der nun deutlich teurer werdende Neubau entstehen. Das Feuerwehrgerätehaus in der Hausberger Schweiz ist unter Anwohnern nicht unumstritten. MT-Foto (Archiv): Dirk Haunhorst © xxxxxx

Porta Westfalica-Hausberge. Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses der Löschgruppen Hausberge und Lohfeld wird satte 44 Prozent teurer als geplant. Statt 1,2 Millionen muss die Stadt nun mit 1,75 Millionen Euro Baukosten planen. Der Rat der Stadt hat dieser überplanmäßigen Ausgabe nun in einer Sondersitzung zähneknirschend nach einer Unterbrechung einstimmig zugestimmt.

Ein Rückzieher kommt für Stadt und Politik nicht in Frage: Die Fördergelder sind bewilligt und auf der Hauptamtlichen Wache, der derzeitigen Unterkunft der Löschgruppe Hausberge, herrschen akuter Platzmangel und Sanierungsbedarf. Portas Technischer Beigeordnete Stefan Mohme ordnet die Baukostensteigerung „der aktuellen Marktlage im Baugewerbe“ zu. Grundsätzlich sei eine Steigerung zu erwarten gewesen. Doch diese Rate, das ist dem Verwaltungsvorstand und den Fraktionen am Mittwochabend im Forum des Gymnasiums anzumerken, hat alle Beteiligten dann doch erschrocken.

„Auf dem Markt gibt es derzeit Gesamtkostensteigerungen, die zwischen 20 und 30 Prozent liegen“, erklärt Mohme. Bei Einzelgewerken wie der Holzverarbeitung zeichne sich eine leichte Entspannung ab. Dafür bleibe die Situation bei anderen Hauptgewerken angespannt. „Ein wesentlicher Faktor ist auch die Lohnentwicklung.“ Warum ausgerechnet das Hausberger Bauprojekt nun so viel teurer wird, blieb in der Sitzung offen. Das kritisiert auch Dr. Friedrich Hillbrand, Vorsitzender der Wählergemeinschaft Porta. „Ich hätte mir im Sinne der Transparenz gewünscht, dass hier die wichtigsten Posten mit der entsprechenden prozentualen Kostensteigerung aufgeführt werden. So können wir kaum nachvollziehen, wo das herkommt.“

Malina Reckordt

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Immer wieder dringen diffuse Bedenken der Ratsmitglieder durch. Wie soll das erst bei künftigen Bauprojekten der Stadt werden? Sollten die jetzt erst einmal gestoppt werden? „Ich wäre vorsichtig, jetzt alle Projekte so wie geplant durchzuziehen“, sagt Mohme. Er plädiert dafür, „das eine oder andere Projekt auf Dringlichkeit zu prüfen und eventuell zurückzustellen“. Derzeit könnten viele Unternehmen nur Tagespreise anbieten, weil die Materialkosten kaum für eine Woche kalkulierbar seien. Insgesamt, so heißt es aus der Verwaltung, seien öffentliche Bauprojekte aktuell einem deutlich höheren Kostenrisiko ausgesetzt. Mohme glaubt zwar, dass sich die Marktlage grundsätzlich irgendwann wieder entspannen werde. „Ich glaube aber nicht, dass wir auf das Niveau zurückkehren werden, auf dem wir mal angefangen haben zu planen.“

Grundsätzlich zeigt sich der Technische Beigeordnete froh, dass der Neubau in der Hausberger Schweiz als Gesamtprojekt ausgeschrieben worden sei. „Wenn wir jedes Gewerk einzeln ausgeschrieben hätten, lägen die Kosten vermutlich noch deutlich höher und wären noch schlechter kalkulierbar.“ Zwei Angebote von Firmen liegen laut Mohme dicht beieinander und kursieren rund um die nun veranschlagten 1,75 Millionen Euro. „Ein Angebot hat sogar das teurere dieser beiden noch getoppt. Das haben wir gar nicht erst berücksichtigt.“

Ob der Politik in einer der nächsten Sitzungen dann eine weitere Kostensteigerung präsentiert werde, will Hano Engels (CDU) wissen. Davon geht die Stadt nicht aus. Es gelte die Angebotssumme, „wenn wir nicht mehr fordern als bestellt“, betont Mohme. Und wie sieht es mit möglichen Eigenleistungen aus, will Cornelia Müller-Dieker (FDP) wissen. Die könnten sich Stadt und Löschgruppen durchaus vorstellen, erklärt der Technische Beigeordnete. Da könne es beispielsweise um Malerarbeiten im Innenbereich gehen. Dazu müssten aber noch Gespräche geführt werden.

Eigenleistung ist auch das Stichwort in der Rückschau auf frühere Bauprojekte für Feuerwehren. Als die Stadt vor rund zehn Jahren das neue Gerätehaus in Nammen bauen ließ, lag die Bausumme noch bei 400.000 Euro. Zeiten, nach denen sich Portas Politik nun sehnt. „Die Zeiten sind aber nicht mit heute zu vergleichen“, hakt Mohme ein. Zum einen seien die Baukosten generell stark gestiegen. Zum anderen sei damals noch mit ganz anderen Eigenleistungen kalkuliert worden, die teilweise Hauptgewerke wie Dachdeckerarbeiten ersetzt hätten. „Das war damals sehr ambitioniert“, schätzt Mohme heute ein. Und das sei so auch gar nicht mehr möglich.

Mit dem positiven Votum des Rates kann die Stadt nun trotz Kostenexplosion den Zeitplan für das Projekt halten. Den muss die Verwaltung nämlich dringend erfüllen – der Auftrag muss noch in diesem Jahr erteilt werden, damit die Fördergelder fließen. Die 1,75 Millionen Euro schlagen dann im kommenden Haushaltsjahr zu Buche, müssen aber bereits in diesem Jahr geblockt werden.

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