Weser-Schwimmer mit Mission Claudia Hyna Petershagen. Beruhigend und gleichzeitig aufregend sei es gewesen, sagt Tobias Prüßner über seine Aktion Weserschwimmen. Schließlich hätten er und seine Sportpartnerin Tina Deeked nie gewusst, was hinter der nächsten Biegung auf sie wartet. In drei Etappen schwammen die beiden knapp 100 Kilometer die Weser stromabwärts – nicht unter Wettbewerbsgesichtspunkten, sondern um auf die Weserversalzung aufmerksam zu machen. Tobias Prüßner (41) aus Lage schwimmt seit seiner Kindheit, war meist im Verein aktiv. Das Freiwasser entdeckte der Physiotherapeut vor knapp 20 Jahren für sich. In den Folgejahren absolvierte er einige Triathlons. Regelmäßig ist er ganzjährig – im Neoprenanzug – in der Weser bei Bad Oeynhausen oder Rinteln oder in anderen Gewässern Ostwestfalens unterwegs. Dabei beachte er auch den Zustand des Flusses. Vorbereitet habe er sich daher nicht auf das Triple, seine normale Fitness hätte genügt. Die erste Etappe führte Prüßner und Deeked von Rinteln bis Minden (42 Kilometer), die zweite von Hameln nach Rinteln (28) und die letzte von der Rühler Schweiz bis Hameln (24). Landschaftlich besonders schön sei es zwischen Vlotho und Minden gewesen, aber auch die Klippen des Weserberglandes hatten ihren Reiz. Dort hätten sie zudem kaum einen Menschen gesehen. Beeindruckend fand er es, das Atomkraftwerk Grohnde vom Wasser aus zu passieren. Am meisten los war auf dem dritten Abschnitt, dort hätten einige Leute sie mit dem Handy gefilmt. „Teilweise bildeten sich sogar Menschentrauben“, beschreibt er. Alle hätten positiv auf die beiden reagiert. Bei der ersten Etappe verbrachten sie 6.15 Stunden im Wasser, die zweite war 5.45 Stunden lang, die letzte dann noch einmal 4.15 Stunden. Ernährt haben sich Prüßner und Deeked in den Pausen zum einen von hochkalorischer Sportlernahrung, aber auch von Müsliriegeln und Crackern. Fällt man nach einer solchen Anstrengung wie ein Stein ins Bett? Tatsächlich habe er in der Nacht nach der langen Zeit im Wasser nicht so gut geschlafen. „Da war ich wohl zu aufgekratzt.“ In der übernächsten Nacht hätte es dann umso besser geklappt, so der Physiotherapeut. Mit Leuchtbojen machen die beiden Schwimmer auf sich aufmerksam. Dennoch habe es einmal beinahe einen Zusammenstoß mit einem Wasserskifahrer gegeben. „Der hat uns wohl nicht gesehen“, sagt der 41-Jährige. Oberhalb von Rinteln gab es eine Begegnung mit drei Kiesfrachtern, da hätten sie an den Rand schwimmen müssen. Bei den Seilfähren über die Weser sei es darum gegangen, den exakt richtigen Zeitpunkt abzupassen. Ansonsten sei es zu keinen gefährlichen Situationen gekommen. Die Aktion sei schon länger geplant gewesen. Coronabedingt seien dann zeitweise keine Wettkämpfe möglich gewesen und Prüßner suchte nach Alternativen. Einen Anreiz habe ihm der deutsche Extremschwimmer André Wiersig gegeben. Dieser hat bis 2019 die sieben berühmtesten Meerengen durchschwommen, die sogenannten Ocean’s Seven. Dabei traf er nicht nur viele Fische, sondern leider auch jede Menge Plastikmüll. In der Folge wurde er zum Botschafter der Ozeane und der Deutschen Meeresstiftung. Prüßner kannte die Aktion des Flussbadetags „Big Jump“, der auch in Petershagen stattfindet. Dabei setzen sich die Teilnehmer für lebendige und saubere Flüsse in Europa ein. Weil sie mit ihrem Schwimmen gerne etwas bewegen möchten, planen die beiden im Herbst noch mehr Abschnitte auf der Weser, um den Naturschutzbund zu unterstützen. Dabei möchten sie künftig ein Schild mitführen. In Zukunft wollen er und seine Schwimmpartnerin, die aus Hannover kommt, darüber hinaus weitere Etappen von der Quelle in Hann. Münden bis zur Rühler Schweiz schwimmen. Diese rund 103 Kilometer gehen sie im nächsten Jahr an, damit durchqueren sie den schwimmbaren Teil der Weser. Das sei für sie auch eine sportliche Herausforderung – und natürlich das besondere Naturerlebnis. Durch Petershagen selbst seien sie noch nicht geschwommen, weil das Schwimmen hinter der Schleuse in Minden aufgrund der Industrieschifffahrt mehr Aufmerksamkeit und Planung verlange. Bisher kennen sie den Bereich nicht, daher müsse das gut geplant werden. Aufgeschoben ist aber nicht aufhoben.

Weser-Schwimmer mit Mission

Tobias Prüßner und seine Schwimmpartnerin schwammen durch landschaftlich schöne Strecken und sahen teilweise kaum Menschen. Foto: privat © privat

Petershagen. Beruhigend und gleichzeitig aufregend sei es gewesen, sagt Tobias Prüßner über seine Aktion Weserschwimmen. Schließlich hätten er und seine Sportpartnerin Tina Deeked nie gewusst, was hinter der nächsten Biegung auf sie wartet. In drei Etappen schwammen die beiden knapp 100 Kilometer die Weser stromabwärts – nicht unter Wettbewerbsgesichtspunkten, sondern um auf die Weserversalzung aufmerksam zu machen.

Tobias Prüßner (41) aus Lage schwimmt seit seiner Kindheit, war meist im Verein aktiv. Das Freiwasser entdeckte der Physiotherapeut vor knapp 20 Jahren für sich. In den Folgejahren absolvierte er einige Triathlons. Regelmäßig ist er ganzjährig – im Neoprenanzug – in der Weser bei Bad Oeynhausen oder Rinteln oder in anderen Gewässern Ostwestfalens unterwegs. Dabei beachte er auch den Zustand des Flusses. Vorbereitet habe er sich daher nicht auf das Triple, seine normale Fitness hätte genügt.

Fotos: privat - © pirvat
Fotos: privat - © pirvat

Die erste Etappe führte Prüßner und Deeked von Rinteln bis Minden (42 Kilometer), die zweite von Hameln nach Rinteln (28) und die letzte von der Rühler Schweiz bis Hameln (24). Landschaftlich besonders schön sei es zwischen Vlotho und Minden gewesen, aber auch die Klippen des Weserberglandes hatten ihren Reiz. Dort hätten sie zudem kaum einen Menschen gesehen. Beeindruckend fand er es, das Atomkraftwerk Grohnde vom Wasser aus zu passieren. Am meisten los war auf dem dritten Abschnitt, dort hätten einige Leute sie mit dem Handy gefilmt. „Teilweise bildeten sich sogar Menschentrauben“, beschreibt er. Alle hätten positiv auf die beiden reagiert.

Bei der ersten Etappe verbrachten sie 6.15 Stunden im Wasser, die zweite war 5.45 Stunden lang, die letzte dann noch einmal 4.15 Stunden. Ernährt haben sich Prüßner und Deeked in den Pausen zum einen von hochkalorischer Sportlernahrung, aber auch von Müsliriegeln und Crackern. Fällt man nach einer solchen Anstrengung wie ein Stein ins Bett? Tatsächlich habe er in der Nacht nach der langen Zeit im Wasser nicht so gut geschlafen. „Da war ich wohl zu aufgekratzt.“ In der übernächsten Nacht hätte es dann umso besser geklappt, so der Physiotherapeut.

Mit Leuchtbojen machen die beiden Schwimmer auf sich aufmerksam. Dennoch habe es einmal beinahe einen Zusammenstoß mit einem Wasserskifahrer gegeben. „Der hat uns wohl nicht gesehen“, sagt der 41-Jährige. Oberhalb von Rinteln gab es eine Begegnung mit drei Kiesfrachtern, da hätten sie an den Rand schwimmen müssen. Bei den Seilfähren über die Weser sei es darum gegangen, den exakt richtigen Zeitpunkt abzupassen. Ansonsten sei es zu keinen gefährlichen Situationen gekommen.

Die Aktion sei schon länger geplant gewesen. Coronabedingt seien dann zeitweise keine Wettkämpfe möglich gewesen und Prüßner suchte nach Alternativen. Einen Anreiz habe ihm der deutsche Extremschwimmer André Wiersig gegeben. Dieser hat bis 2019 die sieben berühmtesten Meerengen durchschwommen, die sogenannten Ocean’s Seven. Dabei traf er nicht nur viele Fische, sondern leider auch jede Menge Plastikmüll. In der Folge wurde er zum Botschafter der Ozeane und der Deutschen Meeresstiftung. Prüßner kannte die Aktion des Flussbadetags „Big Jump“, der auch in Petershagen stattfindet. Dabei setzen sich die Teilnehmer für lebendige und saubere Flüsse in Europa ein.

Weil sie mit ihrem Schwimmen gerne etwas bewegen möchten, planen die beiden im Herbst noch mehr Abschnitte auf der Weser, um den Naturschutzbund zu unterstützen. Dabei möchten sie künftig ein Schild mitführen. In Zukunft wollen er und seine Schwimmpartnerin, die aus Hannover kommt, darüber hinaus weitere Etappen von der Quelle in Hann. Münden bis zur Rühler Schweiz schwimmen.

Diese rund 103 Kilometer gehen sie im nächsten Jahr an, damit durchqueren sie den schwimmbaren Teil der Weser. Das sei für sie auch eine sportliche Herausforderung – und natürlich das besondere Naturerlebnis. Durch Petershagen selbst seien sie noch nicht geschwommen, weil das Schwimmen hinter der Schleuse in Minden aufgrund der Industrieschifffahrt mehr Aufmerksamkeit und Planung verlange. Bisher kennen sie den Bereich nicht, daher müsse das gut geplant werden. Aufgeschoben ist aber nicht aufhoben.

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