130 Gäste aus sieben Ländern nehmen an Tagung zum Kriegsende teil Stefan Lyrath Porta Westfalica (Ly). Wissenschaftler, Angehörige früherer KZ-Häftlinge, interessierte Bürger: Rund 130 Gäste aus sieben Ländern haben am Wochenende in Porta Westfalica an einer Tagung zum Kriegsende vor 70 Jahren teilgenommen. Koordinatorin Babette Lissner fasst das Ergebnis so zusammen: „Die ältere Generation hat den Staffelstab an jüngere Generationen weitergegeben. Wir sollen weitermachen.“ Das heißt: erinnern, gedenken, wachsam sein.Die Aufgabe bestehe darin, Menschlichkeit zu leben, zur Versöhnung beizutragen, aus der Geschichte zu lernen - und nicht nur zu reden. Das Ziel der Nazis sei es gewesen, Menschen restlos auszulöschen. Während der Tagung wurden Namen von Opfern genannt, ihre Geschichten erzählt. „Sie gehören immer noch zu uns“, betont Babette Lissner.Mehr als 3000 Menschen haben in den drei Portaner KZ gelitten, allesamt Außenlager von Neuengamme (Hamburg). Historiker gehen von mehr als 700 Todesopfern aus, rund 600 davon aus dem Lager im „Kaiserhof“. Die Häftlinge mussten Stollen ins Gebirge treiben oder Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben leisten, sie starben an Hunger, Krankheiten, durch Übergriffe der Wachmannschaften oder die Folgen des Transportes.Außer dem „Kaiserhof“ gab es von 1944 an Lager am Hausberger Frettholzweg sowie am Pfahlweg an der Grenze zwischen Neesen und Lerbeck. Zur Tagung kamen Angehörige von Pierre Bleton, einem Häftling, der auf dem Mahnmal am Grünen Marktplatz in Hausberge verewigt ist, Olga Perlmutter, Albertus de Raaf und Henryk Strozyk.Ein sichtlich bewegter Bürgermeister Bernd Hedtmann, zugleich Vorsitzender des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, hatte sowohl den Hinterbliebenen als auch noch lebenden Opfern versichert, „dass ich persönlich und auch kraft meines Amtes den Weg des Vereins weitergehen werde“. Erstmals werde den Ereignissen, die großes Leid verursacht hätten, am Ort des Geschehens so viel Raum und Öffentlichkeit gegeben. Einer dieser Orte war der Jakobsstollen, durch den gestern mehrere Gruppen geführt wurden. Beeindruckt kehrten die Besucher zurück ans Tageslicht.Hedtmanns ist überzeugt: „Wer nicht gedenkt, vergisst. Das Gedenken an die Opfer der Gewaltherrschaft ist unsere Pflicht.“ Die zweite Botschaft: „Wir müssen begreifen, um auch verstehen zu können.“ Wiederholt kamen Schicksale zur Sprache. Dies, so Hedtmann in einem ersten Fazit, sei nur ein kleiner Eindruck dessen, was Menschen erlitten hätten. Dennoch: Ein Teil der Geschichte des Grauens ist am Wochenende greifbar geworden.Dem Bürgermeister und Vereinsvorsitzenden zufolge hat Porta Westfalica länger als andere Städte gebraucht, um den Schritt in die Öffentlichkeit zu machen. Dafür tun die Portaner es jetzt umso gründlicher.

130 Gäste aus sieben Ländern nehmen an Tagung zum Kriegsende teil

Angehörige früherer KZ-Häftlinge nehmen an einer Führung durch den Jakobsstollen teil. Insassen der Lager mussten dort Zwangsarbeit verrichten. Viele haben die Torturen nicht überlebt. Foto: Stefan Lyrath

Porta Westfalica (Ly). Wissenschaftler, Angehörige früherer KZ-Häftlinge, interessierte Bürger: Rund 130 Gäste aus sieben Ländern haben am Wochenende in Porta Westfalica an einer Tagung zum Kriegsende vor 70 Jahren teilgenommen. Koordinatorin Babette Lissner fasst das Ergebnis so zusammen: „Die ältere Generation hat den Staffelstab an jüngere Generationen weitergegeben. Wir sollen weitermachen.“ Das heißt: erinnern, gedenken, wachsam sein.

Die Aufgabe bestehe darin, Menschlichkeit zu leben, zur Versöhnung beizutragen, aus der Geschichte zu lernen - und nicht nur zu reden. Das Ziel der Nazis sei es gewesen, Menschen restlos auszulöschen. Während der Tagung wurden Namen von Opfern genannt, ihre Geschichten erzählt. „Sie gehören immer noch zu uns“, betont Babette Lissner.

Mehr als 3000 Menschen haben in den drei Portaner KZ gelitten, allesamt Außenlager von Neuengamme (Hamburg). Historiker gehen von mehr als 700 Todesopfern aus, rund 600 davon aus dem Lager im „Kaiserhof“. Die Häftlinge mussten Stollen ins Gebirge treiben oder Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben leisten, sie starben an Hunger, Krankheiten, durch Übergriffe der Wachmannschaften oder die Folgen des Transportes.

Außer dem „Kaiserhof“ gab es von 1944 an Lager am Hausberger Frettholzweg sowie am Pfahlweg an der Grenze zwischen Neesen und Lerbeck. Zur Tagung kamen Angehörige von Pierre Bleton, einem Häftling, der auf dem Mahnmal am Grünen Marktplatz in Hausberge verewigt ist, Olga Perlmutter, Albertus de Raaf und Henryk Strozyk.

Ein sichtlich bewegter Bürgermeister Bernd Hedtmann, zugleich Vorsitzender des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, hatte sowohl den Hinterbliebenen als auch noch lebenden Opfern versichert, „dass ich persönlich und auch kraft meines Amtes den Weg des Vereins weitergehen werde“. Erstmals werde den Ereignissen, die großes Leid verursacht hätten, am Ort des Geschehens so viel Raum und Öffentlichkeit gegeben. Einer dieser Orte war der Jakobsstollen, durch den gestern mehrere Gruppen geführt wurden. Beeindruckt kehrten die Besucher zurück ans Tageslicht.

Hedtmanns ist überzeugt: „Wer nicht gedenkt, vergisst. Das Gedenken an die Opfer der Gewaltherrschaft ist unsere Pflicht.“ Die zweite Botschaft: „Wir müssen begreifen, um auch verstehen zu können.“ Wiederholt kamen Schicksale zur Sprache. Dies, so Hedtmann in einem ersten Fazit, sei nur ein kleiner Eindruck dessen, was Menschen erlitten hätten. Dennoch: Ein Teil der Geschichte des Grauens ist am Wochenende greifbar geworden.

Dem Bürgermeister und Vereinsvorsitzenden zufolge hat Porta Westfalica länger als andere Städte gebraucht, um den Schritt in die Öffentlichkeit zu machen. Dafür tun die Portaner es jetzt umso gründlicher.

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