180000 Jahre im Schnelltempo durchlebt Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta bietet Treckerfahrt durch Kiesgrube an / Geologie hautnah dargeboten Von Gisela Schwarze Porta Westfalica-Möllbergen (G.S.). "Wir fahren jetzt ein kleines Stück und legen 180000 Jahre zurück", stimmte der Geologe Dr. Peter Könemann auf eine Exkursion in der Kiesgrube Brinkmeier, Kreckenhof 2, ein. Eingeladen hatte der Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP). Mit Trecker und zwei voll besetzten Anhängern ging für die unerwartet zahlreichen Interessenten die spannende Reise in die Vergangenheit und in eine erstaunlich lebendige Steinwelt los. Viele unterschiedliche Gesteinsschichten und Steintypen, die zu zwei Dritteln während der Saale-Eiszeit angeschwemmt wurden, nahmen die Teilnehmer in dem 29 Hektar großen Areal an Ort und Stelle in Augenschein. Riesige Eisblöcke hätten während der Saale-Eiszeit den Weserdurchbruch an der Porta Westfalica versperrt."Ein Drittel der vorhandenen Steine wurden in der Eiszeit aus Skandinavien herangeschoben, wie der nordische Granit", benannte der Geologe das Steinvorkommen in der Kiesgrube. Feuer- und Flintsteine, die Werkzeuge unserer Vorfahren in der Steinzeit, sind in der Grube zu finden, wie die große Gruppe selbst feststellen durfte. "Die vorhandenen Toneisenstein-Geoden, bekannt als Eisenei, wurden mit ihren 21 Prozent Eisenoxid früher von den Menschen gesammelt und zu den Eisenhütten der Umgebung gebracht", erläuterte der Experte."In Möllbergen haben die Sand- und Kiesschichten eine Dicke von 40 Metern", so Dr. Könemann. Seit den 50er Jahren werde ein Abbau betrieben, damals mit 60 Arbeitern. Automatisierungen und andere technische Neuerungen ließen die Anzahl der Arbeiter auf gegenwärtig vier schrumpfen. Täglich erfolge von einem einzigen Radladerfahrer ein Abbau von 1600 Tonnen. "Große Steine mit einem Durchmesser von über 25 Zentimeter werden stückweise an den Garten- und Landschaftsbau verkauft", hörten die Exkursionsteilnehmer. Überschüssig produzierter Beton werde zu 1,3 Tonnen schweren überdimensionalen Legosteinen gegossen, mit denen sich Hangbefestigungen und Ähnliches bauen lassen.Noch drei Jahre solle ein Abbau in der jetzigen Grube Brinkmeier erfolgen. Weitere Zukunftspläne gehen in die Richtung, einen Abbau jenseits des Sprengelwegs zu betreiben. Dabei wird der Weg unangetastet bleiben: Ein Förderbandtunnel schafft unterirdisch die Verbindung zur derzeitigen Grube. Parallel zum laufenden Kies- und Sandabbau hat sich inzwischen eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt auf dem weitläufigen Gelände angesiedelt. Beim Waschen des Kieses werden täglich 4000 Kubikmeter Wasser benötigt. Dieses zum Waschen genutzte Wasser gelangt anschließend auf ein Schilffeld und in unterschiedliche Teiche. Dort bietet es zahlreichen tierischen Feuchtgebietsarten Lebensraum: Graugänse, Rohrsänger, Rohrdommel, Eisvogel, Bekassine und Uferschwalben haben hier ihr Zuhause. Auf dem Durchzug pausieren gern Fischadler. Fischarten schwimmen munter herum.Liebhaber lautstarker Froschkonzerte kommen im Brinkmeierschen Biotop vorwiegend im Mai voll auf ihre Kosten. Typische Insekten, die sich dort im Sekundärbiotop (von Menschenhand geschaffenes Biotop) ansiedelten, sind Laufkäfer und Grabwespen.Die bisherige Trockenheit dieses Jahres bewirkte, dass die Amphibien keine Nachkommen haben. Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Erdkröte, Grasfrosch und Kammmolch blieben diesmal ohne Kinderstube. Das Areal ist ideal für Wärme liebende Reptilien wie Zauneidechsen und Blindschleichen.Viele Pflanzenarten, die trockene, sonnige Standorte benötigen, finden ausgezeichnete Lebensbedingungen vor. Die Weiterentwicklung natürlicher Lebensräume ist gut erkennbar: In der Sukzession stehen auf dem vorhandenen Rohboden einjährige kleine Pflanzenarten, dann Weiden und Birken bis hin zum Eichenwald.

180000 Jahre im Schnelltempo durchlebt

Porta Westfalica-Möllbergen (G.S.). "Wir fahren jetzt ein kleines Stück und legen 180000 Jahre zurück", stimmte der Geologe Dr. Peter Könemann auf eine Exkursion in der Kiesgrube Brinkmeier, Kreckenhof 2, ein. Eingeladen hatte der Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP).

Mit Trecker und zwei voll besetzten Anhängern starteten die Teilnehmer zur Exkursion über das 29 Hektar große Kiesgruben-Gelände. - © Foto: Gisela Schwarze
Mit Trecker und zwei voll besetzten Anhängern starteten die Teilnehmer zur Exkursion über das 29 Hektar große Kiesgruben-Gelände. - © Foto: Gisela Schwarze

Mit Trecker und zwei voll besetzten Anhängern ging für die unerwartet zahlreichen Interessenten die spannende Reise in die Vergangenheit und in eine erstaunlich lebendige Steinwelt los. Viele unterschiedliche Gesteinsschichten und Steintypen, die zu zwei Dritteln während der Saale-Eiszeit angeschwemmt wurden, nahmen die Teilnehmer in dem 29 Hektar großen Areal an Ort und Stelle in Augenschein. Riesige Eisblöcke hätten während der Saale-Eiszeit den Weserdurchbruch an der Porta Westfalica versperrt.

"Ein Drittel der vorhandenen Steine wurden in der Eiszeit aus Skandinavien herangeschoben, wie der nordische Granit", benannte der Geologe das Steinvorkommen in der Kiesgrube. Feuer- und Flintsteine, die Werkzeuge unserer Vorfahren in der Steinzeit, sind in der Grube zu finden, wie die große Gruppe selbst feststellen durfte. "Die vorhandenen Toneisenstein-Geoden, bekannt als Eisenei, wurden mit ihren 21 Prozent Eisenoxid früher von den Menschen gesammelt und zu den Eisenhütten der Umgebung gebracht", erläuterte der Experte.

"In Möllbergen haben die Sand- und Kiesschichten eine Dicke von 40 Metern", so Dr. Könemann. Seit den 50er Jahren werde ein Abbau betrieben, damals mit 60 Arbeitern. Automatisierungen und andere technische Neuerungen ließen die Anzahl der Arbeiter auf gegenwärtig vier schrumpfen. Täglich erfolge von einem einzigen Radladerfahrer ein Abbau von 1600 Tonnen. "Große Steine mit einem Durchmesser von über 25 Zentimeter werden stückweise an den Garten- und Landschaftsbau verkauft", hörten die Exkursionsteilnehmer. Überschüssig produzierter Beton werde zu 1,3 Tonnen schweren überdimensionalen Legosteinen gegossen, mit denen sich Hangbefestigungen und Ähnliches bauen lassen.

Noch drei Jahre solle ein Abbau in der jetzigen Grube Brinkmeier erfolgen. Weitere Zukunftspläne gehen in die Richtung, einen Abbau jenseits des Sprengelwegs zu betreiben. Dabei wird der Weg unangetastet bleiben: Ein Förderbandtunnel schafft unterirdisch die Verbindung zur derzeitigen Grube. Parallel zum laufenden Kies- und Sandabbau hat sich inzwischen eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt auf dem weitläufigen Gelände angesiedelt. Beim Waschen des Kieses werden täglich 4000 Kubikmeter Wasser benötigt. Dieses zum Waschen genutzte Wasser gelangt anschließend auf ein Schilffeld und in unterschiedliche Teiche. Dort bietet es zahlreichen tierischen Feuchtgebietsarten Lebensraum: Graugänse, Rohrsänger, Rohrdommel, Eisvogel, Bekassine und Uferschwalben haben hier ihr Zuhause. Auf dem Durchzug pausieren gern Fischadler. Fischarten schwimmen munter herum.

Liebhaber lautstarker Froschkonzerte kommen im Brinkmeierschen Biotop vorwiegend im Mai voll auf ihre Kosten. Typische Insekten, die sich dort im Sekundärbiotop (von Menschenhand geschaffenes Biotop) ansiedelten, sind Laufkäfer und Grabwespen.

Die bisherige Trockenheit dieses Jahres bewirkte, dass die Amphibien keine Nachkommen haben. Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Erdkröte, Grasfrosch und Kammmolch blieben diesmal ohne Kinderstube. Das Areal ist ideal für Wärme liebende Reptilien wie Zauneidechsen und Blindschleichen.

Viele Pflanzenarten, die trockene, sonnige Standorte benötigen, finden ausgezeichnete Lebensbedingungen vor. Die Weiterentwicklung natürlicher Lebensräume ist gut erkennbar: In der Sukzession stehen auf dem vorhandenen Rohboden einjährige kleine Pflanzenarten, dann Weiden und Birken bis hin zum Eichenwald.

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