Zeit der Begegnungen: Dieter Blume und die Jahre als Bürgermeister in Petershagen Oliver Plöger Petershagen. Ein Foto am Schreibtisch? „Nicht schon wieder“, sagt Dieter Blume und wählt selbst ein Hintergrundmotiv aus. Er zeigt auf das Bild von Marianne Korbien-Braun. „Begegnung“ heißt es – und es zeigt die menschliche Nähe untereinander. Die sei ihm immer wichtig gewesen. „Das Bild“, so sagt er, „hat mich über all die Jahre begleitet.“ Schon während seiner Dienstzeit in der Bad Oeynhausener Verwaltung, dann auch als Kämmerer und Erster Beigeordneter in Petershagen. Somit hängt das Bild also seit fast 14 Jahren in Lahde, die meiste Zeit im Büro des Bürgermeisters. Am 26. Oktober 2009 ist der Christdemokrat Dieter Blume das erste Mal vom Rat vereidigt worden, die Wähler hatten zuvor mit 45,9 Prozent für den Letelner gestimmt. Nach zwei Legislaturperioden hat er sich bei der letzten Wahl nicht noch einmal aufstellen lassen. Und jetzt? Eigentlich wollte er kein öffentliches Bilanzgespräch führen, aber der zu Ende gehende Lebensabschnitt sei sehr wichtig gewesen – eben wegen der Begegnungen, den wertvollen Gesprächen, den unzähligen Wochenenden bei den „wunderbaren und vielfältigen Veranstaltungen“, wie Blume sagt: Erntefeste, Schützenfeste, Feuerwehrfeste, all das. Einerseits habe er es sehr bedauert, dass es diese Veranstaltungen wegen Corona nicht mehr gibt, andererseits sei das eine gute Einstimmung auf den jetzt beginnenden Ruhestand gewesen. Dieter Blume freut sich auf Familie, Heim und Garten, wie er sagt. Dass Blume zwischendurch wegen seiner Herkunft als „Nicht-Petershäger“ kritisiert wurde, lässt ihn heute schmunzeln. Leteln, so sagt er, sei früher ein Dorf im Amt Windheim zu Lahde gewesen, außerdem habe er immer Kontakt nach Petershagen gepflegt – allein durch die Musik. Über die Kirche war er ans Trompetenspiel gekommen, spielte als Jugendlicher im Feuerwehrmusikzug Wietersheim-Leteln und erinnert sich, als 14-Jähriger auf einem Ponton auf dem Badesee in Lahde geblasen zu haben. Wenn es ihn nicht in die Verwaltung getrieben hätte, hätte er ein Musikstudium in Detmold aufgenommen: „Ich habe extra noch Klavier gelernt, irgendwann aber gemerkt: Das ist es dann doch nicht.“ Lieber spielte er auf einer anderen Klaviatur. Dass auch in seiner Dienstzeit nicht alles eitel Sonnenschein war, ist ihm bewusst. Es sei eine Zeit zwischen den Krisen gewesen: Finanzkrise damals, heute Coronakrise. Wegen fehlender Finanzen habe es „unpopuläre Maßnahmen“ wie Steuererhöhungen, höhere Beiträge und schmerzhafte Kürzungen geben müssen. Ihm sei es aber immer wichtig gewesen, die Kommune handlungsfähig zu halten – ohne fremdbestimmende Haushaltssicherung. Er habe immer mit allen Fraktionen geredet, 90 Prozent aller Beschlüsse seien einstimmig gefallen. Knackpunkte gab es viele: Lange und aufreibend sei es um die mögliche Ansiedlung einer Gleisschotteranlage in Lahde gegangen. Zuletzt hatte die Stadt das Gelände gekauft und muss nun selbst zusehen, wie es hier weitergeht. Erschrocken und frustriert habe ihn das Thema Ahnenstätte in Seelenfeld. Zeitweise sei das ganze Dorf über einen Kamm geschoren, die Leute dort in die rechte Ecke gestellt worden. „Das haben die Bürger nicht verdient.“ Dass es „ewig Gestrige“ gebe, sei ein Problem. Aber, so Blume: „Man muss sich der Diskussion stellen.“ Genau das sei ja auch nach wie vor geplant. Auf jeden Fall werde es eine öffentliche Veranstaltung geben, sobald es die Corona-Lage zulasse. Und dann gebe es einen Prozess, der ihn unglaublich nervt: die Digitalisierung. „Da sind etwa die Schülerinnen und Schüler. Denen kann man i-Pads zur Verfügung stellen, zuhause ist dann aber die Frage. Was stelle ich damit an?“ Blume gibt – nicht ganz ernst gemeint – selbst die Antwort: „Zwiebeln schneiden?“ Hier müsse die Stadt dringend vorankommen, auch für die ansässigen Unternehmen. Auch die ärztliche Versorgung ist und bleibt ein Thema, wie er sagt. Wer will unter welchen Voraussetzungen auf dem Land praktizieren? Um voranzukommen, habe die Verwaltung eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen: „Was rauskommt, muss man sehen.“ Dass es in Petershagen in Sachen Mobilität noch schiefe Töne gibt, ist ihm bewusst. Die sei im ländlichen Raum eben eine besondere Herausforderung. Die Feuerwehr übrigens auch. Auf die ist Dieter Blume stolz. Die Freiwillige Wehr sei – auch was die Gerätehäuser angehe und die Ausstattung – auf einem sehr guten Weg. Bei der Kinderfeuerwehr sei Petershagen heute NRW-weit sogar spitze. Was nach wie vor fehle und was er gerne in seiner Dienstzeit mit ins Leben gerufen hätte, ist ein Jugendbeirat: „Wir hatten zwei Anläufe, geklappt hat es nie.“ Vielleicht passten die Konzepte nicht, vielleicht war das Interesse dann doch zu gering. Dabei sei ihm der Themenkomplex „Jugend in der Politik“ wichtig: Den Besuch von Landtagspräsident André Kuper (CDU) in der Sekundarschule 2018 hält Dieter Blume für eines der Highlights seiner Dienstzeit. Ebenso den von Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) in der Alten Synagoge im Jahr zuvor, außerdem die vom Land geförderte Mehrzweckhalle in Lahde. Unvergessen bleibe auch der Neubau der Sekundarschule, die Schulentwicklung generell oder der von ihm vorangetriebene Beitritt Petershagens in den Mittelwesertourismus. „Vernetzung“, sagt Blume, „ist wichtig – auch und gerade über die Kreisgrenzen hinaus.“ Besonderheiten seiner Dienstzeit seien die Bürgerbeteiligungen in den kommunalen Entwicklungskonzepten und bei der Rahmenplanung für die Ortsteile Petershagen und Lahde gewesen. Eine große Aufgabe auch für seinen Nachfolger Dirk Breves (CDU). Für den bereitet Blume derzeit eine gute Übergabe vor – nach ihm die Sintflut, so denke er nicht. Jetzt habe er sich aber für seine Familie entschieden. „Da habe ich unbedingten Nachholbedarf.“ Seiner Frau Claudia, die ihn besonders an den Wochenenden immer begleitet hat, ist er sehr dankbar: „Sie hat mindestens 50 Prozent Anteil am Erfolg.“ Außerdem will er „kleine weiße Bälle in viel zu kleine Löcher auf perfekt gemähtem Rasen“ schlagen, freut sich auf die Besuche bei den Kindern und Enkelsohn Karl und will – „das muss sein“ – sein Engagement im Rotary-Club verstärken. Ja, es gebe ein paar Anfragen. „Und ich werde im kommenden Jahr entscheiden, ob mich irgendetwas davon besonders ansprechen könnte. Ich will aber nicht, dass ein viel zu voller Terminkalender das Leben von Claudia und mir bestimmt.“ Alles habe seine Zeit – und die 14 Jahre in Petershagen möchte Dieter Blume nicht missen. Bürgermeister sei seine Berufung gewesen, ausfüllend und schön. Am 31. Oktober wird der 59-Jährige noch einmal in der Verwaltung feiern: das vierzigste Dienstjahr. Er wird seinem Nachfolger für die vertrauensvolle Zusammenarbeit danken, auch seinen „stets motivierten Mitarbeitern“. Dann beginnt die neue Zeit. Und das Bild von Marianne Korbien-Braun nimmt er mit.

Zeit der Begegnungen: Dieter Blume und die Jahre als Bürgermeister in Petershagen

Freut sich auf die neue Zeit: Dieter Blume will sich endlich verstärkt der Familie widmen. Das Bild im Hintergrund hat für den 59-Jährigen eine große Bedeutung. © MT-Foto: Oliver Plöger

Petershagen. Ein Foto am Schreibtisch? „Nicht schon wieder“, sagt Dieter Blume und wählt selbst ein Hintergrundmotiv aus. Er zeigt auf das Bild von Marianne Korbien-Braun. „Begegnung“ heißt es – und es zeigt die menschliche Nähe untereinander. Die sei ihm immer wichtig gewesen. „Das Bild“, so sagt er, „hat mich über all die Jahre begleitet.“ Schon während seiner Dienstzeit in der Bad Oeynhausener Verwaltung, dann auch als Kämmerer und Erster Beigeordneter in Petershagen. Somit hängt das Bild also seit fast 14 Jahren in Lahde, die meiste Zeit im Büro des Bürgermeisters. Am 26. Oktober 2009 ist der Christdemokrat Dieter Blume das erste Mal vom Rat vereidigt worden, die Wähler hatten zuvor mit 45,9 Prozent für den Letelner gestimmt. Nach zwei Legislaturperioden hat er sich bei der letzten Wahl nicht noch einmal aufstellen lassen.

Und jetzt? Eigentlich wollte er kein öffentliches Bilanzgespräch führen, aber der zu Ende gehende Lebensabschnitt sei sehr wichtig gewesen – eben wegen der Begegnungen, den wertvollen Gesprächen, den unzähligen Wochenenden bei den „wunderbaren und vielfältigen Veranstaltungen“, wie Blume sagt: Erntefeste, Schützenfeste, Feuerwehrfeste, all das. Einerseits habe er es sehr bedauert, dass es diese Veranstaltungen wegen Corona nicht mehr gibt, andererseits sei das eine gute Einstimmung auf den jetzt beginnenden Ruhestand gewesen. Dieter Blume freut sich auf Familie, Heim und Garten, wie er sagt.

Dass Blume zwischendurch wegen seiner Herkunft als „Nicht-Petershäger“ kritisiert wurde, lässt ihn heute schmunzeln. Leteln, so sagt er, sei früher ein Dorf im Amt Windheim zu Lahde gewesen, außerdem habe er immer Kontakt nach Petershagen gepflegt – allein durch die Musik. Über die Kirche war er ans Trompetenspiel gekommen, spielte als Jugendlicher im Feuerwehrmusikzug Wietersheim-Leteln und erinnert sich, als 14-Jähriger auf einem Ponton auf dem Badesee in Lahde geblasen zu haben. Wenn es ihn nicht in die Verwaltung getrieben hätte, hätte er ein Musikstudium in Detmold aufgenommen: „Ich habe extra noch Klavier gelernt, irgendwann aber gemerkt: Das ist es dann doch nicht.“ Lieber spielte er auf einer anderen Klaviatur.

Dass auch in seiner Dienstzeit nicht alles eitel Sonnenschein war, ist ihm bewusst. Es sei eine Zeit zwischen den Krisen gewesen: Finanzkrise damals, heute Coronakrise. Wegen fehlender Finanzen habe es „unpopuläre Maßnahmen“ wie Steuererhöhungen, höhere Beiträge und schmerzhafte Kürzungen geben müssen. Ihm sei es aber immer wichtig gewesen, die Kommune handlungsfähig zu halten – ohne fremdbestimmende Haushaltssicherung. Er habe immer mit allen Fraktionen geredet, 90 Prozent aller Beschlüsse seien einstimmig gefallen.

Knackpunkte gab es viele: Lange und aufreibend sei es um die mögliche Ansiedlung einer Gleisschotteranlage in Lahde gegangen. Zuletzt hatte die Stadt das Gelände gekauft und muss nun selbst zusehen, wie es hier weitergeht.

Erschrocken und frustriert habe ihn das Thema Ahnenstätte in Seelenfeld. Zeitweise sei das ganze Dorf über einen Kamm geschoren, die Leute dort in die rechte Ecke gestellt worden. „Das haben die Bürger nicht verdient.“ Dass es „ewig Gestrige“ gebe, sei ein Problem. Aber, so Blume: „Man muss sich der Diskussion stellen.“ Genau das sei ja auch nach wie vor geplant. Auf jeden Fall werde es eine öffentliche Veranstaltung geben, sobald es die Corona-Lage zulasse.

Und dann gebe es einen Prozess, der ihn unglaublich nervt: die Digitalisierung. „Da sind etwa die Schülerinnen und Schüler. Denen kann man i-Pads zur Verfügung stellen, zuhause ist dann aber die Frage. Was stelle ich damit an?“ Blume gibt – nicht ganz ernst gemeint – selbst die Antwort: „Zwiebeln schneiden?“ Hier müsse die Stadt dringend vorankommen, auch für die ansässigen Unternehmen.

Auch die ärztliche Versorgung ist und bleibt ein Thema, wie er sagt. Wer will unter welchen Voraussetzungen auf dem Land praktizieren? Um voranzukommen, habe die Verwaltung eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen: „Was rauskommt, muss man sehen.“

Dass es in Petershagen in Sachen Mobilität noch schiefe Töne gibt, ist ihm bewusst. Die sei im ländlichen Raum eben eine besondere Herausforderung. Die Feuerwehr übrigens auch. Auf die ist Dieter Blume stolz. Die Freiwillige Wehr sei – auch was die Gerätehäuser angehe und die Ausstattung – auf einem sehr guten Weg. Bei der Kinderfeuerwehr sei Petershagen heute NRW-weit sogar spitze.

Was nach wie vor fehle und was er gerne in seiner Dienstzeit mit ins Leben gerufen hätte, ist ein Jugendbeirat: „Wir hatten zwei Anläufe, geklappt hat es nie.“ Vielleicht passten die Konzepte nicht, vielleicht war das Interesse dann doch zu gering. Dabei sei ihm der Themenkomplex „Jugend in der Politik“ wichtig: Den Besuch von Landtagspräsident André Kuper (CDU) in der Sekundarschule 2018 hält Dieter Blume für eines der Highlights seiner Dienstzeit. Ebenso den von Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) in der Alten Synagoge im Jahr zuvor, außerdem die vom Land geförderte Mehrzweckhalle in Lahde. Unvergessen bleibe auch der Neubau der Sekundarschule, die Schulentwicklung generell oder der von ihm vorangetriebene Beitritt Petershagens in den Mittelwesertourismus. „Vernetzung“, sagt Blume, „ist wichtig – auch und gerade über die Kreisgrenzen hinaus.“

Besonderheiten seiner Dienstzeit seien die Bürgerbeteiligungen in den kommunalen Entwicklungskonzepten und bei der Rahmenplanung für die Ortsteile Petershagen und Lahde gewesen. Eine große Aufgabe auch für seinen Nachfolger Dirk Breves (CDU).

Für den bereitet Blume derzeit eine gute Übergabe vor – nach ihm die Sintflut, so denke er nicht. Jetzt habe er sich aber für seine Familie entschieden. „Da habe ich unbedingten Nachholbedarf.“ Seiner Frau Claudia, die ihn besonders an den Wochenenden immer begleitet hat, ist er sehr dankbar: „Sie hat mindestens 50 Prozent Anteil am Erfolg.“

Außerdem will er „kleine weiße Bälle in viel zu kleine Löcher auf perfekt gemähtem Rasen“ schlagen, freut sich auf die Besuche bei den Kindern und Enkelsohn Karl und will – „das muss sein“ – sein Engagement im Rotary-Club verstärken. Ja, es gebe ein paar Anfragen. „Und ich werde im kommenden Jahr entscheiden, ob mich irgendetwas davon besonders ansprechen könnte. Ich will aber nicht, dass ein viel zu voller Terminkalender das Leben von Claudia und mir bestimmt.“ Alles habe seine Zeit – und die 14 Jahre in Petershagen möchte Dieter Blume nicht missen. Bürgermeister sei seine Berufung gewesen, ausfüllend und schön.

Am 31. Oktober wird der 59-Jährige noch einmal in der Verwaltung feiern: das vierzigste Dienstjahr. Er wird seinem Nachfolger für die vertrauensvolle Zusammenarbeit danken, auch seinen „stets motivierten Mitarbeitern“. Dann beginnt die neue Zeit. Und das Bild von Marianne Korbien-Braun nimmt er mit.

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