Zukunft des Lahder Badesees wegen der Blaualgen unklar: Gewässer soll untersucht werden Claudia Hyna Petershagen-Lahde (mt). Es geht um die Zukunft des Badesees Lahde. Ein Gutachten soll nun klären, warum das Gewässer erneut mit den gesundheitsschädlichen Blaualgen zu kämpfen hat. Damit haben die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus die Verwaltung beauftragt. Diese sollen wiederum Gutachten erstellen, mit denen geklärt werden kann, wie der See beschaffen ist und welche Einflüsse die Bildung der Algen möglicherweise begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Blaualgen (Mikrocystis aeroginosa) ist in stehenden Gewässern besonders hoch. Gefährdet sind Seen mit einem hohen Phosphatgehalt. Kommen dann wenig Niederschlag und dauerhaft hohe Temperaturen hinzu, vermehren sich die Algen rasant. Noch sei nicht klar, welche Einflüsse auf den Badesee Lahde einwirken, sagte Evelyn Hotze von der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus den Mitgliedern des Fachausschusses. Mögliche Faktoren seien die Landwirtschaft, Tiere und Pflanzen, die Witterung, das Grundwasser und mehr. „Wir müssen zuallererst die Situation kennen, um über weitere Maßnahmen nachzudenken“, sagte sie und warnte vor blindem Aktionismus. Eine sogenannte limnologische Untersuchung koste zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Auf ihrer Basis könne das weitere Vorgehen entschieden werden. „Am Ende müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit dem Befund umgehen.“ Eine Möglichkeit der Gewässerreinigung sei die chemische Phosphatfällung, die rund 50.000 Euro koste. Dabei wird durch Zugabe von Eisensalzen das Phosphat ausgesondert. Andere denkbare Mittel sind das Anpflanzen eines Schilfgürtels, Mähaktionen, Ultraschalleinsatz, neuer Fischbesatz oder Duschen, damit keine Sonnencreme in den See gelange. „Es können viele Faktoren zusammen kommen. Eine Bestandsgarantie gibt es nicht“, sagte Hotze. Hermann Humcke (CDU) fragte nach den Konsequenzen eines Gutachtens. „Wir müssen uns im Klaren sein, ob wir uns eine wie auch immer geartete Maßnahme überhaupt leisten können.“ Er sprach sich wie die anderen Politiker dafür aus, Angebote von Fachfirmen einzuholen. Wiederhole sich die Blaualgen-Problematik in den kommenden Jahren, könne der See im schlimmsten Fall kippen, machte Evelyn Hotze deutlich. „Und dann ist es kein Badesee mehr.“ Das Badeverbot wegen Blaualgen verhängte der Kreis Minden-Lübbecke am 23. Juli. Sie waren mit bloßem Auge als schmieriger Schaum erkennbar. Sie können Hautreizungen verursachen und beim Verschlucken zu Erbrechen und Durchfall führen. Das Umweltamt des Kreises überwacht seitdem wöchentlich die Wasserqualität. Das Verbot bleibt solange bestehen, bis die Behörden grünes Licht geben – was bisher nicht der Fall war. Die reguläre Prüfung, die alle zwei Wochen stattfindet, kostet zwischen 85 bis 95 Euro und fand elfmal statt. Mit 265 Euro ist die Probennahme bei Blaualgen, die neunmal gemacht wurde, wesentlich teurer. Dafür fielen bisher Kosten von rund 2.500 Euro an, die Verwaltung rechnet bis zur endgültigen Freigabe mit Kosten in Höhe von 4.000 Euro. Einbußen wegen der Blaualgen hatte auch die Gastronomie am Badesee. Die Verluste konnten nur mit dem zweiten Standbein im Bückeburger Bergbad ausgeglichen werden, sagte Pächter Alexander von Eye beim Ortstermin. Damit die Gastronomie weiter zukunftsfähig sei, wären Investitionen in die Technik notwendig. Er rechnet mit Kosten von 20.000 bis 30.000 Euro, um die Ausstattung aus dem Gründungsjahr 1989 auf einen guten Stand zu bringen. Diese Investition in eine moderne Küche würde hinfällig, falls die Entscheidung gegen eine mutmaßliche teure Rettungsmaßnahme des Sees fällt, gab es Stimmen im Ausschuss. Angebote sollten dennoch eingeholt werden, warb Bürgermeister Dieter Blume (CDU). Die Politiker beschlossen schließlich, solche auch zu akquirieren. Lesen Sie zu diesem Thema auch "Das ist mir egal“ - Badeverbot am Lahder Badesee schreckt nicht alle Gäste ab" Nicht gleich aufgeben Kommentar von Claudia Hyna Es ist eine gute Entscheidung der Politik, Angebote von Fachinstituten einzuholen. Alles andere würde bedeuten, den Lahder Badesee von vorneherein aufzugeben. Und der ist immerhin eine touristische Institution – für die sogar Gäste aus Hannover und Bielefeld anreisen. Mit dem Beschlussvorschlag bleibt das Vorgehen in der Sache völlig offen. Es ist zu hoffen, dass das Gegensteuern am Ende nicht so teuer wird, wie momentan die meisten befürchten. Vielleicht können simple Schritte den See blaualgenfrei halten. Für die Zwischenzeit heißt es abwarten – und sich selbst zu fragen, ob der eigene Beitrag für den Klimaschutz ausreicht.

Zukunft des Lahder Badesees wegen der Blaualgen unklar: Gewässer soll untersucht werden

Trügerische Idylle: Im zweiten Jahr in Folge gibt es in Lahde ein Badeverbot wegen Blaualgen. Wie es weitergehen soll, entscheidet nun die Politik. MT- © Foto: Claudia Hyna

Petershagen-Lahde (mt). Es geht um die Zukunft des Badesees Lahde. Ein Gutachten soll nun klären, warum das Gewässer erneut mit den gesundheitsschädlichen Blaualgen zu kämpfen hat. Damit haben die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus die Verwaltung beauftragt.

Diese sollen wiederum Gutachten erstellen, mit denen geklärt werden kann, wie der See beschaffen ist und welche Einflüsse die Bildung der Algen möglicherweise begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Blaualgen (Mikrocystis aeroginosa) ist in stehenden Gewässern besonders hoch. Gefährdet sind Seen mit einem hohen Phosphatgehalt. Kommen dann wenig Niederschlag und dauerhaft hohe Temperaturen hinzu, vermehren sich die Algen rasant. Noch sei nicht klar, welche Einflüsse auf den Badesee Lahde einwirken, sagte Evelyn Hotze von der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus den Mitgliedern des Fachausschusses.

Mögliche Faktoren seien die Landwirtschaft, Tiere und Pflanzen, die Witterung, das Grundwasser und mehr. „Wir müssen zuallererst die Situation kennen, um über weitere Maßnahmen nachzudenken“, sagte sie und warnte vor blindem Aktionismus. Eine sogenannte limnologische Untersuchung koste zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Auf ihrer Basis könne das weitere Vorgehen entschieden werden. „Am Ende müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit dem Befund umgehen.“

Eine Möglichkeit der Gewässerreinigung sei die chemische Phosphatfällung, die rund 50.000 Euro koste. Dabei wird durch Zugabe von Eisensalzen das Phosphat ausgesondert. Andere denkbare Mittel sind das Anpflanzen eines Schilfgürtels, Mähaktionen, Ultraschalleinsatz, neuer Fischbesatz oder Duschen, damit keine Sonnencreme in den See gelange. „Es können viele Faktoren zusammen kommen. Eine Bestandsgarantie gibt es nicht“, sagte Hotze.

Hermann Humcke (CDU) fragte nach den Konsequenzen eines Gutachtens. „Wir müssen uns im Klaren sein, ob wir uns eine wie auch immer geartete Maßnahme überhaupt leisten können.“ Er sprach sich wie die anderen Politiker dafür aus, Angebote von Fachfirmen einzuholen. Wiederhole sich die Blaualgen-Problematik in den kommenden Jahren, könne der See im schlimmsten Fall kippen, machte Evelyn Hotze deutlich. „Und dann ist es kein Badesee mehr.“

Das Badeverbot wegen Blaualgen verhängte der Kreis Minden-Lübbecke am 23. Juli. Sie waren mit bloßem Auge als schmieriger Schaum erkennbar. Sie können Hautreizungen verursachen und beim Verschlucken zu Erbrechen und Durchfall führen. Das Umweltamt des Kreises überwacht seitdem wöchentlich die Wasserqualität. Das Verbot bleibt solange bestehen, bis die Behörden grünes Licht geben – was bisher nicht der Fall war. Die reguläre Prüfung, die alle zwei Wochen stattfindet, kostet zwischen 85 bis 95 Euro und fand elfmal statt. Mit 265 Euro ist die Probennahme bei Blaualgen, die neunmal gemacht wurde, wesentlich teurer. Dafür fielen bisher Kosten von rund 2.500 Euro an, die Verwaltung rechnet bis zur endgültigen Freigabe mit Kosten in Höhe von 4.000 Euro.

Einbußen wegen der Blaualgen hatte auch die Gastronomie am Badesee. Die Verluste konnten nur mit dem zweiten Standbein im Bückeburger Bergbad ausgeglichen werden, sagte Pächter Alexander von Eye beim Ortstermin. Damit die Gastronomie weiter zukunftsfähig sei, wären Investitionen in die Technik notwendig. Er rechnet mit Kosten von 20.000 bis 30.000 Euro, um die Ausstattung aus dem Gründungsjahr 1989 auf einen guten Stand zu bringen. Diese Investition in eine moderne Küche würde hinfällig, falls die Entscheidung gegen eine mutmaßliche teure Rettungsmaßnahme des Sees fällt, gab es Stimmen im Ausschuss. Angebote sollten dennoch eingeholt werden, warb Bürgermeister Dieter Blume (CDU). Die Politiker beschlossen schließlich, solche auch zu akquirieren.

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Nicht gleich aufgeben

Kommentar von Claudia Hyna

Es ist eine gute Entscheidung der Politik, Angebote von Fachinstituten einzuholen. Alles andere würde bedeuten, den Lahder Badesee von vorneherein aufzugeben. Und der ist immerhin eine touristische Institution – für die sogar Gäste aus Hannover und Bielefeld anreisen. Mit dem Beschlussvorschlag bleibt das Vorgehen in der Sache völlig offen. Es ist zu hoffen, dass das Gegensteuern am Ende nicht so teuer wird, wie momentan die meisten befürchten. Vielleicht können simple Schritte den See blaualgenfrei halten. Für die Zwischenzeit heißt es abwarten – und sich selbst zu fragen, ob der eigene Beitrag für den Klimaschutz ausreicht.

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