Wenn niemand öffnet: Probleme beim Stromzähler-Tausch sollen Petershäger 5.000 Euro kosten Stefan Koch Petershagen-Neuenknick. Weil es Technikern eines Serviceunternehmens nicht gelungen ist, den Bewohner eines Anwesens in Neuenknick zum Auswechseln seines Stromzählers zu erreichen, klagt Westfalen Weser das Zutrittsrecht vor dem Amtsgericht Minden ein. Der Betroffene verweist dagegen auf eine Tafel am Eingang seines Hofes mit Kontaktdaten, über die er jederzeit hätte erreicht werden können – und niemals hätte er das Auswechseln des Zählers verweigert. Jetzt soll ein Anwalt die gegen ihn erhobenen Forderungen abwenden. Es geht um mehrere Tausend Euro. „Ich bin derzeit oft in Köln tätig und deshalb nur selten vor Ort erreichbar“, sagt der freiberufliche Mediengestalter zu den Gründen seiner Nichterreichbarkeit. Seit acht Jahren wohne er auf einem ehemaligen Bauernhof in Neuenknick. Je nach Auftragslage könne er sich nur wenige Tage bis zu einer Woche an seinem Wohnort aufhalten. „Schnelles Internet, das ich für meinen Beruf brauche, gibt es hier nämlich nicht.“ Probleme mit Servicekräften habe er bislang nicht gehabt. Der Schornsteinfeger rufe ihn an, um einen Termin zu vereinbaren. Den Stand auf dem Wasser- und Stromzähler gebe er am Jahresende telefonisch durch. Doch als Westfalen Weser über ein Partnerunternehmen den Stromzähler auswechseln wollte, kamen die Probleme. So fand der Mediengestalter im März in seinem Briefkasten ein Schreiben von Westfalen Weser vor, wonach es mehrfach nicht gelungen sei, einen Termin für den Austausch zu vereinbaren. Er wurde aufgefordert, am 29. April oder 5. Mai dafür zu sorgen, dass ein Servicemitarbeiter Zutritt erhält, andernfalls müsse er mit gerichtlichen Schritten rechnen.„Im April wollte ich vor Ort sein, musste aber wegen einem Kollegen kurzfristig einspringen“, sagt der Mediengestalter. Im Mai habe er dann den Sohn vom Kindergarten abgeholt und den Techniker offenbar verpasst. Später habe er nicht mehr daran gedacht – bis ihm das Mindener Amtsgericht Ende September die Klageschrift für das Zutrittsrecht zum Zählerwechsel mit einem Gegenstandswert in Höhe von 5.000 Euro zustellte. „Am Eingangstor von meinem Grundstück hängt seit Jahren ein Schild mit meiner Handynummer, über die ich jederzeit erreichbar bin“, wendet der Mediengestalter ein, der den Aufwand nicht versteht. „Man hätte mich nur anrufen brauchen.“ Nachdem der Neuenknicker die Klageschrift erhalten hatte, schrieb er vergebens das Gericht an, um das Verfahren zu stoppen. Die von Westfalen Weser beauftragte Anwaltskanzlei verlangte von ihm nicht nur das Zutrittsrecht, sondern auch, dass er die Klageforderung anerkennt. Weil der Beklagte damit die Kosten des Rechtsstreites tragen müsste, schaltete er im Oktober ebenfalls einen Anwalt ein, damit dieser den Anspruch abweist. Das Verfahren läuft seitdem.Warum der Gang vor Gericht? „Wenn ein Kunde den Zutritt zum Haus oder zur Wohnung zum Zählerwechsel mehrfach verweigert, ist Westfalen Weser letztendlich gezwungen, vor Gericht ein Zutrittsrecht einzuklagen, da sowohl der Gesetzgeber wie auch die Bundesnetzagentur und die Landeseichbehörde als zuständige Aufsichtsorgane auf die Einhaltung der gesetzlichen Pflichten des Messstellenbetreibers bestehen“, erklärt die Pressestelle von Westfalen Weser, ohne sich damit auf den konkreten Rechtsstreit zu beziehen. „Wenn das Zutrittsrecht vom zuständigen Gericht gewährt wird, wird ein Gerichtsvollzieher versuchen dies durchzusetzen.“ Wie die Pressestelle weiter mitteilt, hat Westfalen Weser über 700.000 Stromzähler im Netzgebiet. Seit Beginn 2018 baut das Unternehmen moderne Messeinrichtungen in alle Neubauten ein. Darüber hinaus werden die Zähler ausgetauscht, deren Eichfrist abläuft. Standardmäßig wird der mechanische Ferrariszähler durch einen modernen elektronischen Zähler ausgetauscht. Grundlage für den Einbau digitaler Zähler ist das auf einer EU-Richtlinie basierende und vom Bundestag im September 2016 beschlossene Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Dieses Gesetz sieht massive Änderungen für den deutschen Energiemarkt vor. Dazu gehört auch die flächendeckende Einführung neuer Zählertechnik in ganz Deutschland. Im Gegensatz zu konventionellen Zählern kann eine moderne Messeinrichtung neben dem aktuellen Stromverbrauch auch die tages-, wochen-, monats- und jahresbezogenen Stromverbrauchswerte der letzten 24 Monate speichern und anzeigen. Die moderne Messeinrichtung hat keine Sendeeinheit, wird weiterhin vor Ort abgelesen und überträgt keine Daten nach außen.Laut Westfalen Weser beläuft sich die Zahl der Zählerwechsel jährlich im hohen fünfstelligen Bereich. 99,5 Prozent dieser Gerätebewegungen können reibungslos durchgeführt werden. Bei den notwendigen Zutrittsklagen liege die Erfolgsquote des Unternehmens vor den Gerichten bei 98 Prozent.

Wenn niemand öffnet: Probleme beim Stromzähler-Tausch sollen Petershäger 5.000 Euro kosten

Am Eingang seines Grundstücks hat der Neuenknicker seine Kontaktdaten auf einem Schild angegeben. Sie wurden auf dem MT-Foto nachträglich unkenntlich gemacht, um Missbrauch zu verhindern. MT-Foto: Stefan Koch

Petershagen-Neuenknick. Weil es Technikern eines Serviceunternehmens nicht gelungen ist, den Bewohner eines Anwesens in Neuenknick zum Auswechseln seines Stromzählers zu erreichen, klagt Westfalen Weser das Zutrittsrecht vor dem Amtsgericht Minden ein. Der Betroffene verweist dagegen auf eine Tafel am Eingang seines Hofes mit Kontaktdaten, über die er jederzeit hätte erreicht werden können – und niemals hätte er das Auswechseln des Zählers verweigert. Jetzt soll ein Anwalt die gegen ihn erhobenen Forderungen abwenden. Es geht um mehrere Tausend Euro.

„Ich bin derzeit oft in Köln tätig und deshalb nur selten vor Ort erreichbar“, sagt der freiberufliche Mediengestalter zu den Gründen seiner Nichterreichbarkeit. Seit acht Jahren wohne er auf einem ehemaligen Bauernhof in Neuenknick. Je nach Auftragslage könne er sich nur wenige Tage bis zu einer Woche an seinem Wohnort aufhalten. „Schnelles Internet, das ich für meinen Beruf brauche, gibt es hier nämlich nicht.“

Probleme mit Servicekräften habe er bislang nicht gehabt. Der Schornsteinfeger rufe ihn an, um einen Termin zu vereinbaren. Den Stand auf dem Wasser- und Stromzähler gebe er am Jahresende telefonisch durch. Doch als Westfalen Weser über ein Partnerunternehmen den Stromzähler auswechseln wollte, kamen die Probleme.

So fand der Mediengestalter im März in seinem Briefkasten ein Schreiben von Westfalen Weser vor, wonach es mehrfach nicht gelungen sei, einen Termin für den Austausch zu vereinbaren. Er wurde aufgefordert, am 29. April oder 5. Mai dafür zu sorgen, dass ein Servicemitarbeiter Zutritt erhält, andernfalls müsse er mit gerichtlichen Schritten rechnen.

„Im April wollte ich vor Ort sein, musste aber wegen einem Kollegen kurzfristig einspringen“, sagt der Mediengestalter. Im Mai habe er dann den Sohn vom Kindergarten abgeholt und den Techniker offenbar verpasst. Später habe er nicht mehr daran gedacht – bis ihm das Mindener Amtsgericht Ende September die Klageschrift für das Zutrittsrecht zum Zählerwechsel mit einem Gegenstandswert in Höhe von 5.000 Euro zustellte. „Am Eingangstor von meinem Grundstück hängt seit Jahren ein Schild mit meiner Handynummer, über die ich jederzeit erreichbar bin“, wendet der Mediengestalter ein, der den Aufwand nicht versteht. „Man hätte mich nur anrufen brauchen.“

Nachdem der Neuenknicker die Klageschrift erhalten hatte, schrieb er vergebens das Gericht an, um das Verfahren zu stoppen. Die von Westfalen Weser beauftragte Anwaltskanzlei verlangte von ihm nicht nur das Zutrittsrecht, sondern auch, dass er die Klageforderung anerkennt. Weil der Beklagte damit die Kosten des Rechtsstreites tragen müsste, schaltete er im Oktober ebenfalls einen Anwalt ein, damit dieser den Anspruch abweist. Das Verfahren läuft seitdem.

Warum der Gang vor Gericht? „Wenn ein Kunde den Zutritt zum Haus oder zur Wohnung zum Zählerwechsel mehrfach verweigert, ist Westfalen Weser letztendlich gezwungen, vor Gericht ein Zutrittsrecht einzuklagen, da sowohl der Gesetzgeber wie auch die Bundesnetzagentur und die Landeseichbehörde als zuständige Aufsichtsorgane auf die Einhaltung der gesetzlichen Pflichten des Messstellenbetreibers bestehen“, erklärt die Pressestelle von Westfalen Weser, ohne sich damit auf den konkreten Rechtsstreit zu beziehen. „Wenn das Zutrittsrecht vom zuständigen Gericht gewährt wird, wird ein Gerichtsvollzieher versuchen dies durchzusetzen.“

Wie die Pressestelle weiter mitteilt, hat Westfalen Weser über 700.000 Stromzähler im Netzgebiet. Seit Beginn 2018 baut das Unternehmen moderne Messeinrichtungen in alle Neubauten ein. Darüber hinaus werden die Zähler ausgetauscht, deren Eichfrist abläuft. Standardmäßig wird der mechanische Ferrariszähler durch einen modernen elektronischen Zähler ausgetauscht.

Grundlage für den Einbau digitaler Zähler ist das auf einer EU-Richtlinie basierende und vom Bundestag im September 2016 beschlossene Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Dieses Gesetz sieht massive Änderungen für den deutschen Energiemarkt vor. Dazu gehört auch die flächendeckende Einführung neuer Zählertechnik in ganz Deutschland.

Im Gegensatz zu konventionellen Zählern kann eine moderne Messeinrichtung neben dem aktuellen Stromverbrauch auch die tages-, wochen-, monats- und jahresbezogenen Stromverbrauchswerte der letzten 24 Monate speichern und anzeigen. Die moderne Messeinrichtung hat keine Sendeeinheit, wird weiterhin vor Ort abgelesen und überträgt keine Daten nach außen.

Laut Westfalen Weser beläuft sich die Zahl der Zählerwechsel jährlich im hohen fünfstelligen Bereich. 99,5 Prozent dieser Gerätebewegungen können reibungslos durchgeführt werden. Bei den notwendigen Zutrittsklagen liege die Erfolgsquote des Unternehmens vor den Gerichten bei 98 Prozent.

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