25.000 Euro für Hausärzte? CDU will Mediziner mit Geld nach Porta locken Dirk Haunhorst Porta Westfalica. Viele Kommunen werben intensiv um Hausärzte, Porta Westfalica will offenbar nicht länger nachstehen. Die CDU-Fraktion schlägt vor, die Ansiedlung von Hausärzten mit jeweils 25.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zu unterstützen. Die Politik wird sich mit dem Vorstoß in den Etatberatungen der kommenden Wochen beschäftigen, erstmals im Stadtentwicklungs-Ausschuss am 2. November. Die CDU möchte, dass die Stadt maximal 75.000 Euro für drei Arztpraxen lockermacht, um einen hundertprozentigen Versorgungsgrad zu erreichen. Bislang liegt Porta mit insgesamt 19 Hausärzten bei rund 86 Prozent. Es wäre demnach noch Luft für drei Niederlassungen. Das geht aus einer Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) vom Mai 2021 hervor. Die Christdemokraten wollen außerdem von der Verwaltung wissen, wie viele Portaner Hausärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Ratsherr Karl Erich Schmeding hat den Antrag mitverfasst und vermutet, dass ungefähr ein Drittel der Mediziner um die 60 Jahre alt sei. Deshalb sei es wichtig, vorausschauend zu handeln, um die hausärztliche Versorgung insbesondere für ältere Menschen wohnortnah zu sichern. Schmeding gibt zu, dass er als Veltheimer dabei auch an seinen Ort denkt. Denn seit dem Umzug von Klaus Grimmelt nach Eisbergen in diesem Sommer sind die Praxisräume an der Ravensberger Straße neben dem Edeka-Markt verwaist. Mit Ghassan Ghrier haben die Veltheimer zwar weiterhin einen Allgemeinmediziner im Dorf. Doch der hat inzwischen das achte Lebensjahrzehnt vollendet und wird sicherlich nicht mehr viele Jahre dranhängen – obwohl Ghrier selbst gegenüber dem MT vor einem halben Jahr verkündete, dass er sich wie Anfang 60 fühle und erst aufhören wolle, wenn er umfalle. Auch anderorts müssen sich die Patienten auf Veränderungen einstellen. Die Tage der Gemeinschaftspraxis Rapp-Rudewig-Heger in Nammen sind gezählt. Voraussichtlich noch bis kommenden April werde die Praxis in der ehemaligen Schule weiterbetrieben, teilte gestern Boris-Alexander Heger mit. In der Zwischenzeit soll der Standort in Neesen an der Meißener Straße auf etwa die doppelte Größe anwachsen. Es sei logistisch und personell schwierig, zwei Standorte zu betreiben – das habe insbesondere die Pandemie verdeutlicht, sagt Heger. Die Praxis in Nammen sei zwischenzeitlich sogar geschlossen gewesen und diene aktuell vor allem dazu, Infektionssprechstunden abzuhalten.Die Gemeinschaftspraxis versorgte die Nammer seit 2013 zunächst am Drostenbrink, bevor sie 2017 in Nammen in die umgebauten Räume der ehemaligen Grundschule umzog. Das Ärztetrio will sich künftig auf Neesen konzentrieren und nach dem geplanten Umbau dort eventuell einen vierten Mediziner mit ins Haus holen. Da in Nammen längst Gerüchte die Runde machen, sichert Heger insbesondere den älteren Patientinnen und Patienten zu, dass sich an den Hausbesuchen nichts ändere. Generell spreche schon aus Kostengründen viel für eine stärkere Zentralisierung der ärztlichen Versorgung, meint Heger auch unter Hinweis auf entsprechende Signale der Krankenkassen. Die Nammer fänden es bestimmt gut, wenn sie mithilfe städtischer Fördergelder wieder einen Mediziner in ihr Dorf holen könnten. Bestimmte örtliche Präferenzen gebe es nicht, sagt Karl Erich Schmeding. Der Antrag der CDU sei ein erster Aufschlag für die politische Beratung. „Wir müssen später ja auch noch Förderrichtlinien formulieren.“ Diese würden dann beispielsweise beinhalten, dass die Ärzte eine bestimmte Zahl an Jahren in Porta bleiben müssten, um den Zuschuss nicht zurückzahlen zu müssen.Orientierungshilfe für solche Richtlinien bietet der Blick in die Nachbarschaft. So erwähnt die CDU in ihrem Antrag den Kreis Herford, der die Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzte bereits mit 25.000 Euro fördert, wozu die Stadt Vlotho Geld besteuert. Auf Ebene des Mühlenkreises sei hingegen derzeit keine Förderung der hausärztlichen Versorgung geplant, berichtet die CDU. Hier suchten die Kommunen nach individuellen Lösungen. So habe beispielsweise die Gemeinde Hille ein Ärztehaus gekauft und dies einem Medizinerteam zu günstigen Konditionen überlassen.Dass Porta Westfalica Ärzte benötigt, zeigt auch ein Blick ins aktuelle Förderverzeichnis der KVWL. Dort taucht neben Kommunen wie Petershagen, Vlotho oder Löhne auch Porta im Fördergebiet für Hausärzte auf. Diese können auf Antrag beispielsweise Praxisdarlehen oder Kostenzuschüsse erhalten. Das Geld, mit dem die CDU Ärzte nach Porta locken möchte, würde dann zusätzlich fließen.

25.000 Euro für Hausärzte? CDU will Mediziner mit Geld nach Porta locken

Vor allem ländlich strukturierte Kommunen suchen nach richtungsweisenden Konzepten zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Foto: Imago Images © imago/JOKER

Porta Westfalica. Viele Kommunen werben intensiv um Hausärzte, Porta Westfalica will offenbar nicht länger nachstehen. Die CDU-Fraktion schlägt vor, die Ansiedlung von Hausärzten mit jeweils 25.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zu unterstützen. Die Politik wird sich mit dem Vorstoß in den Etatberatungen der kommenden Wochen beschäftigen, erstmals im Stadtentwicklungs-Ausschuss am 2. November.

Die CDU möchte, dass die Stadt maximal 75.000 Euro für drei Arztpraxen lockermacht, um einen hundertprozentigen Versorgungsgrad zu erreichen. Bislang liegt Porta mit insgesamt 19 Hausärzten bei rund 86 Prozent. Es wäre demnach noch Luft für drei Niederlassungen. Das geht aus einer Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) vom Mai 2021 hervor.

Die Christdemokraten wollen außerdem von der Verwaltung wissen, wie viele Portaner Hausärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Ratsherr Karl Erich Schmeding hat den Antrag mitverfasst und vermutet, dass ungefähr ein Drittel der Mediziner um die 60 Jahre alt sei. Deshalb sei es wichtig, vorausschauend zu handeln, um die hausärztliche Versorgung insbesondere für ältere Menschen wohnortnah zu sichern.

Malina Reckordt

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Schmeding gibt zu, dass er als Veltheimer dabei auch an seinen Ort denkt. Denn seit dem Umzug von Klaus Grimmelt nach Eisbergen in diesem Sommer sind die Praxisräume an der Ravensberger Straße neben dem Edeka-Markt verwaist. Mit Ghassan Ghrier haben die Veltheimer zwar weiterhin einen Allgemeinmediziner im Dorf. Doch der hat inzwischen das achte Lebensjahrzehnt vollendet und wird sicherlich nicht mehr viele Jahre dranhängen – obwohl Ghrier selbst gegenüber dem MT vor einem halben Jahr verkündete, dass er sich wie Anfang 60 fühle und erst aufhören wolle, wenn er umfalle.

Auch anderorts müssen sich die Patienten auf Veränderungen einstellen. Die Tage der Gemeinschaftspraxis Rapp-Rudewig-Heger in Nammen sind gezählt. Voraussichtlich noch bis kommenden April werde die Praxis in der ehemaligen Schule weiterbetrieben, teilte gestern Boris-Alexander Heger mit. In der Zwischenzeit soll der Standort in Neesen an der Meißener Straße auf etwa die doppelte Größe anwachsen. Es sei logistisch und personell schwierig, zwei Standorte zu betreiben – das habe insbesondere die Pandemie verdeutlicht, sagt Heger. Die Praxis in Nammen sei zwischenzeitlich sogar geschlossen gewesen und diene aktuell vor allem dazu, Infektionssprechstunden abzuhalten.

Die Gemeinschaftspraxis versorgte die Nammer seit 2013 zunächst am Drostenbrink, bevor sie 2017 in Nammen in die umgebauten Räume der ehemaligen Grundschule umzog. Das Ärztetrio will sich künftig auf Neesen konzentrieren und nach dem geplanten Umbau dort eventuell einen vierten Mediziner mit ins Haus holen. Da in Nammen längst Gerüchte die Runde machen, sichert Heger insbesondere den älteren Patientinnen und Patienten zu, dass sich an den Hausbesuchen nichts ändere. Generell spreche schon aus Kostengründen viel für eine stärkere Zentralisierung der ärztlichen Versorgung, meint Heger auch unter Hinweis auf entsprechende Signale der Krankenkassen.

Die Nammer fänden es bestimmt gut, wenn sie mithilfe städtischer Fördergelder wieder einen Mediziner in ihr Dorf holen könnten. Bestimmte örtliche Präferenzen gebe es nicht, sagt Karl Erich Schmeding. Der Antrag der CDU sei ein erster Aufschlag für die politische Beratung. „Wir müssen später ja auch noch Förderrichtlinien formulieren.“ Diese würden dann beispielsweise beinhalten, dass die Ärzte eine bestimmte Zahl an Jahren in Porta bleiben müssten, um den Zuschuss nicht zurückzahlen zu müssen.

Orientierungshilfe für solche Richtlinien bietet der Blick in die Nachbarschaft. So erwähnt die CDU in ihrem Antrag den Kreis Herford, der die Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzte bereits mit 25.000 Euro fördert, wozu die Stadt Vlotho Geld besteuert. Auf Ebene des Mühlenkreises sei hingegen derzeit keine Förderung der hausärztlichen Versorgung geplant, berichtet die CDU. Hier suchten die Kommunen nach individuellen Lösungen. So habe beispielsweise die Gemeinde Hille ein Ärztehaus gekauft und dies einem Medizinerteam zu günstigen Konditionen überlassen.

Dass Porta Westfalica Ärzte benötigt, zeigt auch ein Blick ins aktuelle Förderverzeichnis der KVWL. Dort taucht neben Kommunen wie Petershagen, Vlotho oder Löhne auch Porta im Fördergebiet für Hausärzte auf. Diese können auf Antrag beispielsweise Praxisdarlehen oder Kostenzuschüsse erhalten. Das Geld, mit dem die CDU Ärzte nach Porta locken möchte, würde dann zusätzlich fließen.

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